Die Konjunktur lahmt - dem Maschinenbau in der DACH-Region könnte daher eine Pleitewelle drohen, sagt eine aktuelle Bain-Analyse.

Die Konjunktur lahmt - dem Maschinenbau in der DACH-Region könnte daher eine Pleitewelle drohen, sagt eine aktuelle Bain-Analyse. (Bild: Joke Phatrapong - stock.adobe.com)

Der Begriff Konjunktur bezieht sich auf die allgemeine wirtschaftliche Lage eines Landes oder einer Region. Es wird häufig verwendet, um das allgemeine Niveau der Wirtschaftstätigkeit zu beschreiben, einschließlich Kennzahlen wie Bruttoinlandsprodukt (BIP), Beschäftigung und Preise. Eine starke Konjunktur ist durch Wirtschaftswachstum und niedrige Arbeitslosigkeit gekennzeichnet, während eine schwache Konjunktur durch wirtschaftliche Schrumpfung und hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist. Der Begriff kann auch verwendet werden, um sich auf die Höhen und Tiefen des Konjunkturzyklus zu beziehen, wobei „Booms“ Perioden starker Konjunktur und „Busts“ Perioden schwacher Konjunktur darstellen.

  • Starre Kostenstrukturen und hohe Verschuldung könnten gut jeden vierten Branchenvertreter aus der DACH-Region in eine kritische Situation bringen
  • Insbesondere wachstumsstarke chinesische Wettbewerber befinden sich auf der Überholspur
  • Maschinenbauer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sollten je nach Ausgangslage mit Kostensenkungen oder gezielten Investitionen gegenhalten
  • Viele Unternehmen können gestärkt aus der aktuellen globalen Krise hervorgehen, wenn sie ihre Chancen konsequent nutzen

Die Auftragsbücher sind voll, der Shopfloor ausgelastet. Der Maschinen- und Anlagenbau darf sich aktuell in einer glänzenden lage wähnen. Aber die Konjunktur beginnt in der Branche zu lahnem, und zwar weltweit. In Deutschland, Österreich und der Schweiz könnte dies 28 Prozent der Branchenunternehmen in eine wirtschaftlich schwierige Lage bringen und damit den Ausleseprozess in dieser Schlüsselindustrie beschleunigen.

Das hat eine Analyse börsennotierter Branchenvertreter ergeben, die die internationale Unternehmensberatung Bain & Companydurchgeführt hat. Berücksichtigt wurden dabei auch die Wettbewerber aus den USA und China. Dort liegt der Anteil der krisengefährdeten Maschinenbauer bei 17 beziehungsweise acht Prozent.

So sind Maschinenbau-Unternehmen bei Kostenstruktur und Finanzierung auf eine Rezession vorbereitet.
(Bild: Bain)

US-Konkurrenten im Maschinenbau haben im Abschwung Vorteile

„Der Maschinen- und Anlagenbau in der DACH-Region leidet seit Längerem unter strukturellen Defiziten“, konstatiert Christian von Dewitz, Bain-Partner und Co-Autor der Analyse. „In dieser zweiten wirtschaftlichen Ausnahmesituation binnen kurzer Zeit könnte sich das für manche Branchenvertreter als Achillesferse erweisen.“  

Die in Deutschland, Österreich und der Schweiz eher starren Kostenstrukturen seien dabei besonders von Nachteil. Speziell die Konkurrenten aus den USA könnten ihre Kosten in einem Abschwung erheblich schneller anpassen. Auch haben US-amerikanische Maschinenbauer 2021 mit durchschnittlich 13,1 Prozent eine deutlich höhere EBIT-Marge erzielt als Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum, die nur 9,3 Prozent erreichten.

Chinas Maschinenbauer legen deutlich zu

Ganz anders stellt sich die finanzielle Situation der aufstrebenden chinesischen Wettbewerber dar. Deren Bilanzen weisen in der Regel eine Nettoliquidität aus. In welchem Ausmaß der wirtschaftliche Aufstieg der Volksrepublik den globalen Maschinen- und Anlagenbau bereits verändert hat, verdeutlicht eine Langzeitanalyse der Jahre 2006 bis 2021. In diesem Zeitraum haben die börsennotierten chinesischen Anbieter ihre Umsätze um jährlich 9 Prozent erhöht. Dagegen mussten sich die weltweit lange dominanten Vertreter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Schnitt mit Umsatzzuwächsen von 3 Prozent pro Jahr begnügen. Phillip Roberts, Bain-Partner und Co-Autor der Analyse, betont: „Wollen sich Maschinenbauer aus der DACH-Region gegenüber ihren chinesischen Wettbewerbern behaupten und auch unabhängig von der Konjunktur ihre Marktanteile halten, sollten sie schnellstmöglich Vorsorge treffen.“

Allerdings sind nicht alle Branchenplayer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gleichermaßen betroffen. Laut Bain-Analyse gehören immerhin 28 Prozent der Maschinenbauer aus der DACH-Region zur Gruppe der sogenannten Krisenchampions. Dabei handelt es sich um Unternehmen mit solider Finanzierung und nachweislicher Kostenflexibilität, die den globalen Wettbewerb nicht scheuen müssen. Weitere 26 Prozent sind zumindest solide finanziert. Zur Kategorie der Wackelkandidaten wiederum zählen 18 Prozent. „Diese Anbieter laufen aufgrund ihrer Kapitalschwäche Gefahr, dass ihnen in einer länger andauernden Rezession die Luft ausgeht“, so Roberts.  

Krisenchampions spielt gute Ausgangslage in die Karten

Handlungsbedarf sieht der langjährige Marktbeobachter bei allen Branchenvertretern, denn noch würden sich nicht alle Maschinenbauer systematisch auf eine drohende Rezession vorbereiten. Erforderlich sei eine differenzierte Planung für verschiedene Szenarien, um im Fall der Fälle rasch Entscheidungen treffen zu können. Für Roberts steht fest: „Je höher Kostentransparenz sowie -flexibilität sind und je solider die Bilanz in einer solchen Situation ist, desto größer ist der Handlungsspielraum.“

Vor diesem Hintergrund müssen gerade die krisengefährdeten Kandidaten alles daransetzen, ihre Flexibilität und Resilienz zu erhöhen. An einer Restrukturierung der Kosten führt dabei kein Weg vorbei. Krisenchampions hingegen können ihre gute Ausgangslage nutzen, um das eigene Portfolio zu erweitern, die Digitalisierung voranzutreiben und sich so noch deutlicher von Wettbewerbern abzusetzen. Kapitalstarke Anbieter können zudem über gezielte Übernahmen die eigene Marktposition ausbauen.  

Angesichts des aktuellen Umfelds, das von schwachen Konjunkturprognosen und hoher Inflation geprägt ist, steht der gesamte Maschinen- und Anlagenbau aus Sicht von Bain-Partner von Dewitz vor Herausforderungen. Doch in schwierigen Zeiten gäbe es immer auch Chancen. „Wer sich jetzt richtig aufstellt, kann gestärkt aus dieser globalen Krise hervorgehen“, ist der Branchenkenner überzeugt. „Je entschlossener die Unternehmen handeln, desto größer sind ihre Chancen im nächsten Aufschwung.“

Bain

Deutscher Maschinenbau-Gipfel 2022
(Bild: mi-connect)

Deutscher Maschinenbau-Gipfel 2023

Der deutsche Maschinenbau steht vor großen Herausforderungen! Internationale Krisen, Klimawandel, Energiewende, Digitalisierung, geopolitische Verwerfungen - es steht viel auf dem Spiel für Deutschlands wichtigste Industriebranche.

 

Die Vielzahl der Themen ist für den einzelnen zu groß und darum bietet auch der Maschinenbau-Gipfel 2023 wieder Orientierung, Stärkung des Zusammenhalts im Netzwerk und Austausch mit der Politik.

Die Veranstalter des Maschinenbau-Gipfels, VDMA und PRODUKTION, werden mit der Gestaltung wieder ihrem hohen Anspruch gerecht: Perspektiven und Zukunftsfähigkeit schaffen durch gemeinsames Handeln – das ist die Maxime des Maschinenbau-Gipfels am 07. und 08. November 2023 in Berlin.

 

Hier geht es zur Website des Maschinenbau-Gipfels.

Hier geht es direkt auf die Anmeldeseite zum Maschinenbau-Gipfel 2023.

Sie möchten gerne weiterlesen?

Registrieren Sie sich jetzt kostenlos:

Bleiben Sie stets zu allen wichtigen Themen und Trends informiert.
Das Passwort muss mindestens acht Zeichen lang sein.

Mit der Registrierung akzeptiere ich die Nutzungsbedingungen der Portale im Industrie-Medien-Netzwerks. Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen.

Sie sind bereits registriert?