Digital Enterprise wird im Siemens Gerätewerk Erlangen zur nächsten Stufe nach Lean Excellence. Daten, KI, digitale Zwillinge und operative Exzellenz greifen dort ineinander.
Wie verändert Digital Enterprise die Produktion? Siemens zeigt in Erlangen, wie Lean, KI und digitale Zwillinge zusammenspielen.Jaka Azman
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Summary: Siemens zeigt am 17. Juni 2026 beim Maschinenbau-Gipfel-Salon im Gerätewerk Erlangen, wie das Industrial Metaverse, digitale Zwillinge und die KI im Betrieb genutzt wird. Im Mittelpunkt stehen Führungen, eine Panel-Diskussion sowie der Green-Lean-Digital-Ansatz. Das Werk gilt als digitale Leuchtturmfabrik und soll zeigen, wie Produktion in Deutschland flexibler, produktiver und nachhaltiger werden kann.
Lean war über Jahrzehnte eine der wichtigsten Antworten der
Industrie auf Wettbewerbsdruck. Verschwendung reduzieren, Prozesse
stabilisieren, Durchlaufzeiten verkürzen, Qualität verbessern – ohne diese
Prinzipien wäre moderne Fertigung kaum denkbar. Auch das Siemens Gerätewerk
Erlangen hat lange von Lean-Methoden profitiert. Sie haben geholfen, das Werk
effizient, wettbewerbsfähig und robust zu halten.
Doch irgendwann stößt klassische Optimierung an Grenzen.
Lean verbessert bestehende Abläufe. Es schafft Transparenz, Disziplin und
Effizienz. Aber Lean allein erzeugt keine lernende Fabrik. Es macht aus Daten
noch keine Intelligenz. Und es löst nicht automatisch das Problem, dass moderne
Produktion immer stärker von Variantenvielfalt, kürzeren Innovationszyklen und
globalem Preisdruck geprägt ist.
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Vom optimierten Werk zum digital Enterprise
Genau an diesem Punkt hat Siemens in Erlangen den nächsten
Schritt vollzogen: vom optimierten Werk zum Digital Enterprise. Der Umbau des
Gerätewerks war keine kosmetische Modernisierung, sondern eine strategische
Neuausrichtung. Drei Faktoren kamen zusammen.
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Erstens: Komplexitätsdruck. Mehr als 1.000 Produktvarianten
im Make-to-Order-Betrieb lassen sich mit klassischen manuellen
Steuerungsmechanismen irgendwann nicht mehr wirtschaftlich beherrschen. Je
stärker die Variantenvielfalt steigt, desto weniger reicht es, Prozesse nur
stabil zu halten. Die Fabrik muss Zusammenhänge erkennen, Optionen bewerten und
auf Veränderungen reagieren können.
Zweitens: Wettbewerbsdruck. Wer an einem Hochlohnstandort
produziert, braucht einen anderen Produktivitätshebel als reine
Kostenreduktion. Das gilt besonders in Märkten, die durch strukturelle
Veränderungen – etwa in der Automobilindustrie, bei Energieeffizienz,
Elektrifizierung und globalen Lieferketten – unter Druck stehen. Deutschland
kann in solchen Märkten nicht über niedrige Löhne gewinnen. Der Standort muss
über Technologie, Qualität, Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit gewinnen.
Drittens: technologische Reife. KI, digitale Zwillinge,
industrielle Datenplattformen, Robotik und IT/OT-Konvergenz haben inzwischen
einen Reifegrad erreicht, der ihren Einsatz in der Produktion nicht nur
möglich, sondern wirtschaftlich sinnvoll macht. Aus Forschung, Pilotierung und
Demo-Anwendungen wird produktionswirksame Realität.
Im Gerätewerk Erlangen zeigt sich das besonders deutlich am
Digital Twin. Produktionslinien lassen
sich digital entwerfen, simulieren und optimieren. Anlagen können vor der
realen Inbetriebnahme virtuell trainiert oder programmiert werden. Damit
verschiebt sich ein Teil der Lernkurve aus der Halle in den digitalen Raum.
Das ist ein zentraler Produktivitätssprung. Denn jede
vermiedene Korrekturschleife im physischen Betrieb spart Zeit, Material und
Kapazität. Jede virtuell getestete Variante reduziert das Risiko beim Anlauf.
Jede digital vorbereitete Inbetriebnahme verkürzt die Phase, in der eine Anlage
zwar schon Kosten verursacht, aber noch nicht stabil produziert.
Hinzu kommt KI als nächste Stufe. Im GWE markiert sie den
Übergang von Datenverfügbarkeit zu Datenintelligenz. KI-gestützte
Bildverarbeitung erkennt Qualitätsabweichungen flexibler als statische
Prüfprozesse. Adaptive Robotik kann auch dort wirtschaftlich werden, wo
klassische Automatisierung wegen mittlerer Stückzahlen oder wechselnder
Varianten bisher zu starr war. Administrative und wertschöpfende Prozesse
lassen sich datenbasiert optimieren.
Das Gerätewerk Erlangen ist
deshalb auch für den Maschinenbau so interessant. Viele Unternehmen der Branche
stehen vor einem ähnlichen Problem: Sie bauen keine Massenware, sondern
kundenspezifische, variantenreiche Produkte. Sie arbeiten mit komplexen
Engineering-Prozessen, knappen Fachkräften und hohen Qualitätsanforderungen.
Gleichzeitig sollen sie schneller, nachhaltiger und produktiver werden.
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Digitalisierung als Betriebssystem für das Werk
Die Botschaft aus Erlangen lautet: Digitalisierung ist kein
zusätzliches Projekt neben dem Tagesgeschäft. Sie wird zum Betriebssystem der
Fabrik. Wer digitale Zwillinge, KI und Software nur als Add-on betrachtet,
unterschätzt ihren strategischen Charakter. Entscheidend ist die Verbindung mit
realen Produktionsdaten, Prozesswissen und operativer Verantwortung sowie die
Weiterbildung und Umschulung der Mitarbeitenden im Rahmen der digitalen
Transformation.
Besonders bemerkenswert ist: Die Transformation fand nicht
auf der grünen Wiese statt. Das GWE wurde im laufenden Betrieb weiterentwickelt
– ohne Produktionsstopp, ohne Schonraum, ohne den Luxus einer langen
Übergangsphase. Jede neue Technologie musste sich im Make-to-Order-Alltag
bewähren. Das macht den Wandel anspruchsvoll, aber auch glaubwürdig.
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Für den Maschinenbau-Gipfel-Salon ist Erlangen damit der
richtige Ort zur richtigen Zeit. Denn dort lässt sich die Debatte führen, die
viele Unternehmen derzeit beschäftigt: Wie wird aus Digitalisierung echte
Wettbewerbsfähigkeit? Wie wird aus dem digitalen Zwilling ein operatives
Werkzeug? Wie wird aus KI ein messbarer Nutzen in Qualität, Produktivität und
Flexibilität? Und wie entsteht aus Lean Excellence die adaptive, zunehmend
autonome Fabrik?
Digital Enterprise im Siemens Werk Erlangen
• Was bedeutet Digital Enterprise im Siemens Gerätewerk Erlangen? – Digital Enterprise beschreibt dort die Verbindung von Lean Excellence, Produktionsdaten, KI, digitalen Zwillingen, Robotik und operativer Verantwortung.
• Warum ist Digital Enterprise für den Maschinenbau relevant? – Viele Maschinenbauer arbeiten mit variantenreichen Produkten, komplexem Engineering und hohen Qualitätsanforderungen. Das Beispiel Erlangen zeigt mögliche Produktivitätshebel.
• Welche Rolle spielt der digitale Zwilling im Digital Enterprise? – Der digitale Zwilling ermöglicht es, Produktionslinien virtuell zu entwerfen, zu simulieren, zu optimieren und Anlagen vor der realen Inbetriebnahme vorzubereiten.
• Wie unterstützt KI das Digital Enterprise? – KI hilft dabei, aus verfügbaren Daten produktionsrelevante Intelligenz zu erzeugen, etwa in der Bildverarbeitung, Robotik sowie in administrativen und wertschöpfenden Prozessen.
• Warum gilt Digital Enterprise als nächste Stufe nach Lean? – Lean stabilisiert und optimiert Prozesse. Digital Enterprise erweitert diesen Ansatz um Datenintelligenz, Simulation, adaptive Systeme und zunehmend autonome Fabrikstrukturen.