FCAS-Aus: Neue Partner für Kampfjet der nächsten Generation gesucht
Nach dem FCAS-Aus sucht Deutschland neue Partner für einen Kampfjet der nächsten Generation. Die Rüstungsindustrie bringt sich in Stellung, doch die Politik entscheidet.
Neue Allianzen für Europas nächste Kampfjet-Generation gesucht – wer steigt nach dem FCAS-Aus ein, und welche Rolle spielt die deutsche Industrie im milliardenschweren Ringen um die Luftverteidigung?Airbus
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Summary:
Nach dem Scheitern des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS formiert sich die deutsche Rüstungsindustrie auf der ILA in Berlin neu. Airbus und weitere Unternehmen wollen ein Alternativprojekt anstoßen, während mögliche Partner wie Saab in den Blick rücken. Die Entscheidung über neue Allianzen, die Combat Cloud und mögliche Übergangslösungen liegt bei der Politik.
Warum das FCAS-Aus die Industrie neu sortiert
Nach dem Scheitern des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS beginnt in der europäischen Rüstungsindustrie eine neue Phase der Positionierung. Im Mittelpunkt steht die Frage, mit welchen Partnern Deutschland künftig einen Kampfjet der nächsten Generation entwickeln kann. Das Vorhaben ist milliardenschwer und für die Luftverteidigung Deutschlands und Europas von strategischer Bedeutung.
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Wie aus der dpa-Meldung hervorgeht, wird auf deutscher Seite ein Vorstoß mehrerer Unternehmen auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung Berlin erwartet. Den Kurs bestimmt am Ende jedoch die Politik. Sie muss angesichts globaler Krisen entscheiden, wie die Luftverteidigung ohne Zeitverzug gesichert und ein neuer Kampfjet technologisch sinnvoll konzipiert werden kann.
Mit wem könnte Deutschland den neuen Kampfjet bauen?
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Nach dem FCAS-Aus dürfte Deutschland statt Frankreich neue Partner für die Entwicklung eines Kampfflugzeugs suchen. Großbritannien wäre aufgrund der bestehenden Eurofighter-Allianz ein naheliegender Partner gewesen. Die Briten, die den Eurofighter Typhoon nennen, sind jedoch bereits in ein anderes Projekt eingebunden.
Großbritannien arbeitet zusammen mit Japan und Italien im Global Combat Air Programme, kurz GCAP. Damit rückt eine andere Option in den Vordergrund: Airbus und das spanische Unternehmen Indra könnten eine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Hersteller Saab Gripen anstreben. Schweden ist als neues Nato-Land im Militärflugzeugbau erfahren. Das Land ist kleiner und volkswirtschaftlich schwächer, befindet sich aber in einer mit Deutschland vergleichbaren Lage.
Was fordert die deutsche Rüstungsindustrie nach dem FCAS-Aus?
Die deutsche Rüstungsindustrie drängt auf Orientierung aus Berlin. Michael Schöllhorn, Chef von Airbus Defence and Space, erwartet von der Bundesregierung einen «klaren Auftrag» für das weitere Vorgehen. Das betrifft sowohl das geschrumpfte FCAS-Projekt als auch die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs.
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Schöllhorn sieht in beiden Projekten erhebliches Potenzial. Sie könnten zusammen «das technologische und wirtschaftliche Leuchtturmprojekt für die deutsche und europäische Industrie werden», sagte er auf der ILA. Die deutsche Industrie wolle weiterhin ein Kampfflugzeug «für und mit Europa» entwickeln. Zugleich machte Schöllhorn deutlich: «Wir plädieren nicht für einen deutschen Alleingang, wir denken europäisch». Die deutsche Industrie müsse aber «wesentlich und in verantwortungsvoller Rolle beteiligt werden».
Team Gen 6 soll Alternativprojekt anschieben
Ein Zusammenschluss von acht Unternehmen will demnach auf der ILA eine Absichtserklärung unterzeichnen. Ziel ist es, ein deutsches Alternativprojekt zum gescheiterten FCAS-Vorhaben anzustoßen. An der Spitze steht Airbus. Nach Berichten mehrerer Medien hatten die beteiligten Unternehmen bereits vor dem FCAS-Aus ein entsprechendes Positionspapier an die Bundesregierung übermittelt.
Die französische Zeitung «Les Échos» berichtete unter Berufung auf den Kreis der beteiligten Unternehmen, der Vorstoß sei als gemeinsames Lobbying zu verstehen. Es handele sich nicht um ein Konsortium oder ein Gemeinschaftsprojekt. Als beteiligte Unternehmen am sogenannten «Team Gen 6» wurden neben Airbus Defence die Firmen Autoflug, Diehl Defence, Hensoldt, Liebherr, MBDA, MTU Aero Engines und Rohde & Schwarz genannt.
Welche Optionen bleiben Deutschland bei der Luftverteidigung?
Der gemeinsame Kampfjet sollte ursprünglich in Deutschland den Eurofighter und in Frankreich die Rafale-Jets ablösen. Durch das FCAS-Aus könnte bis zur Verfügbarkeit neuer europäischer Kampfflugzeuge eine Lücke entstehen. Eine Möglichkeit für Deutschland wäre, diese Lücke durch zusätzliche F-35-Jets des US-Herstellers Lockheed Martin zu schließen.
Damit würde es allerdings nicht nur um eine Beschaffungslösung gehen, sondern auch um die Frage, wie lange Europa auf eine eigene Kampfjet-Generation warten muss. Die politische Entscheidung muss deshalb sowohl kurzfristige Fähigkeiten als auch industrielle Kompetenzen berücksichtigen.
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Warum FCAS nicht vollständig gescheitert ist
Das Aus für den gemeinsamen Kampfjet bedeutet nicht das komplette Ende des geplanten Future Combat Air Systems. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte bei der Eröffnung der ILA, dass ein Teil des deutsch-französischen Projekts weitergeführt werden soll. Dabei handelt es sich um die sogenannte «Combat Cloud».
Über diese Combat Cloud sollen unterschiedliche Waffensysteme vernetzt werden. Darin liege eine große Chance für ein «zentrales deutsch-französisches verteidigungspolitisches Zukunftsprojekt», sagte der Kanzler. Mit der Umsetzung sollen sich die Verteidigungsminister bis zum nächsten deutsch-französischen Regierungstreffen Mitte Juli befassen.
Wie Frankreich nach dem FCAS-Aus weitermachen könnte
In Frankreich steht vor allem Dassault Aviation im Zentrum der weiteren Entwicklung. Der Flugzeugbauer hat mit dem Rafale-Jet und dem Vorgängermodell Mirage erfolgreiche Exportmodelle vorzuweisen. Im FCAS-Projekt hatte Dassault auf eine Führungsrolle und einen größeren Anteil am Vorhaben gedrängt.
Nach dem Scheitern steht Dassault vorerst alleine da. Von der französischen Regierung gibt es bislang keine konkrete Ansage, wie es weitergehen soll. Neben dem technischen Know-how für einen Kampfjet der nächsten Generation geht es vor allem um die Finanzierung. Offen ist, ob das hoch verschuldete Frankreich die erforderlichen Milliardenkosten alleine tragen kann und will.
Kommentatoren in Frankreich verweisen darauf, dass die Lage in Deutschland anders ist. Dort steht ein stark erhöhtes Verteidigungsbudget im Raum. Für die europäische Luftverteidigung bleibt damit entscheidend, ob aus dem FCAS-Aus neue Allianzen entstehen oder ob die nationalen Wege stärker auseinanderlaufen.
• Was bedeutet das FCAS-Aus für den Kampfjet der nächsten Generation? – Deutschland und Frankreich entwickeln den gemeinsamen Kampfjet nicht wie geplant weiter. Deutschland sucht nun neue Partner für ein alternatives Vorhaben.
• Welche Unternehmen sind nach dem FCAS-Aus am Kampfjet-Vorstoß beteiligt? – Genannt werden Airbus Defence, Autoflug, Diehl Defence, Hensoldt, Liebherr, MBDA, MTU Aero Engines und Rohde & Schwarz.
• Welche Rolle spielt Saab nach dem FCAS-Aus? – Als wahrscheinlich gilt eine mögliche Zusammenarbeit von Airbus, Indra und dem schwedischen Hersteller Saab Gripen.
• Ist das FCAS-Aus das Ende des gesamten Future Combat Air Systems? – Nein. Die Combat Cloud soll als deutsch-französisches Zukunftsprojekt weitergeführt werden.
• Welche Übergangslösung gibt es nach dem FCAS-Aus für Deutschland? – Eine mögliche Option ist die Beschaffung zusätzlicher F-35-Jets des US-Herstellers Lockheed Martin.