Jahresbilanz 2025: Aluminiumindustrie im vierten Krisenjahr – Standort unter Druck
Die Aluminiumindustrie steckt 2025 im vierten Krisenjahr in Folge. Produktion und Auslastung bleiben deutlich unter Vorkrisenniveau, besonders die Strangpressindustrie leidet. Hohe Energiepreise und Handelspolitik verschärfen die Lage zusätzlich.
Neben der schwachen Konjunktur sieht die Branche die Ursachen der anhaltenden Krise vor allem in strukturellen Standortnachteilen. Hohe Energiepreise, aus Sicht des Verbandes unzureichend wirksame Entlastungsinstrumente sowie handelspolitische Regelungen wie der CO2-Grenzausgleich (CBAM) verschlechtern die internationale Wettbewerbsfähigkeit.phonlamaiphoto - stock.adobe.com
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Die deutsche Aluminiumindustrie kommt auch 2025 nicht aus dem Krisenmodus. Seit 2021 verzeichnet die Branche kein Wachstum mehr, die Produktionsniveaus liegen je nach Bereich nur noch bei 76 bis 88 Prozent des Vorkrisenniveaus. Das geht aus der aktuellen Jahresbilanz von Aluminium Deutschland hervor. Besonders die mittelständisch geprägte Strangpressindustrie leidet unter einer deutlich zu geringen Auslastung.
Im Jahr 2025 sank die Auslastung der Produktionskapazitäten nochmals um bis zu 0,8 Prozentpunkte. Laut Produktionsdaten für das vierte Quartal liegt das Niveau im Vergleich zu 2021 nur noch zwischen 76 und 88 Prozent. Der wichtigste Aluminiumstandort Europas befindet sich damit im vierten Krisenjahr in Folge.
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Rob van Gils, Präsident von Aluminium Deutschland, warnt: „Die Lage ist besorgniserregend. Die Produktionszahlen zeigen unmissverständlich: Unsere innovative deutsche Aluminiumindustrie konnte sich aufgrund der mäßig wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen seit 2021 nicht erholen.“ Ohne eine wirksame Industriepolitik drohten wachsende Rohstoffabhängigkeiten und das Verfehlen von Resilienz-Zielen.
Besonders das Aluminiumrecycling entwickelte sich 2025 rückläufig. Im vierten Quartal produzierten die Unternehmen rund 629.000 Tonnen – ein Minus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr summierte sich die Produktion auf 2,713 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Rückgang von einem Prozent gegenüber 2024 und liegt rund 16 Prozent unter dem Niveau von 2021 (3,22 Millionen Tonnen).
Als zentrale Hemmnisse nennt der Verband die schwache Nachfrage aus wichtigen Abnehmerbranchen wie Automobil, Bau und Anlagenbau. Zusätzlich belasten eine Verknappung von Aluminiumschrotten sowie deutliche Preissteigerungen die Recyclingunternehmen.
Halbzeuge: Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Stabiler präsentiert sich die Halbzeugproduktion. Im vierten Quartal 2025 wurden rund 518.000 Tonnen produziert – ein Plus von zwei Prozent. Im Gesamtjahr erreichte die Produktion 2,3 Millionen Tonnen (+1 Prozent gegenüber 2024).
Die Walzprodukte legten auf 1,822 Millionen Tonnen zu (+2 Prozent), liegen jedoch weiterhin rund 12 Prozent unter dem Niveau von 2021. Deutlich angespannter bleibt die Lage bei den Strangpressprodukten: Mit 463.000 Tonnen ging die Produktion um ein Prozent zurück und liegt inzwischen rund 24 Prozent unter dem Wert von 2021 (610.000 Tonnen). Das entspricht nur noch 75,9 Prozent des Vorkrisenniveaus.
Gerade in der Strangpressindustrie sind die Kapazitäten erheblich unterausgelastet – mit entsprechenden wirtschaftlichen Folgen für die vielfach mittelständischen Unternehmen.
Standortbedingungen verschärfen die Krise
Neben der schwachen Konjunktur sieht die Branche die Ursachen der anhaltenden Krise vor allem in strukturellen Standortnachteilen. Hohe Energiepreise, aus Sicht des Verbandes unzureichend wirksame Entlastungsinstrumente sowie handelspolitische Regelungen wie der CO₂-Grenzausgleich (CBAM) verschlechtern die internationale Wettbewerbsfähigkeit.
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Angelika El-Noshokaty, Hauptgeschäftsführerin von Aluminium Deutschland, fordert ein Umdenken: „Wenn Entlastungs- oder Schutzinstrumente wie der Industriestrompreis oder CBAM ins Leere laufen und zusätzliche Belastungen drohen, werden wir die fortschreitende Deindustrialisierung Deutschlands nicht aufhalten.“
Die Branche sieht insbesondere die EU-Handelspolitik kritisch. Ohne rasche Verbesserungen der Rahmenbedingungen drohten weitere Produktionsverlagerungen ins Ausland – mit entsprechenden Folgen für Wertschöpfung und Industriearbeitsplätze in Deutschland.
Die Jahresbilanz 2025 zeichnet das Bild einer Industrie im Dauerkrisenmodus. Während sich einzelne Segmente stabilisieren, bleibt die Gesamtsituation angespannt. Entscheidend für eine Trendwende dürften weniger kurzfristige Konjunkturimpulse als vielmehr strukturelle Verbesserungen der Standortbedingungen sein.
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Die Aluminiumindustrie im Fokus
Wie stark ist die Produktion seit 2021 zurückgegangen?
Je nach Segment liegt das Produktionsniveau 2025 nur noch bei 76 bis 88 Prozent des Niveaus von 2021. Besonders stark betroffen sind Strangpressprodukte mit nur noch rund 76 Prozent des Vorkrisenniveaus.
Welche Bereiche sind besonders betroffen?
Am stärksten leidet die Strangpressindustrie mit einem Produktionsrückgang von rund 24 Prozent gegenüber 2021. Auch das Recycling liegt deutlich unter dem früheren Niveau.
Wie hat sich das Recycling 2025 entwickelt?
Die Recyclingproduktion sank 2025 um ein Prozent auf rund 2,713 Millionen Tonnen und liegt damit etwa 16 Prozent unter dem Wert von 2021.
Warum bleibt die Branche im Krisenmodus?
Neben einer schwachen Nachfrage aus Automobil-, Bau- und Anlagenbauindustrie belasten hohe Energiepreise, Rohstoffverknappungen und aus Sicht des Verbandes unzureichende industriepolitische Rahmenbedingungen.
Welche politischen Forderungen stellt die Branche?
Der Verband fordert eine aktivere Industriepolitik, wettbewerbsfähige Energiepreise sowie eine Überprüfung handelspolitischer Instrumente wie des CO₂-Grenzausgleichs (CBAM), um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern.