Eine Frau und ein Mann, die beide eine Maske tragen, klatschen sich in einem Büro mit dem Ellenbogen ab.

Händeschütteln verboten! In der Coronakrise gelten neue Regeln am Arbeitsplatz. - Bild: Adobe Stock/JustLife

| von Anja Ringel

Schnell ein High-Five mit dem Kollegen, einfach so eine Türklinke anfassen oder in der Kaffeeküche zusammensitzen: Was Anfang des Jahres noch normaler Büroalltag war, könnte momentan fatale Folgen haben – einer Ansteckung mit dem Coronavirus.

Deutschland fährt nach und nach das öffentliche Leben wieder hoch. Das heißt auch, dass immer mehr Mitarbeiter vom Homeoffice an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Und das erhöht natürlich die Ansteckungsgefahr.

Das hat auch die Initiative „Infektionsschutzhelfer gegen Covid-19“ erkannt und deshalb eine kostenlose Online-Schulung ins Leben gerufen, durch die sich Mitarbeiter als Infektionsschutzhelfer ausbilden lassen können.  Rund 100 Unternehmen sind laut einer Pressemitteilung Teil der Initiative. „Uns geht es in erster Linie darum, eine zweite Infektionswelle und einen damit einhergehenden zweiten Shutdown zu vermeiden“, sagt Dr. Jens-Uwe Meyer, Mitinitiator des Aktionsbündnisses und Sprecher der Gemeinschaftsaktion.

Durch eine bestandene Prüfung sollen Infektionsschutzhelfer künftig ihre Vorgesetzten dabei unterstützen, Maßnahmen zum Infektionsschutz zu erarbeiten und im Unternehmen zu kommunizieren. Das dafür nötige Wissen sollen sich Interessierte in weniger als 20 Minuten aneignen können. Doch wie funktioniert das Ganze? Und ist die Ausbildung wirklich hilfreich?

Neue Infektionsschutzhelfer müssen sechs Kapitel durcharbeiten

Die Schulung zum Infektionsschutzhelfer startet so einfach wie nur möglich: https://www.infektionsschutzhelfer.de/ Nutzer müssen sich weder anmelden noch registrieren. In sechs Kapiteln sollen folgende Themen genauer erläutert werden:

  • Was tun Infektionsschutzhelfer?
  • Was fordert der Gesetzgeber?
  • Ansteckungsgefahren senken und dennoch effektiv arbeiten
  • Wie gute Organisation gegen Corona hilft
  • Wie die Umsetzung der Maßnahmen kontrolliert werden kann
  • Was sind die Symptome von Covid-19 und was ist zu tun, wenn sich ein Kollege angesteckt hat?

Alle Kapitel sind gleich aufgebaut: Es gibt Erklärungen und anschließend Multiple-Choice-Fragen, die aufeinander aufbauen. Weil die Aufgaben aber noch nicht die richtige Prüfung sind, wird bei einer falschen Antwort nur darauf hingewiesen und man kann die Frage sofort wiederholen.

Nachdem im ersten Kapitel die grundsätzlichen Aufgaben eines Infektionsschutzhelfers besprochen werden, geht es im zweiten Kapitel zur Sache. Es werden zwei Konferenzräume gezeigt und man soll entscheiden, in welchem Raum das Infektionsrisiko höher ist. Der erste Gedanke: Überall sind zwei Tische mit Stühlen, die nicht ausreichend Abstand zueinander haben. Außerdem wird in beiden Räumen nicht gelüftet. Wo ist also der Unterschied?

Die Lösung steckt im Detail: Ein Tisch ist viel länger. Das heißt, wenn sich die Mitarbeiter entsprechend verteilen, könnte dort der Mindestabstand eingehalten werden.

Hier lauern Infektionsrisiken in Büros

Nicht nur der Abstand ist ein Problem, auch gemeinsam genutzte Gegenstände wie Türklinken, Kopierern, etc. sind eine potenzielle Ansteckungsgefahr. Infektionsschutzhelfer sollen dabei helfen, diese Gefahren zu erkennen. So könnten zum Beispiel Arbeits- und Öffnungszeiten flexibler gestaltet werden, Gegenstände wie Türklinken öfter desinfiziert werden und die Kantinen- und Essensausgabezeiten erweitert werden, lernt man in der Schulung.

Eine Putzkraft desinfiziert einen Kopierer.
Um das Infektionsrisiko zu senken, sollten Kopierer regelmäßig desinfiziert werden. - Bild: Adobe Stock/Daniel Jędzura

Sind die Ansteckungsgefahren am Arbeitsplatz erst einmal bekannt, geht es in einem weiteren Kapitel um die zwischenmenschlichen Kontakte. Ganz klare Handlungslinie dabei: Händeschütteln muss vermieden werden. Auch auf die Frage „Maske auf oder Maske ab?“ wird näher eingegangen.

Damit die herausgearbeiteten Sicherheitsmaßnahmen auch umgesetzt werden, sollten diese in Betriebsanweisungen festgehalten werden. Wie das geht und wie diese Maßnahme in der Firma kommuniziert werden muss, erklärt die Schulung verständlich in mehreren Schritten. Auch auf die Wichtigkeit, zu überprüfen, ob die neuen Regeln auch eingehalten werden, wird mehrmals hingewiesen.

Im letzten Kapitel wird dann noch einmal explizit auf Covid-19 eingegangen und Symptome wie Fieber und Atemnot angesprochen. Zum Schluss wird es noch einmal Ernst: Nur wer bei der Prüfung acht von zehn Fragen richtig beantwortet, erhält ein Zertifikat und ist damit Infektionsschutzhelfer.

Guter Überblick zum Thema Infektionsschutz am Arbeitsplatz

Alles in allem fasst die Schulung alle relevanten Bereiche zum Thema gut zusammen und erklärt diese verständlich. An der ein oder anderen Stelle wäre eine Vertiefung des Stoffes noch wünschenswert gewesen. Was muss man zum Beispiel beachten, wenn ein Mitarbeiter positiv getestet wurde? Muss der ganze Betrieb schließen? Welche Maßnahmen kann man bereits vorher einleiten? Auf dieses Thema geht der Kurs nur sehr oberflächlich ein.

Für Mitarbeiter, die sich regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen und Empfehlungen zum Coronavirus informieren, dürfte der Kurs keine neuen Erkenntnisse liefern. Doch auch für diese Kollegen eignet sich die Schulung. Nicht nur, weil man mit dem Zertifikat seine Qualifikation zum Thema schwarz auf weiß stehen hat, sondern um noch einmal kompakt alles Wichtige aufzufrischen.

Die Fragen sind dabei sehr unterschiedlich: Manche lassen sich sehr leicht beantworten, bei anderen muss man erst einmal kurz nachdenken. Ein Beispiel: Das bei der Frage „Eine Kollegin hustet stark. Und sagt: ‚Ich bin erkältet.‘ Wie geht ihr damit um?“ die Antwort nicht lautet „Kein Problem, solange sie die Hand vor den Mund nimmt“ dürfte inzwischen jedem klar sein.

Initiative stellt Musterdokumente zur Verfügung

Gut ist auch, dass die Initiatoren konkrete Handlungsempfehlungen geben und Musterdokumente veröffentlich haben, die auf das eigene Unternehmen angepasst werden können. Dazu zählt unter anderem ein Reinigungsplan, Hygienepläne und eine Arbeits- sowie Betriebsanweisung. Die Initiative orientiert sich bei allem übrigens nach eigener Aussage an dem Sars-CoV2-Arbeitsschutzstandard des Arbeitsministeriums, der hier nachgelesen werden kann.

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Ein weiterer Pluspunkt: Die Schulung ist auch selbstkritisch und zeigt ihre Grenzen auf. So heißt es an einer Stelle „Ihr könnt euren Arbeitsplatz nicht in ein klinisch reines Labor verwandeln. Das ist unrealistisch.“ Mit einigen Grundsätzen könne man aber die größten Infektionsrisiken verhindern.

Eines wird der Kurs auf alle Fälle: Die Mitarbeiter zum Thema Infektionsschutz sensibilisieren und so vielleicht wirklich dazu beitragen, wie von der Initiative erhofft, dass eine zweite Welle ausbleibt.

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