KI-Souveränität in Unternehmen

KI-Souveränität: Red Hat sieht Defizite

Eine Studie von Red Hat zeigt, wie stark deutsche Unternehmen bei KI-Souveränität noch mit Abhängigkeiten, Governance-Lücken und Transparenzfragen ringen.

Wie steht es um die KI-Souveränität deutscher Unternehmen? Eine Red-Hat-Studie zeigt Lücken bei Exitstrategien und Governance.

Summary: Red Hat hat kürzlich eine Studie zur KI-Souveränität vorgestellt. Befragt wurden 500 IT-Entscheider in fünf europäischen Ländern, darunter 100 aus Deutschland. Die Ergebnisse zeigen Defizite bei Exitstrategien, Governance für Agentic AI und Transparenz, während Open Source als zentraler Hebel für mehr Kontrolle gilt.

Red Hat hat eine neue Studie zur KI-Souveränität veröffentlicht und darin die Sicht von IT-Entscheidern aus Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Italien und den Niederlanden zusammengeführt. Dafür wurden jeweils 100 IT-Entscheider pro Land befragt. Die Ergebnisse zeigen für Deutschland eine deutliche Lücke zwischen strategischem Anspruch und operativer Belastbarkeit. Nur 57 Prozent der deutschen Teilnehmer geben an, über eine definierte Exitstrategie zu verfügen, falls ihr primärer KI-Anbieter den Zugang zu seinen Diensten plötzlich einschränkt. Gleichzeitig erwarten 37 Prozent dieser Unternehmen, dass ein Wechsel moderate bis erhebliche Auswirkungen auf ihre Geschäftskontinuität hätte. Red Hat leitet daraus ab, dass viele Unternehmen die Bedeutung von KI-Souveränität erkannt haben, die praktische Absicherung ihrer KI-Landschaften jedoch noch nicht durchgängig gewährleistet ist. Kontrolle über Daten, Infrastruktur und externe Anbieter wird dabei zunehmend als operative Priorität gesehen.

Wo steht die Governance bei Agentic AI?

Vor allem im Bereich Agentic AI zeigt sich in Deutschland ein klarer Nachholbedarf. Nur 30 Prozent der deutschen Befragten geben an, über ausgereifte Governance-Strukturen für ihre Agentic-AI-Lösungen zu verfügen. 29 Prozent berichten von vorhandenen, aber lückenhaften Regelwerken. Weitere 27 Prozent sagen, dass ihre Governance lediglich die Grundlagen abdeckt. Länderübergreifend verfügen 64 Prozent der Unternehmen über zumindest teilweise oder umfassende Strukturen. Insgesamt zeigt die Studie damit, dass die Governance-Reife mit der schnellen Verbreitung von Agentic AI nicht Schritt hält.

Studienergebnisse zeigen deutliche Kluft

Gregor von Jagow, Senior Director & Country Manager Deutschland bei Red Hat, ordnet die Ergebnisse so ein: „Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Kluft. KI ist in den Unternehmen angekommen, aber Kontrolle und Steuerbarkeit halten nicht im gleichen Tempo Schritt. Hier wird Open Source entscheidend, weil offene Ansätze die Unternehmen dazu befähigen, Abhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig die Flexibilität zu behalten, unterschiedliche KI-Modelle und Infrastrukturen zu kombinieren. KI-Souveränität entsteht nicht durch den Einsatz einzelner Technologien, sondern durch die Fähigkeit, sie kontrolliert zu orchestrieren und im Zweifel auch zu wechseln.“

Warum Transparenz für KI-Souveränität entscheidend ist

Mit der stärkeren Integration von KI in zentrale Geschäftsprozesse wächst laut Studie auch die Bedeutung von Transparenz. 51 Prozent der deutschen Unternehmen geben an, vollständig nachvollziehen zu können, wo ihre Daten gespeichert, verarbeitet und potenziell zugänglich sind. Gleichzeitig räumen 46 Prozent ein, hier nur teilweise Einblick zu haben. Bei drei Prozent bestehen erhebliche Lücken. Damit kommen 97 Prozent der deutschen Entscheider auf eine vollständige oder zumindest teilweise Transparenz. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland an erster Stelle vor anderen Ländern wie den Niederlanden oder Italien mit jeweils 90 Prozent.

Welche Rolle spielt Open Source künftig?

Trotz dieses vergleichsweise hohen Werts bleiben aus Sicht vieler Unternehmen Lücken bei Transparenz und Kontrolle. 69 Prozent der IT-Entscheidungsträger sehen deshalb in Open Source den entscheidenden Hebel, um Abhängigkeiten zu vermeiden und die eigene Souveränität zu stärken. Open Source bietet ihrer Einschätzung nach mehr Kontrolle darüber, wie KI entwickelt wird und wo sie läuft. Für die kommenden drei Jahre erwarten die Befragten die größten Beiträge von Open Source in drei Bereichen: 

  • mehr Vertrauen in KI-Lösungen durch größere Kontrolle über Entwicklung und Betrieb von KI mit 69 Prozent, 
  • eine höhere Anpassbarkeit an geschäftliche und regulatorische Anforderungen mit 68 Prozent sowie 
  • mehr Transparenz und bessere Prüfbarkeit ebenfalls mit 68 Prozent. 

Zugleich zeigt sich in Deutschland eine breite Unterstützung für politische Leitplanken. 72 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass der Gesetzgeber Open-Source-Prinzipien wie Transparenz, Prüfbarkeit und entsprechende Lizenzmodelle vorgeben sollte, um Unternehmen beim Erreichen von KI-Souveränität zu unterstützen.

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Unterstützung für Open-Source-Prinzipien und klare Regularien

Hans Roth, Senior Vice President & General Manager EMEA, Red Hat, sagt dazu: „In der gesamten EMEA-Region haben sich die Diskussionen auf Vorstandsebene weiterentwickelt. Statt um erste Experimente geht es heute darum, wie sich KI so einsetzen lässt, dass sie Anforderungen an Souveränität, Sicherheit und Regulierung erfüllt. Die Ergebnisse unserer Studie zeigen hier eine klare Unterstützung für Open-Source-Prinzipien sowie für eindeutige regulatorische Rahmenbedingungen, die Transparenz und Prüfbarkeit fest in KI-Systemen verankern. Diese Antworten machen auch deutlich, dass Unternehmen keine weiteren geschlossenen Einheitslösungen suchen, sondern die Freiheit, unterschiedliche Modelle, Beschleuniger und Cloudumgebungen zu kombinieren – und dabei die Kontrolle zu behalten.“

Wie wurde die Studie zur KI-Souveränität erhoben?

Die Studie wurde von Censuswide unter 500 IT-Entscheidungsträgern durchgeführt. Die Stichprobe umfasste 100 Befragte im Vereinigten Königreich, 100 in den Niederlanden, jeweils 100 in Frankreich, Deutschland und Italien. Die Teilnehmer waren 25 Jahre oder älter. Die Datenerhebung erfolgte vom 20. bis 25. März 2026. Censuswide ist Mitglied der Market Research Society und des British Polling Council sowie Unterzeichner des Global Data Quality Pledge. Zudem hält sich das Unternehmen an den MRS Code of Conduct und die ESOMAR-Prinzipien.

Quelle: Red Hat

FAQ zur KI-Souveränität

1. Was zeigt die KI-Souveränität-Studie von Red Hat? 

Die Studie zeigt, dass deutsche Unternehmen bei Exit-Strategien, Governance und Kontrolle über KI-Abhängigkeiten noch Lücken haben.

2. Warum ist KI-Souveränität für Unternehmen wichtig? 

KI-Souveränität soll sicherstellen, dass Unternehmen Daten, Infrastruktur und Anbieterbeziehungen kontrollieren und im Bedarfsfall wechseln können.

3. Welche Rolle spielt Open Source für KI-Souveränität?

Open Source gilt laut Studie als zentraler Hebel für mehr Kontrolle, Transparenz, Prüfbarkeit und Anpassbarkeit.

4. Wie ausgeprägt ist die Governance bei Agentic AI im Kontext der KI-Souveränität?

Nur 30 Prozent der deutschen Befragten verfügen über ausgereifte Governance-Strukturen für Agentic AI.

5. Was erwarten Unternehmen politisch für mehr KI-Souveränität?

72 Prozent der deutschen Befragten befürworten gesetzlich verankerte Open-Source-Prinzipien zur Unterstützung der KI-Souveränität.

6. Wie groß ist die Abhängigkeit deutscher Unternehmen von KI-Anbietern im Rahmen der KI-Souveränität? 

57 Prozent der deutschen Unternehmen haben eine Exitstrategie, zugleich erwarten 37 Prozent bei einem Anbieterwechsel moderate bis erhebliche Auswirkungen auf die Geschäftskontinuität.

7. Wie transparent ist die Datennutzung für KI-Souveränität in deutschen Unternehmen?

51 Prozent der Befragten können vollständig nachvollziehen, wo ihre Daten gespeichert, verarbeitet und potenziell zugänglich sind, 46 Prozent jedoch nur teilweise.