Condition Monitoring: Vom Messwert zum Servicefall
Condition Monitoring soll relevante Abweichungen erkennen, ohne Bediener und Instandhaltung mit Meldungen zu überlasten. Entscheidend ist der Kontext: Erst klare Regeln machen aus Messdaten einen belastbaren Servicefall.
Condition Monitoring verhindert eine Alarmflut: Kontextbezogene Regeln machen aus relevanten Messwerten konkrete Servicefälle.Symbolbild - KI-generiert
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• Condition Monitoring sollte Maschinenzustand, Dauer und Bedeutung einer Abweichung berücksichtigen. • Statische Grenzwerte erzeugen bei Aufheizen, Formatwechseln oder Laständerungen leicht unnötige Alarme. • Zusammengehörige Signale lassen sich in einem Servicefall bündeln und gezielt priorisieren. • Klare Verantwortlichkeiten, Reaktionszeiten und Abschlusskriterien verbessern die Alarmqualität.
Nach einem Formatwechsel am Montagmorgen liegt die Temperatur der Siegelbacken einer Schlauchbeutelmaschine einige Grad über dem Sollwert. Gleichzeitig steigt kurzfristig die Stromaufnahme des Folienvorschubs, während der Versorgungsdruck schwankt. Fünf Minuten später produziert die Linie störungsfrei.
Muss ein Instandhaltungstechniker reagieren? Falls nicht, sollten diese Abweichungen auch nicht als Alarme mit unmittelbarem Handlungsdruck erscheinen. Genau hier liegt eine typische Schwachstelle vieler Condition-Monitoring-Projekte: Daten, Diagramme und Grenzwerte sind vorhanden, doch es fehlt die klare Regel, wann aus einer Abweichung eine konkrete Aufgabe wird.
Ein Alarm kennzeichnet einen Zustand, der innerhalb einer festgelegten Zeit eine definierte Reaktion erfordert. Entscheidend ist daher: Muss ein Mitarbeiter handeln, und wenn ja, wie? Gibt es darauf keine klare Antwort, handelt es sich eher um ein Ereignis oder einen Datenpunkt für die Trendanalyse.
Ein statischer Grenzwert kennt den jeweiligen Maschinenprozess nicht. Temperatur, Stromaufnahme, Druck und Schwingungen verändern sich auch im fehlerfreien Betrieb. Beim Aufheizen gelten andere Bedingungen als bei Nenngeschwindigkeit. Auch eine andere Foliensorte oder Folienstärke kann die Belastung des Vorschubs verändern.
Eine sinnvolle Alarmregel beginnt beim konkreten Fehlerbild. Sie definiert, welche Abweichung erkannt werden soll, in welchem Maschinenzustand sie relevant ist, wie lange sie bestehen darf und welche Prüfung oder Maßnahme daraus folgt.
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Wie wird der Maschinenzustand berücksichtigt?
Betrachtet wird eine Schlauchbeutelmaschine mit beheizter Längs- und Quersiegelung, servogeregeltem Folienvorschub und Pneumatiksystem. Erfasst werden Temperatur, Antriebsstrom, Geschwindigkeit, Druck und Schwingungen an einem Lagerpunkt. Die Werte sind beispielhaft und werden in realen Projekten aus den Prozessdaten abgeleitet.
Kontext statt Grenzwert: So wird der Alarm belastbar
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Eine starre Regel könnte lauten: „Alarm, wenn die Siegeltemperatur um mehr als sieben Grad vom Sollwert abweicht.“ Damit würden beim Aufheizen oder nach einem Formatwechsel auch erwartbare Übergänge gemeldet. Eine belastbare Regel kann dagegen voraussetzen, dass Automatikbetrieb und Produktionsfreigabe aktiv sind, das Aufheizen beendet ist und das aktuelle Format feststeht. Zusätzlich muss die Linie seit zwei Minuten innerhalb eines definierten Geschwindigkeitsbereichs laufen. Erst wenn die Isttemperatur länger als 90 Sekunden um mehr als sieben Grad abweicht, wird eine Meldung erzeugt. Zurückgenommen wird sie erst, wenn die Abweichung fünf Minuten lang unter drei Grad liegt.
In einer Regelmatrix können Alarmbedingungen und erste Reaktionen zusammengeführt werden. Bei der Siegeltemperatur folgen auf eine länger anhaltende Abweichung zunächst die Prüfung des Siegelbilds und bei Wiederholung ein Auftrag mit Temperatur- und Heizleistungsverlauf.Adtance
Zusatzdaten verbessern die Fehlerdiagnose
So werden kurze Spitzen ausgeblendet. Die Rückschaltschwelle verhindert zudem, dass eine Meldung an der Grenze ständig ein- und ausgeschaltet wird. Für eine Diagnose reichen diese Angaben jedoch nicht. Zusätzliche Informationen können zeigen, ob beispielsweise die Heizleistung steigt, obwohl die Temperatur fällt, ob nur eine Zone betroffen ist oder ob sich das Siegelbild verändert. Damit lässt sich ein Sensorproblem besser von einem möglichen Defekt an Heizung oder Regelung unterscheiden.
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Alarmregeln für Folienvorschub, Lager und Pneumatik
Beim Folienvorschub kann eine über 60 Sekunden erhöhte Stromaufnahme bei stabilem Format und konstanter Geschwindigkeit eine Prüfung von Folienlauf, Rollenwiderstand und Verschmutzung auslösen. Am Lagerpunkt können drei Messungen oberhalb einer Schwingungsreferenz zur Bewertung von Trend und Spektrum sowie zu einer geplanten Inspektion führen. Wird bei aktiver Ventilgruppe der Mindestdruck mehrere Sekunden unterschritten, stehen Versorgung, mögliche Leckagen und Filter im Fokus.
Condition Monitoring ergänzt die Maschinensteuerung
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Eine solche Matrix ersetzt weder die Risikobeurteilung noch erforderliche Sicherheitsfunktionen. Schutzmechanismen und unmittelbare Maschinenreaktionen auf kritische Abweichungen bleiben Aufgabe des Steuerungssystems. Eine Monitoringplattform überwacht, benachrichtigt, stellt Informationen für die Fehlerbehebung bereit und stößt Folgeprozesse an. Mehrere Signale können dasselbe Problem beschreiben. Erhöhte Motorlast, sinkende Geschwindigkeit und Positionsabweichung können auf blockierte Folienführung hindeuten. Statt drei getrennte Alarme auszulösen, sollte ein gemeinsamer Servicefall entstehen. Dieser bündelt relevante Messdaten sowie durchgeführte Prüfungen und Arbeiten.
Folgen und Reaktionszeit bestimmen die Alarmpriorität
Auch die Priorität ergibt sich nicht allein aus einer Farbe im Dashboard. Eine langsam zunehmende Lagerschwingung kann abhängig vom Befund bis zum nächsten Wartungsfenster beobachtet werden. Eine instabile Siegeltemperatur kann dagegen das aktuelle Los gefährden und unmittelbar Ausschuss oder Nacharbeit verursachen. Deshalb müssen mögliche Folgen, Reaktionszeit, Empfänger und erste Prüfschritte für jede Alarmregel festgelegt werden.
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Ein Servicefall braucht klare Verantwortung
Eine Meldung im System bedeutet noch nicht, dass sie bearbeitet wird. Deshalb müssen Zuständigkeiten eindeutig sein. Der Bediener kann beispielsweise Siegelbild und Folienlauf kontrollieren. Die Instandhaltung beurteilt Schwingungen oder schwergängige Antriebe. Bleibt die Ursache nach den vereinbarten Prüfungen offen, kann der Maschinenhersteller einbezogen werden. Eine Quittierung allein darf einen Vorgang nicht abschließen. Der Alarm gilt erst dann als behoben, wenn sich die Messwerte normalisiert haben und die Maschine wieder fehlerfreie Verpackungen produziert. Als Abschlusskriterien können ein definierter Probelauf oder mehrere fehlerfrei produzierte Probepackungen dienen.
Wie lässt sich die Alarmqualität messen?
Die reine Zahl der Alarme besitzt wenig Aussagekraft. Zehn Meldungen innerhalb von zehn Betriebsstunden sind anders zu bewerten als zehn Meldungen unmittelbar nach einem Formatwechsel. Aussagekräftiger sind Kennzahlen wie Alarme je Betriebsstunde, Meldungen ohne anschließende Maßnahme oder wiederkehrende Alarme beim selben Format. Alarmregeln können zudem durch Änderungen an Folie, Format oder Maschinenparametern an Aussagekraft verlieren. Deshalb sollte dokumentiert werden, welche Regel aus welchem Grund geändert wurde und welche Wirkung erwartet wird. So lässt sich prüfen, ob Fehlalarme sinken, ohne relevante Abweichungen zu übersehen.
Mit einem Fehlerbild ins Condition Monitoring starten
Für den Einstieg genügt eine kritische Maschine mit einem relevanten Fehlerbild. Das Team legt Messwerte, Maschinenzustände, Empfänger, Reaktionszeiten und Abschlusskriterien fest. Danach werden die Regeln zunächst mit historischen Daten und anschließend in einem stillen Probebetrieb getestet. Erst nach erfolgreicher Validierung versendet das System aktive Meldungen. Gutes Condition Monitoring bedeutet damit nicht, möglichst viele Warnungen zu erzeugen. Entscheidend ist der Kontext für eine fundierte Entscheidung. Aus einer relevanten Abweichung wird so ein nachvollziehbarer Servicefall mit Messdaten, klaren nächsten Schritten und – falls erforderlich – einem Instandhaltungsauftrag.
Quelle: Mit Material von Adtance
Was Sie zum Condition Monitoring wissen müssen
1. Wann sollte Condition Monitoring einen Alarm auslösen?
Wenn eine relevante Abweichung in einem definierten Maschinenzustand ausreichend lange besteht und eine konkrete Reaktion erforderlich ist.
2. Wie reduziert Condition Monitoring Fehlalarme?
Durch Maschinenkontext, Zeitbedingungen, zustandsabhängige Grenzwerte und definierte Rückschaltschwellen.
3. Wie entsteht im Condition Monitoring ein Servicefall?
Zusammengehörige Signale, Messdaten, Prüfungen und erforderliche Maßnahmen werden in einem gemeinsamen Vorgang gebündelt.
4. Wie wird ein Alarm im Condition Monitoring priorisiert?
Über mögliche Folgen, zulässige Reaktionszeit, zuständige Personen und festgelegte Prüfschritte.
5. Wie lässt sich die Qualität von Condition Monitoring bewerten?
Beispielsweise über Alarme je Betriebsstunde, Meldungen ohne Folgemaßnahme und wiederkehrende Alarme beim selben Format.
6. Warum sollte Condition Monitoring zunächst im Probebetrieb getestet werden?
Historische Daten und ein stiller Probebetrieb zeigen, ob die definierten Regeln relevante Abweichungen erkennen, ohne unnötige Meldungen auszulösen.
7. Wann gilt ein Alarm im Condition Monitoring als behoben?
Erst wenn sich die betroffenen Messwerte normalisiert haben und definierte Abschlusskriterien wie ein erfolgreicher Probelauf erfüllt sind.