| von Gabriel Pankow

Insgesamt haben rund 60 Mitarbeiter die Hilfsmittel derzeit über mehrere Wochen an ausgewählten Arbeitsstationen in Montage, Lackiererei und Werkzeugbau am Standort Ingolstadt im Einsatz. Das teilte der Autobauer in einer Presseerklärung mit.

Wie Exoskelette Werker unterstützen

Bei manchen Prozessschritten in der Produktion sind Arbeiten im Überkopfbereich unvermeidlich. Wenn technische und organisatorische Maßnahmen für eine optimale Ergonomie ausgeschöpft sind, bieten Exoskelette oft eine wertvolle Unterstützung, heißt es bei Audi.

Zwei dieser Hilfsmittel – das Paexo des Herstellers Ottobock und das Skelex 360 der Firma Skelex – testet Audi derzeit in Lackiererei, Montage und Werkzeugbau am Standort Ingolstadt. "Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut. Indem wir die Belastungen an den Arbeitsplätzen stetig reduzieren, fördern wir ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden. Dazu tragen auch neue Technologien wie Exoskelette bei, mit denen wir die Produktion immer fortschrittlicher gestalten", sagt Peter Kössler, Vorstand Produktion und Logistik bei Audi. 

Wie das Exoskelett Paexo von Ottobock funktioniert, zeigt folgendes Video:

Wie Audi die Exoskelette testet

Das sind die wichtigsten Fragen, die Audi beim Exoskelett-Test beantworten will:

  • Ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt?
  • Ist das Material auch bei längerem Tragen noch angenehm?
  • Wie stark unterstützen die Exoskelette die Mitarbeiter beim Ausführen ihrer Tätigkeit?

Die umfangreichen Praxistests sollen helfen, die Exoskelette an die Bedürfnisse der Mitarbeiter anzupassen. Sie werden sowohl bei statischen als auch bei dynamischen Tätigkeiten erprobt, beispielsweise beim Montieren der Bremsleitungen, beim Verschrauben der Unterbodenverkleidung und beim Auftragen von Korrosions- und Abdichtungsschutz. Erste vielsprechende Erfahrungen sammelte Audi mit einem der beiden Exoskelette zuvor bereits im ungarischen Werk in Győr.

Sowohl das Paexo als auch das Skelex 360 trägt man wie einen Rucksack auf den Schultern und befestigt sie mit einem Gurt um die Hüfte. Armschalen stützen die Arme bei Arbeiten im Überkopfbereich. Diese nehmen einen Teil des Armgewichtes auf und leiten es über Stützstrukturen auf die Hüfte um. Das entlastet die Schultern. Die Entlastung funktioniert rein mechanisch, ohne motorischen Antrieb.

Audi beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Exoskelett

Exoskelette sind in der Audi‑Produktion nicht neu. Bereits seit rund vier Jahren befasst sich das Unternehmen mit diesen Hilfsmitteln für mehr Ergonomie. Seither testet Audi regelmäßig in Pilotprojekten unterschiedliche Systeme – darunter auch eine Konstruktion der Firma Laevo, die den Rücken bei Hebe‑ und Umsetzvorgängen entlastet. Erste Tests in der Logistik, im Presswerk und in der Montage lieferten vielversprechende Ergebnisse.

Nicht zuletzt deshalb sehen die Ergonomie-Experten bei der VW-Tochter auch großes Potenzial für den Einsatz von Exoskeletten bei Überkopfarbeiten. "Im Vordergrund steht immer der ergonomische Nutzen, der Tragekomfort und die Entlastung unserer Mitarbeiter", sagt Ralph Hensel, Spezialist für Exoskelette bei Audi. Ziel sei es, Exoskelette bei Audi langfristig und standortübergreifend an spezifisch ausgewählten, prädestinierten Arbeitsplätzen zu implementieren.

Einer Audi-Studie aus dem Mai 2019, die von der Uni Tübingen publiziert wurde, zufolge gibt es folgende Einsatzszenarien für Exoskelette:

  • Chairless Chair
  • Aktives Hand-Exoskelett
  • Überkopftätigkeiten
  • Aktives Exojacket
  • Aktives Exoskelett
  • Rückenentlastung

Exoskelette: Die Vorteile im industriellen Einsatz

Der Exoskelett-Anbieter Ottobock hat in diesem PDF die Vorteile von Exoskeletten beim Einsatz in der Industrie zusammengefasst. Die Quintessenz dieser Zusammenfassung:

  • Exoskelette reduzieren die körperliche Beanspruchung bei anstrengenden Tätigkeiten, etwa bei der Überkopfarbeit oder dem Heben und Tragen schwerer Lasten. Insbesondere solche Tätigkeiten führen zu arbeitsbedingten Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Diese sind in Deutschland beziehungsweise Europa der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit.
  • Die körperliche Entlastung durch Exoskelette kann zu einer Reduzierung von arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren, Ausfallzeiten und Unfällen beitragen. Dies habe für Industrieunternehmen angesichts der demografischen Entwicklung eine hohe Priorität. Denn die steigende Lebenserwartung und der Geburtenrückgang führen zu einer alternden Belegschaft und zu einem Mangel an Arbeitskräften. Dies wird Unternehmen dazu veranlassen, möglichst viele ältere Arbeitnehmer im Arbeitsmarkt zu halten. Dabei können Exoskelette ein adäquates Hilfsmittel sein.

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