Warum der Maschinenbau die Verteidigungsindustrie stärkt
Die Verteidigungsindustrie rückt für den deutschen Maschinenbau strategisch in den Vordergrund. Im Zentrum stehen industrielle Skalierung, resiliente Versorgung und neue Kapazitäten. Das sagt Bernd Kögel, Geschäftsführer der DSEI Germany im Interview.
Verteidigungsexperte Bernd Kögel ist Geschäftsführer der DSEI und Diskussionsteilnehmer auf dem Maschinenbau-Gipfel Salon "Rüstungsboom 2026+:
Was der Maschinenbau jetzt wissen und tun muss" am 29.4.26 bei Stratasys in Rheinmünster.Bernd Kögel
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Summary: Nach Einschätzung von Bernd Kögel, Geschäftsführer der DSEI ( Defence & Security Equipment International ) sollte der deutsche Maschinenbau künftig eine zentrale Unterstützungsrolle für eine leistungsfähige und resiliente Verteidigungsindustrie in Europa übernehmen. Gemeint ist vor allem die industrielle Absicherung des notwendigen Up-Scalings durch Zulieferung, Ausrüstung und Technologiepartnerschaften. Hintergrund sind langfristig gut gefüllte Auftragsbücher der Branche sowie die politische und gesellschaftliche Bedeutung für die Verteidigung Europas und Deutschlands. Kögel wird als Podiumsgast auf dem Maschinenbau-Gipfel Salon am 29.04.2026 bei Stratsys in Rheinmünster teilnehmen.
Welche Rolle sollte der deutsche Maschinenbau aus Sicht der DSEI künftig für eine leistungsfähige und resiliente Verteidigungsindustrie in Europa spielen?
Keyfacts Bernd Kögel:
Bernd Kögel ist Oberst a.D., Dipl. Ing., Dipl.-Wirt. Ing., Master of Advanced Studies in European and International Security Policy.
30-jährige Laufbahn als Generalstabsoffizier der Bundeswehr: diverse Fach- und Führungsverwendungen in der Bundeswehr und im BMVg, Einsatzerfahrung auf dem Balkan und als Kommandeur in Afghanistan.
10 Jahre Geschäftsführer der Studiengesellschaft der DWT mbH (DWT = Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik e.V.).
Seit Oktober 2025 Geschäftsführer der DSEI Germany GmbH und damit Veranstalter der gleichnamigen Verteidigungsmesse im März 2027 in Hannover.
Bernd Kögel: Verteidigung und Sicherheit haben spätestens seit Beginn des russischen Angriffs gegen die Ukraine im Februar 2022 höchste Priorität in der Daseinsvorsorge unseres Staates. Eine Bedrohung des NATO-Territoriums und Deutschlands ist nicht mehr ausgeschlossen, hybrid längst Realität. Die investiven Mittel steigen folgerichtig. Verglichen mit der Zeit vor dem Krieg in der Ukraine erleben wir eine Verdreifachung der Verteidigungsausgaben bis 2029. Aufgrund der US-amerikanischen MAGA-Politik bleiben Investitionen stärker als bislang in Deutschland und Europa. Das ist zugleich Chance und Herausforderung für die Verteidigungsindustrie. Das Up-Scaling erfordert einen Ramp-Up in völlig neuer Größenordnung - mit breiter Unterstützung durch das produzierende Gewerbe, darunter der deutsche Maschinenbau.
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Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen für Maschinen- und Anlagenbauer, sich in die verteidigungsrelevante Wertschöpfung einzubringen?
Kögel: Wie oben beschrieben: Die Situation führt dazu, dass in allen militärischen Dimensionen ein erheblicher Bedarf besteht, der nach meiner Einschätzung noch weiter steigen und auf hohem Niveau bleiben wird. Da Zeit (Geschwindigkeit des Aufwuchses) in der aktuellen Situation ein Wert an sich ist, wäre meine Empfehlung, die eigene Leistung dort anzubieten, wo die Kompetenz am größten ist. Oftmals wird das heißen, nicht der Bundeswehr direkt zu liefern, sondern der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.
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Warum ist jetzt aus Ihrer Sicht der richtige Zeitpunkt für den Maschinenbau, sich strategisch mit dem Defence-Sektor zu befassen?
Kögel: Während die gesamtwirtschaftliche Situation stagniert in wichtigen Teilen sogar rückläufig ist, sind die Auftragsbücher der Verteidigungsindustrie langfristig gut gefüllt. Betriebswirtschaftlich macht es also Sinn, sich der Verteidigung zuzuwenden. Es gibt aber einen weiteren Punkt, den wir nicht aus den Augen lassen sollten: Es geht um die Verteidigung Europas und Deutschlands, um unserer Werte und unsere Freiheit. Das kann die Bundeswehr nicht alleine schaffen. Sie braucht die erforderlichen Ressourcen, eine resiliente Versorgung und die Bereitschaft der Zivilgesellschaft ihren Beitrag zur gesamtstaatlichen Verteidigung zu leisten. Ich sehe hier eine unternehmerische Verantwortung, die weit über das eigene Unternehmen hinausgeht!
Warum Sie am Maschinenbau-Gipfel Salon teilnehmen sollten:
Wer den Defence-Sektor für das eigene Unternehmen strategisch einordnen will, erhält beim Maschinenbau-Gipfel Salon am 29. April 2026 in Rheinmünster die Gelegenheit zum direkten Austausch mit Bernd Kögel, Geschäftsführer der DSEI, und weiteren Referenten. Teilnehmer profitieren von fundierten Einblicken, praxisnaher Orientierung und der Möglichkeit, offene Fragen direkt mit den Experten zu diskutieren.
FAQ: Verteidigungsindustrie und Maschinenbau
Warum ist die Verteidigungsindustrie für den Maschinenbau relevant? – Weil der Aufwuchs der Verteidigungsindustrie ohne produzierendes Gewerbe und Maschinenbau kaum zu leisten ist.
Welche Rolle kann der Maschinenbau in der Verteidigungsindustrie übernehmen? – Vor allem als Zulieferer, Ausrüster oder Technologiepartner der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.
Warum ist die Verteidigungsindustrie betriebswirtschaftlich interessant? – Weil sie im Unterschied zur stagnierenden Gesamtwirtschaft langfristig gut gefüllte Auftragsbücher hat.
Welche Bedeutung hat die Verteidigungsindustrie über die Wirtschaft hinaus? – Sie wird mit der Verteidigung Europas und Deutschlands sowie mit Werten und Freiheit verknüpft.
Was braucht die Verteidigungsindustrie beim Up-Scaling besonders? – Vor allem resiliente Versorgung, höhere Produktionskapazitäten und schnelle industrielle Skalierung.