Volle Auftragsbücher durch Rüstungsprojekte kaschieren die strukturelle Krise in der Metall- und Elektroindustrie. Der Verband Gesamtmetall schlägt Alarm.
Trotz Großaufträgen im Q4 / 2025 ist die Stimmung in der Metall- und Elektroindustrie weiterhin äußerst schlecht, teilte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall mit.Shutter B - stock.adobe.com)
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Auftragslage bleibt fragil
Mehrere Großaufträge aus dem Verteidigungsbereich sorgten im letzten Quartal 2025 für ein unerwartetes Auftragsplus in der Metall- und Elektroindustrie. Doch trotz dieser kurzfristigen Entlastung bleibt die Stimmung in der Branche angespannt. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall spricht von einem „schrecklichen Jahr“ und zeichnet ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Realität.
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„Für die Metall- und Elektro-Industrie, den Wohlstandsmotor unseres Landes, war das vergangene Jahr ein schreckliches Jahr“, erklärt Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. Die Branche kämpft mit ihrem zweiten Rezessionsjahr in Folge. Trotz eines leichten Produktionsanstiegs um 2,1 Prozent im letzten Quartal 2025 könne keine Rede von einer nachhaltigen konjunkturellen Wende sein.
Bereinigt um die staatlich finanzierten Rüstungsaufträge ist die Auftragslage weiterhin schwach. Zander macht deutlich, dass die Erholung auf tönernen Füßen steht. „Wir verlieren pro Monat fast 10.000 Arbeitsplätze“, so der Hauptgeschäftsführer. Die aktuelle Entwicklung beschreibt ein strukturelles Problem, das nicht durch einmalige Investitionen kompensiert werden kann.
Besonders alarmierend ist der Blick auf die Beschäftigtenzahlen. Im November 2025 arbeiteten in der Metall- und Elektroindustrie noch rund 3,8 Millionen Menschen – ein Rückgang von 102.600 Arbeitsplätzen bzw. 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Während der Umsatz im Jahresvergleich mit einem mageren Plus von 0,6 Prozent praktisch stagnierte, verzeichnete der Absatz sogar einen Rückgang von 0,8 Prozent. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die Nachfrage abseits der militärischen Sonderprojekte schwach bleibt.
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Zwar konnte die Produktion zum Jahresende leicht zulegen, doch Gesamtmetall warnt bereits vor den Aussichten für das laufende Jahr. Es drohe ein erneuter Produktionsrückgang um 0,5 bis 1,5 Prozent. Gleichzeitig müsse mit einem weiteren Verlust von 100.000 bis 150.000 Arbeitsplätzen gerechnet werden.
Ausblick bleibt negativ
Die Mahnung des Verbandes ist eindeutig: Ohne strukturelle Verbesserungen sei die Zukunft der Branche gefährdet. Staatliche Aufträge allein reichen nicht aus, um die Wirtschaftskraft der Metall- und Elektroindustrie zu sichern. Der Appell richtet sich implizit an Politik und Unternehmen, längerfristige Strategien zur Stärkung der industriellen Basis zu entwickeln.
Mit Material der dpa
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FAQ zur Stimmung in der Metall- und Elektroindustrie
Wer hat die Meldung veröffentlicht? – Die Meldung wurde von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) veröffentlicht und vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall kommentiert.
Wie entwickelte sich die Auftragslage 2025? – Im letzten Quartal gab es ein Auftragsplus durch Rüstungsprojekte, insgesamt blieb die Lage jedoch schwach.
Wie viele Arbeitsplätze gingen verloren? – Im Vergleich zum Vorjahr gingen rund 102.600 Arbeitsplätze verloren, das entspricht 2,6 Prozent.
Wie sieht der Ausblick für 2026 aus? – Gesamtmetall rechnet mit einem Rückgang der Produktion um 0,5 bis 1,5 Prozent und bis zu 150.000 weiteren Arbeitsplatzverlusten.
Welche Rolle spielen Rüstungsaufträge? – Rüstungsaufträge sorgen kurzfristig für Entlastung, können aber strukturelle Schwächen der Branche nicht kompensieren.