Datenstarre in der Produktion

Datenstarre bremst die digitale Fabrik

Datenstarre bremst viele Hersteller aus. Eine Studie von Zebra Technologies zeigt, wie standardisierte Daten, Edge-Technologien und KI den Weg zum datengesteuerten Betrieb öffnen.

Ohne konsistente Daten bleibt Digitalisierung Stückwerk.

Summary: Zebra Technologies und Oxford Economics zeigen, dass viele Hersteller durch Datensilos, unklare ROI-Rechnungen und fehlende Standards gebremst werden. Standardisierung schafft die Basis für Digitalisierung, KI-Analysen und bessere Prognosen. Edge-Daten, Sensorik, Machine Vision und RFID können die Produktion von reaktiver zu proaktiver Steuerung führen.

Vier Kilometer unter der Erdoberfläche liegt die Mponeng-Goldmine in Südafrika, die tiefste Goldmine der Welt. Der Weg nach unten dauert mehr als eine Stunde, das Gestein erreicht bis zu 60 Grad Celsius. Nur mit massiver Kühlung lässt sich dort Gold fördern.

Die Suche nach industriellen Daten ähnelt dieser Herausforderung. Daten gelten als das „neue Gold“ der Industrie. Sie können Produktion, Automatisierung und Qualitätssicherung verbinden. Doch in vielen Betrieben bleibt dieser Rohstoff im digitalen Gestein eingeschlossen: vorhanden, aber schwer zugänglich und noch schwerer nutzbar. Eine Studie von Zebra Technologies in Zusammenarbeit mit Oxford Economics zeigt, dass Unternehmen durch datengestützte und automatisierte Prozesse ihre Qualitätssicherung verbessern und Abläufe messbar effizienter machen können, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Die Daten sind vorhanden. Entscheidend ist, ihren Wert tatsächlich zu heben.

Wo der große Datenstillstand entsteht

Laut Manufacturing Vision Study von Zebra geben 86 Prozent der Produktionsverantwortlichen an, mit dem Tempo technologischer Innovationen kaum Schritt halten zu können. Wer technologische Innovationen nutzen will, muss Daten vom Nebenprodukt der Fertigung zum zentralen Treiber machen. Datenstarre entsteht durch drei eng verbundene Probleme:

  1. Wichtige Informationen liegen häufig in getrennten Systemen wie MES- und ERP-Plattformen. Jede Plattform folgt eigener Logik, Sprache und Zuständigkeit. Das Ergebnis ist ein fragmentiertes Bild der Produktionslinie.
  2. Viele Hersteller stehen vor einem Qualitätsparadox. Es gibt große Datenmengen, aber nur wenige verwertbare Erkenntnisse. Klassische Stichproben in der Qualitätssicherung liefern lediglich Ausschnitte. Trends und Probleme bleiben dadurch oft unerkannt.
  3. Unstrukturierte Daten erschweren belastbare Investitionsrechnungen. 89 Prozent der Führungskräfte halten Digitalisierung bereits für ressourcenintensiv. Ohne klaren Nutzen lassen sich Budgets schwer rechtfertigen. Für mehr als ein Drittel der Entscheider ist genau das der Hauptgrund für Zurückhaltung bei Investitionen.
  4. Wie groß die Datenkluft in der Industrie ist

    Die Studie beschreibt eine wachsende Kluft in der Fertigungsindustrie. Fast neun von zehn sehr großen Herstellern arbeiten bereits mit ausgereiften, KI-gestützten Datensystemen. Viele andere Unternehmen bleiben deutlich zurück. Nur 24 Prozent der großen und lediglich drei Prozent der mittelständischen Unternehmen verfügen über vergleichbare Fähigkeiten. Viele Betriebe arbeiten weiterhin mit isolierten Datenanalysen (42 Prozent) oder nur eingeschränkt nutzbaren Auswertungen (23 Prozent). Eine zumindest teilweise integrierte, automatisierte Datensteuerung über mehrere Bereiche hinweg erreichen bislang nur 31 Prozent.

    Warum Standardisierung die Basis der Digitalisierung ist

    Eine moderne, digitalisierte Fabrik lässt sich nicht auf fragmentierten und inkonsistenten Informationen aufbauen. Die Zebra-Studie zitiert Dominik Schedl, Director System and Production Engineering bei Indie Semiconductor, mit den Worten: „Ohne Standardisierung gibt es keine Digitalisierung.“ Schedl beschreibt den aufwendigen Prozess, Datenbanken zu vereinheitlichen, Währungen zu korrigieren und Lücken zu schließen. Der Aufwand zahlt sich aus: Konsistente Daten ermöglichen KI-gestützte Analysen und bessere Prognosen. Gleichzeitig entlasten sie Teams, die sich stärker auf Produktionsoptimierung statt auf Tabellenpflege konzentrieren können.

    Wie Edge-Daten den Betrieb steuerbar machen

    Der Weg aus der Datenstarre beginnt mit Transparenz. Nach Big Data, alternativen Daten und synthetischen Daten rücken Edge-Daten stärker in den Fokus. Gemeint sind Daten, die direkt an der Produktionslinie entstehen und das reale Geschehen in der Fertigung abbilden. Dafür benötigen Unternehmen vernetzte Systeme mit Sensoren, Machine Vision und RFID-Technologie entlang der Linie, eingebunden in moderne Manufacturing-Execution-Systeme. So entsteht eine zentrale, verlässliche Datenbasis, eine Single Source of Truth. Statt vieler unvollständiger Karten liegt ein aktuelles Gesamtbild der Produktion vor.

    Wie KI Datenstarre in vorausschauende Steuerung verwandelt

    Auf dieser Basis können Hersteller vom reaktiven Betrieb zur vorausschauenden Steuerung wechseln. KI erkennt kleinste Veränderungen, die etwa auf einen drohenden Maschinenausfall hindeuten. Sie macht Engpässe sichtbar und deckt Optimierungspotenziale auf, die zuvor verborgen blieben. Wenn Führungskräfte belastbare Zahlen vorlegen können, verändert sich auch die Entscheidungsgrundlage. Aussagen zu vermeidbarem Ausschuss oder konkreten Effekten auf die Produktionsgeschwindigkeit machen Technologieinvestitionen greifbarer. Daten sind vorhanden. Ihr Wert entsteht jedoch erst, wenn sie strukturiert, vernetzt und gezielt genutzt werden. Wer Datenstarre auflöst, kann Effizienz und Qualität steigern und sich im Wettbewerb besser positionieren.

    Quelle: Zebra Technologies



Sie wollen mehr zum Fachkongress Digitale Fabrik wissen? Klicken Sie hier!

FAQ zu Datenstarre in der Produktion

1. Was bedeutet Datenstarre in der Produktion? 

Datenstarre beschreibt den Zustand, in dem vorhandene Produktionsdaten durch Silos, fehlende Standards oder unklare Auswertungen kaum nutzbar sind.

2. Warum ist Datenstarre für Hersteller problematisch? 

Sie erschwert Qualitätssicherung, Investitionsentscheidungen und den Einsatz von KI-gestützten Analysen.

3. Wie lässt sich Datenstarre überwinden?

Entscheidend sind standardisierte Daten, vernetzte Systeme, Edge-Daten und eine zentrale Datenbasis.

4. Welche Rolle spielt KI bei Datenstarre?

KI kann Muster, Engpässe und Ausfallrisiken erkennen, benötigt dafür aber saubere und konsistente Daten.

5. Warum ist Datenstarre ein Thema für den Mittelstand?

Laut Studie verfügen nur drei Prozent der mittelständischen Unternehmen über vergleichbare KI-gestützte Datensysteme wie sehr große Hersteller.

6. Wie hilft Standardisierung gegen Datenstarre? 

Standardisierung sorgt dafür, dass Daten aus unterschiedlichen Systemen einheitlich nutzbar werden und als Basis für KI-Analysen dienen können.

7. Welche Technologien helfen, Datenstarre zu lösen? 

Sensoren, Machine Vision, RFID-Technologie und moderne MES-Systeme schaffen die Grundlage für vernetzte, transparente Produktionsdaten.