Messe München von außen

Die Messe München will künftig nicht nur Vermieter von Hallenflächen sein. - Bild: Messe München

| von Anja Ringel

Automatica? Ausgefallen. Electronica? Ausgefallen. IFAT? Hat auch nicht stattgefunden. Das Jahr 2020 war für die Messebranche ein herber Rückschlag. Die Messe München ist da keine Ausnahme, wie Geschäftsführer Klaus Dittrich heute auf einer Pressekonferenz erklärt hat. „Wir sind gut ins Jahr gestartet und dann kam Corona“, sagte er. Denn nach dem Rekordjahr 2019 ist die Messe München im weltweiten Ranking der Messegesellschaften sogar von Position 6 auf 5 vorgerückt. Diese Position wolle man halten, so Dittrich.

Die Realität sah dann aber erst einmal so aus, dass die Messe nur sechs der geplanten 15 Eigenmessen in Deutschland durchführen konnte.  Nach einem Schockmoment habe man dann entschieden, die Messen nicht einfach abzusagen, sondern dem Anspruch gerecht zu werden, die Kunden wenigstens digital zusammenzubringen, sagte der CEO. 14 digitale Formate hat die Messe München dann seit Juni durchgeführt. Dazu zählen unter anderem die „Let’s Talk“-Formate der Automatica. Das sei eine respektable und erfolgreiche Entwicklung, meinte Gittrich. Mehr als 580 Aussteller haben auf den digitalen Eigenveranstaltungen ihre Produkte über 38.000 Online-Besuchern gezeigt.

Dennoch hatten die abgesagten Messen natürlich einen negativen Einfluss auf den Umsatz. Dieser lag mit 94 Millionen Euro 70 Prozent unter Plan (302 Millionen Euro). Das hat auch Folgen für die weiteren Planungen. Neben einem Effizienzprogramm mit 900 Einzelmaßnahmen, will das Unternehmen auch 170 Stellen abbauen. Das Unternehmen ist derzeit mit dem Betriebsrat in Gesprächen über sozialverträgliche Lösungen. Betriebsbedingte Kündigungen wollte Gittrich nicht ausschließen. Diese seien aber das letzte Mittel.

„Wir sind gut ins Jahr gestartet und dann kam Corona“ - Für Geschäftsführer Klaus Dittrich und die Messe München war 2020 kein einfaches Jahr. Das zeigt sich auch am Umsatz, der 70 Prozent hinter der Planung lag. (Bild: Messe München)

Wegen Reisebeschränkungen: Diese Messe findet nur digital statt

Und wie geht es 2021 weiter? „Wir haben im letzten Jahr eine extrem steile Lernkurve durchlaufen, Corona war ein Turbo-Beschleuniger für die weitere Digitalisierung“, so Klaus Dittrich. Und diese Kompetenzen wird das Unternehmen auch weiter brauchen.

Denn die ersten Messen für 2021 wurden bereits ins Digitale verlegt. Eine davon ist die Transport Logistics, die im Mai nur virtuell stattfinden wird.  Die Aussteller glauben nicht daran, dass es im Mai schon eine Reisefreiheit geben wird, erklärte Gittrich. Deshalb habe der Veranstalter gesagt, was hilft es, die Messe nach den Corona-Richtlinien durchführen zu können, wenn es keine internationalen Gäste gibt?

Auch alle Veranstaltungen bis einschließlich März finden nur virtuell statt. Ab April plant die Messe derzeit weiter mit Vor-Ort-Veranstaltungen. Dennoch geht Gittrich davon aus, dass es bei der morgigen Bund-Länder-Konferenz erst einmal keine Lockerungen geben wird, die den Messebereich betreffen. Optimistisch stimmen ihn aber der Rückgang der Infektionszahlen und die steigenden Zahlen der Menschen, die geimpft wurden. Auch die Geschäfte in China würden zeigen, dass Messen in Corona-Zeiten möglich seien.

Hygienekonzept der Messe München kann jederzeit wieder aktiviert werden

„Digitale Kommunikationskanäle sind zwar wichtig, ersetzen aber die persönliche Begegnung nicht“, erklärte er. Und die Messe München ist darauf vorbereitet und hat ein Hygienekonzept erarbeitet, das unter anderem Fragen wie „Wo gilt die Maskenpflicht? Darf ich meine Maske abnehmen, wenn ich sitze?“ beantwortet. Bisher ist das Konzept erst einmal – auf der Trendset im September – zum Einsatz gekommen.

Sobald Messen wieder stattfinden können, werde das Konzept wieder aktiviert und aktualisiert, so Dittrich. Eine Sache, die dabei dann auch beachtet werde, ist die Platzfrage. Denn es könne natürlich in der aktuellen Lage nicht sein, dass Menschen dicht gedrängt an einem Stand stehen, sagte der Geschäftsführer.

Doch trotz allem Optimismus wird die Messe München nach Dittrichs Einschätzung mindestens drei bis fünf Jahre brauchen, um wieder auf das Niveau vor Corona zu kommen. Unter dem Motto „We come back stronger“ hat das Unternehmen nun die strategischen Stoßrichtungen für die Zukunft beschlossen. Dazu zählt, Kunden und deren Wünsche noch mehr in die Planungen einzubeziehen. Auch will die Messe genauer schauen, was digitale Messen leisten können und welche Besucher mit digitalen Produkten erreicht werden können.

„Die Zukunft wird eine andere sein, als sie vor Corona war“

Ein weiterer Punkt: Flexibilität und Agilität. Dittrich erklärte, dass Messen normalerweise mit sehr viel Vorlauf perfekt organisiert werden. Aufgrund der unsicheren Lage sei das momentan jedoch nicht möglich. Deshalb müsse man schnell reagieren, wenn Veränderungen anstehen.

Denn ein Vor-Corona-Zustand wird es laut Dittrich nicht mehr geben. „Die Zukunft wird eine andere sein, als sie vor Corona war“, meinte er. Zwar werde das Flächengeschäft als Kerngeschäft weiter wichtig sein, aber es werde keine Rückkehr nur zum klassischen Messegeschäft geben. Vielmehr werden Punkte wie digitaler Mehrwert und digitale Plattformen an Bedeutung gewinnen, ist er überzeugt. „Wir sehen uns nicht mehr nur als Vermieter von Hallenfläche, sondern als Manager von Plattformen – in physischer Form auf einer Messe oder digital 365 Tage im Jahr“, sagte Dittrich. 

Neben der Digitalisierung wird sich die Messe München künftig noch stärker auf das Thema Nachhaltigkeit konzentrieren. Ziel der Messe ist es, klimaneutrale Angebote zu entwickeln – auf der Messe selbst, aber auch bei der An- und Abreise, beim Aufenthalt in München oder bei der Infrastruktur.

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