Das BIP-Wachstum in Deutschland fällt zu Jahresbeginn positiv aus. Doch trotz bestätigtem Plus im ersten Quartal drücken Iran-Krieg, Energiepreise und sinkende Ausrüstungsinvestitionen auf die Aussichten.
Die deutsche Wirtschaft wächst leicht, doch Energiepreise, geopolitische Risiken und sinkende Investitionen belasten die Perspektiven für Industrie und Konjunktur.Symbolbild - KI-generiert
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Summary: Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden bestätigt für das erste Quartal ein BIP-Wachstum von 0,3 %. Getragen wurde das Plus durch Exporte sowie privaten und staatlichen Konsum. Der Iran-Krieg, höhere Energiepreise und schwächere Investitionen belasten jedoch die Perspektiven für Industrie und Konjunktur.
Wie stark ist das BIP-Wachstum in Deutschland ausgefallen?
Die deutsche Wirtschaft ist zu Jahresbeginn gewachsen, wenn auch nur leicht. Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal zu. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit und bestätigte damit seine vorherige Prognose.
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Für die deutsche Konjunktur ist das ein Lichtblick. Denn die Wirtschaft steht bereits seit längerem unter Druck. Der Zuwachs zeigt, dass einzelne Nachfragekomponenten zu Jahresbeginn noch stabilisierend wirkten. Zugleich bleibt die Entwicklung fragil, weil sich die Folgen des Iran-Kriegs zunehmend bemerkbar machen.
Exporte treiben das Wachstum zu Jahresbeginn
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Wesentlicher Treiber des Wachstums waren höhere Exporte. Sie legten nach Angaben der Statistiker im ersten Quartal deutlich um 3,3 % zu. Auch die privaten und staatlichen Konsumausgaben entwickelten sich positiv und stiegen um 1,1 %.
Gestiegene Löhne sorgten dafür, dass viele Menschen mehr Geld zur Verfügung hatten. Gleichzeitig stützten staatliche Investitionen in Verteidigung und Rüstung die Wirtschaft. Damit kamen wichtige Impulse sowohl aus dem Außenhandel als auch aus dem Konsum.
Warum sinken die Investitionen in Maschinen und Bauten?
Für die Industrie fällt der Blick auf die Investitionen deutlich verhaltener aus. Die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge gingen um 1,1 % zurück. Damit schwächte sich ausgerechnet jener Bereich ab, der für Maschinenbau, Produktionstechnik und industrielle Modernisierung besonders relevant ist.
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Noch stärker fiel der Rückgang bei den Bauinvestitionen aus. Sie sanken um 2,5 %. Als Grund nennt der Text vor allem die ungewöhnlich kalte Witterung im Januar und Februar, die den Baufortschritt bremste.
Iran-Krieg belastet die Konjunkturaussichten
Mit dem Ende Februar begonnenen Iran-Krieg haben sich die Aussichten für die kommenden Quartale eingetrübt. Ökonomen erwarten, dass die deutsche Wirtschaft länger mit den Folgen des Konflikts zu kämpfen haben wird. Besonders betroffen ist sie wegen ihrer Abhängigkeit von Rohstoffimporten.
Da die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus weitgehend gesperrt ist, sind die Rohölpreise stark gestiegen. Höhere Energiepreise, insbesondere an Tankstellen, belasten Verbraucher und Unternehmen. Das wirkt dämpfend auf Konsum und Investitionen. Auch die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist abgesackt.
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Welche Folgen erwarten Ministerium und Bundesbank?
Das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesbank rechnen für das laufende zweite Quartal mit einem Dämpfer für die Konjunktur. In der Einschätzung des Ministeriums heißt es: «Steigende Preise, Lieferkettenprobleme und Unsicherheit belasten die Stimmung in Unternehmen und privaten Haushalten», schrieb das Ministerium jüngst. «Aber auch nach einer Entspannung der Lage dürften die Folgen bei Energie- und Rohstoffpreisen sowie Lieferketten noch länger spürbar sein.»
Auch die Bundesbank erwartet für den Zeitraum April bis Juni keine weitere Dynamik. Sie rechnet mit einer Stagnation und schreibt: «Im zweiten Quartal belasten die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten die deutsche Wirtschaft wohl breiter und spürbarer».
Die eingetrübten Aussichten schlagen sich bereits in den Prognosen nieder. Ökonomen haben ihre Konjunkturerwartungen reihenweise gesenkt. Die EU-Kommission halbierte ihre Wachstumsprognose für Deutschland wegen hoher Energiepreise infolge des Iran-Kriegs auf 0,6 % für 2026.
Die Bundesregierung geht noch von einem Plus von 0,5 % aus. Bereits 2025 hatte Deutschland mit einem Mini-Plus von 0,2 % nur knapp ein drittes Jahr ohne Wachstum in Folge vermieden. Damit bleibt die erhoffte wirtschaftliche Erholung unsicher.
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Mit Material von Destatis
FAQ zum BIP-Wachstum in Deutschland
• Was bedeutet das BIP-Wachstum von 0,3 % für Deutschland? – Es zeigt ein leichtes Wachstum im ersten Quartal, bestätigt durch das Statistische Bundesamt.
• Welche Faktoren haben das BIP-Wachstum gestützt? – Vor allem höhere Exporte sowie private und staatliche Konsumausgaben trugen zum Plus bei.
• Warum ist das BIP-Wachstum trotz positiver Zahlen gefährdet? – Der Iran-Krieg, höhere Energiepreise, Lieferkettenprobleme und Unsicherheit belasten die kommenden Quartale.
• Welche Rolle spielen Maschineninvestitionen beim BIP-Wachstum? – Die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge sanken um 1,1 %.
• Wie wirkt sich der Iran-Krieg auf das BIP-Wachstum aus? – Höhere Rohölpreise und gestörte Lieferketten bremsen Konsum, Investitionen und die Stimmung in der Wirtschaft.