Kriege und Handelskonflikte ordnen Märkte neu. Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, erklärt, warum De-Risking zur Schlüsselstrategie wird und wie Europas Industrie zwischen USA und China bestehen kann.
Maximilian FestusMaximilianFestus
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Professor Gabriel Felbermayr: „Die Weltwirtschaft zerfällt in Blöcke. Noch liegt das aber vor allem an den US-China-Beziehungen und an den Russland-Sanktionen. Die europäische Politik sollte durch Stärkung des Multilateralismus eine weitere Blockbildung bekämpfen.“Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO)/Gianmaria Gava)
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Wie tiefgreifend verändern geopolitische Konflikte wie der Ukrainekrieg, der
Handelsstreit USA–China oder Spannungen im Nahen Osten die globalen
Handelsströme und was bedeutet das konkret für exportorientierte Industrien
in Europa?
Professor Gabriel Felbermayr: Diese
Konflikte haben starke Auswirkungen. Sie führen zu einer Neuorganisation der
globalen Handelsbeziehungen und wirken weit über die bilaterale Dimension
hinaus. So treibt zum Beispiel die Entkoppelung der USA von China die
chinesischen Exporte nach Europa und die vietnamesischen Exporte in die USA in
die Höhe. Sicherheitspolitische Fragen werden für die Gestaltung der
Handelspolitik immer wichtiger, auch für die europäische.
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Und
sicherheitspolitische Risiken lenken Logistikströme um. So fährt wegen der
Überfälle der vom Iran gesponserten Huthi-Milizen nur noch ein Fünftel der
Containerschiffkapazität auf der Asien-EU-Route durch das rote Meer. Höhere
Kosten, geringere Berechenbarkeit: All das ist für exportorientierte Industrien
in Europa eine schwere Belastung und kostet uns Wohlstand.
Inwiefern braucht es aus ökonomischer Sicht ein strategisches ‚De-Risking‘
Europas und wie kann dieses gelingen, ohne in gefährlichen Protektionismus zu
verfallen?
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Felbermayr:Am besten
gelingt das De-Risking, indem man nicht die eigenen Barrieren hochfährt,
sondern diese gezielt durch Freihandelsabkommen mit befreundeten Ländern
abbaut. Das muss aber ambitioniert geschehen.
Dazu braucht es auch
Investitionsschutzabkommen und politischen Geleitschutz, etwa durch
Hermesgarantien. Und es muss endlich die Vertiefung und Erweiterung des
EU-Binnenmarkts an Fahrt gewinnen. Resilienz entsteht vor allem aus eigener
Stärke.
Welche langfristigen Handelsmuster und Wirtschaftsachsen zeichnen sich bereits
heute ab und wie kann sich die europäische Industrie darauf einstellen, um
nicht zwischen den Blöcken zerrieben zu werden?
Felbermayr: Die
Weltwirtschaft zerfällt in Blöcke. Noch liegt das aber vor allem an den
US-China-Beziehungen und an den Russland-Sanktionen. Die europäische Politik
sollte durch Stärkung des Multilateralismus eine weitere Blockbildung
bekämpfen. Unternehmen können zwar durch ‚Local-for-Local‘-Strategien
resilienter werden, aber das schützt nur teilweise vor den neuen Risiken.
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Im
Extremfall stehen Auslandsinvestitionen in Gefahr, zum Spielball der Politik zu
werden. Daher ist auch für Unternehmen die kluge Diversifizierung das Gebot der
Stunde. Und noch mehr Fokus auf Innnovation und Produktivitätswachstum, um sich
schlicht unentbehrlich zu machen.
Kommen Sie zum European Summit!
Nach Wien
und Amsterdam findet der VDMA European Summit 2026 erstmals in Rom statt. Die
Veranstaltung am 12. und 13. März 2026 zählt zu den zentralen Treffen des
europäischen Maschinen- und Anlagenbaus.
Auf dem Programm stehen aktuelle
Branchenthemen sowie Beiträge internationaler Speaker. Zudem bietet das Treffen
umfangreiche Möglichkeiten für Austausch und Networking.