Schweißer schweißt

Händeringend gesucht: Fachkräfte. - Bild: Pixabay

| von Gabriel Pankow

Unternehmen in Deutschland sehen den Fachkräftemangel als erhebliches Problem. In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) vor einem Spitzentreffen im Kanzleramt an diesem Montag gaben 56 Prozent der Firmen an, dass dies das größte Geschäftsrisiko darstelle. Ein Drittel der Unternehmen hat demnach in den vergangenen Jahren bereits ausländische Fachkräfte aus der EU sowie aus Nicht-EU-Staaten eingestellt.

Bundesregierung, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften kommen am Montag im Kanzleramt zu einem Spitzentreffen zusammen. Dabei geht es darum, wie das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz schnell wirken kann. Es tritt am 1. März 2020 in Kraft und soll qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland ebnen.

"Wir haben das Handwerk heute Abend am Tisch. Wir wollen mit denen besprechen, auf welche Länder wir uns erst einmal konzentrieren", kündigte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Inforadio des RBB an. Es sei Aufgabe der Wirtschaft selbst, sich um Fachkräfte zu kümmern. "Und wir werden dann die entsprechenden bürokratischen Hürden weghauen." Es gehe etwa um die Anerkennung von Berufsabschlüssen, Sprachkenntnisse und Visumserteilung.

Deutschland: Nicht attraktiv für qualifizierte Einwanderer?

Zuwanderungswilligen Akademikern bietet Deutschland einer anderen Studie zufolge nur mäßige Rahmenbedingungen. Bei der Attraktivität lande die Bundesrepublik unter den mehr als 30 OECD-Industrieländern nur auf Rang zwölf, heißt es in einer gemeinsamen Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte vor dem Spitzentreffen betont, dass Deutschland auf gut qualifizierte Fachkräfte auch aus dem Nicht-EU-Ausland angewiesen sei. Das Gesetz soll ihnen den Weg nach Deutschland erleichtern.

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, bezeichnete das Fachkräfteeinwanderungsgesetz als "gutes Gesetz". In der "Passauer Neuen Presse" (Montag) forderte er aber eine "rasche und unbürokratische" Umsetzung - also in der Praxis zum Beispiel schnellere Visa-Verfahren. "Aktuell gehen wir davon aus, dass im Handwerk etwa eine Viertel Million Stellen unbesetzt bleiben müssen, da die Betriebe keine geeigneten und zum Teil nicht entsprechend qualifizierten Mitarbeiter finden."

Schnellere Visa-Verfahren gefordert

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, kündigte weitere Partnerabkommen mit anderen Ländern über die gezielte Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland an. "Die Bundesagentur wird weitere Partnerabkommen über die vereinfachte Arbeitsmigration nach Deutschland mit anderen Ländern abschließen, wie wir sie beispielsweise schon mit den Philippinen oder Mexiko haben", sagte Scheele der "Rheinischen Post" (Montag). Hier gehe es vor allem um Berufe im Gesundheitssektor.

Linken-Chefin Katja Kipping plädierte bei RTL/ntv für einen Pfadwechsel, "raus aus dem Asylverfahren rein ins Fachkräfteverfahren. Denn diese Menschen sind schon hier, haben schon begonnen, die deutsche Sprache zu lernen und teilweise begonnen, sich zu integrieren. Da fangen wir nicht bei Null an."

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel übte Kritik: "Mit der geplanten Anwerbung von Fachkräften im Ausland wird sich das Problem der Zuwanderung in die Sozialsysteme weiter verschärfen. Am Ende wird es heißen: Wir riefen Fachkräfte und Sozialhilfeempfänger kamen." Es sei sinnvoller, die Abwanderung von Fachkräften aus Deutschland zu stoppen.

Mindestlöhne in der EU: So groß sind die Unterschiede

Ein Unterschied wie Tag und Nacht: Die gesetzlichen Brutto-Mindestlöhne pro Monat in diesen 22 EU-Ländern variieren enorm. Zwischen dem Gehalt des letzten und des ersten Platzes liegen Welten. Oder um es in Zahlen auszudrücken: 1.738 Euro. Zum Ländervergleich!