Unternehmensresilienz: Warum Firmen krisenfester werden müssen
Unternehmensresilienz rückt stärker in den Fokus der Wirtschaft. Sabotage, Cyberangriffe und geopolitische Spannungen erhöhen den Druck auf Unternehmen, ihre Krisenfestigkeit zu stärken.
Unternehmen mit stabilen Krisenstrukturen können wirtschaftlich handlungsfähig bleiben und gelten als zuverlässige Partner. Gerade für Unternehmen, die mit der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zusammenarbeiten oder dies planen, ist diese Stabilität entscheidend.Parradee - stock.adobe.com
Anzeige
Summary:
Sabotageakte, Cyberangriffe und geopolitische Konflikte erhöhen laut DIHK den Druck auf Unternehmen, resilienter zu werden. Neue KRITIS-Regeln definieren Mindeststandards für kritische Infrastruktur. Gleichzeitig rückt Wirtschaftsschutz stärker in den Fokus der Wirtschaftspolitik.
Warum Unternehmensresilienz für die Wirtschaft an Bedeutung gewinnt
Deutschlands kritische Infrastruktur gilt als zunehmend verwundbar. Wie aus einer Stellungnahme der DIHK hervorgeht, zeigen jüngste Ereignisse, wie stark wirtschaftliche Prozesse von stabilen Versorgungsstrukturen abhängen.
Anzeige
Im Herbst 2025 kam es zu einem Stromausfall in einem Berliner Technologiepark. Anfang 2026 mussten rund 45.000 Haushalte sowie etwa 2.200 Betriebe zeitweise ohne Strom und Heizung auskommen. Teilweise waren sogar Abschnitte des Mobilfunknetzes betroffen.
Solche Ereignisse können laut DIHK die Wirtschaft einer gesamten Region innerhalb kurzer Zeit beeinträchtigen. Gleichzeitig nehmen Sabotageakte auf Energie- oder Datenkabel, Drohnensichtungen über kritischen Anlagen sowie Cyberangriffe auf Unternehmen europaweit zu.
Anzeige
Auch geopolitische Konflikte wirken sich auf die wirtschaftliche Stabilität aus. Der Krieg in der Ukraine, der Konflikt im Nahen Osten und weitere Spannungen erhöhen die Unsicherheit für Unternehmen und erschweren langfristige Planungen.
Welche Rolle Krisenmanagement für Unternehmen spielt
Für Unternehmen bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: Krisenpläne müssen überprüft und Geschäftsmodelle widerstandsfähiger gestaltet werden.
Der Aufbau von Resilienz verursacht zunächst zusätzliche Kosten. Dazu zählen etwa ein erweitertes Lieferantennetzwerk, Investitionen in Sicherheitstechnik oder Notstromaggregate. Auch die Einstellung von IT-Sicherheitsexperten sowie der Aufbau klarer Meldewege und Krisenstrukturen führen zu einem höheren organisatorischen Aufwand.
Anzeige
Im Ernstfall entscheidet jedoch ein funktionierendes Krisenmanagement darüber, ob Produktion und Logistik weiterlaufen können oder ob ein Betrieb vollständig zum Stillstand kommt.
Warum Resilienz zum Wettbewerbsvorteil wird
Unternehmen mit stabilen Krisenstrukturen können wirtschaftlich handlungsfähig bleiben und gelten als zuverlässige Partner. Gerade für Unternehmen, die mit der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zusammenarbeiten oder dies planen, ist diese Stabilität entscheidend.
In dieser Branche spielen stabile Lieferketten, der Schutz sensibler Daten und eine funktionierende Produktion auch in Krisensituationen eine zentrale Rolle.
Anzeige
Dabei geht es nicht darum, auf jedes mögliche Szenario vorbereitet zu sein. Entscheidend ist vielmehr, betriebliche Schwachstellen zu erkennen, Risiken zu minimieren und im Ernstfall schnell reagieren zu können.
Mit dem sogenannten KRITIS-Dachgesetz will die Bundesregierung den Schutz kritischer Infrastruktur stärken. Dazu zählen unter anderem Energieversorger, Lebensmittelhersteller und Transportunternehmen.
Anzeige
Das Gesetz definiert Mindestanforderungen für Betreiber kritischer Anlagen. Sie müssen beispielsweise Notfallteams bilden, den Objektschutz sicherstellen und Maßnahmen zur Ausfallsicherheit umsetzen.
Zudem sind Betreiber verpflichtet, Sicherheitsvorfälle beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zu melden. Auf Basis dieser Meldungen erstellt das BBK sogenannte „anlassbezogene Lagebilder“ zur aktuellen Gefährdungslage, die den zuständigen Behörden und Anlagenbetreibern zur Verfügung gestellt werden.
Aus Sicht der DIHK sollte geprüft werden, ob diese Lagebilder künftig auch anderen Unternehmen zugänglich gemacht werden können. Solche Informationen könnten Betrieben helfen, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und ihr Krisenmanagement anzupassen.
Anzeige
Der Schwellenwert für kritische Anlagen liegt laut Gesetz grundsätzlich bei 500.000 Einwohnern, die von einer Anlage versorgt werden. Gleichzeitig können Bundesländer darüber hinaus weitere Anlagen als kritisch einstufen.
Wie Wirtschaftsschutz politisch stärker in den Fokus rückt
Parallel dazu gewinnt der Wirtschaftsschutz in der Wirtschaftspolitik an Bedeutung. Mit der „Nationalen Wirtschaftsschutzstrategie“ betont die Bundesregierung die Verantwortung der Unternehmen für resiliente Geschäftsmodelle.
Entscheidend sei dabei, dass wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen Investitionen in Resilienz ermöglichen. Aus Sicht der Wirtschaft sollte dabei vor allem auf zusätzliche Regulierung verzichtet werden und stärker auf das Eigeninteresse der Unternehmen gesetzt werden.
Auch die IHK-Organisation engagiert sich in diesem Bereich. Die DIHK ist Mitglied der „Initiative Wirtschaftsschutz“ des Bundesministeriums des Innern. Gemeinsam mit Behörden und Verbänden werden Informationsmaterialien für Unternehmen entwickelt und Veranstaltungen zur sicherheitspolitischen Lage organisiert.
Darüber hinaus setzt sich die Organisation für klare Regelungen ein, die eine verlässliche Personalplanung ermöglichen. Dazu gehört auch die Möglichkeit für Unternehmen, zu erfahren, ob Beschäftigte als Reservisten oder in zivilen Hilfsorganisationen engagiert sind, um mögliche personelle Ausfälle im Krisenfall besser einschätzen zu können.
mit Material von DIHK
Die wichtigsten Fragen zur Resilienz
• Warum wird Unternehmensresilienz für Unternehmen wichtiger? – Geopolitische Konflikte, Sabotageakte, Cyberangriffe und Störungen kritischer Infrastruktur erhöhen das Risiko für Produktions- und Lieferkettenausfälle.
• Welche Rolle spielt das KRITIS-Dachgesetz für Unternehmensresilienz? – Das Gesetz definiert Mindestanforderungen für Betreiber kritischer Infrastruktur, etwa Notfallteams, Objektschutz und Meldepflichten bei Sicherheitsvorfällen.
• Welche Branchen profitieren besonders von hoher Unternehmensresilienz? – Vor allem Unternehmen mit komplexen Lieferketten sowie Betriebe der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sind auf hohe Krisenfestigkeit angewiesen.
• Wie können Unternehmen ihre Unternehmensresilienz stärken? – Wichtige Maßnahmen sind Risikobewertung, Krisenmanagement, stabile Lieferketten, IT-Sicherheit und organisatorische Vorsorgestrukturen.