„Die Beherrschung des Lichtbogens mit all seinen Geheimnissen ist der Kern unseres Geschäftes", fasste Carl-Eberhard Cloos, Enkel von Carl Cloos und Geschäftsführender Gesellschafter der Cloos Holding, das Selbstverständnis des Unternehmens anlässlich des 100-jährigen Jubiläums zusammen.

Offensichtlich geschieht dies mit Erfolg, denn seit mehreren Jahren geht es aufwärts, wie Sieghard Thomas, Geschäftsführer der Carl Cloos Schweißtechnik, bestätigt: „Wir sind auf Kurs und haben einen extrem guten Auftragsbestand von 160 Millionen Euro.“ Der letzte Jahresumsatz lag bei 130 Millionen Euro, nach rund 100 Millionen im vorherigen Geschäftsjahr (endet Oktober), erwirtschaftet von weltweit etwa 750 Mitarbeitern in 50 Ländern.

Cloos eröffnet neue Fertigungshalle 

Angefangen von der Schweißtechnik über die Robotermechanik und -steuerung bis hin zu Positionierern, Software und Sensorik, kommt bei Cloos alles aus einer Hand. Das braucht Platz, und so weihte man zum Jubiläum eine neue Fertigungshalle in Haiger ein. „Damit erweitern wir die Fläche für die Montage von automatisierten Schweißanlagen um rund 2.500 Quadratmeter.“ Hinzu kommen rund 400 Quadratmeter für Engineering, in Summe 18.000 Quadratmeter.

„Mit Mut, Innovationskraft und Pioniergeist sowie mit hervorragend ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat sich das Unternehmen mittlerweile zu einem erfolgreichen Global Player entwickelt“, lobte dann auch der hessische Ministerpräsident, Volker Bouffier. Für ihn der Beweis, dass regionale Verbundenheit und Weltoffenheit, Tradition und Innovation hervorragend zusammenpassten.

Cloos ist Pionier der Schweiß- und Robotertechnik

1919 gründete Carl Cloos sein Unternehmen, anfangs zur Herstellung von Acetylen-Gaserzeugern und Autogenschweißbrennern. 1956 stellte Cloos das erste industriell nutzbare CO2-Schutzgasschweißgerät mit endloser Drahtelektrode vor. 1958 legt die erste in eine Fertigungszelle integrierte Schweißstromquelle den Grundstein für das automatisierte Roboterschweißen.

Während der 1970er- und 1980er-Jahre entstanden die Impulsvarianten der Lichtbogen-Schweißverfahren. Im Laufe der 1990er-Jahre folgten Hochleistungsvarianten des MAG-Schweißens.

Vorreiter war Cloos 1996 auch mit dem Tandem-Schweißverfahren: Zwei Lichtbögen in einem gemeinsamen Schmelzbad sorgen für sicheren Einbrand und schnelle Füllung großer Fugen. Jetzt soll das neuen Tandem-Synergy-Pro-Paket wieder Maßstäbe in der Schweißtechnik. Dank synergiekennlinienbasierter Bedienung der Stromquelle lassen sich auf einfache und schnelle Art die optimalen Parameter für Schweißaufgaben finden.

Der 2004 eingeführte Laser-Hybrid-Prozess kombiniert einen Laserstrahl mit einem MSG-Lichtbogen für hohe Energiedichte. Die 2005 entwickelten Techniken Cold Metal Transfer und Cold Metal Arc erreichen durch einen gepulsten Schweißstrom und einen Zusatzdraht, der mit hoher Frequenz vor- und zurückbewegt wird, besonders saubere Schweißnähte mit geringem Wärmeintrag. Ein Jahr später folgte eine Impulsschweißstromquelle, die vor allem im Dünnblechschweißen für Rekorde sorge.

Automatisierungsquote: Wo arbeiten die meisten Roboter?

Global betrachtet arbeiten im Schnitt 74 Roboter pro 10.000 Mitarbeiter in der Fertigungsindustrie. Das gab die International Federation of Robotics (IFR) in der jüngsten Statistik bekannt. Klicken Sie sich durch und sehen Sie, wie die Roboterdichte laut IFR weltweit verteilt ist.

In der Zukunft wird digital geschweißt

Industrie 4.0 treibt auch die Schweißtechnik voran. Schon lange werden, so Siegfried Thomas, im Schweißgerät Parameter überwacht und Daten aufgezeichnet. Ein Beispiel: „Roboter und Stromquelle liefern jede Menge Daten über ihren Betriebszustand und die Prozessparameter. Via Dashboard können wir diese Daten in nützliche Auswertungen verpacken und zuverlässige Aussagen über die Performance der Anlage gewinnen.“

Auf Basis zusätzlicher Algorithmen soll die Anlage in Zukunft ihren Optimierungsbedarf selbst erkennen und Lösungsansätze vorschlagen oder gleich selbst realisieren – eine wichtige „Voraussetzung für komplett verkettete, hochautomatisierte Anlagen“. Schnittstellen sorgen dafür, dass die Daten auch in übergeordneten Netzwerken weiterverarbeitet werden können.

Ein weiteres Beispiel: In der neuen 64-Bit-Variante kann die Programmiersoftware Roboplan Roboter-Bahnprogramme direkt aus einem CAD-Programm übernehmen. Sieghard Thomas: „Das hat noch Grenzen, aber schon bei mittelkomplexen Teilen arbeiten wir vollautomatisch.“

Aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet Dr. Klemens Skibicki die Digitalisierung. Der Professor für Economics, Marketing und Marktforschung an der Cologne Business School in Köln ging in seinem Impulsreferat zur 15. Schweißfachtagung von Cloos auf die digitale Transformation ein. Seine These: „Nur Firmen, die Nähe zu ihren Kunden, Partnern und Mitarbeitern dort herstellen, wo die Generation unter 30 kommuniziert, werden schnellere und bessere Entscheidungen treffen als der Wettbewerb.“

Anders ausgedrückt: Die digitale Transformation sei ein unumgänglicher ganzheitlicher Prozess, bei dem Wettbewerbsfähigkeit über neu definierte, grenzenlose Marktnähe hergestellt werde. Die Technologie sei schon da, „der entsprechende Mentalitätswandel sollte möglichst schnell folgen!“

Warum Henan Junton Vehicle ein besonderer Cloos-Kunde ist

Ein besonderer Cloos-Kunde ist der chinesische Nutzfahrzeugspezialist Henan Junton Vehicle. Jiangfeng Pan, Geschäftsführer und Eigentümer, stellte in Haiger sein Unternehmen und die Zusammenarbeit mit Cloos vor. Erst 2005 gegründet, verfügt das Unternehmen heute über die größte Fertigungskapazität für Nutzfahrzeuge in China für jährlich 80.000 Fahrzeuge.

Dort sind bereits 70 Roboter von Cloos im Einsatz, derzeit wird auf 100 erhöht. Die Cloos-Erfahrung: Der Verkettungsgrad der Anlagen in China und auch die Bereitschaft, Maschinen oder Anlagen in ein Netzwerk einzubinden, sei in China deutlich größer als hierzulande.

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