Elektroindustrie auf Wachstumskurs

Elektroindustrie: KI treibt Boom bei Rechenzentren

Die Elektroindustrie sieht nach mehreren Rückgängen wieder Chancen auf Wachstum. Vor allem KI und der Boom bei Rechenzentren geben der Branche Auftrieb.

«Die Talsohle ist erreicht, Wachstum stellt sich wieder ein», sagte der Präsident des Branchenverbandes ZVEI, Gunther Kegel, hier auf dem ZVEI eSummit 2025.
«Die Talsohle ist erreicht, Wachstum stellt sich wieder ein», sagte der Präsident des Branchenverbandes ZVEI, Gunther Kegel, hier auf dem ZVEI eSummit 2025.

Summary: Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie rechnet 2026 mit 2 % Produktionswachstum und präsentiert diesen Kurs ab Montag auf der Hannover Messe in Hannover. Laut ZVEI stützen vor allem KI, Rechenzentren und das Europa-Geschäft die Entwicklung. Der Einbruch aus 2024 ist damit noch nicht ausgeglichen, doch ein Aufholprozess soll beginnen.

Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie sieht nach mehreren schwierigen Jahren wieder Anzeichen für eine Erholung. Im Vorfeld der Hannover Messe in Hannover machte ZVEI-Präsident Gunther Kegel deutlich, dass die Branche wieder mit Wachstum rechnet. Wie aus der Mitteilung im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht, hält der Verband an seiner Prognose von 2 % Produktionszuwachs fest.

„Die Talsohle ist erreicht, Wachstum stellt sich wieder ein“, sagte Kegel. Die Prognose, die er bereits im Januar formuliert hatte, sei weiterhin erreichbar. Ab Montag will die Branche diesen vorsichtig optimistischen Kurs auch auf der Hannover Messe unterstreichen.

Warum rechnet die Elektroindustrie wieder mit Wachstum?

Nach Angaben des ZVEI haben die Produktionsrückgänge der Vorjahre ihren Tiefpunkt erreicht. Kegel verwies darauf, dass sich die Branche trotz schwieriger Rahmenbedingungen vergleichsweise stabil gezeigt habe. „Wir glauben nach wie vor, dass wir nach drei schwierigen Jahren wieder zulegen können, wenn die Verwerfungen durch den Iran-Krieg und beim Ölpreis schnell überwunden werden können.“

Die geopolitischen Belastungen blendet der Verband dabei nicht aus. Der Iran-Konflikt und stark gestiegene Ölpreise sorgen aus Sicht der Branche zwar für zusätzliche Unsicherheit. Dennoch sieht Kegel die Elektro- und Digitalindustrie bislang in einer vergleichsweise robusten Position.

„Politisch pfeift den Unternehmen ein scharfer Gegenwind um die Ohren“, räumte Kegel ein. Auf das laufende Geschäft habe sich das in der Branche bislang aber noch nicht durchgeschlagen. „Die Branche zeigt sich einigermaßen immun, weil sie wichtige Megatrends bedient“, so der Verbandschef. „Bis zuletzt waren die Zahlen noch stabil. Unsere Auftragseingänge sind 2025 und auch Anfang 2026 gestiegen und können nun abgearbeitet werden.“

KI lässt Rechenzentren boomen

Als zentralen Treiber nennt die Branche derzeit den Ausbau von Rechenzentren. Vor allem Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz sorgen laut Kegel für eine hohe Investitionsdynamik. „Denn dank Künstlicher Intelligenz gebe es gerade ‚einen unglaublichen Boom‘ bei Rechenzentren“, berichtete der Manager, der selbst Chef des Mannheimer Sensorherstellers Pepperl+Fuchs ist.

Aus Sicht des ZVEI profitieren davon zahlreiche Teilbereiche der Elektro- und Digitalindustrie. „Das sind gigantische Investitionen, die zu einem großen Teil der Elektro- und Digitalindustrie zugutekommen.“ Genannt werden dabei unter anderem Schaltschränke, Kühlung, Leistungselektronik, Sensorik und Verbindungstechnik. Kegel formulierte den Stellenwert deutscher Anbieter dabei klar: „Ohne Produkte deutscher Hersteller ist das nicht zu schaffen.“

Was bedeutet das für Beschäftigung und Standorte?

Mit Blick auf die Beschäftigung erwartet der Branchenverband vorerst keine neue massive Abwärtsbewegung. „Wir erwarten für dieses Jahr zumindest keinen signifikanten Stellenabbau“, sagte Kegel. Damit setzt sich aus Sicht des Verbandes eine Entwicklung fort, die trotz schwacher Konjunktur bislang vergleichsweise moderat geblieben ist.

Im vergangenen Jahr war die Zahl der Beschäftigten in der Branche um 18.000 Stelle auf 872.000 gesunken. Das entsprach einem Rückgang von 2 %. Kegel betonte jedoch, dass der Stellenabbau begrenzt geblieben sei. „Der Beschäftigungsabbau ist trotz der schwachen Konjunktur nur moderat gewesen“, sagte Kegel. „Die Unternehmen wollen die Belegschaften am Standort halten.“

Einbruch von 2024 noch nicht aufgeholt

Trotz der verbesserten Perspektiven bleibt die Ausgangslage aus Sicht der Branche anspruchsvoll. Schon 2025 sei es besser gelaufen als ursprünglich erwartet, erklärte Kegel. Die Produktion habe zwar erneut nachgegeben, allerdings nur um 0,3 %. Zunächst war ein Minus von 2 % befürchtet worden.

Damit blieb der Rückgang deutlich hinter den zunächst erwarteten Belastungen zurück. Der Einbruch des Vorjahres ist damit allerdings noch nicht kompensiert. 2024 war die Branche noch um 9 % geschrumpft. Kegel warnte daher vor überzogenem Optimismus: „Wir haben uns auf einem deutlich niedrigeren Niveau gerade einmal seitwärts bewegt.“

Auch ein Plus von 2 % im laufenden Jahr würde nach seinen Worten noch keine vollständige Erholung bedeuten. „Aber immerhin, mit zwei Prozent Wachstum würden wir zum Aufholprozess ansetzen.“ Die Branche sieht 2026 damit nicht als Jahr der vollständigen Rückkehr auf das frühere Niveau, sondern als ersten Schritt einer Aufwärtsbewegung.

Wie wichtig ist das Europa-Geschäft für die Elektroindustrie?

Als Stütze der jüngsten Entwicklung nennt der ZVEI vor allem das Geschäft in Europa. „Das lässt sich etwa an den Exporten ablesen, die 2025 wertmäßig so hoch waren wie nie zuvor“, sagte Kegel. Nach Darstellung des Verbands halfen die europäischen Märkte dabei, Rückgänge in anderen Regionen auszugleichen.

„Erfreulich war, dass die Schwäche im Geschäft mit den USA und China durch erhöhte Ausfuhren in den europäischen Binnenmarkt kompensiert werden konnten.“ Für die Branche erwies sich der europäische Binnenmarkt damit zuletzt als wichtiger Stabilitätsfaktor.

Starke Position in den USA trotz Zöllen

Auch das US-Geschäft bleibt für Teile der Elektro- und Digitalindustrie relevant. Nach Darstellung Kegels verfügen deutsche Unternehmen dort in einigen Segmenten weiterhin über eine starke Marktstellung. „In vielen Bereichen – etwa der industriellen Sensorik – gibt es keine nennenswerten amerikanischen Hersteller mehr“, berichtete Kegel.

Daraus leite sich eine besondere Position im Wettbewerb ab. „Dadurch haben gerade die Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie weiterhin eine starke Marktstellung in den USA.“ Selbst bestehende Zölle änderten daran nach seiner Darstellung bislang wenig, da diese auf den Preis aufgeschlagen würden.

Zusätzlichen Rückenwind liefert laut Kegel auch in den USA der Ausbau von Rechenzentren. „Dort ist der Bedarf riesig – die bestellen, als gäbe es kein morgen.“ Aus Sicht der Branche ist das ein weiterer Hinweis darauf, wie stark Investitionen in KI-Infrastruktur derzeit die Nachfrage nach Produkten der Elektroindustrie antreiben.

Mit Material der dpa

FAQ Elektroindustrie

• Warum profitiert die Elektroindustrie von Rechenzentren? – Laut ZVEI sorgen KI-Anwendungen für einen starken Ausbau von Rechenzentren, wovon unter anderem Schaltschränke, Kühlung, Leistungselektronik, Sensorik und Verbindungstechnik profitieren.

• Wie entwickelt sich die Elektroindustrie 2026? – Die Branche rechnet laut ZVEI mit 2 % Produktionswachstum und sieht die Talsohle nach mehreren schwierigen Jahren erreicht.

• Welche Rolle spielt das Europa-Geschäft für die Elektroindustrie? – Das Europa-Geschäft hat laut Verband die Schwäche in den USA und in China zuletzt teilweise kompensiert.

• Ist der Einbruch in der Elektroindustrie aus 2024 bereits aufgeholt? – Nein. Der Rückgang von 9 % aus 2024 ist laut ZVEI trotz besserer Entwicklung 2025 und erwarteter Zuwächse 2026 noch nicht ausgeglichen.

• Muss die Elektroindustrie mit weiterem Stellenabbau rechnen? – Für 2026 erwartet ZVEI keinen signifikanten Stellenabbau und betont, dass viele Unternehmen ihre Belegschaften am Standort halten wollen.