Auftragseingang im Werkzeugmaschinenbau

Werkzeugmaschinenbau: Aufträge steigen um 12 %

Der Werkzeugmaschinenbau bestätigt seinen Aufwärtstrend: Im zweiten Quartal 2026 steigen die Auftragseingänge um 12 %. Doch Produktion und Inlandsabsatz folgen der Erholung bislang nicht.

Im Werkzeugmaschinenbau setzt sich der Positivtrend auch im 2. Quartal fort: Die Auftragseingänge stiegen um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

• Der deutsche Werkzeugmaschinenbau verbucht im zweiten Quartal 2026 ein Auftragsplus von 12 % und im ersten Halbjahr von 14 %.
• Luftfahrt und Verteidigung treiben die Nachfrage, während Automobilindustrie, Metallbearbeitung und Maschinenbau schwieriger bleiben.
• Die Produktion sinkt im ersten Halbjahr um 7 % auf rund 5,9 Mrd. EUR, der Inlandsabsatz gibt um 10 % nach.
• Exporte in die USA steigen um 8 %, während die Lieferungen nach China um 24 % und die Ausfuhren nach Europa um 6 % zurückgehen.

Wie stark wächst der Auftragseingang im Werkzeugmaschinenbau?

Die Erholung im deutschen Werkzeugmaschinenbau gewinnt an Kontur. Im zweiten Quartal 2026 lagen die Auftragseingänge 12 % über dem Vorjahreszeitraum. Bereits im ersten Quartal hatte die Branche ein Plus von 15 % verbucht. Damit ergibt sich für das erste Halbjahr 2026 ein Zuwachs von insgesamt 14 %.

Auch die Aufteilung nach Herkunft der Bestellungen zeigt positive Vorzeichen. Die Inlandsbestellungen legten um 16 % zu, die Aufträge aus dem Ausland um 13 %, wie aus der Mitteilung des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) hervorgeht.

„Zwei Quartale in Folge mit einem zweistelligen Auftragsplus sind ein ermutigendes Signal. Die Talsohle liegt hinter uns und die Aufwärtsentwicklung festigt sich“, kommentiert Bernhard Geis, Leiter Wirtschaft und Statistik im VDW, die Zahlen.

Gleichzeitig warnt Geis vor einer zu optimistischen Bewertung: „Für Entwarnung ist es dennoch zu früh. Wir kommen von einem niedrigen Ausgangsniveau, und das Projektgeschäft trägt weiterhin wesentlich zum Wachstum bei. Von einer breiten Nachfrageerholung können wir deshalb nur eingeschränkt sprechen.“

Luftfahrt und Verteidigung treiben die Nachfrage

Die Entwicklung unterscheidet sich deutlich zwischen den einzelnen Abnehmerbranchen. Besonders dynamisch zeigen sich Luftfahrt und Verteidigung. Auch die Nachfrage aus der Elektronikindustrie und der Medizintechnik wird positiv beurteilt.

Schwieriger bleibt dagegen die Situation in der Metallbearbeitung und im Maschinenbau. Die größten Herausforderungen bestehen weiterhin in der Automobil- und Zulieferindustrie. Deren Anteil am Gesamtabsatz der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie sank 2025 auf 23 %.

Größter Abnehmer bleibt der Maschinenbau mit einem Anteil von 27 %. Deutlich an Gewicht gewonnen hat die Luftfahrtindustrie. Innerhalb von zwei Jahren stieg ihr Anteil um fünf Prozentpunkte auf 11 %.

Bernhard Geis, Leiter Wirtschaft und Statistik im VDW.

Warum erreicht die Erholung die Produktion noch nicht?

Während sich der Auftragseingang im Werkzeugmaschinenbau verbessert, ist die Trendwende in der Produktion noch nicht angekommen. Im zweiten Quartal 2026 lag die Produktion schätzungsweise 6 % unter dem Vorjahresniveau.

Für das gesamte erste Halbjahr ergibt sich ein Rückgang um 7 % auf rund 5,9 Mrd. EUR. Die verbesserte Auftragslage dürfte sich jedoch im weiteren Jahresverlauf zunehmend in der Produktion bemerkbar machen.

Die Kapazitätsauslastung hat sich zuletzt bei rund 75 % stabilisiert. Gleichzeitig setzt sich der strukturelle Anpassungsprozess fort. Im Juni beschäftigten die Unternehmen rund 60.000 Menschen. Das waren gut 6 % weniger als ein Jahr zuvor. Real liegt die Produktion inzwischen rund ein Drittel unter den Hochphasen früherer Jahre.

Exporte zeigen unterschiedliche Entwicklungen

Im Exportgeschäft zeichnet sich zumindest eine Stabilisierungstendenz ab. Im zweiten Quartal lagen die Ausfuhren noch 4 % unter dem Vorjahr. Damit schwächte sich der Rückgang gegenüber dem ersten Quartal deutlich ab.

Die USA bleiben als größter Absatzmarkt eine wichtige Stütze. Im ersten Halbjahr stiegen die Lieferungen dorthin um 8 %. Anders entwickelte sich China: Die Exporte in den zweitgrößten Absatzmarkt gingen um 24 % zurück. Unternehmen berichten zuletzt jedoch von einer Stabilisierung und leichten Belebung der chinesischen Nachfrage.

Angesichts des intensiven Preiswettbewerbs gewinnt für deutsche Hersteller mit eigener Produktion vor Ort das Prinzip „Local for Local“ weiter an Bedeutung.

In Europa gingen die deutschen Werkzeugmaschinenexporte im ersten Halbjahr insgesamt um 6 % zurück. Frankreich entwickelte sich dagegen mit einem Plus von 25 % positiv und rückte auf Rang drei der wichtigsten Absatzmärkte vor. Auch Polen und Tschechien lieferten positive Impulse. Indien setzt seinen Wachstumskurs ebenfalls fort und ist mittlerweile der viertgrößte Absatzmarkt der Branche.

Warum bleibt der deutsche Markt angespannt?

Trotz steigender Inlandsbestellungen bleibt die Lage auf dem Heimatmarkt schwierig. Der Inlandsabsatz lag im ersten Halbjahr 10 % unter dem Vorjahreswert. Konjunkturindikatoren wie das ifo-Geschäftsklima und der Einkaufsmanagerindex zeigen zugleich eine verbesserte Stimmung in der Industrie.

Die Importe entwickelten sich mit einem Minus von 2 % besser als der Inlandsabsatz. Insbesondere japanische und südkoreanische Hersteller konnten ihre Verkäufe in Deutschland steigern. Insgesamt sank der Inlandsverbrauch um 6 %. Die Investitionsschwäche am deutschen Markt ist damit noch nicht überwunden.

Bernhard Geis fasst die Entwicklung zusammen: „Der Auftragseingang insgesamt zeigt nun seit einem halben Jahr in die richtige Richtung. Entscheidend ist jetzt, dass daraus eine nachhaltige Erholung wird.“

Werkzeugmaschinenbau als Indikator der Industrie

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie zählt zu den fünf größten Fachzweigen des Maschinenbaus. Sie liefert Produktionstechnologie für die Metallbearbeitung in alle Industriezweige und trägt zu Innovation und Produktivitätsfortschritt bei.

Aufgrund ihrer Schlüsselstellung für die industrielle Produktion gilt ihre Entwicklung als wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Dynamik der Industrie. 2025 produzierte die Branche mit durchschnittlich rund 64.500 Beschäftigten in Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitern Maschinen und Dienstleistungen im Wert von rund 13,8 Mrd. EUR.

mit Material des VDW

Was Sie zum Thema Werkzeugmaschinenbranche wissen müssen

• Wie entwickelt sich der Auftragseingang im Werkzeugmaschinenbau? – Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahr um 12 %, im ersten Halbjahr um 14 %.

• Welche Branchen treiben den Werkzeugmaschinenbau? – Besonders dynamisch entwickeln sich Luftfahrt und Verteidigung. Auch Elektronikindustrie und Medizintechnik werden positiv beurteilt.

• Wie entwickelt sich die Produktion im Werkzeugmaschinenbau? – Im ersten Halbjahr 2026 sank die Produktion um 7 % auf rund 5,9 Mrd. EUR.

• Welche Exportmärkte sind für den Werkzeugmaschinenbau wichtig? – Die USA bleiben größter Absatzmarkt. Frankreich rückte auf Rang drei vor, Indien ist mittlerweile der viertgrößte Absatzmarkt.

• Warum ist die Erholung im Werkzeugmaschinenbau noch nicht nachhaltig? – Produktion und Inlandsabsatz liegen weiter unter dem Vorjahr, zudem trägt das Projektgeschäft wesentlich zum Auftragswachstum bei.