3D-Drucker

Im Bereich 3D-Druck werden dringend Ingenieure gesucht. - Bild: Pixabay

| von Anja Ringel

Sie werden immer mehr gebraucht und deshalb verzweifelt gesucht: Ingenieure, die sich mit Themen der Industrie 4.0 auskennen. Also zum Beispiel 3D-Druck. Jüngstes Beispiel ist HP. Bernhard Fauser, Senior Vice President und Managing Director Central Europe Market, schreibt in einem Artikel, dass es schlicht zu wenig Fachkräfte für die Jobs der Industrie gibt. Um diese Lücken zu füllen, benötige man Kooperationen, meint der Vizepräsident. Es brauche Zeit und Engagement aus Industrie, von Universitäten aber auch Regierungen und vor allem den Willen, nicht nach dem Schema F zu denken.

Sein Anliegen: Zwar sei das Interesse der Universitäten an neuen Technologien und Industriezweigen durchaus vorhanden und es gäbe auch Hochschulen, die in den Bereich investieren. Jedoch halten seiner Meinung nach zu viele Universitäten an ihren alten Curricula fest, statt neue zu entwickeln. Hochschulen und Universitäten spielen eine entscheidende Rolle in der Zukunft des 3D-Drucks, ist Fauser überzeugt.

Industrie 4.0: Das sind die Herausforderungen

Diese Meinung vertritt auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Gerade im Bereich Industrie 4.0 gebe es bei vielen Universitäten noch Nachholbedarf, sagt Franziska Seimys, Referentin für Bildungspolitik beim VDMA. Es seien schon Ansätze vorhanden, jedoch sei gerade die Veränderung der Curricula ein langwieriger Prozess. Das zeigt auch die Studie „Ingenieure für Industrie 4.0“ des VDMA. Besonders die Integration neuer fachlicher Inhalte stellt eine große Herausforderung dar, stellt die Studie fest.

Seimys kritisiert außerdem, dass oft jeder Fachbereich für sich alleine arbeitet und es kaum Vernetzungen zu anderen Disziplinen gibt. Der VDMA gehe davon aus, dass Kompetenzen an den Schnittstellen der einzelnen Wissenschaftsdisziplinen zunehmend wichtiger werden, sagt Seimys. Ein Maschinenbauingenieur müsse deshalb nicht zum Programmierer werden, er sollte aber beispielsweise so viel von Informatik verstehen, um seine Anforderungen an einen Programmierer klar formulieren zu können. „Der Ingenieur 4.0 ist sozusagen ein Wanderer und Übersetzer zwischen den Welten“, erklärt die Referentin. In den Fachrichtungen Maschinenbau und Elektrotechnik rät die Studie des VDMA zur Einführung eines zweisemestrigen gemeinsamen ingenieurwissenschaftlichen Grundlagenstudiums. Dadurch verbessere sich auch die Entscheidungsbasis für die Wahl einer Kerndisziplin.

Unternehmen fragen Hochschulen nach Mitarbeitern

Denn der Bedarf an Ingenieuren ist weiter hoch: Ergebnisse der VDMA-Ingenieurerhebung 2019 zeigen, dass die Maschinenbauer sowohl offene Stellen für Fachkräfte (51 Prozent) als auch für Ingenieure (52 Prozent) haben. Das merken auch die Hochschulen.

Professor Johannes Henrich Schleifenbaum ist Leiter des Lehrstuhls „Digital Additve Production DAP“ an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen und beschäftigt sich in seinen Vorlesungen unter anderem mit dem 3D-Druck. Er sagt, dass es viele Anfragen von Unternehmen gibt, die Mitarbeiter suchen. Denn: „Der Markt ist so gut wie leergefegt“, so Schleifenbaum. Es komme inzwischen auch öfter vor, dass Unternehmen versuchen, Studenten gegen Ende ihres Master-Studiums zu rekrutieren. Studenten schreiben ihre Masterarbeit dann in der Industrie, die Arbeit werde jedoch vom Lehrstuhl betreut, erklärt der Professor.

Studierende beim Lernen
An der RWTH Aachen beschäftigen sich Studierende auch mit den Themen der Industrie 4.0. - Bild: Peter Winandy; RWTH Aachen

Zudem arbeite die RWTH Aachen integrativ mit Unternehmen zusammen. An der RWTH habe man mit einem  entsprechenden Curriculum zeitig auf die Nachfrage der Wirtschaft reagiert, sagt Schleifenbaum. Allerdings müsse sowohl von Universitäts- als auch Ausbildungsseite mehr im Bereich der neuen Technologien getan werden.

Universitäten beschäftigen sich immer mehr mit der Thematik

Rund 200 Studierende seien momentan in den Veranstaltungen des Lehrstuhls eingeschrieben. Tendenz steigend. Während in den Vorlesungen Master-Studenten aus unterschiedlichen Fachrichtungen sitzen, sieht Schleifenbaum bei den Bachelor-Studiengängen noch Verbesserungsbedarf. Er hoffe, dass Themen wie 3D-Druck auch in diesen Studiengängen integriert werden. Denn Bachelor-Absolventen, die anschließend kein Master-Studium machen, hätten momentan wenig Wissen über die Thematiken.

Nicht nur an der RWTH Aachen, auch andere Universitäten beschäftigen sich immer mehr mit der Thematik, hat Schleifenbaum beobachtet. Das sei zum Beispiel an vielen Universitäts-Standorten in Nordrhein-Westfalen, aber auch in München, Hamburg, Dresden und Berlin der Fall.

Additive Fertigung ab dem ersten Semester

Auch an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) in Erlangen beschäftigen sich die Verantwortlichen mit den Themen der Industrie 4.0. Der Bereich Additives Fertigungsverfahren, zu dem auch der 3D-Druck zählt, sei ein sehr wichtiges Thema in der Forschung, erklärt die Technische Fakultät. Die Universität nehme bundesweit eine Spitzenposition im 3D-Druck technischer Werkstoffe bis hin zu Bioprinting ein. In Studiengängen wie Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwissen oder der Werkstofftechnik werde das Thema Additive Fertigung ab dem ersten Semester aufgegriffen, so die FAU.

Universitätsgelände FAU Erlangen
Die Studenten der FAU Erlangen haben den Bereich Additives Fertigungsverfahren bereits ab dem ersten Semester. - Bild: FAU/Erich-Malter

Zudem vernetzen sich die unterschiedlichen Fachdisziplinen in Zentren und Clustern. Die Erkenntnisse der Wissenschaftler werden direkt in die Lehre transferiert. Bereits vor neun Jahren sei zudem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der FAU der erste Sonderforschungsbereich zu Additiver Fertigung eingerichtet worden.

Verantwortliche wollen keine neuen Studiengänge

Neue Studiengänge, die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigen, seien nicht zwingend notwendig, so die Verantwortlichen. Der Grund: Es sei für angehende Ingenieure elementar, neben einer fachlichen Fokussierung auch einen technischen Überblick zu behalten.

Bei der Ausbildung neuer Ingenieure sind jedoch nicht nur die Hochschulen gefragt. In einer Handlungsempfehlung rät der VDMA Unternehmen, gezielt Fortbildungen zu Themen der Industrie 4.0 anzubieten. HP hat zum Beispiel eine Partnerschaft mit der Elektronikschule Tettnang. Dort können angehende Ingenieure eigene Designs entwickeln und mithilfe von 3D-Druck realisieren. Man lerne schließlich sein ganzes Leben, sagt Referentin Seimys. Denn der technische Wandel schreite weiter voran.

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