Zwei Männer arbeiten mit Masken an zwei Bildschirmen

Der Ausbildungsstart ist dieses Jahr aufgrund der Coronakrise etwas anders. - Bild: Adobe Stock/loreanto

| von Anja Ringel

Für tausende junge Menschen beginnt heute (wieder) der Ernst des Lebens: Ihre Ausbildung startet. Doch dieses Jahr ist – aufgrund von Corona – alles etwas anders. Das fängt schon bei den Verträgen an. Mareike Ziegler, Teamleiterin Bildungsberatung bei der IHK für München und Oberbayern, erklärt, dass die Firmen erst einmal die aktuelle wirtschaftliche Situation abgewartet haben. Die Folge: „Viele Ausbildungsbetriebe schließen erst jetzt mit zeitlicher Verzögerung neue Ausbildungsverträge ab“, so Ziegler.

Zu Beginn der Krise haben viele Unternehmen ihre Auszubildenden ebenfalls ins Homeoffice geschickt. Das hat sich inzwischen – je nach Branche – geändert. Viele Azubis seien wieder in den Ausbildungsstätten vor Ort, berichtet Ziegler. Homeoffice bleibt aber weiter ein Thema: Allein in Bayern ermöglichen gut ein Drittel der Betriebe ihren Azubis das Mobile Arbeiten, sagt Ziegler.

Einführungstage finden teilweise online statt

Egal ob mit oder ohne Coronakrise: „Für die neuen Auszubildenden ist es in den ersten Tagen erstmal wichtig, im Betrieb anzukommen und die zukünftigen Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen“, erklärt die Teamleiterin Bildungsberatung. In vielen Betrieben gebe es Einführungstage, die als Präsenstermin vor Ort stattfinden. Andere nutzen dieses Jahr auch Online-Tools. „Die Auszubildenden gehören ja heutzutage zu den sogenannten Digital Natives. Die Umstellung auf digitale Tools sollte für sie also keine allzu große Hürde bedeuten“, meint Ziegler.

Genau damit hat sich auch Daimler beschäftigt. Das Unternehmen hat laut einer Sprecherin die Stärken der Digital Natives bei der Gestaltung der Ausbildungsinhalte berücksichtigt. So gebe es zum Beispiel eine Online-Plattform, auf der sie alle Ausbildungsinhalte von zu Haus aus bearbeiten können. Denn alle Beschäftigten haben seit Dezember 2016 das Recht auf Mobiles Arbeiten, solange es mit der jeweiligen Aufgabe vereinbar ist, erklärt die Sprecherin auf Anfrage von PRODUKTION. Das gelte auch für Azubis und Studierende.

Auszubildende werden in Kleingruppen aufgeteilt

Im Betrieb gelten für alle Mitarbeiter weiterhin die Hygiene- und Reinigungs-Standards sowie die Corona-Regelungen zum Verhalten am Arbeitsplatz. „Damit sind wir auch für den Ausbildungsstart gut aufgestellt“, so die Daimler-Sprecherin.

Beim Konkurrenten Opel sind die Auswirkungen dagegen sichtbarer. Denn anders als üblich wurden die neuen Auszubildenden am Stammsitz Rüsselsheim nicht alle gleichzeitig, sondern in mehreren kleinen Gruppen empfangen. Mit Maske, ausreichendem Sicherheitsabstand und unter Einhaltung der Hygieneregeln haben rund 120 neue Azubis eine Einweisung erhalten.

Die neuen Opel-Auszubildenden stehen zusammen mit einem Mitarbeiter in einer Werkshalle.
Bei Opel fand die Einführung der Auszubildenden in kleinen Gruppen statt. - Bild: Opel

Um den Schutz der Mitarbeiter aufrecht erhalten zu können, werden die neuen Opel-Auszubildenden teilweise online unterrichtet, erklärt Ausbildungsleiter Carsten Brust.

Digitales Lernumfeld wird wichtig

Auch Siemens setzt auf ein digitales Lernumfeld. Durch die Coronakrise habe das digitale Lernen im Unternehmen einen enormen Schub erhalten, sagt Thomas Leubner, Leiter der Abteilung Learning and Education.

Derzeit wird die Ausbildung vor Ort langsam nach Unternehmensangaben mit abgestimmten Sicherheitsmaßnahmen wieder hochgefahren. Dabei kehren vor allem die Auszubildenden und dual Studierenden zurück, die zum Beispiel an Maschinen und Laboreinrichtungen praktische Fertigkeiten erlernen. 

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Überwiegend findet die Ausbildung bei Siemens jedoch bis auf Weiteres virtuell statt. Die neuen Auszubildenden und dual Studierenden werden deshalb in der ersten Woche des Berufsstarts in die neue Lernweise und -umgebung eingeführt und integriert.

Vergrößerte Ausbildungsfläche bei Trumpf

Neben Online-Inhalten setzt das Ditzinger Unternehmen Trumpf auch auf die Arbeit in Kleingruppen. Die Kennenlernrunden untereinander, aber unter anderem auch mit den Ausbildern, finden beispielsweise überwiegend digital statt, erklärt eine Sprecherin auf Nachfrage. Erste Projekte werden dann in Kleingruppen von neun bis 16 Personen und in digitaler Form stattfinden. In einer Kick-Off-Veranstaltungen wurden die neuen Azubis dabei auch mit den Online-Formaten vertraut gemacht.

Dennoch hat die Ausbildung vor allem im technischen Bereich weiterhin einen praktischen Teil an den Maschinen. „Auch hier wird darauf geachtet, die geltenden Hygiene- und Sicherheitsvorschriften einzuhalten, sprich die Auszubildenden arbeiten in Kleingruppen, auf einer vergrößerten Ausbildungsfläche mit verschiedenen Räumlichkeiten, teilweise mit Plexiglastrennwänden oder ganztägig mit Maske“, erklärt die Sprecherin.

Ein gemeinsamer mehrtägiger Ausflug, wie er bei Festo normalerweise üblich ist, fällt dieses Jahr für die neuen Auszubildenden aus. Stattdessen werden Vorstand, Ausbildungsleiter und Betriebsrat je nach Wetter eine Begrüßung im Freien oder per Webkonferenz vornehmen, erklärt Ausbildungsleiter Stefan Dietl gegenüber PRODUKTION.

Ein Notebook ist ein Must-Have

Es sei ein anderes „Ankommen“ im Unternehmen als sonst üblich. Es habe sich aber gezeigt, dass gerade in Ausnahmesituationen auch digital ein „großartiger Teamspirit“ entstehen kann.

Eine weitere Erkenntnis laut Dietl: „Ein Notebook ist nicht mehr optional, sondern ein Must-Have.“ Deshalb bekommen bei Festo künftig alle Azubis Laptops als Grundausstattung. Am zweiten Ausbildungstag gibt es außerdem ein spezielles EDV-Training, um frühzeitig für Homeoffice-Phasen oder Home Schooling vorbereitet zu sein. „Insgesamt hat Corona vieles beschleunigt und wir denken intensiv darüber nach, die bewährten Formate wie zum Beispiel virtuellen Unterricht beziehungsweise Home Learning, in verschiedenen Formen künftig fortzuführen und auszuweiten“, sagt Dietl.

Je nach Abteilung – vor allem in den kaufmännischen Bereichen – werden die Azubis in einem flexiblen Schichtmodell zwischen Homeoffice und Präsenzarbeit tätig sein.

Beim Maschinenbauer Schenck RoTec stehen die Hygienestandards an erster Stelle. Diese sollen den Azubis gleich am ersten Tag vermittelt werden, erklärt das Unternehmen auf Nachfrage. Man werde jedoch weiterhin versuchen, die Inhalte bestmöglich zu vermitteln – trotz Corona-Pandemie.

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