Die neue S-Klasse von Mercedes. Das graue Fahrzeug fährt auf einer Straße, im Hintergrund sind Wiesen und Berge zu sehen.

Die neue Mercedes-S-Klasse soll Ende des Jahres auf den Straßen sein. - Bild: Daimler

| von Anja Ringel
Aktualisiert am: 21. Sep. 2020

Sie ist das Flaggschiff des Unternehmens, soll „einzigartig“ sein und „seiner Zeit voraus“ – mit diesen Superlativen hat Daimler diese Woche die neue Mercedes-S-Klasse vorgestellt. „So viele Dinge mussten wir umplanen in diesem Jahr, im Privat- wie im Berufsleben“, sagte Ola Källenius vor der Vorstellung in einem Video auf Twitter. „Dieses hier nicht.“  Von den Werksschließungen im Frühjahr und der Kurzarbeit war der Anlauf der S-Klasse-Produktion explizit ausgenommen.

Das neue Modell gewinnt somit in einem krisengeplagten Jahr noch mehr an Bedeutung für Daimler. Denn 2020 verlief bisher alles andere als gut für den Autobauer. Allein im zweiten Quartal fuhr der Konzern fast zwei Milliarden Euro Verlust ein und hat sich einen strikten Sparkurs auferlegt. Doch taugt das Luxusauto auch als Hoffnungsträger, der das Unternehmen aus der Krise führt?

Vor allem eine Innovation der neuen S-Klasse überzeugt

Eines ist dem Stuttgarter Unternehmen mit der neuen S-Klasse eindeutig gelungen: Alle neuen Innovationen des Konzerns finden sich im Auto wieder. Das sieht auch Autoexperte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) so. Eine der bedeutendsten ist die Weiterentwicklung des autonomen Fahrens, erklärt er im Gespräch mit PRODUKTION.  

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Erst Ende Juni haben sich die zuständigen UN-Gremien auf Zulassungskriterien für autonome Autos der sogenannten Stufe 3 geeinigt – genau dieses Level, das Daimler in der neuen S-Klasse integriert hat. Durch den Beschluss könnten ab nächstem Jahr selbstfahrende Serienautos in Deutschland fahren. Allerdings nur auf autobahnähnlichen Straßen und bis zu einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde.

Wenn es soweit kommt, könnte die S-Klasse das erste Fahrzeug sein, dass Level 3 in Serie hat, erklärt Bratzel. „Das hat bisher noch keiner geschafft.“ Der Drive Pilot soll laut Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte 2021 auf den Markt kommen.

Eine Frau fährt die neue S-Klasse mit der Funktion autonomes Fahren.
Daimler will den sicheren Betrieb einer hochautomatisiert fahrenden S-Klasse technisch realisieren und die gesetzlichen Anforderungen an ein sogenanntes Level-3-System gerecht werden. Voraussichtlich ab dem zweiten Halbjahr 2021 wird die S-Klasse auf geeigneten Autobahnabschnitten in Deutschland hochautomatisiert fahren können. - Bild: Daimler

E-Mobilität wurde früher unterschätzt

Doch trotz aller Innovationskraft: „Die S-Klasse steht ein bisschen symbolisch für die Transformation in eine neue Welt“, sagt Bratzel. Kennzeichnend dafür: Das neue Luxusauto kommt nur als Verbrenner und im nächsten Jahr dann als Plug-in auf den Markt – ein reines E-Auto fehlt. Das zeigt laut Autoexperte Bratzel zwei Dinge: Den Spagat, den Daimler ein Stück weit gehen muss. Und es verdeutliche, dass E-Mobilität in der Vergangenheit als nicht so wichtig eingeschätzt wurde.

Bevorzugen Kunden dann eher das Model S von Tesla? Nicht unbedingt. Denn auch hier gehen die Stückzahlen zurück, sagt Bratzel. Da seien andere Fahrzeugtypen wie Model 3 und Model Y gefragter. Und: Wenn das Autonome Fahren Level 3 funktioniert, hätte Daimler einen Kontrapunkt, denn Tesla sei in diesem Bereich auch schon weit vorne, sagt der Autoexperte. Man müsse nun sehen, was Tesla nächstes Jahr macht. Auch Daimler brauche für seine Technologieentwicklungen die Stückzahlen der anderen Klassen.

Ob das Flaggschiff des Unternehmens dennoch als der dringend benötigte Befreiungsschlag in der Corona-Pandemie wird, bleibt abzuwarten. Es sei natürlich die Hoffnung, sagt Bratzel. Man müsse jetzt aber schauen, ob die S-Klasse auch im wichtigen chinesischen Markt ankommt und die Menschen noch das Geld haben, sich so ein Auto zu kaufen. Ob es genug Käufer in Europa und den USA geben wird, müsse man auch sehen. Denn eigentlich muss die S-Klasse in allen Marktregionen gut laufen, sagt der Autoexperte.

Ende des Jahres soll das Fahrzeug laut Daimler in Europa auf den Markt kommen. Im ersten Halbjahr 2021 sollen dann China und die USA folgen.

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