Digitales Werkzeugmanagement: Warum Munsch schneller wird
Digitales Werkzeugmanagement ist bei Munsch zum zentralen Baustein der Fertigung geworden. Mit Haimer, WinTool und Toolbase vernetzt der Pumpenhersteller Werkzeuge, Daten und Maschinen.
Wolfgang KlingaufWolfgangKlingauf
Geschäftsführer Stefan Munsch vor einer Chemie-Kreiselpumpe NPC Mammut: „Da bei uns jede Pumpe ein Unikat ist, könnten wir ohne Digitalisierung und Automatisierung wirtschaftlich nicht bestehen.“Haimer
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Summary: Munsch in Ransbach-Baumbach setzt in der Fertigung auf digitales Werkzeugmanagement von Haimer, WinTool und Toolbase. Die Lösung vernetzt ERP, NC-Programme, Werkzeugdaten, Ausgabeschränke, Voreinstellung, Schrumpf- und Wuchttechnik. Dadurch werden Rüstprozesse beschleunigt, Fehlerquellen reduziert und in der Gussbearbeitung bis zu 40 % Zeitersparnis erzielt.
Unternehmen, die
mit toxischen, hochkorrosiven und hochreinen Medien arbeiten, legen größten Wert
auf garantierte Betriebssicherheit. Kunststoffpumpen
der Munsch GmbH in Ransbach-Baumbach können diese bieten, wie Geschäftsführer
Stefan Munsch erklärt: „Bei unseren Pumpen kommt das Medium ausschließlich mit
einem ausgewählten Kunststoff in Berührung, so dass wir eine universelle
chemische Beständigkeit und Toleranz gegenüber Feststoffen gewährleisten können.“
Die Anwendungen
für solche kunststoffausgekleidete Pumpen sind vielfältig, wobei Stefan Munsch
darauf hinweist, dass „bis zur Finanzkrise 2009 unsere Kunden zu rund 70
Prozent aus der Stahlindustrie kamen. Als dieser Markt einbrach, wandten wir
uns verstärkt der chemischen, Halbleiter- und Düngemittelindustrie sowie dem Bergbau
zu.“ Das hatte Konsequenzen. Denn die Anforderungen dieser Branchen sind sehr unterschiedlich,
so dass sich bei Munsch die Varianz im Pumpenangebot in kurzer Zeit verzwanzigfachte.
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Start in die
Digitalisierung
„Um die
veränderten Anforderungen bewältigen zu können, fand bei uns ein gewaltiger
organisatorischer Umbruch statt“, erinnert sich der Firmenchef. „Die große
Variantenvielfalt zwang uns gewissermaßen zum Start in die Digitalisierung.“
Munsch entwickelte damals einen ersten Produktkonfigurator, mit dem sich aus
einer Maximalstückliste in kürzester Zeit eine individuelle, kundenspezifische
Auftragsstückliste ableiten ließ. „Das brachte uns wieder nach vorne, denn wir
waren dadurch viel schneller als der Mitbewerb“, resümiert Stefan Munsch.
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Durch den Erfolg motiviert,
verfeinerte Munsch über die Jahre sein Konfigurationssystem und entwickelte die
Digitalisierung der Prozesse kontinuierlich weiter. Im Wesentlichen verantwortlich
dafür ist Oliver Herz, Leiter der IT-Anwendungsentwicklung. Er betreut das
ERP-System, das bei Munsch das zentrale Element ist, um sämtliche Prozesse
digital zu managen. Herz betont: „Bei uns muss jede Software mit dem ERP-System
kommunizieren können, damit ein durchgängiger Datenfluss gewährleistet ist –
vom Liefereingang, über die Auftragsverwaltung, Entwicklung und Produktion bis
hin zu Versand und nachgelagerten Verpflichtungen.“
Einzelteilfertigung
erfordert häufiges Umrüsten
Digitalisierung in der Fertigung: Das Werkzeugmanagement-System WinTool ist die Datendrehscheibe, die das digitale Management von Werkzeugen, Betriebsmitteln, Maschinenprogrammen, Prozessen und Stammdaten ermöglicht.Haimer
Aktuell baut
Munsch etwa 2500 Pumpen im Jahr. Jede ist ein Unikat, definiert durch den
Kunden und seine Anwendung. Sie unterscheiden sich nach Fördermenge und -höhe, Fördergut, Feststoffgehalt und Anschlüsse sowie diverse branchen-
und länderspezifische Vorschriften. „Dafür stellen wir heute im ERP-System
einen Lösungsraum bereit, der alle möglichen Komponenten, Gusswerkstoffe und
Kunststoffe enthält und sich kontinuierlich erweitern lässt“, erklärt Oliver
Herz. Aus diesem Lösungsraum wird je nach Anforderung automatisch die
individuelle Pumpe konfiguriert. Zudem legt eine selbstentwickelte Software jeden
in der Produktion benötigten Arbeitsschritt fest.
„Wir besitzen 16
moderne, größtenteils automatisierte CNC-Maschinen“, sagt Oliver Herz. „Aufgrund
des Variantenreichtums müssen wir jedoch bis zu 40-mal täglich umrüsten.“ Ein
Aufwand, der sich nur mit digitaler Unterstützung bewältigen lässt. Deshalb
investierte Munsch vor neun Jahren in die Werkzeugmanagement-Software WinTool, die
als Datenbrücke zwischen ERP-System, CNC-Maschinen und Werkzeugen fungiert. „Sie
kann mit unserem ERP-System kommunizieren und Daten in beide Richtungen
austauschen“, erklärt Oliver Herz eine elementare Eigenschaft. „Darüber hinaus erlaubt
WinTool, dass wir die Oberfläche unseres ERP-Systems auf einem
Werkstattterminal als Benutzerinterface verwenden. Wir können hierüber Daten und
Befehle eingeben, diese in WinTool verarbeiten, ausgeben und wieder im ERP
ablegen. WinTool arbeitet bei uns komplett im Hintergrund.“
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Digitales
Werkzeugmanagement
Bei Munsch Chemie-Pumpen
ist das Werkzeugmanagement-System WinTool heute der zentrale Ort, an dem alle Einzelkomponenten
eines Komplettwerkzeugs erfasst sind: Fräser, Bohrer, Wendeschneidplatten, Werkzeugaufnahmen,
Unterlegplatten, Ersatzteile etc. Aus diesen lassen sich in WinTool die Komplettwerkzeuge
als digitale Zwillinge zusammenbauen und verwalten.
Die Brücke zu den
physischen Werkzeugen schlägt ein QR-Code, mit dem jedes Einzelteil
eineindeutig gekennzeichnet ist. Beim tatsächlichen Zusammenbau wird dieser mit
einem Scanner erfasst, so dass die Zuordnung zum digitalen Pendant
gewährleistet ist. Auch die Lagerhaltung der Komplettwerkzeuge – ob im
Ausgabeschrank oder im Werkzeugmagazin in der Maschine – wird über einen
QR-Code dokumentiert und in WinTool gespeichert. „Somit wissen wir genau,
welches Werkzeug sich wo befindet. Selbst die Werkzeugstandzeit können wir
dadurch nachvollziehen“, erklärt Oliver Herz.
Um die
Durchgängigkeit von WinTool zum Werkzeugausgabesystem zu optimieren,
entschlossen sich die Verantwortlichen bei Munsch, letzteres auf Toolbase-Schränke
und die entsprechende Software umzustellen. Denn WinTool und Toolbase stammen
aus demselben Haus, so dass die standardisierte Schnittstelle innerhalb eines
Tages eingerichtet war. Das Ergebnis: optimierte Prozesse. Wenn Munsch-Mitarbeiter
neue Komponenten in WinTool anlegen, können sie diese zusammen mit Bildern an
Toolbase übertragen. Sie bekommen einen Lagerplatz in einem Toolbase-Schrank
zugewiesen, der nach der Belegung an WinTool rückbestätigt wird.
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Digitales
Werkzeugmanagement
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Fürs Werkzeugmanagement
bei Munsch zuständig ist Marcel Weiner. Zu seinen Aufgaben gehört es, in enger
Zusammenarbeit mit Oliver Herz den digitalen Wandel in der Zerspanung
umzusetzen. „Mit WinTool und Toolbase haben wir eine solide Basis geschaffen,
die unsere Fertigung flexibel und prozesssicher macht“, berichtet der gelernte
Zerspanungsmechaniker.
Auch die
NC-Programme sind in die digitalen Abläufe und in WinTool eingebunden. Marcel
Weiner erklärt: „Wenn wir ein NC-Programm für ein Bauteil schreiben, legen wir es
parametrisch für alle möglichen Varianten an und speichern es in unserem NC-Pool,
der mittlerweile über 5000 solcher Programme enthält.“ Steht ein Bauteil
beziehungsweise ein Arbeitsgang zur Fertigung an, zieht die
Konfigurationssoftware automatisch das passende NC-Programm aus dem Pool. Das
ERP-System setzt die entsprechenden Parameter ein, und dann wird es in einer
NC-Mappe zur Abarbeitung an die Maschine geschickt.
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„Diese NC-Mappe
ist bei uns 1:1 einem Arbeitsgang an einer Maschine zugewiesen“, erklärt Marcel
Weiner. Steht der Arbeitsschritt an, kann sie der Bediener auf dem Werkstatt-Terminal
aufrufen. In ihr findet er die benötigten Rüstdaten, also Werkzeugliste,
Zeichnungen, Dokumente, Links, etc. – sprich alle erforderlichen Mittel, um die
Maschine zu rüsten und den Arbeitsgang abzuschließen. „Mit WinTool sowie der
damit verbundenen Digitalisierung und Automatisierung haben wir Fehlerquellen
eliminiert und den Rüstvorgang enorm beschleunigt“, freut sich
Zerspanungsfachmann Weiner.
Ein verlässlicher
Partner für das gesamte Werkzeugmanagement
Oliver Herz (links), Leiter der IT-Anwendungsentwicklung, und Marcel Weiner (rechts), verantwortlich fürs Werkzeugmanagement bei Munsch, loben die Zusammenarbeit mit Haimer, vertreten durch den zuständigen technischen Verkaufsrepräsentanten Karl-Heinz Adelbrecht. Sie nutzen das komplette Haimer Portfolio von der Werkzeugmanagementsoftware WinTool, über das Ausgabesystem Toolbase, das Voreinstellgerät Microset UNO, Schrumpf- und Wuchttechnik, Werkzeugaufnahmen und Werkzeuge.Haimer
Seit einigen
Jahren baut Munsch die Digitalisierung im Werkzeugbereich weiter aus. Dazu
steht den Verantwortlichen mit der Haimer GmbH ein Partner zur Seite, den
Geschäftsführer Stefan Munsch besonders schätzt: „Ich kenne die Firma Haimer
seit 2018, als ich im Rahmen einer VDMA-Veranstaltung an einer Werksführung in
Igenhausen teilnehmen durfte. Das war für mich ein eindrucksvolles Erlebnis: Im
ganzen Unternehmen und in den Gesprächen mit der Inhaberfamilie konnte ich den Innovationsgeist
und die Kundenorientierung spüren. Da war ich mir sicher, dass Haimer auch für
uns ein perfekter Partner ist.“
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Als bei Munsch wenig
später die Investition in ein neues Werkzeugvoreinstellgerät anstand, fiel die
Wahl auf das Haimer Microset-Gerät UNO 20/40, das – ausgestattet mit einem
entsprechenden Postprozessor – sich perfekt ins Werkzeugmanagement bei Munsch integrieren
ließ. Jedes zusammengebaute Komplettwerkzeug wird damit gegenüber Soll-Daten
geprüft und die gemessenen Ist-Daten an WinTool übermittelt.
Seit dieser
Investition hat sich der Kontakt zu Haimer intensiviert. Karl-Heinz Adelbrecht,
der zuständige technische Verkaufsrepräsentant von Haimer berät das
Zerspanungsteam um Marcel Weiner umfänglich. Schließlich ist Haimer der
führende Komplettanbieter rund um die Werkzeugthematik. Karl-Heinz Adelbrecht berichtet:
„Gemeinsam haben wir die Werkzeugbestände gesichtet, Vorschläge für
Werkzeugaufnahmen gemacht und die Schrumpftechnik eingeführt. Das führte
bereits zu spürbaren Verbesserungen, die wir nach entsprechenden Versuchen in
Kombination mit Haimer Hartmetallwerkzeugen noch weiter ausbauen konnten.“ Marcel
Weiner wird konkret: „In der Gussbearbeitung ist es uns gelungen, mit Schrumpftechnik
und 20er Sonderfräsern, Radius 4 und 5, teilweise bis zu 40 Prozent
Zeitersparnis zu erzielen.“
Wuchtgerät für
Werkzeuge und kleine Laufräder
Digitalisierungsmanager Oliver Herz präsentiert das an einer Werkzeugmaschine installierte Werkstattterminal. Hier kann der Maschinenbediener die NC-Mappe öffnen, die alle Informationen fürs Rüsten und Abarbeiten des nächsten Arbeitsgangs bereithält.Haimer
Auch für das Haimer
Wuchtgerät Tool Dynamic TD Comfort i4.0 zeigte sich Marcel Weiner
aufgeschlossen. Schließlich lassen sich durch die optimierte Wuchtgüte eines
Komplettwerkzeugs verschiedene Verbesserungen realisieren. „Die Standzeit von
gewuchteten Werkzeugen erhöht sich durchschnittlich um 20 Prozent“, wie
Werkzeugfachmann Adelbrecht erwähnt. Außerdem erlauben gewuchtete Werkzeuge mindestens
um zehn bis 15 Prozent höhere Drehzahlen, ohne dass sich die
Werkzeugstandzeiten verkürzen. Argumente, die Munsch kurz darauf verifizieren
konnte. Dabei ergab sich noch ein weiterer Benefit, wie Marcel Weiner
bestätigt: „Wir können mit dem Haimer Wuchtgerät auch die kleinen Pumpenlaufräder
wuchten, für die unsere große Wuchtanlage nicht geeignet ist.“
Die
Digitalisierung wirkt sich hier ebenfalls positiv aus. Zum einen erhält das
Wuchtgerät alle benötigten Daten über das ERP-System, so dass der Bediener nur
noch auf den Startknopf drücken muss. Nach abgeschlossenem Wuchtvorgang erzeugt
das Gerät ein Wuchtprotokoll, das dem jeweiligen Laufrad automatisch zugeordnet
wird.
Digitalisierungsexperte
Oliver Herz ist mit den Fortschritten in der Fertigung sehr zufrieden: „Mit
Wintool und Toolbase haben wir perfekte Systeme für unser Werkzeugmanagement
beschafft. Da sich Haimer im März 2024 mit 25 Prozent an der WinTool AG
beteiligt und eine strategische Partnerschaft mit der TCM-Gruppe vereinbart hat,
ist unser ganzes Werkzeugequipment noch enger zusammengewachsen. Jetzt bekommen
wir Unterstützung für alle Bereiche aus einer Hand.“
Kunststoffpumpen, ganz nach Kundenwunsch
Das Unternehmen
Munsch wurde 1964 von Erich Munsch gegründet. Seit 1993 führt Stefan Munsch in
zweiter Generation das erfolgreiche Familienunternehmen, das aktuell 150
Mitarbeiter beschäftigt und nach DIN EN ISO 9001:2015 qualitätszertifiziert ist.
Zentrales Produkt sind Kunststoffpumpen, die die Förderung problematischer
Flüssigkeiten unterstützen. Sie werden in der Chemie, aber auch in der
Industrie, der Metallurgie, in der Halbleiterherstellung und anderen Branchen
benötigt. Munsch stellt jede Pumpe individuell nach Kundenanforderungen her.
Generell zeichnen sich Munsch-Pumpen durch hohe Betriebssicherheit, Robustheit,
Energieeffizienz sowie einfache Montage und Demontage aus.
FAQ: Digitales Werkzeugmanagement bei Munsch
Was bedeutet digitales Werkzeugmanagement bei Munsch? – Digitales Werkzeugmanagement vernetzt bei Munsch Werkzeugdaten, ERP-System, NC-Programme, Ausgabeschränke, Voreinstellung sowie Schrumpf- und Wuchttechnik.
Warum ist digitales Werkzeugmanagement für Munsch wichtig? – Munsch fertigt rund 2500 individuelle Pumpen pro Jahr und muss wegen der hohen Variantenvielfalt bis zu 40-mal täglich umrüsten.
Welche Systeme nutzt Munsch für digitales Werkzeugmanagement? – Zum Einsatz kommen WinTool, Toolbase, das Haimer Microset UNO 20/40, Schrumpftechnik, Wuchttechnik sowie Werkzeugaufnahmen und Werkzeuge von Haimer.
Welche Vorteile bringt digitales Werkzeugmanagement in der Zerspanung? – Munsch reduziert Fehlerquellen, beschleunigt Rüstvorgänge und erreicht in der Gussbearbeitung teilweise bis zu 40 % Zeitersparnis.
Wie unterstützt Haimer das digitale Werkzeugmanagement? – Haimer liefert Software, Ausgabesysteme, Voreinstelltechnik, Schrumpf- und Wuchttechnik sowie Beratung für das Werkzeugmanagement.