Industrie-Power aus Bella Italia

Italienischer Maschinenbau trotzt allen Krisen

Deutsche Technik trifft italienische Präzision: Mit Hightech, Nachhaltigkeit und KI wächst Italiens Maschinenbau trotz Krisen. Milliardeninvestitionen, starke Förderprogramme und innovative Partnerschaften treiben Europas Industriekern neu an.

Veröffentlicht Geändert
Hochtechnologie aus Norditalien, Weltmarktführer in Nischen, stabile Zahlen trotz globaler Krisen: Der italienische Maschinenbau zeigt, wie industrielle Exzellenz auch unter Druck florieren kann.
Hochtechnologie aus Norditalien, Weltmarktführer in Nischen, stabile Zahlen trotz globaler Krisen: Der italienische Maschinenbau zeigt, wie industrielle Exzellenz auch unter Druck florieren kann.

„Italien ist nicht nur für Mode und Design bekannt – auch im Maschinenbau ist das Land mit über 60.000 Unternehmen ein Schwergewicht,“ konstatiert Dr. Raffaele Talarico, Geschäftsführer des VDMA Italia in Bologna. „Mit einer hoch spezialisierten Industrie, starken Exportzahlen und innovativen Förderprogrammen behauptet sich Italien als zweitgrößter Maschinenbauproduzent Europas und als globaler Player in zahlreichen Nischen“.

Trotz Corona-Krise, weltweiter Konjunkturschwäche und verhängter US-Zölle hat sich der italienische Maschinenbau in den letzten Jahren als weltweit fünftgrößter Maschinenmarkt behauptet. Nach Schätzung des VDMA erreichte das Land 2024 – obwohl die Absatzzahlen gegenüber dem Vorjahr um elf Milliarden Euro sanken - einen Umsatz im Maschinenbau von 146 Milliarden Euro und wurde damit nur von China, den USA, Deutschland und Japan übertroffen.

„Mit einer hoch spezialisierten Industrie, starken Exportzahlen und innovativen Förderprogrammen behauptet sich Italien als zweitgrößter Maschinenbauproduzent Europas und als globaler Player in zahlreichen Nischen', sagt Dr. Raffaele Talarico, Geschäftsführer des VDMA Italia.
„Mit einer hoch spezialisierten Industrie, starken Exportzahlen und innovativen Förderprogrammen behauptet sich Italien als zweitgrößter Maschinenbauproduzent Europas und als globaler Player in zahlreichen Nischen", sagt Dr. Raffaele Talarico, Geschäftsführer des VDMA Italia.

„Auch für deutsche Maschinenbauer bleibt Italien aufgrund der jahrzehntelang gewachsenen engen Beziehungen ein Schlüsselmarkt“, betont Yvonne Heidler, Referentin Westeuropa/EU beim VDMA. „So liegt Italien im Exportranking der deutschen Maschinenausfuhr bei Maschinenlieferungen von 9,3 Milliarden Euro im Jahr 2024 - trotz eines Rückgangs gegenüber dem Vorjahr von elf Prozent - weiterhin auf Platz 4. Und beim Maschinenimport nach Deutschland ist es sogar Platz 2, da italienische Maschinen für 7,7 Milliarden Euro „den Weg über die Alpen schafften“. Besonders gefragt in Italien sind deutsche Maschinen der Branchen Antriebstechnik, Fördertechnik, Allgemeine Lufttechnik, Fluidtechnik, Armaturen, Landtechnik und Werkzeugmaschinen“, betont die VDMA-Expertin weiter.

Deutsche Ausfuhren nach Italien höher als nach China

Auch in dem derzeit eher trüben Gesamtszenario für deutsche Exporteure bildet Italien eine Ausnahme, denn die deutschen Gesamtausfuhren nach Italien stiegen nach Daten des Statistischen Bundesamtes in den ersten neun Monaten 2025 im Vorjahresvergleich um immerhin 2,7 Prozent auf 62,4 Milliarden Euro. Dagegen ging es bei den deutschen Lieferungen in die USA um 7,8 Prozent auf 112,7 Milliarden Euro und nach China sogar um 12,3 Prozent auf nur noch 61,4 Milliarden Euro bergab. Italien ist damit inzwischen für die deutsche Exportwirtschaft zu einem wichtigeren Kunden als die VR China avanciert.

Die Europäische Kommission erwartet in ihrem neuesten 'Economic Forcast' von November 2025, dass das Bruttoinlandsprodukt in Italien in den Jahren 2026 und 2027 real um jeweils 0,8 Prozent steigen wird, nach realen Zuwachsraten von 0,7 Prozent beziehungsweise 0,4 Prozent in den Jahren 2024 beziehungsweise  2025. Damit erweist sich die Wirtschaft auf der Apenninenhalbinsel als stabiler als die weiterhin stagnierende deutsche Wirtschaft.

Investitionsklima und Wirtschaftstrends in Italien

„Stärkster Wachstumstreiber in Italien ist laut Europäischer Kommission die Investitionstätigkeit, die 2025 um 2,6 Prozent und 2026 um 2,1 Prozent zulegen soll “, berichtet Torsten Pauly, Korrespondent von Germany Trade & Invest in Italien. „Dabei entwickeln sich sowohl die Ausrüstungsinvestitionen 2026 mit einem Plus von 2,4 Prozent besser als der Bau (+2,3 Prozent). Der Konsum wächst 2025 und 2026 geringer um 0,6 Prozent beziehungsweise 1,1 Prozent und angesichts der Zollbelastungen auf dem US-Markt und der anhaltenden Konjunkturschwäche in Deutschland und Frankreich nimmt der Export nur moderat zu (0,4 Prozent bzw. 1,5 Prozent)“, fährt der GTAI-Experte fort.

„Auch für deutsche Maschinenbauer bleibt Italien aufgrund der jahrzehntelang gewachsenen engen Beziehungen ein Schlüsselmarkt“, sagt Yvonne Heidler, Referentin Westeuropa/EU beim VDMA.
„Auch für deutsche Maschinenbauer bleibt Italien aufgrund der jahrzehntelang gewachsenen engen Beziehungen ein Schlüsselmarkt“, sagt Yvonne Heidler, Referentin Westeuropa/EU beim VDMA.

Der Maschinenbau ist der bedeutendste italienische Industriezweig und hat 2024 – so die GTAI weiter - etwa 14,3 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe erbracht. In der EU liegen die italienischen Maschinenbauer auf Rang zwei hinter Deutschland: Ihr Nettoumsatz von 156,2 Milliarden Euro entsprach 2023 einem Anteil von 17,2 Prozent am EU-weiten Ergebnis. Der wichtige Fachverband Federmacchine erwartet, dass der Umsatz seiner Mitglieder 2025 nominal um 1,6 Prozent zulegt. Für 2026 hat der Verband noch keine Prognose veröffentlicht.

Wo entstehen die Maschinenbau-Innovationen Italiens?

„Italienische Maschinenbauer profitieren von einer starken Innovationskraft, sehr gut ausgebildeten Fachkräften und moderaten Lohnkosten“, fährt Torsten Pauly fort. „Die Lohnstückkosten pro im Maschinenbau Beschäftigten waren 2023 in Frankreich und im EU-Schnitt um 25,1 Prozent und in Deutschland um 56,2 Prozent höher als in Italien. Jedoch gibt es insbesondere in Norditalien, wo sich der Maschinenbau konzentriert, einen zunehmenden Fachkräftemangel und Wettbewerb um hoch qualifizierte Mitarbeiter.

„So fehlen etwa qualifizierte Ingenieure und IT-Fachkräfte, besonders für Automatisierung und KI“, ergänzt Dr. Talarico vom VDMA. “In einigen Regionen können über 60 Prozent der benötigten Stellen nicht besetzt werden, was die Umsetzung von Industrie 4.0 und die Innovationsfähigkeit der Branche gefährdet“.

„Ein internationaler Standortnachteil für die italienischen Maschinenbauer sind auch die sehr hohen Energiekosten“, fährt Torsten Pauly von der GTAI fort. „Zwischen Anfang 2022 und Sommer 2025 mussten italienische Unternehmen im Durchschnitt der jeweiligen Halbjahre zwischen 4,5 Prozent und 51,4 Prozent mehr für eine Kilowattstunde Strom bezahlen als in Deutschland. Dies liegt an der starken Abhängigkeit von zu Weltmarktpreisen importierten fossilen Brennstoffen. Diese Abhängigkeit wird den Energiemix trotz hoher - jedoch spät angelaufener – Investitionen in erneuerbare Energien auf Jahre hinaus prägen,“ erläutert die GTAI-Experte weiter.

Starke Abhängigkeit vom Export

Italienische Maschinenbauer haben seit Jahrzehnten eine starke Marktstellung auf Auslandsmärkten. Im Jahr 2024 hat Italien – so analysiert die GTAI - Maschinen und Anlagen der SITC-Positionen 71 bis 74 im Wert von 107,9 Milliarden Euro ausgeführt und damit einen Exportüberschuss von 65 Milliarden Euro generiert.

„Stärkster Wachstumstreiber in Italien ist laut Europäischer Kommission die Investitionstätigkeit, die 2025 um 2,6 Prozent und 2026 um 2,1 Prozent zulegen soll “, sagt Torsten Pauly, Korrespondent von Germany Trade & Invest in Italien.

„In der aktuellen Lage wird die hohe Exportabhängigkeit für viele Maschinenbauer jedoch zum Problem“, berichtet Pauly weiter. „Die hohen US-Zölle belasten das Geschäft, denn die Vereinigten Staaten sind der weltweit führende Abnehmer, der 2024 italienische Maschinen für 13,8 Milliarden Euro kaufte. Auch die Bestellungen aus den wichtigsten EU-Märkten Deutschland und Frankreich werden durch die anhaltende Konjunkturschwäche beeinträchtigt.“ Der Export der Federmacchine-Mitglieder nach Deutschland war im ersten Halbjahr 2025 um nominal 9,9 Prozent geringer als im selben Vorjahreszeitraum. In die USA gab es einen Rückgang um 2,7 Prozent, der sich im weiteren Jahresverlauf noch deutlich verstärken könnte.

Daher erwartet Federmacchine, dass der Exportumsatz seiner Mitglieder 2025 insgesamt nominal nur um 0,6 Prozent zulegt, real also bestenfalls stagniert. Der Umsatz in Italien soll dagegen - auch dank verschiedener Förderprogramme - um 3,7 Prozent wachsen.

Viele Weltmarktführer kommen aus Italien

„Die Stärke des italienischen Maschinenbaus liegt in seiner Spezialisierung und Innovationskraft“, betont Raffaele Talarico vom VDMA. “Vor allem in den Branchen Verpackungsmaschinen (Lebensmittel, Pharma), Werkzeugmaschinen und Robotik, Maschinen für die Leder-, Schuh- und Textilindustrie, Landtechnik sowie Antriebs- und Fluidtechnik sind viele Unternehmen weltweit führend. Die Produktionsstätten sind vor allem in Norditalien angesiedelt – in Regionen wie Emilia-Romagna, Lombardei und Piemont, die als Cluster für Maschinenbau gelten“.

Bedeutende Akteure sind häufig international bekannte Gruppen, so etwa bei:

 Verpackungsmaschinen

SACMI Imola (Keramik-, Verpackungs- und Lebensmittelmaschinen)

IMA Group – Verpackungsmaschinen, Automatisierung, Pharma

Coesia S.p.A. - Verpackungstechnologie

Ali Group, - Lebensmittelverarbeitung und Foodservice

SIPA S.p.A. - Blasformen & Abfüllanlagen für Verpackungen

Nahrungsmittelmaschinen

Pavan Group (Barilla Group) – Pasta- und Snackmaschinen

Ferrarini & Benelli – Veredelungs- und Verpackungsmaschinen

CFT Group – Maschinen für Lebensmittelverarbeitung & Abfüllung

Tetra Pak Italia (Teil der Tetra Laval Group)

Automatisierung & Robotik

Comau (Stellantis Group) – Industrieroboter & Automationssysteme,

ABB Italia - Automatisierung, Energieausrüstung

Gefran – Sensoren, Antriebe, Automatisierungstechnik

Werkzeugmaschinen

Biesse Group – Maschinen für Holz-, Glas- und Steinbearbeitung

SCM Group – Holz- und Materialbearbeitungsmaschinen

Pietro Carnaghi – Großfräsmaschinen & Vertikaldrehmaschinen

Promac - CNC-Werkzeugmaschinen

Textilmaschinen

Saurer / Lonati Group

Anlagenbau / Großmaschinen

Danieli & C. Officine Meccaniche - Großanlagen / Stahl- & Metalltechnik

Automobil / Fahrzeugtechnik

Ferrari / Maserati / Lamborghini (Stellantis/VW) - Automobil– und Motorenentwicklung

Brembo - Bremssysteme, Automotive

Dana Graziano S.r.l. - Getriebekomponenten, mechanische Teile

Sogefi Group -Luft-, Kühl- und Filtersysteme

Hydraulik & Pumpen

Interpump Group - Hydraulik und Hochdruckpumpen

Energie / Kraftwerke

Saipem - Engineering & Montage

Ansaldo Energia - Energie- und Kraftwerksmaschinenbau

Baumaschinen

Merlo S.p.A. - Baumaschinen, Landmaschinen

Landmaschinen und Nutzfahrzeuge

CNH Industrial (Case New Holland)

Schiffbau (Spezialmaschinen & Großbau)

Fincantieri

Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, High-Tech-Maschinenbau

Leonardo S.p.A.

Schienenfahrzeuge

Hitachi Rail Italy S.p.A. (ehem. Ansaldo Breda)

Erdölgewinnung

Saipem S.p.A.

Wie präsent sind deutsche Unternehmen in Italien?

„Über 2.000 deutsche Unternehmen sind in Italien aktiv, vor allem im Maschinenbau,“ berichtet Raffaele Talarico vom VDMA. „Bekannte Namen wie Bosch Rexroth, Trumpf und DMG Mori betreiben Produktionsstätten oder Servicezentren vor Ort. Auch zahlreiche Mittelständler sind in Norditalien präsent, oft als Zulieferer für italienische OEMs. Kooperationen erstrecken sich von gemeinsamen Forschungsprojekten bis hin zu dualen Ausbildungsprogrammen.“

Als aktuelles Großvorhaben wurde etwa im Oktober 2024 die Gründung der Leonardo Rheinmetall Military Vehicles (LRMV) mit einer operativen Zentrale in La Spezia verkündet. Das 50-50-Joint Venture zwischen der Leonardo S.p.A. und der Rheinmetall AG soll künftig einen neuen europäischen Nukleus für die Entwicklung und Produktion militärischer Gefechtsfahrzeuge in Europa bilden.

Kommen Sie zum European Summit nach Rom! Für mehr Informationen klicken Sie hier!

Deutscher Mittelstand in Italien

Beispiele für kleinere Unternehmen, die – teilweise bereits seit vielen Jahren - ihre Zusammenarbeit mit Partnern von der Apenninenhalbinsel intensivieren, gibt es zuhauf. So hat etwa die Hufschmied Zerspanungssysteme GmbH aus dem schwäbischen Bobingen im Mai 2025 mit der CMS S.p.A. aus Zogno in der Lombardei eine wegweisende technische Partnerschaft geschlossen. Der Hersteller material- und prozessspezifischer Zerspanungswerkzeuge und der italienische CNC-Maschinenhersteller wollen gemeinsam die Bearbeitungsstrategien für fortschrittliche Materialien grundlegend verbessern.

Auch die Maschinenbau Kitz GmbH aus Troisdorf, ein Spezialist für Profil- und Fördertechnik, stärkt mit der Gründung der mk Kitz Italia SRL ihre Präsenz im europäischen Markt. Die neue Gesellschaft in Italien entsteht, wie im Oktober 2025 bekannt wurde, aus einem Joint Venture mit dem langjährigen Distributor Alumotion.

Bereits seit 1998 stellt die Progress Group aus Brixen, eine deutsch-italienische Holding im Maschinen- und Anlagenbau, mit dem Tochterunternehmen EBAWE Anlagentechnik aus Eilenburg bei Leipzig und der Tecnocom S.p.A. aus Udine Betonfertigteile, Schalungs-, Stahlbearbeitungs- und Produktionssysteme her.

Der italienische Hersteller automatischer Drahtmaschinen A.W.M. S.p.A. und die deutsche Pedax GmbH aus Bitburg entwickeln gemeinsam Rotor-Richt-, Schneid- und Biegeanlagen. Das Joint Venture kombiniert das italienische Know-how in Draht-Maschinen mit deutscher Präzision bei Biegetechnik.

Italiens Maschinenbauer setzen auf Nachhaltigkeit und künstliche Intelligenz

Italienische Hersteller investieren seit Jahren in nachhaltige Produktion und Produkte. Wie Branchenkenner berichten, sind energieeffiziente Maschinen, etwa zur Optimierung von Motoren oder Antrieben, der Einsatz von Servotechnik zur Verbrauchsreduktion oder Wärmerückgewinnungssysteme in Industrieanlagen weit verbreitet. Ebenso stärken immer mehr Maschinen für Recycling, Abfallbehandlung und Wiederaufbereitung, besser zerlegbare Maschinen oder wiederverwendbare Verpackungssysteme in der Lebensmittelbranche die bereits stark entwickelte Kreislaufwirtschaft.

Durch weit verbreitete Photovoltaik-Panele auf Fabrikdächern, CO₂-neutrale Produktionsprozesse bei großen Herstellern oder den Einsatz grüner Materialien und wasserbasierter Lacke werden nachhaltige Produktionsprozesse innerhalb italienischer Unternehmen gefördert.

Zukunftstechnologien: KI, Smart Factory & Predictive Maintenance

Außerdem spielt künstliche Intelligenz eine immer wichtigere Rolle bei der Modernisierung der italienischen Industrie. Öffentlich gefördert steigen die Bestellungen von vernetzten und nachhaltigen Maschinen. Rasch an Bedeutung gewinnt maschinelles Lernen. Besonders bei Verpackungs- und Werkzeugmaschinen steigt der Einsatz von 'Predictive Maintenance', die frühzeitigen Verschleiß der Maschinen erkennen, Wartungsintervalle optimieren und Stillstandzeiten reduzieren.

Wie die GTAI berichtet, ist der italienische Markt für Smart-Factory-Maschinen von 2021 bis 2024 laut der Universität Politecnico di Milano um 63 Prozent auf eine Milliarde Euro gestiegen. Laut der gleichen Hochschule bringen 17 Prozent der italienischen Maschinenbauer 2025 ausschließlich digital vernetzbare Produktionsanlagen auf den Markt. Weitere 50 Prozent der Hersteller offerieren sowohl diese als auch autonome Maschinen.

Der italienische Markt für Data Exploration, Prediction and Optimization Systems in der gesamten Produktionskette hat 2024 - so die GTAI weiter - laut Politecnico di Milano bereits 470 Millionen Euro erreicht. Dies entspricht 34 Prozent des italienischen Marktes für angewandte künstliche Intelligenz, der 2024 um 58 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gewachsen ist.

Milliardenmarkt Dekarbonisierung bis 2050

Hervorragende Lieferchancen für Maschinen und Anlagen eröffnet auf Jahre hinaus die Dekarbonisierung der italienischen Industrie. Das Institut Cerved schätzt, dass Stahlwerke und andere Metallbearbeiter bis 2050 hierfür 7,3 Milliarden Euro aufwenden werden.

Darüber hinaus werden bis 2050 laut Cerved vier Milliarden Euro in die Dekarbonisierung der Zementindustrie, 1,8 Milliarden Euro in die der sonstigen Baustoffhersteller und 1,3 Milliarden Euro in die der Chemieindustrie fließen. Auch weniger energieintensive Branchen investieren bis 2050 in ihre Klimaneutralität: In der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sollen es 920 Millionen Euro, der Kfz-Industrie 591 Millionen Euro und der Textilindustrie 351 Millionen Euro sein.

Noch höher schätzt Cerved den Bedarf an klimaneutralen Energieanlagen. Bis 2050 dürften Raffinerien, Öl- und Gaskonzerne 122 Milliarden Euro und sonstige Energieversorger 75 Milliarden Euro investieren. Sehr stark wachsen soll dabei der Bedarf an Wasserstoffanlagen.

Förderprogramme und Investitionsanreize helfen der Branche

Nach Angaben des VDMA erhält Italien von 2021 bis 2027 etwa 190 Milliarden Euro EU-Fördergelder, u.a. für ökologischen Wandel, Digitalisierung und nachhaltige Mobilität. Dadurch eröffnen sich zahlreiche Chancen für italienische Unternehmen. „Zudem unterstützt die ausgesprochen wirtschaftsfreundliche italienische Regierung den Maschinenbau massiv. Das Anfang 2024 mit 6,3 Milliarden Euro aufgelegte Programm 'Transizione 5.0' fördert Investitionen in die digitale und energetische Transformation von Betrieben“, berichtet Raffaele Talarico weiter. „Dabei werden bis zu 45 Prozent Steuergutschrift für Investitionen in Energieeffizienz gewährt“, fährt der Experte fort. „Zudem sehen die Programme 'Industria 4.0' beziehungsweise 'Nuova Sabatini' einen Steuerbonus bis zu 20% für Investitionen in digital vernetzte Maschinen beziehungsweise Zinsvergünstigungen für Maschineninvestitionen vor.“

„Allerdings läuft das Programm 'Transizione 5.0' Ende 2025 aus“, ergänzt Torsten Pauly von der GTAI. „Die italienische Regierung will mit ihrem Haushalt 2026 ein neues Förderprogramm auflegen, das jedoch noch nicht feststeht. Verbände gehen zwar davon aus, dass es dazu kommt, befürchten jedoch eine monatelange Verzögerung wegen der genauen Ausarbeitung, bevor der neue Fördertitel in Kraft tritt. Ähnliches war bereits im Vorfeld von 'Transizione 5.0' geschehen, was zu monatelang schwachen Maschinenbestellungen geführt hatte“, berichtet Pauly weiter.

Herausforderungen auf dem Weg zu Industrie 4.0

Die größten Herausforderungen für italienische Maschinenbauer bis 2030 sieht der VDMA-Fachmann Talarico vor allem in den Sektoren Digitalisierung und Industrie 4.0 sowie Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Denn viele Unternehmen, insbesondere KMU, haben die digitale Transformation noch nicht vollständig umgesetzt. Es gelte, den Aufbau vernetzter Produktionssysteme, die Nutzung von KI, IoT und datengetriebenen Geschäftsmodellen weiter voranzutreiben.

Strengere EU-Vorgaben zu Nachhaltigkeit und Energieeffizienz (Green Deal, ESG-Richtlinien) sowie steigende Energiekosten zwingen viele Maschinenbauer zu Investitionen in energieeffiziente Anlagen und klimaneutrale Prozesse. Außerdem steigt der Innovationsdruck, da Kunden zunehmend maßgeschneiderte Lösungen, digitale Services, nachhaltige Produkte oder neue Geschäftsmodelle wie 'Machine-as-a-Service' und 'Predictive Maintenance' fordern.

„Aber obwohl hohe Zinsen, die unsichere Konjunktur auf wichtigsten Auslandsmärkten, der harte Wettbewerb und bürokratische Hürden italienischen Maschinenbauern das Leben schwer machen, bleibt Italien – auch auf Jahre hinaus - für europäische Unternehmen ein überaus attraktiver Standort,“ betont Raffaele Talarico aus langjähriger Erfahrung.

überarbeitet von: Dietmar Poll