Joe Kaeser lächelt freundlich in die Kamera.

Joe Käser - ehemaliger CEO von Siemens. - Bild: Siemens AG

Am Mittwoch bekommt Joe Kaeser noch einmal die große Bühne. Auf der Siemens-Hauptversammlung verabschiedet sich der Mann, der in den letzten knapp acht Jahren den Konzern radikal umgebaut hat. Es ist ein ruhiger Wechsel. Seit gut einem Jahr hat sich Nachfolger Roland Busch mit dem neu geschaffenen Titel als stellvertretender Vorstandsvorsitzender dafür warmgelaufen. Und nicht nur der Wechsel ist ruhiger als Kaesers eigener Start an der Siemens-Spitze, als 2013 nach einer Reihe von Gewinnwarnungen Vorgänger Peter Löscher den Hut nehmen musste. Auch der Nachfolger wirkt ruhiger.

Bei Twitter lässt sich der Unterschied bestens beobachten. Wo Kaeser sich oft politisch positioniert, manchmal schneller kommuniziert als sein Kommunikationsteam folgen kann, wirkt Busch zurückhaltender und überlegter - auch ein Stück glatter. Wo Kaeser - nicht nur auf Twitter - gerne den Welterklärer gibt, beschränkt sich Busch bisher meist auf das Unternehmen, das er übernimmt.

Nach dem Finanzer wieder ein Naturwissenschaftler

"Ich werde mich äußern, wenn es um die geschäftlichen Interessen und Werte von Siemens geht", sagt Busch selbst. "Ich nehme zum Beispiel mit großer Sorge wahr, dass Europa sich heute in der Welt unter Wert verkauft", doch Kaeser, dem manche auch eine gewisse Neigung zur Selbstdarstellung attestieren, lehnte sich oft weiter aus dem Fenster. 2019 brachte ihm sein Engagement gegen Rechtsextremismus sogar eine Morddrohung ein.

Der Neue ist gar nicht so neu. Schließlich ist der in der Siemens-Stadt Erlangen geborene 56-jährige Busch seit 1994 im Unternehmen. Und er bekommt viele Vorschusslorbeeren: Pragmatisch sei er, lösungsorientiert. Viele im Unternehmen freuen sich auch, dass nach dem Finanzer Kaeser wieder ein Naturwissenschaftler übernimmt. Busch ist promovierter Physiker. Und auch auf der Arbeitnehmerseite spricht man positiv über ihn.

Kaeser hatte eine Vision für Siemens

Radikale Veränderungen werden von Busch nicht erwartet - nicht nur, weil er den Kurs der vergangenen Jahre ja mitbestimmt hat und sich dank seiner starken Position im Unternehmen nicht mit Reformen beweisen muss. Die Ära des tiefgreifenden Umbaus bei Siemens ist vorbei. Das ehemalige Industriekonglomerat ist zerlegt. Kaeser hat diesen Weg, den schon seine Vorgänger begonnen hatten, mit den Abspaltungen von Healthineers und Energy vollendet.

Und zumindest die Börse gibt dem scheidenden Chef recht. Um die Energy-Abspaltung bereinigt, erreichte die Siemens-Aktie zuletzt Höchststände. Eine Tatsache, die Kaeser natürlich selbst auf Twitter betonte.

Er habe das Ziel gehabt, Siemens in einem besseren Zustand zu übergeben, als er es übernommen habe, sagte Kaeser zuletzt gerne. Und nicht nur die Börse bestätigt ihm das. Auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagt in Erinnerung an den Zustand im Jahr 2013: "Kaeser hat das Unternehmen damals nicht nur geeint - auch mit Hilfe seiner guten Vernetzung im Haus - sondern er hatte auch eine Vision für Siemens. Er hat sie umgesetzt und Siemens damit auch vor Angriffen von außen bewahrt."

Der Anfang einer Transformation

Wer agiere, mache natürlich auch Fehler, sagt Bergdolt, "aber die Bilanz sehe ich klar positiv". Auch Fondsmanagerin Vera Diehl von Union Investment zeigt sich mit der "Ära Kaeser" und seinem "fulminanten Endspurt" zufrieden.

Busch erhält also ein gut bestelltes Unternehmen. Auch die Corona-Krise übersteht Siemens bisher gut, gerade erst hat das Unternehmen mit seinen vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Quartal die Erwartungen übertroffen. Busch muss jetzt - so ist es von vielen Seiten zu hören - die Vision vom neuen Siemens vor allem mit Leben füllen und zum Erfolg führen. Auch er selbst sagt, der Umbau sei "nicht das Ende, sondern der Anfang der Transformation".

"Busch steigt in Riesenmeilenstiefel", sagt Aktionärsschützerin Bergdolt. Joe Kaeser, der Niederbayer, der vor mehr als 40 Jahren als Josef Käser zu Siemens kam, der erst seinen Namen und später den ganzen Konzern umbaute: Er wird das gerne hören.

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