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Covenant plant Marschflugkörper-Produktion in Sachsen

Covenant will die Marschflugkörper-Produktion in Sachsen hochfahren. Ab 2027 soll der Anthem im Raum Leipzig für europäische Kunden gefertigt werden – perspektivisch bis zu 5.000 Stück jährlich.

Der Marschflugkörper Anthem des Rüstungsunternehmens Covenant soll künftig in Sachsen produziert werden.
Der Marschflugkörper Anthem des Rüstungsunternehmens Covenant soll künftig in Sachsen produziert werden.

Das US-israelische Rüstungsunternehmen Covenant plant die Produktion des Marschflugkörpers Anthem.

Die Fertigung soll 2027 im Raum Leipzig für europäische Kunden starten.

Im ersten Jahr sind rund 1.000 Stück vorgesehen, anschließend soll die Jahresproduktion auf 5.000 steigen.

Welche Auswirkungen? MISI erwartet Arbeitsplätze, Investitionen und neue Perspektiven für Zulieferer und Fachkräfte in Mitteldeutschland.

Das US-israelische Rüstungsunternehmen Covenant plant im Raum Leipzig eine umfangreiche Produktion weitreichender Marschflugkörper. Die Fertigung des Systems Anthem soll im kommenden Jahr für europäische Kunden beginnen. Covenant betreibt außerdem eine Fabrik in Dallas im US-Bundesstaat Texas, die der Versorgung der US-Streitkräfte dient.

Für den Standort Leipzig sprechen nach Angaben des Unternehmens insbesondere die verfügbaren Fachkräfte. Die Ansiedlung rückt zugleich Mitteldeutschland stärker als Standort der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in den Fokus.

Covenant-Chefin Abigail Denburg nennt ambitionierte Produktionsziele: «Im ersten Jahr werden wir etwa 1.000 Stück produzieren und dann auf 5.000 Stück hochfahren. Das ist unser Ziel für die Jahresproduktion».

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur befindet sich Covenant bereits in Gesprächen mit der Bundeswehr und der Beschaffungsbehörde. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht. Denburg erklärte ohne direkten Bezug zu Deutschland, dass bereits ein Produktionsvertrag für Lieferungen aus Deutschland ab dem ersten Quartal 2027 bestehe. «Dieser europäische Kunde wird selbst entscheiden, wann er dies bekanntgeben möchte», sagte sie.

Anthem soll für weitreichende Präzisionsschläge dienen

Anthem: Das ist über den Marschflugkörper bekannt

Anthem ist ein weitreichender Marschflugkörper des US-israelischen Rüstungsunternehmens Covenant. Das Waffensystem ist für Präzisionsschläge tief im gegnerischen Gebiet („deep strike“) ausgelegt und kann einen 200 kg schweren Gefechtskopf tragen.

Zur in Medien genannten Reichweite von 1.500 km macht Covenant keine Angaben. Preislich soll Anthem im sechsstelligen Bereich und damit unter 1 Mio. USD pro Stück liegen. Berichten zufolge fanden bereits Tests in den USA und in Marokko statt.

Der Marschflugkörper Anthem kann einen 200 kg schweren Gefechtskopf tragen und ist für Präzisionsschläge tief im gegnerischen Gebiet, sogenannte „deep strikes“, vorgesehen. Zu Medienberichten über eine Reichweite von 1.500 km äußert sich Covenant nicht.

Das Unternehmen will Anthem deutlich günstiger anbieten als bislang am Markt verfügbare Systeme. Wie Covenant erklärt, soll der Marschflugkörper einen sechsstelligen Betrag kosten und damit unter einer Million liegen. Vergleichbare Waffensysteme kosten demnach üblicherweise mehrere Millionen USD pro Stück. Berichten zufolge wurde die Waffe bereits in den USA und in Marokko getestet.

Die geplante Massenproduktion hat nach Darstellung des Unternehmens auch militärische Bedeutung. Sie soll Kunden ermöglichen, größere Waffenbestände vorzuhalten. Denburg erklärt: «Abschreckung ist eine Kalkulation des Feindes, und diese Kalkulation ändert sich, wenn man über umfangreiche Waffenarsenale verfügt. Wenn man ein Ziel erreichen und einmal angreifen kann, schreckt das den Feind nicht unbedingt ab.»

Was die Ansiedlung für Leipzig bedeutet

Der Mitteldeutsche Interessenverband der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (MISI) bewertet die Pläne als Bestätigung für die Standortstärke der Region.

"Das ist eine hervorragende Nachricht für den Wirtschaftsstandort Leipzig und für Sachsen insgesamt", sagt MISI-Vorstandschef Markus Kurczyk, Generalmajor a.D. "Internationale Unternehmen der Sicherheitsbranche erkennen die Region als leistungsfähigen, gut angebundenen und zukunftsfähigen Standort. Für unsere Mitglieder bzw. viele mittelständische Zulieferer und Technologieunternehmen eröffnet das neue Perspektiven."

Kurczyk verbindet die wirtschaftlichen Chancen mit der Debatte um Verteidigungsausgaben. “Wir müssen den Sinn von Verteidigung und Rüstungsausgaben immer wieder neu erklären. Wer die Zeitenwende ernst nimmt, muss auch akzeptieren, dass sie irgendwo konkret wird", so Kurczyk.

Der MISI sieht mit der Ansiedlung Chancen auf neue Arbeitsplätze und Investitionen sowie zusätzliche Impulse für Zulieferer und Fachkräfte in Mitteldeutschland.

Covenant setzt auf Kapital und militärische Expertise

Covenant wurde 2024 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Washington. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen in drei Finanzierungsrunden mehr als 250 Mio. USD beziehungsweise 215 Mio. EUR von Investoren eingeworben. Zu den Geldgebern zählt auch der Founders Fund, zu dessen Mitgründern Peter Thiel gehört.

Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte in der Vergangenheit «ausdrücklich» Bedenken gegen Thiel geteilt. In der öffentlichen Diskussion steht zugleich die Frage möglicher neuer Abhängigkeiten der Gefahr gegenüber, in einem Spannungsfall nicht über ausreichend gefüllte Munitionslager zu verfügen.

In Deutschland arbeitet Covenant nach eigenen Angaben mit Generalleutnant a.D. Andreas Marlow als Berater zusammen. Er war bis 2025 Stellvertreter des Heeresinspekteurs und leitete ab 2022 die EU-Ausbildungsmission für die ukrainischen Streitkräfte. Ein in Europa produziertes Programm für Langstreckenflugkörper sei «das fehlende Puzzlestück in unserer Abschreckungsarchitektur», wird Marlow zitiert.

Welche Rolle könnte Anthem in Europa spielen?

Deutschland und seine europäischen Nato-Verbündeten bemühen sich um die Beschaffung und Entwicklung weitreichender Waffensysteme. Beim Nato-Gipfel in Ankara einigte sich die Bundesregierung mit den USA auf den Kauf von US-Marschflugkörpern des Typs Tomahawk.

Anfang September hatte die Deutsche Marine zudem einen zuvor geheim gehaltenen Test des israelischen ballistischen Raketensystems Lora erfolgreich abgeschlossen. Mit Taurus von MBDA verfügt Deutschland bereits über einen Marschflugkörper, ist damit laut dpa aber von einer Massenproduktion weit entfernt.

Die europäischen Nato-Staaten verfügen derzeit noch nicht über eigene Mittelstreckenwaffen. Mehrere Verbündete wollen mittelfristig ein eigenes System für weitreichende Präzisionsangriffe, sogenannte „deep precision strikes“, auf Hochwertziele eines Gegners beschaffen. Dafür wurde 2024 beim Nato-Gipfel in Washington das Projekt Elsa („European Long-Range Strike Approach“) angestoßen.

Mit Material der dpa und des MISI e.V.

Was Sie zum Thema Marschflugkörper-Produktion wissen müssen

• Wann soll die Marschflugkörper-Produktion in Sachsen beginnen? – Covenant plant den Produktionsstart des Anthem im Raum Leipzig für 2027.

• Wie viele Marschflugkörper will Covenant produzieren? – Im ersten Jahr sind laut Covenant rund 1.000 Stück geplant. Anschließend soll die Jahresproduktion auf 5.000 Stück steigen.

• Was ist über den Marschflugkörper Anthem bekannt? – Anthem kann einen 200 kg schweren Gefechtskopf tragen und ist für weitreichende Präzisionsschläge vorgesehen. Zur berichteten Reichweite von 1.500 km macht Covenant keine Angaben.

• Warum soll die Marschflugkörper-Produktion bei Leipzig entstehen? – Covenant verweist auf hervorragende Fachkräfte in der Region. MISI sieht zudem Chancen für Arbeitsplätze, Investitionen und mittelständische Zulieferer.

• Welche Rolle spielt der Marschflugkörper Anthem für Europa? – Covenant will Anthem für europäische Kunden in Deutschland fertigen. Nach Angaben der Unternehmenschefin besteht bereits ein Produktionsvertrag für Lieferungen ab dem ersten Quartal 2027.