Straße von Hormus Blockade belastet Handel

Hormus-Blockade setzt globale Lieferketten unter Druck

Die Straße von Hormus Blockade entwickelt sich laut Studie zu einem kritischen Risiko für globale Lieferketten und Energiemärkte – mit indirekten Folgen für die Industrie in Deutschland.

Die Hormus-Blockade setzt globale Lieferketten unter Druck.
Die Hormus-Blockade setzt globale Lieferketten unter Druck.

Summary: Eine Studie von ASCII, CSH und TU Delft analysiert die Auswirkungen einer Hormus-Blockade auf globale Lieferketten. Besonders betroffen sind energieabhängige Volkswirtschaften in Asien. Deutschland gilt als relativ robust, bleibt jedoch durch steigende Energiepreise verwundbar.

Die Blockade der Straße von Hormus zählt zu den gravierendsten Risiken für die globale Wirtschaft. Wie aus der Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII), des Complexity Science Hub (CSH) und der TU Delft hervorgeht, könnten Exporte im Wert von bis zu 1,2 Billionen USD jährlich betroffen sein.

Die betroffenen Handelsströme umfassen insbesondere Energieprodukte. Rund 800 Milliarden USD entfallen auf Rohöl, Flüssiggas und raffinierte Erdölprodukte. Damit steht ein zentraler Bestandteil der globalen Energieversorgung unter Druck.

„Die Straße von Hormus ist einer der kritischsten Engpässe der Weltwirtschaft. Eine längere Blockade würde nicht nur Energiemärkte treffen, sondern auch zahlreiche globale Lieferketten unter Druck setzen“, erklärt Studienautor und ASCII-Direktor Peter Klimek.

Wie stark beeinflusst die Dauer der Blockade die Wirtschaft?

Die Analyse basiert auf dem Schifffahrtsmodell TIDES, das mit 10.000 simulierten Tankern und 1.315 Häfen arbeitet. Die Ergebnisse zeigen eine klare Abhängigkeit der wirtschaftlichen Folgen von der Dauer der Blockade.

Kurzfristige Unterbrechungen von bis zu zwei Wochen bleiben weitgehend beherrschbar. Kritisch wird die Lage jedoch ab einer Dauer von mehr als vier Wochen. Dann verstärken sich Verzögerungen entlang der Lieferketten durch verpasste Hafenfenster, Staus und verschobene Fahrpläne.

„Je länger eine Störung dauert, desto stärker wirken sich Kettenreaktionen in globalen Lieferketten aus. Die wirtschaftlichen Folgen steigen dann überproportional an“, erklärt Stefan Thurner, Studienautor und Präsident des Complexity Science Hub (CSH).

Kurzfristig dominieren Preissteigerungen und Marktvolatilität. Erst bei längeren Störungen drohen strukturelle Effekte wie steigende Produktionskosten und sinkende Wettbewerbsfähigkeit.

Welche Regionen sind besonders abhängig?

Die Studie zeigt eine starke Abhängigkeit asiatischer Volkswirtschaften von Energieimporten aus der Golfregion. China, Indien und Japan zählen zu den größten Importeuren.

Neben Energie spielen auch weitere Rohstoffe eine Rolle. So stammen rund 31 % der globalen Harnstoffexporte aus der Region. Auch Spezialgase für die Halbleiterproduktion wie Neon, Helium und Argon sind relevant.

Diese breite Rohstoffbasis verstärkt die systemische Bedeutung der Region für industrielle Wertschöpfungsketten weltweit.

Warum ist Europa unterschiedlich betroffen?

Innerhalb Europas zeigt sich ein differenziertes Bild. Die EU importiert jährlich rund 47 Milliarden USD aus den betroffenen Golfstaaten, wobei sich die Abhängigkeit auf einzelne Länder konzentriert.

Italien und Belgien weisen eine besonders hohe Exponierung auf, vor allem durch Flüssiggasimporte aus Katar. Das Vereinigte Königreich liegt mit 12,9 Milliarden USD sogar an der Spitze in Europa.

Deutschland und Frankreich sind hingegen breiter diversifiziert und damit weniger direkt abhängig.

Wie verwundbar ist Deutschland durch die Hormus-Blockade?

Deutschland importiert jährlich Waren im Wert von rund 5,7 Milliarden USD aus den betroffenen Staaten. Die Importe sind breit gestreut und umfassen neben Energie auch Industrieprodukte.

Diese Diversifizierung reduziert die direkte Abhängigkeit. Dennoch entstehen Risiken über indirekte Effekte, insbesondere über die Energiepreise.

„Die direkte Abhängigkeit Deutschlands ist vergleichsweise gering – die eigentliche Verwundbarkeit liegt in den indirekten Effekten. Steigende Energiepreise wirken wie ein Multiplikator entlang der gesamten Wertschöpfungskette und treffen insbesondere die energieintensive Industrie. Genau hier entscheidet sich, wie stark geopolitische Spannungen letztlich auf die Realwirtschaft durchschlagen“, sagt Studienautor und ASCII-Direktor Peter Klimek.

Vor allem energieintensive Branchen wie die chemische Industrie könnten unter steigenden Gaspreisen leiden.

Welche Maßnahmen empfiehlt die Studie?

Die Studie plädiert für eine schnelle politische Deeskalation, um die Dauer möglicher Blockaden zu begrenzen. Gleichzeitig wird eine strategische Vorbereitung auf länger anhaltende Störungen empfohlen.

Eine zentrale Rolle spielt zudem die Kommunikation. Klare und transparente Informationen sollen Marktunsicherheiten reduzieren und destabilisierende Effekte vermeiden.

„Kurzfristige Störungen lassen sich in der Regel bewältigen. Kritisch wird es, wenn eine Blockade länger anhält – auch wenn dies aus aktueller Sicht unwahrscheinlich ist – und sich Verzögerungen entlang globaler Lieferketten aufschaukeln. Umso wichtiger sind schnelle politische Lösungen, Vorbereitung auf längere Krisenszenarien und eine transparente Kommunikation, damit Märkte nicht durch Panikreaktionen und Hamsterkäufe zusätzlich destabilisiert werden“, schließt Studienautor und ASCII-Direktor Peter Klimek.

Mit Material vom  Supply Chain Intelligence Institute Austria.

FAQ: Straße von Hormus Blockade

Welche Auswirkungen hat die Straße von Hormus Blockade auf Lieferketten?

Eine längere Blockade kann globale Lieferketten durch Verzögerungen, steigende Preise und Marktunsicherheiten erheblich belasten.

Warum ist die Straße von Hormus Blockade für Energie wichtig?

Ein großer Teil des weltweiten Öl- und Gasexports verläuft durch diese Route, wodurch sie ein zentraler Engpass ist.

Wie stark ist Deutschland von der Straße von Hormus Blockade betroffen?

Deutschland ist direkt weniger abhängig, jedoch indirekt durch steigende Energiepreise verwundbar.

Ab wann wird eine Straße von Hormus Blockade kritisch?

Laut Studie steigen die wirtschaftlichen Risiken deutlich, wenn die Blockade länger als vier Wochen anhält.

Welche Maßnahmen werden bei einer Straße von Hormus Blockade empfohlen?

Schnelle Deeskalation, strategische Vorsorge und transparente Kommunikation gelten als entscheidend.