Europäischer Maschinenbau im geopolitischen Wandel

Maschinenbau: VDMA-Präsident über eine Branche im Umbruch

VDMA-Präsident Bertram Kawlath sieht den europäischen Maschinenbau mit zunehmenden geopolitischen Risiken konfrontiert. Im Interview erklärt er, warum Anpassungsfähigkeit, Innovation und neue Handelsabkommen entscheidend werden.

Betram Kawlath hat im Interview mit Anja Ringel über die europäische Industrie gesprochen.

Summary: Beim European Summit in Rom erläuterte VDMA-Präsident Bertram Kawlath die Herausforderungen für den europäischen Maschinenbau. Geopolitische Konflikte und Handelsrisiken zählen zu den sogenannten „Non-Controllables“. Entscheidend seien Innovation, stabile Rahmenbedingungen und neue Freihandelsabkommen.

Die Weltwirtschaft befindet sich im Umbruch: geopolitische Konflikte, Handelsbarrieren und technologischer Wandel stellen die Industrie vor immer neue Herausforderungen. Für den europäischen Maschinenbau bedeutet das vor allem eines: Anpassungsfähigkeit. Beim European Summit in Rom machte VDMA-Präsident Bertram Kawlath deutlich, worauf es jetzt ankommt.

„Alles, was weltweit passiert, Unruhe stiftet oder unseren regelbasierten Welthandel stört, betrifft uns direkt und sofort“, sagt Kawlath. Die deutschen Maschinenbauer verkaufen ihre Produkte in nahezu allen Regionen der Welt. Politische Konflikte wirken daher unmittelbar auf ihre Geschäfte.

Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten ist ein Beispiel dafür. Für viele Unternehmen steht dabei zunächst die Sicherheit der Beschäftigten im Vordergrund. „Im Falle des Irans gilt unsere erste Sorge den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort. Wir blicken zuerst auf die Menschen“, so der VDMA-Präsident.

Darüber hinaus hat der Konflikt natürlich auch wirtschaftliche Folgen. Doch Kawlath ordnet solche Ereignisse in eine größere Kategorie ein: sogenannte „Non-Controllables“. Dazu gehören etwa amerikanische Strafzölle, die wirtschaftliche Entwicklung in China oder auch der Krieg in der Ukraine.

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Europäische Industrie: Das ist jetzt wichtig

Diese Faktoren lassen sich nicht beeinflussen. Die Industrie müsse lernen, mit ihnen umzugehen.

Die gute Nachricht: Aus Sicht Kawlaths verfügt die europäische Industrie bereits über viele der Fähigkeiten, die sie in dieser zunehmend unsicheren Welt benötigt. Entscheidend sei jedoch, diese Stärken auch konsequent zu nutzen.

Europa habe eine „hochinnovative Industrie“, betont der VDMA-Präsident. Dazu kämen leistungsfähige Unternehmen und hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese Faktoren könne die Branche selbst beeinflussen – und sie bilden das Fundament für zukünftigen Erfolg.

Entscheidend sei allerdings das Umfeld. Die Industrie brauche Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen und Wettbewerb fördern. Genau hier sieht Kawlath den zentralen Handlungsbedarf.

Ein wichtiger Baustein für ein Europa, das wettbewerbsfähig ist, seien Freihandelsabkommen mit Partnern, die ähnliche wirtschaftliche und politische Werte teilen. Kawlath spricht von „Like-minded Countries“. Solche Kooperationen könnten neue Märkte erschließen und gleichzeitig stabile Handelsbeziehungen sichern.

Rüstungsindustrie: Maschinenbau als "Skalierer"

Wenn es um neue Geschäftsfelder geht, wird häufig über die Rolle des Maschinenbaus in der Rüstungsindustrie gesprochen.

Kawlath macht klar, dass wirtschaftlicher Erfolg ohne stabile Sicherheitsstrukturen kaum möglich ist.

„Ohne Sicherheit ist alles nichts“, sagt er. Wenn Europa seine industrielle Basis schützen wolle, müsse es auch seine Verteidigungsfähigkeit stärken.

Der Maschinen- und Anlagenbau könne dabei eine wichtige Rolle übernehmen – allerdings nicht als primärer Akteur der Rüstungsindustrie. Vielmehr sieht Kawlath die Branche als „Skalierer“.

Das bedeutet: Wenn Verteidigungssysteme in größerem Umfang produziert werden müssen, sind Maschinen und Anlagen entscheidend, um diese Produktion effizient zu ermöglichen. Damit trägt der Maschinenbau indirekt zur Sicherheitsarchitektur Europas bei.

Welchen technologischen Schwerpunkt der VDMA-Präsident für noch wichtiger hält und was er zum Thema humanoide Robotik sagt, erfahren Sie im Videointerview:

FAQ: VDMA-Präsident zum europäischen Maschinenbau

Welche Herausforderungen sieht Kawlath für den europäischen Maschinenbau?

Laut Kawlath beeinflussen geopolitische Konflikte, Handelsbarrieren und wirtschaftliche Unsicherheiten die internationalen Märkte des europäischen Maschinenbaus.

Warum fordert Kawlath neue Freihandelsabkommen für den europäischen Maschinenbau?

Freihandelsabkommen mit sogenannten „Like-minded Countries“ sollen stabile Handelsbeziehungen sichern und neue Märkte erschließen.

Welche Rolle spielt der europäische Maschinenbau laut Kawlath in der Verteidigungsindustrie?

Kawlath sieht den Maschinenbau vor allem als „Skalierer“, der durch Maschinen und Anlagen eine effiziente industrielle Produktion von Verteidigungssystemen ermöglicht.

Was meint Kawlath mit „Non-Controllables“ im europäischen Maschinenbau?

Gemeint sind externe Faktoren wie Strafzölle, geopolitische Konflikte oder wirtschaftliche Entwicklungen in wichtigen Märkten, die Unternehmen nicht beeinflussen können.