Industrie zwischen Aufbruch und Abschwung
BIP 2025: Leichtes Wachstum nach zwei Rezessionsjahren
Deutschlands Wirtschaft wächst wieder – aber kaum. Während Konsum und Handel anziehen, kämpfen Kernindustrien weiter mit Auftragsflauten und Strukturlast.
Die Wirtschaftsleistung in Deutschland nimmt nach zwei Rezessionsjahren wieder leicht zu.
Pixels Hunter - stock.adobe.com)
Nach zwei Jahren im Rückwärtsgang schafft die deutsche Wirtschaft 2025 ein zaghaftes Comeback: +0,2 % preisbereinigt, kalenderbereinigt sogar +0,3 %. Ein Trendwechsel – aber keiner, der Euphorie auslöst. Denn die Wachstumsimpulse kommen ausgerechnet aus jenen Bereichen, die nicht für industrielle Innovationskraft stehen: Privater und staatlicher Konsum.
Während die Ausgaben für Gesundheit, Mobilität und Pflege deutlich zulegten, sackten Investitionen erneut ab – besonders in Ausrüstungen und den Wohnungsbau. Auch der Export blieb schwach, vor allem wegen sinkender Ausfuhren von Maschinen, Fahrzeugen und chemischen Produkten.
Das Bild ist klar: Der Dienstleistungssektor gibt Gas, die Industrie tritt auf der Stelle.
Wie entwickeln sich Maschinenbau und Verarbeitendes Gewerbe?
Die industrielle Bruttowertschöpfung war auch 2025 ein Sorgenkind. Im dritten Jahr in Folge musste das Verarbeitende Gewerbe einen Rückgang verkraften: -1,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Und das, obwohl der Einbruch etwas milder ausfiel als 2023 und 2024.
Besonders betroffen:
-
Automobilindustrie: unter Druck durch Elektrowandel, internationale Konkurrenz und rückläufige Nachfrage
-
Maschinenbau: globale Absatzprobleme, Investitionszurückhaltung im In- und Ausland
-
Chemieindustrie: zusätzlich belastet durch hohe Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten
Ergebnis: Eine zentrale Säule der deutschen Export- und Innovationskraft verliert weiter an Höhe – mit potenziell langfristigen Folgen für die gesamte Wirtschaftsdynamik.
Warum gerät der Wohnungs- und Infrastrukturbau ins Stocken?
-3,6 % bei der Bauwertschöpfung – das bedeutet: ein weiteres Jahr auf Talfahrt. Besonders hart getroffen:
-
Hochbau und Ausbaugewerbe, gebremst durch explodierende Baukosten
-
Wohnungsbau, der durch Zinsanstieg und Materialpreise fast zum Erliegen kam
Nur der Tiefbau konnte leicht zulegen – gestützt durch öffentliche Infrastrukturprojekte im Bereich Straßen, Bahn und Energienetze. Eine flächendeckende Belebung bleibt jedoch aus.
Zudem steigt die Zahl der Insolvenzen im Baugewerbe weiter – ein strukturelles Alarmsignal, das die zukünftige Bautätigkeit und damit auch Industrieaufträge gefährden könnte.
Welche Branchen zeigen Widerstandskraft?
Zwischen den Problemzonen gibt es auch Lichtblicke – besonders im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe mit einem Anstieg der Bruttowertschöpfung um +1,2 %. Wesentliche Treiber:
-
Einzelhandel: von gestiegenem Konsumverhalten und Mobilitätsausgaben beflügelt
-
Öffentliche Dienstleistungen, Gesundheit, Erziehung: robustes Wachstum durch steigende Staatsausgaben und Personalaufbau
-
Dienstleistungsexporte: erstmals wieder im Plus (+1,1 %)
Weniger erfreulich:
-
Unternehmensdienstleister: -0,8 %
-
Kreativ-, Sport- und Freizeitwirtschaft: ebenfalls rückläufig
Die Dienstleistungsbranchen stabilisieren die Gesamtwirtschaft – doch sie ersetzen keine industrielle Wertschöpfung.
Warum stagnieren Investitionen trotz Wachstum?
Während der Konsum anschiebt, bleibt das Investitionsniveau kritisch:
-
Bruttoanlageinvestitionen: -0,5 %
-
Ausrüstungsinvestitionen: -2,3 %
-
Bauinvestitionen: -0,9 % – bereits das fünfte Jahr in Folge im Minus
Lediglich staatliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur stiegen – reichten aber nicht aus, um den Rückgang in der Privatwirtschaft zu kompensieren. Besonders beunruhigend: Die Zurückhaltung bei Maschinen, Geräten und Fahrzeugen deutet auf eine abnehmende Modernisierungsdynamik im industriellen Kern hin.
Wie entwickelt sich der Außenhandel – und warum schrumpfen die Exporte?
Warenexporte -0,7 %, Dienstleistungen +1,1 % – insgesamt ergibt sich ein weiteres Minus bei den Gesamtexporten von -0,3 %. Der dritte Rückgang in Folge.
Problematisch dabei: Betroffen sind zentrale Exportgüter wie:
Hauptursachen:
-
US-Zölle und politischer Gegenwind aus Nordamerika
-
Aufwertung des Euro, die europäische Produkte verteuert
-
Stärkere Konkurrenz aus China, vor allem im Hightech-Bereich
Gleichzeitig steigen die Importe um satte +3,6 % – angetrieben durch Maschinen, pharmazeutische Produkte und Lebensmittel. Die Außenhandelsbilanz verschiebt sich damit weiter zulasten der deutschen Industrie.
Was bedeutet das für die Beschäftigung in der Industrie?
Der jahrzehntelange Beschäftigungsanstieg ist 2025 erstmals gestoppt. Zwar bleibt die Zahl der Erwerbstätigen mit 46 Millionen stabil, doch der Zuwachs beschränkt sich ausschließlich auf den Dienstleistungssektor.
Dagegen sinkt die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe erneut – ein Trend, der mittelfristig nicht nur die wirtschaftliche Leistung, sondern auch die Innovationskraft Deutschlands schwächen könnte.
Mit Material vom Statistischen Bundesamt