Europäischer Maschinenbau im geopolitischen Wandel
Maschinenbau: VDMA-Präsident über eine Branche im Umbruch
VDMA-Präsident Bertram Kawlath sieht den europäischen Maschinenbau mit zunehmenden geopolitischen Risiken konfrontiert. Im Interview erklärt er, warum Anpassungsfähigkeit, Innovation und neue Handelsabkommen entscheidend werden.
Betram Kawlath hat im Interview mit Anja Ringel über die europäische Industrie gesprochen.Salome Roessler/VDMA; Anna Ma Master; Grafik: Jürgen Claus
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Summary:
Beim European Summit in Rom erläuterte VDMA-Präsident Bertram Kawlath die Herausforderungen für den europäischen Maschinenbau. Geopolitische Konflikte und Handelsrisiken zählen zu den sogenannten „Non-Controllables“. Entscheidend seien Innovation, stabile Rahmenbedingungen und neue Freihandelsabkommen.
Die Weltwirtschaft befindet sich im Umbruch: geopolitische
Konflikte, Handelsbarrieren und technologischer Wandel stellen die Industrie
vor immer neue Herausforderungen. Für den europäischen Maschinenbau bedeutet
das vor allem eines: Anpassungsfähigkeit. Beim European Summit in Rom machte
VDMA-Präsident Bertram Kawlath deutlich, worauf es jetzt ankommt.
„Alles, was weltweit passiert, Unruhe stiftet oder unseren
regelbasierten Welthandel stört, betrifft uns direkt und sofort“, sagt Kawlath.
Die deutschen Maschinenbauer verkaufen ihre Produkte in nahezu allen Regionen
der Welt. Politische Konflikte wirken daher unmittelbar auf ihre Geschäfte.
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Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten ist ein Beispiel dafür.
Für viele Unternehmen steht dabei zunächst die Sicherheit der Beschäftigten im
Vordergrund. „Im Falle des Irans gilt unsere erste Sorge den Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern vor Ort. Wir blicken zuerst auf die Menschen“, so der
VDMA-Präsident.
Darüber hinaus hat der Konflikt natürlich auch
wirtschaftliche Folgen. Doch Kawlath ordnet solche Ereignisse in eine größere
Kategorie ein: sogenannte „Non-Controllables“. Dazu gehören etwa amerikanische
Strafzölle, die wirtschaftliche Entwicklung in China oder auch der Krieg in der
Ukraine.
Europa habe eine „hochinnovative Industrie“, betont der
VDMA-Präsident. Dazu kämen leistungsfähige Unternehmen und hochqualifizierte
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese Faktoren könne die Branche selbst
beeinflussen – und sie bilden das Fundament für zukünftigen Erfolg.
Entscheidend sei allerdings das Umfeld. Die Industrie
brauche Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen und Wettbewerb fördern.
Genau hier sieht Kawlath den zentralen Handlungsbedarf.
Ein wichtiger Baustein für ein Europa, das wettbewerbsfähig
ist, seien Freihandelsabkommen mit Partnern, die ähnliche wirtschaftliche und
politische Werte teilen. Kawlath spricht von „Like-minded Countries“. Solche
Kooperationen könnten neue Märkte erschließen und gleichzeitig stabile
Handelsbeziehungen sichern.
Rüstungsindustrie: Maschinenbau als "Skalierer"
Wenn es um neue Geschäftsfelder geht, wird häufig über die
Rolle des Maschinenbaus in der Rüstungsindustrie gesprochen.
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Kawlath macht klar, dass wirtschaftlicher Erfolg ohne
stabile Sicherheitsstrukturen kaum möglich ist.
„Ohne Sicherheit ist alles nichts“, sagt er. Wenn Europa
seine industrielle Basis schützen wolle, müsse es auch seine
Verteidigungsfähigkeit stärken.
Der Maschinen- und Anlagenbau könne dabei eine wichtige
Rolle übernehmen – allerdings nicht als primärer Akteur der Rüstungsindustrie.
Vielmehr sieht Kawlath die Branche als „Skalierer“.
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Das bedeutet: Wenn Verteidigungssysteme in größerem Umfang
produziert werden müssen, sind Maschinen und Anlagen entscheidend, um diese
Produktion effizient zu ermöglichen. Damit trägt der Maschinenbau indirekt zur
Sicherheitsarchitektur Europas bei.
Welchen technologischen Schwerpunkt der VDMA-Präsident für
noch wichtiger hält und was er zum Thema humanoide Robotik sagt, erfahren Sie
im Videointerview:
FAQ: VDMA-Präsident zum europäischen Maschinenbau
Welche Herausforderungen sieht Kawlath für den europäischen Maschinenbau?
Laut Kawlath beeinflussen geopolitische Konflikte, Handelsbarrieren und wirtschaftliche Unsicherheiten die internationalen Märkte des europäischen Maschinenbaus.
Warum fordert Kawlath neue Freihandelsabkommen für den europäischen Maschinenbau?
Freihandelsabkommen mit sogenannten „Like-minded Countries“ sollen stabile Handelsbeziehungen sichern und neue Märkte erschließen.
Welche Rolle spielt der europäische Maschinenbau laut Kawlath in der Verteidigungsindustrie?
Kawlath sieht den Maschinenbau vor allem als „Skalierer“, der durch Maschinen und Anlagen eine effiziente industrielle Produktion von Verteidigungssystemen ermöglicht.
Was meint Kawlath mit „Non-Controllables“ im europäischen Maschinenbau?
Gemeint sind externe Faktoren wie Strafzölle, geopolitische Konflikte oder wirtschaftliche Entwicklungen in wichtigen Märkten, die Unternehmen nicht beeinflussen können.