Fachkräftemangel lässt spürbar nach – Industrie atmet auf
Der Fachkräftemangel in Deutschland lässt nach: Laut ifo Institut berichten nur noch 22,7 Prozent der Unternehmen von Engpässen – der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Doch trotz konjunktureller Flaute bleiben strukturelle Herausforderungen bestehen.
In der Industrie berichten 16,6 Prozent der Unternehmen von einem Mangel an Fachkräften – ein halber Prozentpunkt weniger als im Oktober.Foto: Ingo Bartussek - stock.adobe.com
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Der Fachkräftemangel in Deutschland hat sich zu Jahresbeginn 2026 spürbar entspannt. Wie aus der aktuellen Konjunkturumfrage des ifo Instituts hervorgeht, berichten 22,7 Prozent der Unternehmen von fehlenden qualifizierten Arbeitskräften. Im Oktober 2025 lag der Wert noch bei 25,8 Prozent. Damit erreicht der Anteil den niedrigsten Stand seit fünf Jahren.
„Eine Rolle spielt weiterhin die schwache konjunkturelle Entwicklung“, erklärt ifo-Forscher Klaus Wohlrabe. Die gedämpfte Nachfrage in vielen Branchen reduziere kurzfristig auch den Personalbedarf. Gleichzeitig wirke der technologische Wandel – allen voran der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz – immer stärker auf den Arbeitsmarkt ein.
Besonders deutlich ist die Entspannung im Bereich Transport und Logistik. Hier sank der Anteil der betroffenen Unternehmen von 42,7 auf 30,6 Prozent – ein Rückgang um mehr als zwölf Prozentpunkte.
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Im gesamten Dienstleistungssektor klagt noch rund jedes vierte Unternehmen über Personalmangel. Allerdings zeigen sich starke Unterschiede innerhalb der Branche: Rechts- und Steuerberater (58,4 Prozent) sowie Leiharbeitsfirmen (56,6 Prozent) sind weiterhin besonders stark betroffen.
In der Industrie berichten aktuell 16,6 Prozent der Unternehmen von Fachkräfteengpässen – ein halber Prozentpunkt weniger als im Oktober. Während sich die Lage im Automobilsektor und bei Herstellern elektrischer Ausrüstungen mit Werten von knapp unter zehn Prozent vergleichsweise entspannt darstellt, bleibt der Maschinenbau mit rund 19 Prozent über dem Industriedurchschnitt.
Gerade für technologiegetriebene Branchen bleibt der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte damit ein strategisches Thema – insbesondere vor dem Hintergrund der digitalen Transformation.
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Handel und Bau: Unterschiedliche Dynamik
Auch im Handel ist eine leichte Entspannung zu beobachten. Rund 18 Prozent der Unternehmen haben Schwierigkeiten, offene Stellen mit qualifizierten Arbeitskräften zu besetzen. Im Einzelhandel liegt der Anteil bei 21,6 Prozent, im Großhandel bei 16,2 Prozent.
Anders im Bauhauptgewerbe: Hier bleibt die Lage angespannt. Mit 30,4 Prozent meldet nahezu jedes dritte Unternehmen weiterhin einen Fachkräftemangel – trotz konjunktureller Abkühlung in der Branche.
Strukturelle Herausforderungen bleiben
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Trotz der aktuellen Entspannung warnt das ifo Institut vor voreiligen Entwarnungen. „Der Rückgang darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass strukturelle Herausforderungen bestehen bleiben“, betont Wohlrabe. Die Alterung der Bevölkerung treffe auf einen tiefgreifenden technologischen Wandel.
Für Unternehmen bedeutet das: Der kurzfristige Rückgang beim Fachkräftemangel ist vor allem konjunkturell bedingt. Mittel- und langfristig dürfte sich der Bedarf jedoch verschieben – weg von klassischen Qualifikationsprofilen hin zu technologie- und datengetriebenen Kompetenzen.
Für Industrieunternehmen, insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau, bleibt damit die strategische Personalplanung ein zentraler Wettbewerbsfaktor.
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Der Fachkräftemangel auf einen Blick
1. Warum nimmt der Fachkräftemangel aktuell ab?
Hauptgrund ist die schwache konjunkturelle Entwicklung. Sinkende Aufträge und zurückhaltende Investitionen reduzieren kurzfristig den Personalbedarf vieler Unternehmen.
2. Welche Branchen sind weiterhin besonders betroffen?
Vor allem Rechts- und Steuerberatungen sowie Leiharbeitsfirmen melden weiterhin hohe Engpässe. Im Bauhauptgewerbe bleibt die Situation ebenfalls angespannt.
3. Bedeutet der Rückgang eine nachhaltige Entspannung?
Nein. Demografischer Wandel und technologische Transformation – insbesondere durch KI – verändern die Qualifikationsanforderungen. Der Bedarf an spezialisierten Fachkräften dürfte sich künftig weiter verschieben.