Deutsche Technik trifft italienische Präzision: Mit Hightech, Nachhaltigkeit und KI wächst Italiens Maschinenbau trotz Krisen. Milliardeninvestitionen, starke Förderprogramme und innovative Partnerschaften treiben Europas Industriekern neu an.
Ernst LeisteErnstLeiste
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Hochtechnologie aus Norditalien, Weltmarktführer in Nischen, stabile Zahlen trotz globaler Krisen: Der italienische Maschinenbau zeigt, wie industrielle Exzellenz auch unter Druck florieren kann.ArtoryStock - stock.adobe.com)
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„Italien ist
nicht nur für Mode und Design bekannt – auch im Maschinenbau ist das Land mit
über 60.000 Unternehmen ein Schwergewicht,“ konstatiert Dr. Raffaele Talarico, Geschäftsführer
des VDMA Italia in Bologna. „Mit einer hoch spezialisierten Industrie, starken
Exportzahlen und innovativen Förderprogrammen behauptet sich Italien als
zweitgrößter Maschinenbauproduzent Europas und als globaler Player in
zahlreichen Nischen“.
Trotz Corona-Krise, weltweiter Konjunkturschwäche und verhängter
US-Zölle hat sich der italienische Maschinenbau in den letzten Jahren als
weltweit fünftgrößter Maschinenmarkt behauptet. Nach Schätzung des VDMA
erreichte das Land 2024 – obwohl die Absatzzahlen gegenüber dem Vorjahr um elf Milliarden Euro sanken - einen Umsatz im Maschinenbau von 146 Milliarden Euro und wurde
damit nur von China, den USA, Deutschland und Japan übertroffen.
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„Mit einer hoch spezialisierten Industrie, starken Exportzahlen und innovativen Förderprogrammen behauptet sich Italien als zweitgrößter Maschinenbauproduzent Europas und als globaler Player in zahlreichen Nischen", sagt Dr. Raffaele Talarico, Geschäftsführer des VDMA Italia.VDMA Italia)
„Auch für deutsche Maschinenbauer bleibt Italien aufgrund der
jahrzehntelang gewachsenen engen Beziehungen ein Schlüsselmarkt“, betont Yvonne
Heidler, Referentin Westeuropa/EU beim VDMA. „So liegt Italien im Exportranking
der deutschen Maschinenausfuhr bei Maschinenlieferungen von 9,3 Milliarden Euro im
Jahr 2024 - trotz eines Rückgangs gegenüber dem Vorjahr von elf Prozent - weiterhin
auf Platz 4. Und beim Maschinenimport
nach Deutschland ist es sogar Platz 2, da italienische Maschinen für 7,7 Milliarden Euro „den Weg über die Alpen schafften“. Besonders gefragt in Italien sind
deutsche Maschinen der Branchen Antriebstechnik, Fördertechnik, Allgemeine Lufttechnik, Fluidtechnik, Armaturen, Landtechnik und Werkzeugmaschinen“,
betont die VDMA-Expertin weiter.
Deutsche
Ausfuhren nach Italien höher als nach China
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Auch in dem derzeit eher trüben Gesamtszenario für deutsche
Exporteure bildet Italien eine Ausnahme, denn die deutschen Gesamtausfuhren
nach Italien stiegen nach Daten des Statistischen Bundesamtes in den ersten
neun Monaten 2025 im Vorjahresvergleich um immerhin 2,7 Prozent auf 62,4 Milliarden Euro.
Dagegen ging es bei den deutschen Lieferungen in die USA um 7,8 Prozent auf 112,7 Milliarden Euro und nach China sogar um 12,3 Prozent auf nur noch 61,4 Milliarden Euro bergab. Italien
ist damit inzwischen für die deutsche Exportwirtschaft zu einem wichtigeren
Kunden als die VR China avanciert.
Die Europäische
Kommission erwartet in ihrem neuesten 'Economic Forcast' von November 2025,
dass das Bruttoinlandsprodukt in Italien in den Jahren 2026 und 2027 real um
jeweils 0,8 Prozent steigen wird, nach realen Zuwachsraten von 0,7 Prozent beziehungsweise 0,4 Prozent in den
Jahren 2024 beziehungsweise 2025. Damit erweist
sich die Wirtschaft auf der Apenninenhalbinsel als stabiler als die weiterhin
stagnierende deutsche Wirtschaft.
Investitionsklima und Wirtschaftstrends in Italien
„Stärkster
Wachstumstreiber in Italien ist laut Europäischer Kommission die
Investitionstätigkeit, die 2025 um 2,6 Prozent und 2026 um 2,1 Prozent zulegen soll “,
berichtet Torsten Pauly, Korrespondent von Germany Trade & Invest in
Italien. „Dabei entwickeln sich sowohl die Ausrüstungsinvestitionen 2026 mit
einem Plus von 2,4 Prozent besser als der Bau (+2,3 Prozent). Der Konsum wächst 2025 und 2026
geringer um 0,6 Prozent beziehungsweise 1,1 Prozent und angesichts der Zollbelastungen auf dem US-Markt
und der anhaltenden Konjunkturschwäche in Deutschland und Frankreich nimmt der
Export nur moderat zu (0,4 Prozent bzw. 1,5 Prozent)“, fährt der GTAI-Experte fort.
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„Auch für deutsche Maschinenbauer bleibt Italien aufgrund der jahrzehntelang gewachsenen engen Beziehungen ein Schlüsselmarkt“, sagt Yvonne Heidler, Referentin Westeuropa/EU beim VDMA.Uwe Noelke)
Der
Maschinenbau ist der bedeutendste italienische Industriezweig und hat 2024 – so
die GTAI weiter - etwa 14,3 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung im verarbeitenden
Gewerbe erbracht. In der EU liegen die italienischen Maschinenbauer auf Rang
zwei hinter Deutschland: Ihr Nettoumsatz von 156,2 Milliarden Euro entsprach 2023
einem Anteil von 17,2 Prozent am EU-weiten Ergebnis. Der wichtige Fachverband
Federmacchine erwartet, dass der Umsatz seiner Mitglieder 2025 nominal um 1,6 Prozent zulegt. Für 2026 hat der Verband noch keine Prognose veröffentlicht.
Wo entstehen die Maschinenbau-Innovationen Italiens?
„Italienische
Maschinenbauer profitieren von einer starken Innovationskraft, sehr gut
ausgebildeten Fachkräften und moderaten Lohnkosten“, fährt Torsten Pauly fort.
„Die Lohnstückkosten pro im Maschinenbau Beschäftigten waren 2023 in Frankreich
und im EU-Schnitt um 25,1 Prozent und in Deutschland um 56,2 Prozent höher als in Italien.
Jedoch gibt es insbesondere in Norditalien, wo sich der Maschinenbau
konzentriert, einen zunehmenden Fachkräftemangel und Wettbewerb um hoch
qualifizierte Mitarbeiter.
„So fehlen etwa
qualifizierte Ingenieure und IT-Fachkräfte, besonders für Automatisierung und
KI“, ergänzt Dr. Talarico vom VDMA. “In einigen Regionen können über 60 Prozent der
benötigten Stellen nicht besetzt werden, was die Umsetzung von Industrie 4.0
und die Innovationsfähigkeit der Branche gefährdet“.
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„Ein
internationaler Standortnachteil für die italienischen Maschinenbauer sind auch
die sehr hohen Energiekosten“, fährt Torsten Pauly von der GTAI fort. „Zwischen
Anfang 2022 und Sommer 2025 mussten italienische Unternehmen im Durchschnitt
der jeweiligen Halbjahre zwischen 4,5 Prozent und 51,4 Prozent mehr für eine Kilowattstunde
Strom bezahlen als in Deutschland. Dies liegt an der starken Abhängigkeit von
zu Weltmarktpreisen importierten fossilen Brennstoffen. Diese Abhängigkeit wird
den Energiemix trotz hoher - jedoch spät angelaufener – Investitionen in
erneuerbare Energien auf Jahre hinaus prägen,“ erläutert die GTAI-Experte
weiter.
Starke
Abhängigkeit vom Export
Italienische
Maschinenbauer haben seit Jahrzehnten eine starke Marktstellung auf
Auslandsmärkten. Im Jahr 2024 hat Italien – so analysiert die GTAI - Maschinen
und Anlagen der SITC-Positionen 71 bis 74 im Wert von 107,9 Milliarden Euro
ausgeführt und damit einen Exportüberschuss von 65 Milliarden Euro generiert.
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„Stärkster Wachstumstreiber in Italien ist laut Europäischer Kommission die Investitionstätigkeit, die 2025 um 2,6 Prozent und 2026 um 2,1 Prozent zulegen soll “, sagt Torsten Pauly, Korrespondent von Germany Trade & Invest in Italien.Illing&Vossbeck Fotografie)
„In der
aktuellen Lage wird die hohe Exportabhängigkeit für viele Maschinenbauer jedoch
zum Problem“, berichtet Pauly weiter. „Die hohen US-Zölle belasten das
Geschäft, denn die Vereinigten Staaten sind der weltweit führende Abnehmer, der
2024 italienische Maschinen für 13,8 Milliarden Euro kaufte. Auch die Bestellungen
aus den wichtigsten EU-Märkten Deutschland und Frankreich werden durch die
anhaltende Konjunkturschwäche beeinträchtigt.“ Der Export der
Federmacchine-Mitglieder nach Deutschland war im ersten Halbjahr 2025 um nominal
9,9 Prozent geringer als im selben Vorjahreszeitraum. In die USA gab es einen Rückgang
um 2,7 Prozent, der sich im weiteren Jahresverlauf noch deutlich verstärken könnte.
Daher erwartet
Federmacchine, dass der Exportumsatz seiner Mitglieder 2025 insgesamt nominal
nur um 0,6 Prozent zulegt, real also bestenfalls stagniert. Der Umsatz in Italien soll
dagegen - auch dank verschiedener Förderprogramme - um 3,7 Prozent wachsen.
Viele
Weltmarktführer kommen aus Italien
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„Die Stärke des
italienischen Maschinenbaus liegt in seiner Spezialisierung und
Innovationskraft“, betont Raffaele Talarico vom VDMA. “Vor allem in den
Branchen Verpackungsmaschinen (Lebensmittel, Pharma), Werkzeugmaschinen und
Robotik, Maschinen für die Leder-, Schuh- und Textilindustrie, Landtechnik
sowie Antriebs- und Fluidtechnik sind viele Unternehmen weltweit führend. Die
Produktionsstätten sind vor allem in Norditalien angesiedelt – in Regionen wie
Emilia-Romagna, Lombardei und Piemont, die als Cluster für Maschinenbau
gelten“.
Bedeutende Akteure sind häufig international bekannte Gruppen, so etwa bei:
Verpackungsmaschinen
SACMI Imola
(Keramik-, Verpackungs- und Lebensmittelmaschinen)
IMA
Group – Verpackungsmaschinen, Automatisierung, Pharma
Coesia S.p.A. - Verpackungstechnologie
Ali Group, -
Lebensmittelverarbeitung und Foodservice
SIPA S.p.A. -
Blasformen & Abfüllanlagen für Verpackungen
Nahrungsmittelmaschinen
Pavan Group
(Barilla Group) – Pasta- und Snackmaschinen
Ferrarini &
Benelli – Veredelungs- und Verpackungsmaschinen
CFT Group –
Maschinen für Lebensmittelverarbeitung & Abfüllung
Ferrari /
Maserati / Lamborghini (Stellantis/VW) - Automobil– und Motorenentwicklung
Brembo -
Bremssysteme, Automotive
Dana Graziano
S.r.l. - Getriebekomponenten, mechanische Teile
Sogefi Group
-Luft-, Kühl- und Filtersysteme
Hydraulik
& Pumpen
Interpump Group
- Hydraulik und Hochdruckpumpen
Energie /
Kraftwerke
Saipem -
Engineering & Montage
Ansaldo Energia
- Energie- und Kraftwerksmaschinenbau
Baumaschinen
Merlo S.p.A. -
Baumaschinen, Landmaschinen
Landmaschinen
und Nutzfahrzeuge
CNH Industrial
(Case New Holland)
Schiffbau
(Spezialmaschinen & Großbau)
Fincantieri
Luft- und
Raumfahrt, Verteidigung, High-Tech-Maschinenbau
Leonardo S.p.A.
Schienenfahrzeuge
Hitachi Rail
Italy S.p.A. (ehem. Ansaldo Breda)
Erdölgewinnung
Saipem S.p.A.
Wie präsent sind deutsche Unternehmen in Italien?
„Über 2.000
deutsche Unternehmen sind in Italien aktiv, vor allem im Maschinenbau,“
berichtet Raffaele Talarico vom VDMA. „Bekannte Namen wie Bosch Rexroth, Trumpf
und DMG Mori betreiben Produktionsstätten oder Servicezentren vor Ort. Auch
zahlreiche Mittelständler sind in Norditalien präsent, oft als Zulieferer für
italienische OEMs. Kooperationen erstrecken sich von gemeinsamen
Forschungsprojekten bis hin zu dualen Ausbildungsprogrammen.“
Als aktuelles
Großvorhaben wurde etwa im Oktober 2024 die Gründung der Leonardo Rheinmetall Military Vehicles
(LRMV) mit einer operativen Zentrale in La Spezia verkündet. Das 50-50-Joint
Venture zwischen der Leonardo S.p.A. und der Rheinmetall AG
soll künftig einen neuen europäischen Nukleus für die Entwicklung und
Produktion militärischer Gefechtsfahrzeuge in Europa bilden.
Beispiele für
kleinere Unternehmen, die – teilweise bereits seit vielen Jahren - ihre
Zusammenarbeit mit Partnern von der Apenninenhalbinsel intensivieren, gibt es
zuhauf. So hat etwa die Hufschmied Zerspanungssysteme GmbH aus dem schwäbischen
Bobingen im Mai 2025 mit der CMS S.p.A. aus Zogno in der Lombardei eine
wegweisende technische Partnerschaft geschlossen. Der Hersteller material- und
prozessspezifischer Zerspanungswerkzeuge und der italienische
CNC-Maschinenhersteller wollen gemeinsam die Bearbeitungsstrategien für
fortschrittliche Materialien grundlegend verbessern.
Auch die
Maschinenbau Kitz GmbH aus Troisdorf, ein Spezialist für Profil- und
Fördertechnik, stärkt mit der Gründung der mk Kitz Italia SRL ihre Präsenz im
europäischen Markt. Die neue Gesellschaft in Italien entsteht, wie im Oktober
2025 bekannt wurde, aus einem Joint Venture mit dem langjährigen Distributor Alumotion.
Bereits seit
1998 stellt die Progress Group aus Brixen, eine deutsch-italienische Holding im
Maschinen- und Anlagenbau, mit dem Tochterunternehmen EBAWE Anlagentechnik aus
Eilenburg bei Leipzig und der Tecnocom S.p.A. aus Udine Betonfertigteile,
Schalungs-, Stahlbearbeitungs- und Produktionssysteme her.
Der
italienische Hersteller automatischer Drahtmaschinen A.W.M. S.p.A. und die deutsche Pedax GmbH aus Bitburg entwickeln
gemeinsam Rotor-Richt-, Schneid- und Biegeanlagen. Das Joint Venture kombiniert
das italienische Know-how in Draht-Maschinen mit deutscher Präzision bei
Biegetechnik.
Italiens
Maschinenbauer setzen auf Nachhaltigkeit und künstliche Intelligenz
Italienische
Hersteller investieren seit Jahren in nachhaltige Produktion und Produkte. Wie
Branchenkenner berichten, sind energieeffiziente Maschinen, etwa zur
Optimierung von Motoren oder Antrieben, der Einsatz von Servotechnik zur
Verbrauchsreduktion oder Wärmerückgewinnungssysteme in Industrieanlagen weit
verbreitet. Ebenso stärken immer mehr Maschinen für Recycling, Abfallbehandlung
und Wiederaufbereitung, besser zerlegbare Maschinen oder wiederverwendbare
Verpackungssysteme in der Lebensmittelbranche die bereits stark entwickelte
Kreislaufwirtschaft.
Durch weit
verbreitete Photovoltaik-Panele auf Fabrikdächern, CO₂-neutrale
Produktionsprozesse bei großen Herstellern oder den Einsatz grüner Materialien
und wasserbasierter Lacke werden nachhaltige Produktionsprozesse innerhalb
italienischer Unternehmen gefördert.
Zukunftstechnologien: KI, Smart Factory & Predictive Maintenance
Außerdem spielt
künstliche Intelligenz eine immer wichtigere Rolle bei der Modernisierung der
italienischen Industrie. Öffentlich gefördert steigen die Bestellungen von
vernetzten und nachhaltigen Maschinen. Rasch an Bedeutung gewinnt maschinelles
Lernen. Besonders bei Verpackungs- und Werkzeugmaschinen steigt der Einsatz von 'Predictive Maintenance', die frühzeitigen Verschleiß der Maschinen erkennen,
Wartungsintervalle optimieren und Stillstandzeiten reduzieren.
Wie die GTAI
berichtet, ist der italienische Markt für Smart-Factory-Maschinen von 2021 bis
2024 laut der Universität Politecnico di Milano um 63 Prozent auf eine Milliarde Euro
gestiegen. Laut der gleichen Hochschule bringen 17 Prozent der italienischen
Maschinenbauer 2025 ausschließlich digital vernetzbare Produktionsanlagen auf
den Markt. Weitere 50 Prozent der Hersteller offerieren sowohl diese als auch autonome
Maschinen.
Der
italienische Markt für Data Exploration, Prediction and Optimization Systems in
der gesamten Produktionskette hat 2024 - so die GTAI weiter - laut Politecnico
di Milano bereits 470 Millionen Euro erreicht. Dies entspricht 34 Prozent des italienischen
Marktes für angewandte künstliche Intelligenz, der 2024 um 58 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gewachsen ist.
Hervorragende
Lieferchancen für Maschinen und Anlagen eröffnet auf Jahre hinaus die
Dekarbonisierung der italienischen Industrie. Das Institut Cerved schätzt, dass
Stahlwerke und andere Metallbearbeiter bis 2050 hierfür 7,3 Milliarden Euro aufwenden
werden.
Darüber hinaus
werden bis 2050 laut Cerved vier Milliarden Euro in die Dekarbonisierung der
Zementindustrie, 1,8 Milliarden Euro in die der sonstigen Baustoffhersteller und 1,3
Milliarden Euro in die der Chemieindustrie fließen. Auch weniger energieintensive
Branchen investieren bis 2050 in ihre Klimaneutralität: In der Nahrungsmittel-
und Getränkeindustrie sollen es 920 Millionen Euro, der Kfz-Industrie 591 Millionen Euro
und der Textilindustrie 351 Millionen Euro sein.
Noch höher
schätzt Cerved den Bedarf an klimaneutralen Energieanlagen. Bis 2050 dürften
Raffinerien, Öl- und Gaskonzerne 122 Milliarden Euro und sonstige Energieversorger 75
Milliarden Euro investieren. Sehr stark wachsen soll dabei der Bedarf an
Wasserstoffanlagen.
Förderprogramme
und Investitionsanreize helfen der Branche
Nach Angaben
des VDMA erhält Italien von 2021 bis 2027 etwa 190 Milliarden Euro EU-Fördergelder,
u.a. für ökologischen Wandel, Digitalisierung und nachhaltige Mobilität.
Dadurch eröffnen sich zahlreiche Chancen für italienische Unternehmen. „Zudem
unterstützt die ausgesprochen wirtschaftsfreundliche italienische
Regierung den Maschinenbau massiv. Das Anfang 2024 mit 6,3 Milliarden Euro aufgelegte
Programm 'Transizione 5.0' fördert Investitionen in die digitale und
energetische Transformation von Betrieben“, berichtet Raffaele Talarico weiter.
„Dabei werden bis zu 45 Prozent Steuergutschrift für Investitionen in
Energieeffizienz gewährt“, fährt der Experte fort. „Zudem sehen die Programme 'Industria
4.0' beziehungsweise 'Nuova Sabatini' einen Steuerbonus bis zu 20% für Investitionen in
digital vernetzte Maschinen beziehungsweise Zinsvergünstigungen für Maschineninvestitionen
vor.“
„Allerdings
läuft das Programm 'Transizione 5.0' Ende 2025 aus“, ergänzt Torsten Pauly von
der GTAI. „Die italienische Regierung will mit ihrem Haushalt 2026 ein neues
Förderprogramm auflegen, das jedoch noch nicht feststeht. Verbände gehen zwar
davon aus, dass es dazu kommt, befürchten jedoch eine monatelange Verzögerung
wegen der genauen Ausarbeitung, bevor der neue Fördertitel in Kraft tritt.
Ähnliches war bereits im Vorfeld von 'Transizione 5.0' geschehen, was zu
monatelang schwachen Maschinenbestellungen geführt hatte“, berichtet Pauly
weiter.
Herausforderungen auf dem Weg zu Industrie 4.0
Die größten
Herausforderungen für italienische Maschinenbauer bis 2030 sieht der
VDMA-Fachmann Talarico vor allem in den Sektoren Digitalisierung und Industrie
4.0 sowie Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Denn viele Unternehmen,
insbesondere KMU, haben die digitale Transformation noch nicht vollständig
umgesetzt. Es gelte, den Aufbau vernetzter Produktionssysteme, die Nutzung von
KI, IoT und datengetriebenen Geschäftsmodellen weiter voranzutreiben.
Strengere
EU-Vorgaben zu Nachhaltigkeit und Energieeffizienz (Green Deal,
ESG-Richtlinien) sowie steigende Energiekosten zwingen viele Maschinenbauer zu
Investitionen in energieeffiziente Anlagen und klimaneutrale Prozesse. Außerdem
steigt der Innovationsdruck, da Kunden zunehmend maßgeschneiderte Lösungen,
digitale Services, nachhaltige Produkte oder neue Geschäftsmodelle wie 'Machine-as-a-Service' und 'Predictive Maintenance' fordern.
„Aber obwohl hohe Zinsen, die unsichere Konjunktur auf wichtigsten Auslandsmärkten, der harte
Wettbewerb und bürokratische Hürden italienischen Maschinenbauern das Leben
schwer machen, bleibt Italien – auch auf Jahre hinaus - für europäische
Unternehmen ein überaus attraktiver Standort,“ betont Raffaele Talarico aus
langjähriger Erfahrung.