Werker arbeitet mit Cobot zusammen

Der Aufwand ist jetzt nicht mehr hoch, Cobots zu programmieren, da ihre auszuführende Bewegung einfach vorgemacht werden kann beziehungsweise der Roboterarm zum Anlernen einfach geführt werden kann. Das macht Industrieroboter auch für mittelständische Unternehmen interessant. - Bild: UR

| von Dietmar Poll

Neue kollaborative Roboter sind nicht nur produktiver, sondern auch sicherer. Doch vor allem bei der Programmierung gibt es für Nutzer gravierende Veränderungen. Die 'no code-Programmierung' und ein 'easy to use' eröffnen nicht nur neue Märkte, sondern auch KMU den Einsatz von Robotern.

"In der Produktion sind Trends die einfache Programmierbarkeit und Handhabung", sagt Stefan Sagert, Referent Fachabteilung Robotik, VDMA Robotik + Automation. Das unterstreicht auch Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer VDMA Fachverband Robotik + Automation: "Die einfache Programmierung – der Bediener fasst den Roboter an und bewegt ihn so, dass er damit die Roboterbahn bereits programmiert hat. Da spricht man von ‚no code robotics‘. Wir reden also über eine Art Demokratisierung der Robotik. Der Anwender kann somit Roboter ohne spezielle Kenntnisse bedienen oder gar programmieren." Das habe auch viel mit dem Arbeitsplatz der Zukunft zu tun.

Dazu hebt Schwarzkopf hervor: "Die Hersteller wollen sich durch diese einfache Bedienbarkeit neue Märkte eröffnen. Für den Hersteller selber geht es Richtung drag and drop-Programmierung, so dass auch er keine Code-Zeilen mehr schreiben muss." Als Beispiel nennt Schwarzkopf das Tool 'drag and bot' vom Fraunhofer IPA aus Stuttgart.

"Die einfache Programmierung kommt – der Bediener fasst den Roboter an und bewegt ihn so, dass er damit die Roboterbahn bereits programmiert hat. Da spricht man von ‚no code robotics‘. Wir reden also über eine Art Demokratisierung der Robotik", sagt Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer VDMA Fachverband Robotik + Automation. - Bild: VDMA

Auch die einfachere Handhabung oder ein 'easy to use' steht auf der Wunschliste von Nutzern ganz oben - und wird nun erfüllt: So ist ein Merkmal des kollaborativen Konzepts des Cobots Swifti laut ABB seine einfache Bedienung und Installation. Die sicheren Arbeitsbereiche des Roboters sowie weitere Sicherheitsfunktionen lassen sich schnell und einfach mithilfe der SafeMove-App auf dem FlexPendant definieren.

Aufwand für den Menschen zu programmieren ist nicht mehr hoch

Zur Programmierung des Roboters selbst könne der Anwender die Lead-Through-Programmierung mithilfe eines ansteckbaren Programmiergeräts mit der neuen Software Wizard Easy Programming von ABB kombinieren, die auf einfachen grafischen Blöcken basiert und auch Nicht-Spezialisten die Automatisierung ihrer Anwendungen ermöglicht. Die Blöcke repräsentierten bestimmte Aktionen wie das Anfahren einer Position, das Aufnehmen eines Objekts und das Wiederholen von Bewegungen. Auf diese Weise könne schnell und intuitiv eine Reihe von einfachen Prozessen erstellt werden, die der Roboter ausführen soll.

"Da das Bedienpersonal keine komplizieren Programmiersprachen erlernen muss, reduzieren diese Funktionen die Zeit, den Aufwand und die Gefahr von Fehlern, die viele Unternehmen – insbesondere KMUs – davon abhalten, in die robotergestützte Automatisierung zu investieren“, sagt Andie Zhang, Global Product Manager Collaborative Robotics bei ABB.

Einführung in das 'Wizard easy programming' von ABB

Steuerung der Roboter einfach wie Bedienung eines Smartphone

Wer ein Tablet oder Smartphone bedienen kann, kann dank der ABB-Tools für ein schnelles Setup auch ohne Schwierigkeiten die neuen Cobots programmieren, so Zhang. "Denn mithilfe der Wizard Easy Programming Software, die 2020 ursprünglich für den einarmigen, kollaborativen YuMi entwickelt wurde, lässt sich Swifti innerhalb weniger Minuten einrichten. Dazu müssen lediglich die entsprechenden Funktionsblöcke per Drag & Drop auf das Display des ABB FlexPendant gezogen werden", erläutert Zhang.

Das Ergebnis ließe sich sofort überprüfen, und die Bewegungen des Cobots könne bei Bedarf schnell angepasst werden. Durch einfaches Verknüpfen der Blöcke ließen sich ganze Programme für Anwendungen wie die Maschinenbedienung oder die Montage erstellen, ohne dass Kenntnisse über Roboterprogrammiersprachen erforderlich sind.

„Die Verringerung des Zeitaufwands und der Komplexität bei der Programmierung von Robotern ist eine der wichtigsten Ansatzpunkte, um das Wachstum der robotergestützten Automatisierung, insbesondere im Bereich der KMUs, voranzutreiben“, sagt Andie Zhang. „Viele haben sich an die einfachen Benutzeroberflächen von Smartphones gewöhnt. Unser Wizard Easy Programming nutzt dieses Konzept, um den Aufwand für die Programmierung von Industrierobotern zu reduzieren. Dies bringt uns dem Ziel, jedem die Nutzung von Robotern zu ermöglichen, einen bedeutenden Schritt näher.“

"Wir wollen Anwender befähigen, ihre Automatisierungsprojekte selbst in die Hand zu nehmen. Sie können unsere Cobots einfach und unkompliziert an ihre spezifischen Bedürfnisse anpassen und in bestehende Produktionsabläufe integrieren", sagt Andrea Alboni, General Manager Western Europe, Universal Robots. - Bild: UR

Innovationen ermöglichen 'do it yourself' zu arbeiten

Auch Universal Robots sieht eine starke, weitere Entwicklung in Richtung 'Do it yourself': "Wir wollen Anwender befähigen, ihre Automatisierungsprojekte selbst in die Hand zu nehmen. Sie können unsere Cobots einfach und unkompliziert an ihre spezifischen Bedürfnisse anpassen und in bestehende Produktionsabläufe integrieren. Dazu bieten wir Firmen komplette Anwendungspakete an, die sie online in unserem Ökosystem UR+ finden", beschreibt Andrea Alboni.

Die zertifizierten UR+ Produkte erleichtern laut Alboni den Firmen die Orientierung und stellen sicher, dass die jeweiligen Lösungen mit unseren Cobots kompatibel sind. Die Anwendungs-Kits enthielten alle Hard- und Software-Komponenten, die Betriebe bräuchten, um eine bestimmte Applikation umzusetzen – zum Beispiel Schweißaufgaben. "Wir beobachten, dass gerade diese Anwendung im Kommen ist: Immer mehr Betriebe automatisieren ihre Schweißprozesse und entlasten ihre Mitarbeiter dadurch von einer anstrengenden und teilweise ungesunden Tätigkeit", ergänzt Alboni.

OnRobot spricht ebenfalls von einer Vereinfachung von Integration und Bedienung: Greifer werden zunehmend als Plug-and-Produce-Lösungen konzipiert, die direkt nach dem Auspacken voll einsatzfähig sind. OnRobot etwa vereinfacht die Integration über die Vereinheitlichung der mechanischen Schnittstelle zwischen Roboterarm und Greifer durch die standardmäßige Integration eines Schnellwechselsystems in seinen Tools (Quick Changer) sowie durch die Bereitstellung einer einheitlichen Programmierlogik (One System – Zero Complexity).

Robotik-Kit vereinfacht Inbetriebnahme

Einen interessanten Weg hat auch Bosch Rexroth eingeschlagen, denn für das nahtlose Zusammenspiel von mobiler Robotik und IT stellt das Unternehmen ein modulares Robotik-Kit aus Soft- und Hardwarekomponenten vor. Der Baukasten beinhaltet aktuell eine infrastrukturfreie Lokalisierung sowie ein Modul für die Routenplanung und einen standardisierten Antrieb, beide derzeit im Pilotstadium.

Die Komponenten können unabhängig voneinander oder aber in Kombination erworben werden, so der Hersteller. Entwickler verringerten damit ihren Engineering-Aufwand für unterschiedlichste mobile Roboter. Über offene Schnittstellen zur IT und zu beliebigen Industriesteuerungen sowie vorbereiteten Sicherheitsfunktionen bis Performance Level (PL) d reduzierten sie ihre Time-to-Market und die Inbetriebnahmezeit beim Kunden.

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