DIHK-Konjunkturumfrage 2026: Wirtschaft kommt nicht vom Fleck
Deutschlands Wirtschaft kommt auch 2026 nicht in Schwung. Laut DIHK bleibt der Stimmungsindex deutlich unter dem langjährigen Schnitt. Hohe Kosten, schwache Nachfrage und Unsicherheit bremsen Investitionen und Jobs. Die DIHK fordert: 2026 muss das Jahr echter Reformen werden.
Leichte Hoffnung kommen aus dem Auslandsgeschäft. 22 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Exporte – mehr als im Herbst.m.mphoto - stock.adobe.com
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Die deutsche Wirtschaft startet mit angezogener Handbremse ins Jahr 2026. Trotz leicht verbesserter Stimmung bleibt die Lage angespannt. Hohe Standortkosten, geopolitische Unsicherheiten und eine schwache Inlandsnachfrage bremsen die Unternehmen weiterhin aus. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) fordert deshalb einen klaren Reformkurs der Bundesregierung.
Grundlage ist die aktuelle DIHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026, an der sich rund 26.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen beteiligt haben. Das Ergebnis: Der DIHK-Stimmungsindex steigt zwar leicht um zwei Punkte auf 95,9 Zähler. Damit liegt er jedoch weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 110 Punkten.
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„Die wachsende Weltwirtschaft und erhöhte Staatsausgaben, etwa für Sicherheit und Verteidigung, geben einzelnen Bereichen leichten Auftrieb. In der Breite kommt davon jedoch zu wenig an“, erklärt DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov. Angesichts einer sich neu ordnenden Weltwirtschaft sei das besorgniserregend: „Der internationale Wettbewerb wird stärker. Dafür müssen wir uns deutlich mehr anstrengen, um unsere Position zu behaupten.“
Wachstum nur auf dem Papier
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Für 2026 rechnet die DIHK mit einem Wachstum von lediglich einem Prozent – und selbst dieses Plus beruhe „zu einem großen Teil auf Statistik- und Kalendereffekten“, so Melnikov. Im internationalen Vergleich fällt Deutschland weiter zurück: Seit 2019 ist die Weltwirtschaft um 19 Prozent gewachsen, die USA um 15 Prozent, Italien immerhin noch um sechs Prozent. Deutschland hingegen stagniert mit einem Plus von lediglich 0,2 Prozent.
„Wer unseren Wohlstand sichern will, muss jetzt konsequent an den Standortfaktoren arbeiten“, fordert Melnikov.
Die Umfrage zeigt deutlich: Die Belastungen sind nicht nur konjunktureller Natur. Zwar nennen 59 Prozent der Unternehmen die schwache Inlandsnachfrage als Geschäftsrisiko. Ebenso viele beklagen jedoch gestiegene Arbeitskosten. 58 Prozent sehen unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen als Risiko, 48 Prozent hohe Energie- und Rohstoffpreise.
„Die Bundesregierung hat Reform- und Entlastungspakete angekündigt, aber in den Betrieben ist davon bislang wenig spürbar“, kritisiert Melnikov. „Mit angezogener Handbremse kommen wir aus dem Tal nicht heraus. Wir müssen jetzt zwei Gänge hochschalten.“
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Investitionen bleiben schwach
Besonders problematisch ist die Investitionsentwicklung. Nur 23 Prozent der Unternehmen planen höhere Investitionen, 31 Prozent wollen ihre Ausgaben kürzen. Die privaten Investitionen liegen weiterhin elf Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau.
Wenn investiert wird, dann vor allem in Ersatzbeschaffungen (66 Prozent) oder Rationalisierungsmaßnahmen (34 Prozent). Kapazitätserweiterungen und Innovationen spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Das bremst langfristig Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.
Arbeitsmarkt unter Druck
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Auch am Arbeitsmarkt überwiegt Zurückhaltung. 23 Prozent der Betriebe rechnen mit sinkenden Mitarbeiterzahlen, lediglich zwölf Prozent planen einen Personalaufbau. Erstmals seit elf Jahren sind wieder mehr als drei Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. „Mit einer schnellen Trendumkehr ist auf Basis der vorliegenden Personalpläne nicht zu rechnen“, so Melnikov.
Leichte Hoffnung kommt aus dem Auslandsgeschäft. 22 Prozent der Unternehmen erwarten in den kommenden zwölf Monaten steigende Exporte – drei Prozentpunkte mehr als im Herbst. Gleichzeitig rechnen nur noch 22 Prozent mit einem Rückgang (zuvor 29 Prozent).
Als Grund nennt die DIHK unter anderem die Bemühungen der EU um neue Freihandelsabkommen. Doch auch hier bleibt die Unsicherheit hoch.
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Für die DIHK ist klar: Kleinere Korrekturen reichen nicht aus. „Damit Abkommen wirklich helfen, braucht es einen attraktiven und effizienten Standort Deutschland“, betont Melnikov. Bürokratieabbau, wettbewerbsfähige Energiepreise, geringere Arbeitskosten und verlässliche Rahmenbedingungen seien zentrale Hebel.
Ihr Appell an die Politik ist deutlich: „Schluss mit Reförmchen. 2026 muss das Jahr echter Reformen werden.“
Die DIHK-Konjunkturprognose auf einen Blick
Wie ist die konjunkturelle Lage zu Jahresbeginn 2026?
Die DIHK zeichnet ein verhaltenes Bild. Nur jeweils ein Viertel der rund 26.000 befragten Unternehmen bewertet seine Lage als gut beziehungsweise schlecht. Der DIHK-Stimmungsindex steigt zwar leicht auf 95,9 Punkte, bleibt aber klar unter dem langjährigen Mittel von 110 Punkten. Für 2026 erwartet die DIHK lediglich ein Wachstum von einem Prozent – überwiegend getrieben von Statistik- und Kalendereffekten.
Wo liegen die größten Belastungen für die Unternehmen?
Neben der schwachen Inlandsnachfrage (59 Prozent) nennen die Betriebe vor allem strukturelle Faktoren: gestiegene Arbeitskosten (59 Prozent), unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (58 Prozent) sowie hohe Energie- und Rohstoffpreise (48 Prozent). DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov warnt: „Mit angezogener Handbremse kommen wir aus dem Tal nicht heraus.“
Wie entwickeln sich Investitionen und Beschäftigung?
Die Investitionsbereitschaft bleibt gedämpft: Nur 23 Prozent der Unternehmen planen höhere Investitionen, 31 Prozent wollen kürzen. Die privaten Investitionen liegen weiterhin elf Prozent unter Vorkrisenniveau. Auch am Arbeitsmarkt überwiegt Zurückhaltung: 23 Prozent rechnen mit sinkenden Mitarbeiterzahlen, lediglich zwölf Prozent mit einem Aufbau.
Gibt es auch positive Signale?
Leichte Hoffnung kommen aus dem Auslandsgeschäft. 22 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Exporte – mehr als im Herbst. Die DIHK führt dies unter anderem auf EU-Initiativen für neue Freihandelsabkommen zurück. Dennoch mahnt Melnikov umfassende Reformen an: „2026 muss das Jahr echter Reformen werden.“