Wirtschaftswachstum

Bundesbank sieht Chancen für längeres Wachstum

Die Bundesbank sieht Chancen für einen länger anhaltenden Wirtschaftsaufschwung in Deutschland. Präsident Joachim Nagel verweist auf bessere Prognosen, Reformen und KI. Zugleich könnten weitere Zinserhöhungen folgen.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht Chancen für ein länger anhaltendes Anziehen des Wachstums in Deutschland.
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sieht Chancen für ein länger anhaltendes Anziehen des Wachstums in Deutschland.

  • Die Bundesbank hält ein anhaltendes Wirtschaftswachstum in Deutschland bis möglicherweise 2028 für realistisch.

  • Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für Deutschland 2026 auf 1,3 % angehoben.

  • Reformen der Bundesregierung und Künstliche Intelligenz könnten zusätzliche Wachstumsimpulse liefern.

  • Angesichts der anhaltenden Inflation schließt Bundesbank-Präsident Joachim Nagel eine weitere Zinserhöhung durch die EZB nicht aus.

Die Bundesbank sieht Potenzial für eine längerfristige wirtschaftliche Erholung in Deutschland. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel zeigte sich am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Bangkok zuversichtlich, dass die konjunkturelle Belebung über das kommende Jahr hinaus anhalten könnte. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Gleichzeitig bleibt die Inflationsentwicklung ein entscheidender Faktor für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Weitere Zinserhöhungen sind nach Einschätzung Nagels nicht ausgeschlossen.

Warum erwartet die Bundesbank längerfristiges Wachstum?

Grundlage für die positive Einschätzung ist unter anderem die jüngste Prognose des IWF. Dieser hat seine Wachstumserwartung für Deutschland im Jahr 2026 auf 1,3 % angehoben.

Nagel widersprach der Einschätzung, die wirtschaftliche Erholung könnte lediglich ein kurzfristiges „Strohfeuer“ sein. Vielmehr zeichne sich ab, dass erste positive Effekte aus dem laufenden Jahr auch im kommenden Jahr und möglicherweise bis 2028 wirken könnten.

Zusätzliche Impulse erwartet der Bundesbank-Präsident durch die Umsetzung des Reformpakets der Bundesregierung und den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Das Zusammenspiel dieser Faktoren könnte eine stärkere Wachstumsdynamik auslösen.

Die Zahlen hätten „durchaus Aufholpotenzial in die richtige Richtung“, erklärte Nagel.

Künstliche Intelligenz und Reformen als Wachstumstreiber

Neben der verbesserten Konjunkturprognose sieht Nagel insbesondere in strukturellen Veränderungen Chancen für die deutsche Wirtschaft. Entscheidend sei, ob die Reformmaßnahmen der Bundesregierung umgesetzt werden und gleichzeitig zusätzliche Impulse durch Künstliche Intelligenz entstehen.

Treffen diese Entwicklungen zusammen, könnte sich daraus ein wirtschaftliches Momentum ergeben, das über eine kurzfristige Erholung hinausreicht.

Warum könnte die EZB die Leitzinsen erneut erhöhen?

Trotz der optimistischeren Wachstumsaussichten bleibt die Inflation eine Herausforderung. Nagel betonte, dass der EZB-Rat alles Notwendige unternehmen werde, um die Teuerungsrate mittelfristig wieder auf das Ziel von 2 % zurückzuführen.

„Wir haben ja zuletzt zweimal die Leitzinsen erhöht. Wenn die Situation so bleibt, wie sie ist, schließe ich nicht aus, dass wir möglicherweise noch mal nachlegen müssen.“

Für Deutschland könnte 2026 bereits das sechste Jahr in Folge werden, in dem die Inflationsrate oberhalb der Marke von 2 % liegt.

Auch in anderen großen Volkswirtschaften des Euroraums, darunter Frankreich und Spanien, ziehen die Verbraucherpreise an. Im September erreichte die Inflation in der Eurozone 3,8 %. Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die EZB ihre Leitzinsen in diesem Jahr ein drittes Mal anheben könnte.

Geldpolitik bleibt von Wirtschaftsdaten abhängig

Angesichts der volatilen Marktbedingungen hält Nagel am datenabhängigen Vorgehen der EZB fest. Der sogenannte „Sitzungs-zu-Sitzungs-Ansatz“ sei genau richtig, um geldpolitische Entscheidungen jeweils anhand der aktuellen Datenlage zu treffen.

Damit bleibt offen, wann und in welchem Umfang weitere Zinsschritte erfolgen könnten. Während die Bundesbank Chancen für eine länger anhaltende wirtschaftliche Erholung sieht, bleibt die Rückführung der Inflation auf das mittelfristige EZB-Ziel eine zentrale Aufgabe der Geldpolitik.

Mit Material der dpa

Was Sie zum Thema Bundesbank und Wirtschaftswachstum wissen müssen

  • Welche Wachstumsprognose nennt die Bundesbank für Deutschland 2026? – Bundesbank-Präsident Joachim Nagel verweist auf die IWF-Prognose, die für Deutschland 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,3 % erwartet.

  • Wie lange könnte das Wachstum laut Bundesbank anhalten? – Nagel hält es für möglich, dass die wirtschaftliche Belebung bis ins Jahr 2028 hinein anhält.

  • Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz für die Bundesbank-Prognose? – Nagel sieht in Künstlicher Intelligenz einen möglichen zusätzlichen Wachstumsimpuls, insbesondere im Zusammenspiel mit den Reformen der Bundesregierung.

  • Warum hält die Bundesbank weitere Zinserhöhungen für möglich? – Die Inflation liegt weiterhin über dem mittelfristigen EZB-Ziel von 2 %. Deshalb schließt Nagel eine weitere Anhebung der Leitzinsen nicht aus.

  • Wie bewertet die Bundesbank die aktuelle Inflationsentwicklung? – Nagel betont die Notwendigkeit einer datenabhängigen Geldpolitik. Die EZB werde ihre Zinsentscheidungen weiterhin von Sitzung zu Sitzung treffen.