Beschaffung wird neu aufgestellt
Reformagenda Rüstung: BAAINBw wird neu aufgestellt
Die Reformagenda Rüstung soll das BAAINBw neu ausrichten. Ziel sind schnellere Beschaffung, mehr Innovationskraft und eine engere Verzahnung mit der Industrie.
Die Behördenleitung des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat ihren Sitz in der Rheinliegenschaft in Koblenz.
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Summary: Verteidigungsminister Boris Pistorius stellte die Reformagenda Rüstung im Verteidigungsausschuss des Bundestags vor. Das BAAINBw soll flexibler, marktnäher und stärker auf Technologie- und Lieferkettenkompetenz ausgerichtet werden. Auswirkungen ergeben sich vor allem für Beschaffungsprozesse, Industriekooperationen und neue Standorte in Deutschland und Europa.
Wie die Reformagenda Rüstung das BAAINBw verändert
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, kurz BAAINBw, soll neu organisiert und gestärkt werden. Mit der Reformagenda Rüstung will die Bundeswehr ihre Beschaffungsprozesse vereinfachen und beschleunigen. Zugleich sollen Innovationen stärker gefördert und die Zusammenarbeit mit der Industrie weiter verbessert werden.
Verteidigungsminister Boris Pistorius stellte die Pläne am 20. Mai 2026 im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestags vor. Wie die Bundeswehr mitteilt, sollen die Strukturen des Beschaffungsamtes an das in den vergangenen Jahren stark gestiegene Auftragsvolumen angepasst werden. Das betrifft nicht nur Abläufe im Amt selbst, sondern auch die Schnittstellen zu Truppe, Industrie und europäischen Partnern.
Ein Kernpunkt ist die stärkere Ausrichtung auf Marktbeobachtung und technologische Entwicklungen. Pistorius sagte, das Beschaffungsamt solle zu einem zentralen Ort für die „Markt- und Technologiesichtung“ werden. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, welche Lösungen am Markt bereits verfügbar sind, welche Technologien relevant werden und wie Lieferanten sowie Lieferketten besser kontrolliert werden können.
BAAINBw arbeitet künftig stärker in Programm- und Projektteams
Erreicht werden soll die neue Ausrichtung durch flexiblere interne Strukturen. Künftig soll im BAAINBw stärker in Programm- und Projektteams gearbeitet werden. Diese Teams werden je nach Beschaffungsprozess und betroffener Dimension zusammengestellt: Land, See, Luft, Cyberraum und Weltraum.
Damit sollen die Einheiten agiler und zugleich zielgerichteter arbeiten. Gleichzeitig betont die Bundeswehr, dass die Schnittstellen nach außen weiterhin verlässliche Anknüpfungspunkte zu Teilstreitkräften und Industrie bieten sollen. Für Unternehmen im Rüstungs- und Technologiebereich bleibt damit entscheidend, wie diese neuen Strukturen die konkrete Zusammenarbeit in Projekten verändern.
Warum die Beschaffungsverfahren gestrafft werden
Ein weiterer Schwerpunkt der Reformagenda Rüstung liegt auf den Verfahren selbst. Beschaffungsprozesse sollen gestrafft und standardisiert werden. Bei marktverfügbaren Lösungen sollen Verfahrensschritte künftig auf das rechtlich vorgeschriebene Maß begrenzt werden. Hintergrund ist der Faktor Zeit, der in der militärischen Beschaffung eine zentrale Rolle spielt.
Das BAAINBw soll dafür zur zentralen Stelle für Markt- und Technologiekompetenz der Bundeswehr werden. Die Marktbeobachtung bekommt dabei mehr Gewicht. Besonders im Fokus stehen Lieferanten- und Lieferkettenkontrolle sowie die Preiskontrolle.
Ziel ist es, die industrielle Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Dies soll durch gezielte Investitionsanreize sowie eine engere Zusammenarbeit von Industrie, Projektleitungen und Truppe erreicht werden. Innovative Antworten auf technologische Herausforderungen sollen außerdem durch offene Ausschreibungen gefördert werden. So will die Bundeswehr den nächsten „Gamechanger“ in der Militärtechnologie frühzeitig identifizieren.
Welche Rolle Europa bei der Reformagenda Rüstung spielt
Die Reformagenda Rüstung zielt nicht allein auf nationale Strukturen. Multinationale Beschaffungskooperationen sollen insbesondere mit europäischen Partnern weiter vorangetrieben werden. Damit will die Bundeswehr die strategische Autonomie Deutschlands und Europas stärken.
Auch organisatorisch spiegelt sich dieser Ansatz wider. Neben einem Ausbau der Präsenz im Bundesgebiet ist eine neue Repräsentanz in Brüssel geplant. Dieses Büro soll die Vernetzung mit europäischen Partnern, der Europäischen Union und der NATO übernehmen.
Neue Standorte für Beschaffung und Innovation
Als weiteres Element der Reformagenda Rüstung soll die regionale Präsenz des Beschaffungsamtes ausgebaut werden. Dadurch soll der direkte Draht zu Hochschulen, Unternehmen und Laboren in den Regionen gestärkt werden.
Der Standort Dresden wird erweitert und soll sich vor allem auf IT in der Cyberdomäne konzentrieren. In Bremen entsteht eine neue Repräsentanz, die sich mit Rüstung und Forschung in den Dimensionen Weltraum und See beschäftigen soll. Brüssel übernimmt die europäische Vernetzungsfunktion.
Zusätzlich soll in Kiel ein weiteres Innovationszentrum eingerichtet werden. Es ergänzt das im Februar 2026 eröffnete Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding. Als Begründung nennt die Bundeswehr die Bedeutung Kiels für Schiffbau, Marine-Elektronik und Landsysteme. Das neue Innovationszentrum soll voraussichtlich noch 2026 aufgebaut werden. Weitere Innovationszentren in anderen Regionen werden laut Verteidigungsministerium erwogen.
Warum der Zeitfaktor in der Rüstungsbeschaffung zählt
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine gibt die Bundeswehr große Summen für moderne Wehrtechnik aus. Genannt werden ein Sondervermögen von 100 Milliarden EUR sowie ein erhöhter Verteidigungshaushalt. Zwischen 2023 und 2025 wurden laut Bundeswehr rund 189 Milliarden EUR in Rüstungsgüter investiert, unter anderem in Kampfjets, Luftverteidigungssysteme, die Digitalisierung des Heeres und KI-Projekte.
Die Beschaffungsprojekte werden über das BAAINBw abgewickelt. Entscheidend ist dabei laut Bundeswehr der Faktor Zeit. Um der Truppe schneller moderne Waffen zur Verfügung stellen zu können, wurde unter anderem ein Beschaffungsbeschleunigungsgesetz erlassen.
Mit der Reformagenda Rüstung soll das Beschaffungsamt nun strukturell so aufgestellt werden, dass Beschaffung auch in den kommenden Jahren schneller und belastbarer funktioniert. Für die Industrie bedeutet das vor allem: mehr Nähe zu Markt- und Technologiefragen, stärkere regionale Anknüpfungspunkte und eine engere Verzahnung mit militärischen Bedarfen.
Mit Material des BMVg
FAQ zur Reformagenda Rüstung
• Was ist die Reformagenda Rüstung? – Die Reformagenda Rüstung ist ein Umbauprogramm für das BAAINBw, mit dem Beschaffung, Innovation und Industriekooperation gestärkt werden sollen.
• Warum ist die Reformagenda Rüstung für die Industrie relevant? – Die Reformagenda Rüstung sieht eine engere Zusammenarbeit zwischen Industrie, Projektleitungen und Truppe sowie mehr Markt- und Technologiebeobachtung vor.
• Welche Standorte betrifft die Reformagenda Rüstung? – Genannt werden Dresden, Bremen, Brüssel und Kiel. Dresden wird erweitert, Bremen und Brüssel erhalten Repräsentanzen, Kiel ein Innovationszentrum.
• Wie soll die Reformagenda Rüstung Beschaffung beschleunigen? – Verfahren sollen gestrafft, standardisiert und bei marktverfügbaren Lösungen auf das rechtlich vorgeschriebene Maß begrenzt werden.
• Welche Rolle spielt das BAAINBw in der Reformagenda Rüstung? – Das BAAINBw soll zur zentralen Stelle für Markt- und Technologiekompetenz der Bundeswehr ausgebaut werden.