Aluminiumindustrie unter Druck

Aluminiumindustrie startet ohne Erholung

Die Aluminiumindustrie startet 2026 ohne Erholungssignal. Recycling- und Halbzeugproduktion bleiben schwach, während Rohstoffknappheit und Standortkosten die Unternehmen belasten.

Der Werkstoff Aluminium darf in der Automobilindustrie nicht fehlen. Hier im Beispiel von Audi sind sind Aluminiumprofile und Gussknoten zu erkennen. -

Summary: Die deutsche Aluminiumindustrie bleibt im ersten Quartal 2026 unter Druck, wie Aluminium Deutschland e. V. mitteilt. In Deutschland sanken Recycling- und Halbzeugproduktion, besonders Remelter und Strangpressprodukte entwickelten sich rückläufig. Schwache Nachfrage, geringe Auslastung, hohe Standortkosten und knappe Aluminiumschrotte belasten Produktion, Beschäftigung und Investitionen.

Warum die Aluminiumindustrie 2026 schwach startet

Die deutsche Aluminiumindustrie findet auch zu Beginn des Jahres 2026 nicht zurück in eine Aufwärtsdynamik. Wie aus der Mitteilung von Aluminium Deutschland e. V. hervorgeht, zeigen die Produktionsdaten für das erste Quartal, dass zentrale Segmente weiter unter dem Vorjahresniveau liegen.

Besonders deutlich fallen die Rückgänge bei Remeltern und Herstellern von Strangpressprodukten aus. Damit setzt sich die schwache Entwicklung der vergangenen Jahre fort. Eine konjunkturelle Erholung ist zum Jahresstart nicht erkennbar.

Aluminium Deutschland e. V. Präsident Rob van Gils ordnet die Lage so ein: „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Aluminiumindustrie weiterhin in einem schwierigen konjunkturellen und strukturellen Umfeld arbeitet. Einzelne positive Entwicklungen ändern nichts daran, dass zentrale Segmente unter Druck stehen. Ohne eine spürbare Verbesserung der Standortbedingungen wird sich die Situation nicht nachhaltig verbessern.“

Produktion bleibt unter Vorjahresniveau

Im ersten Quartal 2026 wurden in Deutschland 684.564 Tonnen Recyclingaluminium produziert. Das entspricht einem Rückgang von i.d.R. 3 % gegenüber dem Vorjahresniveau. Auch die Produktion von Aluminiumhalbzeug ging leicht zurück: Sie sank um 1 % auf 568.688 Tonnen.

Damit bleibt die Produktionsentwicklung in den zentralen Bereichen verhalten. Die Zahlen zeigen keine Trendwende, sondern bestätigen den anhaltenden Druck auf die Branche.

Wie entwickelt sich das Aluminium-Recycling?

Im Recyclingbereich zeigt sich ein uneinheitliches Bild, das insgesamt jedoch von Rückgängen geprägt ist. Die Refiner konnten ihre Produktion leicht auf 128.639 Tonnen steigern. Das entspricht einem Plus von 2 %.

Anders stellt sich die Lage bei den Remeltern dar. Sie verzeichneten mit 555.925 Tonnen einen Rückgang von 4 %. Damit sind sie ein wesentlicher Treiber der schwachen Gesamtentwicklung im Recyclingsegment.

Zusätzlich belastet die angespannte Lage an den Rohstoffmärkten. 85 % der Unternehmen berichten von einer Verknappung von Aluminiumschrotten. Für die Recyclingwirtschaft ist das ein zentrales Problem, da Schrotte eine wesentliche Grundlage für eine ressourcenschonende und wettbewerbsfähige Aluminiumproduktion sind.

Halbzeugproduktion bleibt verhalten

Auch im Halbzeugbereich bleibt die Entwicklung schwach. Die Produktion von Walzprodukten sank leicht um 1 % auf 452.894 Tonnen. Deutlich stärker betroffen sind die Strangpressprodukte. Ihre Produktion ging um 4 % auf 115.794 Tonnen zurück.

Das Segment bleibt damit besonders von der schwachen Nachfrage aus wichtigen Abnehmerbranchen betroffen. Genannt werden insbesondere Bauindustrie und Automobilindustrie.

Warum Unternehmen keine schnelle Erholung erwarten

Die Produktionsdaten werden durch aktuelle Umfrageergebnisse gestützt. 66 % der Unternehmen bewerten ihre Auftragslage als schlecht oder sehr schlecht. 71 % schätzen ihre Kapazitätsauslastung als niedrig ein.

Auch für den weiteren Jahresverlauf bleibt der Ausblick verhalten. 57 % der Unternehmen erwarten bis zum Ende des Jahres 2026 keine Verbesserung. Die Branche rechnet damit nicht mit einer kurzfristigen Entspannung.

Hinzu kommt die grundsätzliche Standortfrage. 76 % der Unternehmen halten es für eher nicht oder nicht möglich, Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen und gleichzeitig industrielle Produktion in Deutschland zu erhalten. Damit geht es nicht allein um eine konjunkturelle Schwäche, sondern auch um strukturelle Risiken für Produktion, Beschäftigung und Transformation.

Standortkosten gefährden Produktion und Beschäftigung

Die Unternehmen reagieren auf die anhaltende Krise mit Kostensenkungsprogrammen, Kapazitätsanpassungen und Standortentscheidungen. Dazu zählen Stellenabbau, Kapazitätskürzungen, Produktionsschließungen und Verlagerungen ins Ausland.

Der Stellenabbau in Deutschland ist dabei die am häufigsten genannte Maßnahme. Die Entwicklung erhöht das Risiko, dass industrielle Wertschöpfung dauerhaft aus Deutschland abwandert. Wenn Produktionskapazitäten geschlossen oder verlagert werden, gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren. Auch Know-how, Investitionen und Teile industrieller Wertschöpfungsketten geraten unter Druck.

Welche Rahmenbedingungen fordert die Aluminiumindustrie?

Aus Sicht von Aluminium Deutschland e. V. braucht die Branche bessere Rahmenbedingungen, um Produktion, Beschäftigung und Transformation in Deutschland zu sichern. Genannt werden wettbewerbsfähige Energiepreise, Bürokratieabbau, bessere Schrottverfügbarkeit und Planungssicherheit.

Aluminium Deutschland e. V. Hauptgeschäftsführerin Angelika El-Noshokaty erklärt: „Die Lage der Aluminiumindustrie zeigt, dass es nicht um eine kurzfristige Schwäche einzelner Segmente geht, sondern um die industrielle Substanz des Standorts Deutschland. Hohe Kosten, schwache Nachfrage, knappe Rohstoffe und wachsende Regulierung belasten die Unternehmen gleichzeitig. Damit Produktion und Beschäftigung in Deutschland gehalten werden können, braucht die Branche verlässliche, wettbewerbsfähige und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen.“

Quelle: Aluminium Deutschland

Zur Lage in der Aluminiumindustrie

• Warum steht die Aluminiumindustrie 2026 unter Druck? – Die Aluminiumindustrie leidet unter schwacher Nachfrage, niedriger Auslastung, hohen Standortkosten und knappen Aluminiumschrotten.

• Wie hat sich die Aluminiumindustrie im ersten Quartal 2026 entwickelt? – Recyclingaluminium sank auf 684.564 Tonnen, Aluminiumhalbzeug auf 568.688 Tonnen.

• Welche Segmente der Aluminiumindustrie sind besonders betroffen? – Besonders betroffen sind Remelter und Hersteller von Strangpressprodukten mit jeweils deutlichen Rückgängen.

• Welche Rolle spielt Schrott für die Aluminiumindustrie? – Aluminiumschrotte sind eine zentrale Grundlage für ressourcenschonende und wettbewerbsfähige Aluminiumproduktion.

• Was fordert die Aluminiumindustrie für den Standort Deutschland? – Gefordert werden wettbewerbsfähige Energiepreise, Bürokratieabbau, bessere Schrottverfügbarkeit und Planungssicherheit.