Zwei Arbeiter in einerFabrikhalle, gesehen durch ein Werkstück

Die großen Maschinenbauer haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie 2021 fast nicht mehr gespürt. (Bild: Kzenon - stock.adobe.com)

Neben den vielen schlechten Nachrichten, die derzeit täglich auf die Branche einprasseln, gibt es durchaus noch gute. Und zwar mit Blick auf das aktuelle Maschinenbau-Ranking, das die Managementberatung Oliver Wyman einmal jährlich erstellt. Denn die aktuellen Zahlen zeigen, dass fast alle Unternehmen 2021 höhere Umsätze als im Vor-Corona-Jahr 2019 hatten.

„Sie haben die Corona-Delle hinter sich gelassen“, bilanziert Wolfgang Krenz, Partner der globalen Automotive und Manufacturing Industries Practice bei Oliver Wyman im Gespräch mit PRODUKTION. Somit sei die Erholung im Maschinenbau schneller eingetreten, als viele erwartet hatten. Im Ranking von 2021 seien daher eher die Corona-Erholungen zu sehen und weniger negative Auswirkungen, ergänzt Marcel Allscher, Senior Research Analyst bei Oliver Wyman.

Das sind die Top 20 im deutschen Maschinen- und Anlagenbau:

(Anmerkung: Bei Unternehmen, die auch in anderen Sektoren tätig sind, werden im Ranking nur die Umsätze der maschinenbaurelevanten Unternehmensbereiche für die Platzierungen berücksichtigt.)

Platz 5: Nordex

Windrad von Nordex
Nordex hat 2021 einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro erzielt – Platz 5. (Bild: Nordex)

Platz 4: Bosch (Industrial Technology)

Bosch-Mitarbeiterin mit Laptop in einem Werk. Neben ihr ein Roboter
Mit einem Umsatz von 6,10 Milliarden Euro kommt Bosch (Industrial Technology) auf den vierten Platz. Mehr zu Nachhaltigkeit bei Bosch erfahren Sie übrigens in dieser Folge von Industry Insights: „Lisa Reethen über Nachhaltigkeit im Maschinenbau“ (Bild: Bosch)

Platz 3: Kion

Produktion im Kion-Werk Aschaffenburg
Kion erreicht mit einem Umsatz von 10,3 Milliarden Euro den dritten Platz. Mehr zu Kion erfahren Sie im Podcast mit Kion-Aufsichtsrätin und Airbus-Führungskraft Christina Reuter. Zur Podcast-Folge: Hier klicken! (Bild: Kion)

Platz 2: Siemens

Siemens Logo auf Pressekonferenz. Im Vordergrund eine Fernsehkamera
Auf Platz 2 ist Siemens zu finden. Der Hauptkonzern erreichte in den Maschinen- und Anlagenbau relevanten Bereichen 2021 einen Umsatz von 19,6 Milliarden Euro. Mehr zu Siemens erfahren Sie auch im Podcast mit Eckard Eberle: „Siemens CEO Process Automation über Industrie 4.0 und 5G“ (Bild: Siemens)

Platz 1: Siemens Energy

Kran mit Container, auf dem Siemens steht
Der erste Platz geht wie auch im Jahr davor an Siemens Energy. Der Konzern machte 2021 einen Umsatz von 28,5 Milliarden Euro– ein Plus von 3,7 Prozent. (Bild: Siemens Energy)

Die weiteren Platzierungen und Umsätze der Top 20 sehen Sie in der Tabelle:

Das sind die Gewinner und Verlierer im Maschinenbau

Generell haben 2021 die Unternehmen profitiert, die besonders stark in Asien und China vertreten waren. Der Grund: China ist im vergangenen Jahr schneller aus der Corona-Pandemie herausgekommen, als viele anderen Länder. „Wer in China große Anteile hatte, ist stärker gewachsen als andere Unternehmen“, sagt Krenz. Ein Beispiel dafür ist Bosch auf Platz 4.

In Summe seien die Asienumsätze unter den Top 20 des Maschinen- und Anlagenbaus doppelt so stark gestiegen wie die Europa-Umsätze und fast drei Mal so viel wie die USA-Umsätze, so Krenz.

2021 war außerdem das Jahr, in dem der Umsatz nicht nur von der Zahl der Auftragslage abhängig war, sondern auch vom Supply Chain Management. Wer seine Lieferkette stabil halten konnte, hatte also einen Vorteil.

Bei den Unternehmen im Ranking, die keine Umsatzsteigerung erreichen konnten, lag das meist an Sondereffekten.

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Maschinenbauer, die in den Top 20 abgerutscht sind – die also weniger Umsatz gemacht haben –, haben in den meisten Fällen Firmenteile verkauft. „Dadurch wurden substanzielle Umsatzanteile abgegeben“, sagt Krenz. Beispiele sind Thyssenkrupp (Platz 6) mit einem Umsatzminus von 16,3 Prozent und MAN Energy Solutions (Platz 20) mit minus 9,9 Prozent.

Außerdem zu beachten: Dadurch, dass manche Unternehmen ihre Geschäftszahlen erst später melden oder versetzte Geschäftsjahre haben, gibt es im Ranking auch technische Verzerrungen. Das Extrembeispiel im aktuellen Ranking ist Trumpf: Das Ditzinger Unternehmen ist aufgrund des versetzten Geschäftsjahres mit dem zweiten Halbjahr 2020 und dem ersten Halbjahr 2021 im Ranking vertreten. Das heißt, hier sind die Corona-Auswirkungen noch deutlicher im Umsatz sichtbar.

Trumpf hat inzwischen seine Geschäftszahlen 2020/2021 veröffentlicht. Alles dazu sowie die wichtigsten Aussagen von CEO Nicola Leibinger-Kammüller lesen Sie in diesem Artikel: „Trumpf-Chefin zu China, Russland und der Energiekrise“

Auch Siemens und Siemens Energy haben ihren Geschäftsjahresabschluss jeweils immer am 30. September.

Das sind die Trends im Maschinenbau

Die Megatrends für den Maschinenbau sind laut der Experten auch 2021 unverändert geblieben. Dazu zählen

  • Intralogistik – zu sehen an den Platzierungen von Kion (Platz 3), Jungheinrich (Platz 11) und dem Wiedereinstieg von Kuka (Platz 19).
  • Halbleiter: Zeiss (Platz 12) und Exyte (Platz 6) seien zum Beispiel über die Jahre kontinuierlich überdurchschnittlich gewachsen, so Krenz.
  • Auch die Landwirtschaftsbranche hat weiter eine sehr gute Konjunktur. Beispiel im Ranking ist Claas mit einem Umsatz von knapp 4,8 Milliarden Euro (Platz 8).
  • Automatisierung – zu sehen an den Platzierungen von Siemens (Platz 2), Festo (Platz 18) und erneut Kuka. „Der Fachkräftemangel ist eines der Kernthemen der Branche und auch ein Treiber, warum die Automatisierung immer wichtiger wird“, so Allscher. „Jedes Unternehmen im Ranking ist hiervon in ähnlichem Maß betroffen.“

Das sind die Herausforderungen für den Maschinenbau

Und wie ist aktuell die Stimmung im Maschinenbau? Von den Gaspreisen sind Branchen, die energieintensiver sind, stärker betroffen. „In der Branche herrscht dennoch eine große Unsicherheit, bei der Frage, wie das nächste Jahr verlaufen wird“, so Krenz.

Denn 2023 wird es sehr viele geopolitische Risiken geben – zum Beispiel der Krieg in der Ukraine, aber auch Taiwan. „Außerdem wird das Thema Decoupling immer konkretere Formen annehmen“, meint Krenz. Eine weitere Herausforderung: Bisher haben Unternehmen ihre Kostensteigerungen über Preiserhöhungen an die Kunden weitergegeben. „Das wird 2023 nicht mehr so leicht sein“, prognostiziert Krenz.

Die Wirtschaft wird außerdem einige Quartale im Rezensionsumfeld sein. Dabei sei aber nicht jedes Unternehmen gleichermaßen betroffen, meinen die Experten.

Wo die Top 20 des deutschen Maschinenbaus ihre Hauptsitze haben, sehen Sie in der Karte:

Ein weiteres Thema ist der schwache Euro, der für die exportorientierte deutsche Wirtschaft aber auch gut sei, so Krenz. Aber: Viele Rohstoffe werden in US-Dollar bezahlt. „Ich gehe davon aus, dass 2023 in Summe die negativen Effekte für den deutschen Maschinenbau überwiegen werden“, erklärt Krenz.

Neben der Versorgungslage sei auch der Personalmangel wachstumsbeschränkend, erklärt Krenz weiter.

Aber: „Bei allen Schwierigkeiten sind die Themen ‚Chancen erkennen‘ und ‚Chancen nutzen‘ genauso wichtig“, so der Experte. So biete zum Beispiel das Thema Sustainability große Chancen für die Branche – unter anderem bei der Batterieproduktion oder der Wasserstoffwirtschaft.

Podcast: VDMA-Vizepräsident Schunk über die Lage im Maschinenbau

Ausblick und Tipps: So geht es im Maschinenbau weiter

Im Ranking für 2022 wird es Krenz zufolge auch interessant zu sehen sein, wie die Folgen des Ukraine-Krieges sichtbar sein werden. „Die Unternehmen, die diesmal im Ranking oben stehen, werden auch nächstes Jahr oben stehen“, stellt sein Kollege Allscher klar. Außerdem ist schon jetzt sicher: Die Umsätze werden 2022 aufgrund der Inflation höher sein.

Firmen, die international aufgestellt sind, werden weiter einen Vorteil haben: „Sie haben ihre Lieferketten breiter aufgestellt und die Abhängigkeit von einzelnen Märkten ist geringer. Deshalb können diese Unternehmen mögliche Ausfälle leichter abfangen“, erklärt Allscher.

Um dem derzeit rezessiven Umfeld entgegenzuwirken, rät Krenz den Maschinenbauern, sich mit Liquidität einzudecken, „damit sie für das unsichere Jahr, auf das wir zulaufen, gerüstet sind“. Die Kombination aus Lieferkettenproblematik und Rezession könne sehr schnell zu einem deutlich erhöhten Finanzbedarf in den Unternehmen führen.

Ebenfalls laut Krenz weiter wichtig: Sich Szenarien zu überlegen. Zu diesem Thema hat ihn unsere Redakteurin Anja Ringel bereits in diesem Artikel interviewt: „Kostenexplosion: Das sollten Unternehmen jetzt tun“

Ein Thema, das mittelfristig eine Rolle spielen wird, ist Decoupling. Hier sollten sich einzelne Firmen viel tiefer überlegen, was das unternehmensspezifisch für sie bedeutet, so der Experte. Unternehmen, die viel in Asien aktiv sind, sollten außerdem beobachten, wie sich ein möglicher China-Taiwan-Konflikt auf die Lieferketten, aber auch die Absatzmärkte auswirken würde, rät er.

Deutscher Maschinenbau-Gipfel 2022
(Bild: mi-connect)

Deutscher Maschinenbau-Gipfel 2023

Der deutsche Maschinenbau steht vor großen Herausforderungen! Internationale Krisen, Klimawandel, Energiewende, Digitalisierung, geopolitische Verwerfungen - es steht viel auf dem Spiel für Deutschlands wichtigste Industriebranche.

 

Die Vielzahl der Themen ist für den einzelnen zu groß und darum bietet auch der Maschinenbau-Gipfel 2023 wieder Orientierung, Stärkung des Zusammenhalts im Netzwerk und Austausch mit der Politik.

Die Veranstalter des Maschinenbau-Gipfels, VDMA und PRODUKTION, werden mit der Gestaltung wieder ihrem hohen Anspruch gerecht: Perspektiven und Zukunftsfähigkeit schaffen durch gemeinsames Handeln – das ist die Maxime des Maschinenbau-Gipfels am 07. und 08. November 2023 in Berlin.

 

Hier geht es zur Website des Maschinenbau-Gipfels.

Hier geht es direkt auf die Anmeldeseite zum Maschinenbau-Gipfel 2023.

Das sind die Top 20 des Maschinen- und Anlagenbaus 2020

  1. Siemens Energy
  2. Siemens
  3. Kion
  4. Bosch (Industrial Technology)
  5. Nordex
  6. Exyte
  7. Thyssenkrupp
  8. Claas
  9. GEA
  10. Voith
  11. Jungheinrich
  12. Zeiss (Semiconductor Manufacturing Techonoly und Industrial Quality & Research)
  13. Enercon
  14. Krones
  15. Schaeffler (Industrial)
  16. Dürr
  17. Trumpf
  18. Festo
  19. Kuka
  20. MAN Energy Solutions (VW Power Engineering)

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