Das deutsche Exportmodell steht laut Körber-Chef Stephan Seifert unter Druck. Fehlende Anpassungen, globaler Wettbewerb und technologische Defizite gefährden die Wettbewerbsfähigkeit.
Der Chef des Technologiekonzerns Körber, Stephan Seifert, sieht das deutsche Exportmodell bedroht.nmann77 - stock.adobe.com
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Summary:
Stephan Seifert, CEO von Körber, warnt in Hamburg vor einem Bedeutungsverlust des deutschen Exportmodells. Besonders Wettbewerb aus China und fehlende industriepolitische Konstanz verschärfen die Lage. Kooperationen und Technologiezugang gelten als zentrale Hebel für die Zukunft.
Was gefährdet das deutsche Exportmodell?
Das deutsche Exportmodell, lange Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg, steht nach Einschätzung von Körber-Chef Stephan Seifert vor grundlegenden Herausforderungen. „Unser langfristiger Wohlstand kommt ganz wesentlich vom Export, aber wir werden unsere Position und unseren Wohlstand nicht halten können, wenn wir so weitermachen wie bisher“, sagte Seifert im Interview der Deutschen Presse-Agentur.
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Das Modell basiert traditionell auf der Ausfuhr hochwertiger Industriegüter. Seifert verweist dabei auf zentrale Erfolgsfaktoren wie „Innovationsführerschaft, Erfinderreichtum und Unternehmertum“.
Warum fordert Körber einen strategischen Wandel?
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Aus Sicht des Technologiekonzerns reicht das bestehende Modell nicht mehr aus. „Das Geschäftsmodell Deutschland muss sich neu erfinden“, betonte Seifert. Entscheidend sei der Zugang zu Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts, insbesondere Künstlicher Intelligenz.
Wie aus der Mitteilung hervorgeht, setzt Körber dabei gezielt auf internationale Kooperationen und Zukäufe, um technologische Kompetenzen und Marktzugänge zu sichern. Partnerschaften mit Unternehmen aus den USA und Asien gelten als besonders relevant. Als Beispiel nennt Seifert Siemens, das diesen Weg bereits erfolgreich beschreite.
Vor allem der Mittelstand sieht sich wachsendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt. „Der Wettbewerb wird jeden Tag sichtbarer, virulenter“, erklärte Seifert. Deutschland verliere kontinuierlich an relativer Wettbewerbsfähigkeit.
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Körber zählt sich selbst zum Mittelstand, auch wenn der Begriff unterschiedlich definiert wird. Die KfW etwa setzt die Grenze bei 500 Beschäftigten und 50 Millionen EUR Jahresumsatz, während andere Definitionen stärker auf Eigentümerstrukturen abstellen. Körber ist ein Stiftungsunternehmen und führt Teile seines Gewinns an die Körber-Stiftung ab.
Kritisch äußerte sich Seifert auch zur aktuellen Wirtschaftspolitik. „Ich war sehr hoffnungsvoll am Tag nach der Bundestagswahl. Heute muss ich sagen, dass viele Ankündigungen nicht umgesetzt worden sind.“ Es fehle an Verlässlichkeit und langfristiger Orientierung.
Als Beispiel nennt er die Diskussion um das Verbrenner-Aus. Die geplante Teil-Abkehr der EU-Kommission – unterstützt von der Bundesregierung – sende aus seiner Sicht widersprüchliche Signale. Investitionen in Zukunftstechnologien wie Batteriezellen würden dadurch nicht gestärkt.
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Insgesamt sei in den vergangenen 20 Jahren eine verlässliche Industrie- und Wirtschaftspolitik verloren gegangen.
Wie hat sich Körber strategisch neu aufgestellt?
Körber selbst hat bereits einen Transformationsprozess durchlaufen. Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis 1946 zurück, als klassischer Maschinenbauer mit Fokus auf die Tabakindustrie. Später kamen weitere Geschäftsfelder wie Papier- und Schleiftechnik hinzu.
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Zwischen Ende 2016 und Anfang 2017 leitete Seifert einen strategischen Umbau ein. Konventionelle Geschäftsfelder wurden abgegeben, gleichzeitig investierte das Unternehmen gezielt in neue Bereiche, insbesondere Software.
Heute ist der Konzern in die Segmente Pharma, Supply Chain und Technologies gegliedert und bietet Maschinen, Anlagen sowie Softwarelösungen an. Laut Unternehmensangaben beschäftigt Körber rund 13.000 Mitarbeiter an mehr als 100 Standorten weltweit.
Mit Material der dpa
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FAQ – Deutsches Exportmodell
• Was ist das deutsche Exportmodell? – Das deutsche Exportmodell beschreibt eine Wachstumsstrategie, die auf der Ausfuhr hochwertiger Industriegüter basiert.
• Warum steht das deutsche Exportmodell unter Druck? – Laut Körber-Chef Seifert gefährden globaler Wettbewerb, insbesondere aus China, sowie fehlende technologische Anpassungen die Wettbewerbsfähigkeit.
• Welche Rolle spielt Technologie für das deutsche Exportmodell? – Der Zugang zu Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz gilt als entscheidend für die Zukunftsfähigkeit.
• Wie reagiert Körber auf das gefährdete Exportmodell? – Körber setzt auf internationale Partnerschaften und Zukäufe, um Technologien und Märkte zu erschließen.
• Welche Kritik gibt es an der Politik im Kontext des Exportmodells? – Es wird mangelnde Konstanz und fehlende Umsetzung wirtschaftspolitischer Maßnahmen bemängelt.