Digitale Sicherheit in der Feldebene

IO-Link Safety bringt mehr Transparenz in Maschinen

Maschinensicherheit beschränkte sich lange auf das zuverlässige Abschalten von Anlagen. Moderne Produktionsumgebungen verlangen mehr: präzise Diagnosen, schnelle Fehlerlokalisierung und flexible Integration. Eine Option ist IO-Link Safety.

Roboterzelle mit Schutzzäunen und hervorgehobenen IO-Link-Safety-Sensoren in einer Fabrikumgebung.
IO-Link Safety vernetzt die Roboterzelle durchgängig – für einfachere Integration und schnellere Diagnose.

In vielen Maschinen basiert Sicherheitskommunikation weiterhin auf OSSD-Signalen. Diese übermitteln den Sicherheitsstatus – typischerweise über zwei Kanäle – an eine Sicherheitssteuerung. Für die reine Schutzfunktion ist das ausreichend.

Warum reichen reine Abschaltsignale in modernen Maschinen nicht mehr aus?

Im operativen Betrieb entstehen jedoch Grenzen. OSSD liefert meist nur die Information „Freigabe oder Abschaltung“. Kontextdaten wie Fehlerursachen, Geräteinformationen oder Warnmeldungen stehen häufig nicht zur Verfügung oder müssen über zusätzliche Verdrahtung integriert werden.

Gerade bei modularen Maschinen, häufigen Umbauten oder kurzen Inbetriebnahmezeiten wird diese Informationslücke deutlich. Betreiber benötigen transparente Diagnosen, um Stillstände schnell zu analysieren und zu beheben.

Vier zentrale Vorteile von IO-Link Safety im Überblick

  •  Mehr Diagnosefähigkeit: Neben dem Sicherheitsstatus können Geräteinformationen, Fehlerursachen und Zustände übertragen werden.
  • Reduzierter Verdrahtungsaufwand: IO-Link Safety nutzt etablierte Sensor-/Aktor-Anschlusstechnik und ermöglicht sichere Punkt-zu-Punkt-Kommunikation ohne zusätzliche komplexe Netzwerke. 
  • Höhere Anlagenverfügbarkeit: Detaillierte Status- und Warnmeldungen erleichtern Fehlersuche und verkürzen Stillstandszeiten.
  • Einfacherer Gerätewechsel: Durch Data-Storage-Funktionen lassen sich Komponenten austauschen, ohne sie neu konfigurieren zu müssen.

Für Maschinenbauer entsteht damit ein Sicherheitskonzept, das funktionale Sicherheit, Diagnose und Wartungsfreundlichkeit in einer gemeinsamen Kommunikationsstruktur zusammenführt.

Wie erweitert IO-Link Safety etablierte Sensor- und Kommunikationskonzepte?

IO-Link von Euchner ist eine Lösung, die bereits in vielen Maschinen als standardisierte Punkt-zu-Punkt-Kommunikation für Sensoren und Aktoren etabliert ist. Der Standard IEC 61131-9 nutzt bekannte Anschlusskonzepte und ermöglicht digitale Kommunikation bis zur Feldebene.

IO-Link Safety erweitert nun dieses Prinzip um funktionale Sicherheit. Der internationale Standard IEC 61139-2 beschreibt ein Safety-Kommunikationsprotokoll, das über der bestehenden IO-Link-Kommunikation arbeitet. Dabei kommt das Black-Channel-Prinzip zum Einsatz: Der darunterliegende Kommunikationskanal wird als neutral betrachtet, während eine zusätzliche Safety-Schicht Integrität, Authentizität und zeitliches Verhalten absichert. Das System ist für Sicherheitsfunktionen bis SIL 3 beziehungsweise Performance Level e ausgelegt, abhängig von der Gesamtarchitektur der Sicherheitsfunktion.

Welche neuen Diagnosedaten lassen sich aus Sicherheitskomponenten gewinnen?

Der wesentliche Mehrwert von IO-Link Safety liegt in der Kombination aus sicherer Kommunikation und erweitertem Datenzugriff.

Während klassische Sicherheitskonzepte häufig nur Bitinformationen übertragen, können Safety-Prozessdaten hier auch als Integer-Werte (Anmerkung der Red. 16 oder 32 Bit) bereitgestellt werden. „Dadurch lassen sich zusätzliche semantische Informationen integrieren, etwa Zustandskennungen, Geräteidentifikationen oder Positionsdaten“, erläutert Xabier Antolin, Head of Product Management bei Euchner.  „Daraus ergeben sich Anwendungen wie sichere Positionsüberwachung beweglicher Maschinenteile, etwa bei Werkzeugdrehtischen, Robotergreifern oder fahrerlosen Transportsystemen“, so Xabier Antolin weiter.

Welche Vorteile ergeben sich für Wartung und Anlagenverfügbarkeit?

Neben der erweiterten Datenbasis bietet IO-Link Safety auch praktische Vorteile im Betrieb.

Das System kann den Data-Storage-Mechanismus von IO-Link nutzen. Defekte Geräte lassen sich dadurch austauschen, ohne umfangreiche Konfigurationswerkzeuge einsetzen zu müssen. Parameter werden automatisch aus dem Master auf das Ersatzgerät übertragen.

Zusätzliche Status- und Warnmeldungen ermöglichen außerdem eine deutlich schnellere Fehlereingrenzung. Betreiber erhalten so nicht nur die Information über eine Abschaltung, sondern auch Hinweise auf Ursachen oder Zustände einzelner Geräte.

Wann sollten Maschinenbauer IO-Link Safety strategisch einplanen?

Für Maschinenbauer eröffnet IO-Link Safety vor allem architektonische Vorteile. Dazu Xabier Antolin: „ Der Standard reduziert Verdrahtungsaufwand, unterstützt flexible Variantenkonzepte und ermöglicht eine konsistente Diagnose bis in die Feldebene.“

Gleichzeitig lässt sich die Technologie schrittweise integrieren. Einige IO-Link-Safety-Master können sowohl klassische IO-Link-Geräte als auch konventionelle OSSD-Schnittstellen unterstützen. Damit eignet sich der Ansatz besonders für neue Maschinenplattformen oder größere Redesign-Projekte, bei denen Sicherheitsarchitektur, Diagnosekonzepte und Geräteintegration ohnehin neu bewertet werden.

Xabier Antolin fasst zusammen: „In solchen Szenarien wird IO-Link Safety weniger zu einer zusätzlichen Technologie – sondern zu einem Werkzeug, um funktionale Sicherheit, Anlagenverfügbarkeit und Engineering-Aufwand effizienter auszubalancieren.“

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