Im dritten Teil der Industrietrends sprechen(von links) Hartmut Rauen (VDMA), Markus Heering (VDW), Andreas Gontermann (ZVEI), Stephan Mayer (Trumpf), Johannes Ketterer (Schunk) und Georg Stawowy (Bürkert) über das Thema Automatisierung.

Im dritten Teil der Industrietrends sprechen(von links) Hartmut Rauen (VDMA), Markus Heering (VDW), Andreas Gontermann (ZVEI), Stephan Mayer (Trumpf), Johannes Ketterer (Schunk) und Georg Stawowy (Bürkert) über das Thema Automatisierung. (Bild: Patrick Helmholz - stock.adobe.com; VDMA; VDW; ZVEI/Frederik Böttcher; Trumpf; Schunk; Bürkert)

Egal ob künstliche Intelligenz, Data Analytics, Internet of Things oder Vernetzung: Digitalisierung und Automatisierung spielen in der Industrie eine immer größere Rolle. Im dritten Teil der Industrietrends wollten wir deshalb wissen: „Wie helfen Ihnen diese Themen beim Fachkräftemangel und welche Ziele haben Sie?“ Die Antworten kommen wieder von VDMA, VDW, ZVEI sowie Trumpf, Schunk und Bürkert.

„KI-gestützte Prozesse spielen eine zunehmend wichtige Rolle in den Unternehmen“, erklärt der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer Hartmut Rauen. Es bleibe jedoch eine Herausforderung, die generierten Daten zweckorientiert zu analysieren und gewinnbringend einzusetzen.

„Hierfür werden hochqualifizierte Arbeitskräfte nicht nur im Bereich der Datenanalyse benötigt, sondern auch in der Steuerung und Programmierung“, sagt er. Einerseits bestehe also ein hoher und zunehmender Bedarf an Spezialisten, andererseits können manche Fachkräfte bei wiederkehrenden Tätigkeiten eingespart werden.

Ziel der Unternehmen sei es, Prozesse möglichst so zu optimieren, dass diese störungsfrei funktionieren, wobei der Grad der Automatisierung immer mehr zunimmt.

Das sind die Industrietrends 2024

Roboter in Fabrik
  (Bild: Nataliya Hora - stock.adobe.com)

Digitalisierung hilft, die Produktion zu überwachen

Steigende Automatisierung stellt auch der VDW-Geschäftsführer Heering fest: „Hersteller ergänzen ihre Maschinen zunehmend um Automatisierungslösungen, zum Beispiel mit Robotern, und wirken damit auch dem Fachkräftemangel entgegen.“

Abläufe wie Be- und Entladen, Reinigung, Lagerung von Maschinen bis hin zu mannlosen Schichten können manchen Mitarbeitenden unterstützen und ihm Freiraum für andere Aufgaben verschaffen, so Heering. Auch erzielen automatisierte Prozesse häufig eine höhere Qualität der Produkte. „Digitalisierung schließlich unterstützt die Erfassung von Produktionsdaten und ermöglicht, Produktionsabläufe zu dokumentieren und zu überwachen“, erklärt er.

Für die Elektro- und Digitalindustrie ist der Fachkräftemangel eine große Herausforderung, berichtet ZVEI-Chefvolkswirt Gontermann. „Wo Köpfe fehlen, können Produktivitätssteigerungen dabei helfen, Bedarfe zu decken.“ Genau hier setzen Gontermann zufolge Investitionen in Automatisierung und Digitalisierung an.

Industrial Metaverse Conference
(Bild: SV Veranstaltungen)

Die Industrial Metaverse Conference bietet einen Einblick in die Zukunft der Industrie im Metaverse. Die Konferenz, die am 9. und 10. Juli 2024 im Nestor Hotel Ludwigsburg stattfindet, bringt Experten, Technologiepioniere und Industrievertreter zusammen, um die Möglichkeiten des Metaverse auszuloten. Der Fokus liegt dabei auf der Nutzung von Metaverse-Technologien zur Optimierung industrieller Prozesse und stellt praktische Anwendungsbeispiele vor. Die Veranstaltung bietet Gelegenheit zum Networking und zur Diskussion von Innovationen im Bereich des Industrial Metaverse.

Weitere Informationen finden Sie unter Industrial Metaverse Conference.

Auch bei Trumpf spielt Automatisierung eine wichtig Rolle, berichtet Mayer, CEO Werkzeugmaschinen. „In den USA, Europa und Asien betreiben wir eigene Smart Factories, bei denen der Materialfluss schon weitestgehend automatisiert abläuft“, berichtet er. Momentan arbeitet das Unternehmen zudem an neuen Verfahren, um Maschinendaten mit KI effizienter auszuwerten. „Das wird unseren Servicemitarbeitern helfen, Störungen schneller auf den Grund zu gehen“, sagt Mayer.

„Digitalisierung und Automatisierung bedeuten für Schunk Zukunftspotenzial in mehrfacher Hinsicht, weshalb wir diese beiden Felder proaktiv mitgestalten“, erklärt COO/CSO Ketterer. „Denn sie bieten uns neue Perspektiven sowohl für das eigene Geschäft als auch für den Umgang mit Herausforderungen, die der demographische Wandel und der Fachkräftemangel mit sich bringen.“ Beispielsweise engagiert sich Schunk intensiv beim derzeit entstehenden Innovation Park Artificial Intelligence (Ipai) in Heilbronn, der KI-Akteure aus unterschiedlichsten Bereichen vernetzt.

Das ist die Herausforderung der digitalen Transformation

Bürkert-CEO Stawowy sagt, die digitale Transformation und Prozessautomatisierung seien entscheidend für weiteres Wachstum: „Wenn wachstumsorientierte Unternehmen, wie Bürkert, alle sieben Jahre ihren Umsatz verdoppeln wollen, werden nicht alle sieben Jahre auch die Anzahl der Mitarbeiter verdoppelt werden können.“

Die Herausforderung in der digitalen Transformation liege besonders in den anfänglich hohen Investitionen, beispielsweise der Akquise von hochqualifiziertem Personal. Das verschärfe also zunächst das Problem des Fachkräftemangels, bevor Entlastungen eintreten. Das Transformationsprogramm ‚Bürkert Next‘ konzentriert sich auf die Entwicklung organisationaler Fähigkeiten für die Digitalisierung.

So schätzen die Experten die Konjunktur ein

Bleibt zuletzt noch die Frage, wie die Konjunktur 2024 verlaufen wird. Wir haben die Experten wieder gebeten, Schulnoten (1-6) zu vergeben. Zunächst die Antworten der Verbände:

  • VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers: 4
  • ZVEI-Chefvolkswirt Gontermann: 3-
  • VDW-Geschäftsführer Heering: 4

Mayer von Trumpf gibt der Konjunktur eine 3-. „Die globalen Unsicherheiten wirken sich auf die Investitionsbereitschaft unserer Kunden aus dem Werkzeugmaschinenbereich aus. In den vergangenen Monaten ist daher auch unser Auftragseingang im Bereich Werkzeugmaschinen zurückgegangen“, erklärt er. 2024 stelle das Unternehmen aber wieder viele neue Technologien und Services vor. „Wenn alles klappt wie geplant, könnten wir am Ende des Jahres auch bei einer Schulnote in Richtung 3+ oder sogar 2- landen.“

 

Etwas besser schätzt Bürkert-CEO Stawowy die Konjunktur ein: 3+. „Die Inflation schwächt sich ab, stabile Zinsen fördern Investitionsfreude, hohe Börsenstände zeigen Kapitalverfügbarkeit, und einige Frühindikatoren, wie der Auftragseingang in der Chemieindustrie, verbessern sich“, erklärt er die positiven Aspekte.

 

Eine noch bessere Note gibt Ketterer von Schunk: 2-. „Wir sehen eine sich kontinuierlich füllende Angebotspipeline, mittlerweile auf Rekordniveau. Die gilt es, im neuen Jahr in Aufträge umzuwandeln. Nach wie vor sehen wir mehr Chancen als Risiken für unser Geschäft“, sagt er.

Anja Ringel
(Bild: mi connect)

Die Autorin: Anja Ringel

Dass sie Redakteurin werden will, wusste Anja Ringel schon zu Schulzeiten. Als Chefredakteurin ihrer Schülerzeitung hat sie Lehrkräfte und Schüler interviewt, das Mensaessen getestet und ist Fragen wie "Wieso hat Wasser ein Mindesthaltbarkeitsdatum" nachgegangen.

Nach Stationen bei diversen Tagezeitungen schaut sie bei "Produktion" nun den Unternehmen auf die Finger oder besser gesagt auf die Bilanzen. Als Wirtschaftsredakteurin kümmert sie sich aber auch um Themen wie Fachkräftemangel, Diversity, Digitalisierung oder Unternehmenskultur. Daneben ist sie einer der Podcast-Hosts von Industry Insights.

Privat liebt sie das Reisen und nutzt ihre Urlaube, um die Welt zu entdecken.

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