In den Industrietrends erklären (von links) Ulrich Ackermann (VDMA), Markus Heering (VDW), Andreas Gontermann (ZVEI), Stephan Mayer (Trumpf), Johannes Ketterer (Schunk) und Georg Stawowy (Bürkert) welche Rolle China in ihren Branchen und Unternehmen spielt.

In den Industrietrends erklären (von links) Ulrich Ackermann (VDMA), Markus Heering (VDW), Andreas Gontermann (ZVEI), Stephan Mayer (Trumpf), Johannes Ketterer (Schunk) und Georg Stawowy (Bürkert) welche Rolle China in ihren Branchen und Unternehmen spielt. (Bild: Maksym Yemelyanov - stock.adobe.com; VDMA; VDW; ZVEI/Frederik Böttcher; Trumpf; Schunk; Bürkert)

Die Herausforderungen für die Industrie sind enorm. Geopolitik spielt dabei eine entscheidende Rolle. Während China in den vergangenen Jahren noch als Markt gesetzt war, haben die politischen Entwicklungen das einige Unternehmen zum Nachdenken gebracht.

Laut einer Erhebung der Unternehmensberatung PWC unter internationalen Unternehmenschefs bleibt China neben den USA trotzdem weiter der Top-Markt. Im zweiten Teil unserer Industrietrends wollten wir deshalb wissen, ob das in der Industrie genauso ist, und haben VDMA, VDW, ZVEI sowie Trumpf, Schunk und Bürkert nach ihren China-Geschäften und den China-Strategien gefragt.

Trumpf-CEO Werkzeugmaschinen Mayer erklärt, das Unternehmen habe ein starkes Netzwerk in Europa, China bleibe aber ein wichtiger Markt – sowohl was den Absatz angehe als auch für den Bezug von Spezialkomponenten. „Um unsere Position dort zu stärken, haben wir ein neues Maschinenportfolio auf den Markt gebracht, das die Bedürfnisse von Unternehmen aus Schwellenländern besser adressiert“, erklärt er.

Podcast: Trumpf CEO Werkzeugmaschinen über China

Auch bei Schunk spielt das China-Geschäft weiter eine wichtige Rolle. „Strategieänderungen waren notwendig wegen der seit der Corona-Pandemie geänderten Marktmechanismen und des dortigen Vor-Ort-Seins globaler agierender Kunden“, erklärt COO/CSO Ketterer. „Um deren Bedürfnisse optimal zu bedienen und uns auch im chinesischen Markt eine erfolgreiche Position zu sichern, investieren wir vor Ort in den Ausbau von Kompetenzen, Technologien und Kapazitäten.“ 2024 soll deshalb ein neuer Standort eröffnet werden.

In China zu investieren ist ein Risiko, nicht zu investieren aber auch

„China ist aufgrund seiner Größe und schnellen Technologieentwicklungen für Bürkert ein attraktiver Markt – unser neues Werk in Taicang Port unterstreicht das“, sagt CEO Stawowy. In China zu investieren sei ein Risiko, doch nicht zu investieren, ebenso. „Wir verstehen China nicht als Fertigungsstandort, aus dem wir in andere Länder exportieren wollen, wir streben dort eine langfristige Marktentwicklung an.“ Aus diesem Grund gab es Stawowy zufolge keine Änderungen an der China-Strategie.

Das sind die Industrietrends 2024

Roboter in Fabrik
  (Bild: Nataliya Hora - stock.adobe.com)

VDW: Auch andere Märkte rücken in den Fokus

Die Volksrepublik ist für die Werkzeugmaschinenindustrie weiterhin der größte Exportmarkt, sagt VDW-Geschäftsführer Heering. Außerdem sei China mit Abstand der weltgrößte Markt für Werkzeugmaschinen. Aber: „2023 hat China mit einem kräftigen zweistelligen Rückgang der Aufträge enttäuscht.“

Das Land leidet Heering zufolge unter schwacher Konsumnachfrage und einem kriselnden Immobiliensektor. Die erhoffte Erholung nach der Covid-Pandemie sei in das laufende Jahr verschoben.

„Angesichts der geopolitischen Entwicklungen, des harschen Tones der chinesischen Regierung, des ruppigen Umgangs mit Geschäftspartnern, des steigenden Wettbewerbs und der zunehmenden Regulierungen im chinesischen Markt wird intensiv über die Ausrichtung der China-Strategie diskutiert“, so Heering.

Firmen, die vor Ort engagiert sind, treiben die Lokalisierung voran. Dennoch sei die Sensibilität für potenzielle Geschäftsrisiken gestiegen. „Im Sinne des De-Risking und der Diversifizierung rücken weitere Märkte in den Fokus. Potenzial steckt zum Beispiel in Ländern wie Indien oder der Asean-Region“, meint Heering.

VDMA beobachtet Seitwärtsbewegung der Exporte

Ulrich Ackermann, Leiter VDMA-Außenwirtschaft , erklärt: „Die chinesische Industrie ist im Übergang von der jahrzehntelangen Aufbauphase hin zur Reifephase, in der sich die Wachstumsraten dem Rhythmus der entwickelten Volkswirtschaften weltweit anpassen.“ Fast überall sei das aktuelle Wachstum des China-Geschäfts nicht mehr höher als das Gesamtwachstum des Unternehmens. „Seit 2018 beobachten wir eine Seitwärtsbewegung der Exporte nach China, die sich auf einem Niveau von rund 19 Milliarden Euro eingependelt haben“, so Ackermann.

Die VDMA-Außenwirtschaft hat im November 2023 eine Handreichung vorgestellt. Dabei geht es Ackermann zufolge um mögliche Handlungsoptionen und strategische Elemente. „So kann es durchaus sinnvoll sein, dass Unternehmen, die bereits mit Wertschöpfung in China vertreten sind, ihre Lieferkette so weit wie möglich lokalisieren, um sich damit vom Mutterhaus unabhängiger zu machen“, erklärt er.

„Andere Unternehmen prüfen, inwieweit ihr reines Exportmodell zur Marktbearbeitung Chinas dauerhaft tragen kann.“ Die eine Blaupause für alle Unternehmen gebe es jedoch nicht.

ZVEI: China spielt große Rolle

In der globalen Elektro- und Digitalindustrie ist China der mit Abstand größte Player. „In den Unternehmensstrategien nimmt China eine große Rolle ein, das Know-how zum Land ist in den Unternehmen kontinuierlich gewachsen“, sagt Gontermann. Die Präsenz in China sei für global aufgestellte Firmen so etwas wie ein ‚Fitness Center‘, indem Entwicklungen hier in rasantem Tempo stattfinden.

Kongress Digitale Fabrik

Digitale Fabrik
(Bild: Gorodenkoff - stock.adobe.com)

Am 19. und 20. März 2024 dreht sich in Ulm alles um die Themen digitaler Zwilling, maschinelles Lernen und KI in der Produktionsplanung.

 

Denn auf dem Kongress "Digitale Fabrik" treffen sich wieder Expertinnen und Experten der digitalen Produktions- und Fertigungsplanung zum intensiven und vor allem persönlichen Austausch.

 

Das Programm zur Veranstaltung sowie die Anmeldung finden Sie hier: Alles zur Digitalen Fabrik!

Firmen müssen gut konditioniert und schnell sein

Der ZVEI-Chefvolkswirt erklärt: „Um mitzuhalten, müssen die Firmen gut konditioniert und schnell sein, sich rasch auf Veränderungen einstellen.“ Aber auch geopolitische Risiken sowie die Auswirkungen der Pandemie fließen Gontermann zufolge in die unternehmerischen Entscheidungen ein.

Mehr Diversifizierung innerhalb der Lieferketten oder ergänzende Produktionsstandorte können zur Risikominimierung beitragen. „Insgesamt werden die Chancen, die der chinesische Markt bietet, weiterhin genutzt, wenngleich die Herausforderungen zunehmen und ein verstärktes Risikomanagement einfordern“, sagt Gontermann.

Anja Ringel
(Bild: mi connect)

Die Autorin: Anja Ringel

Dass sie Redakteurin werden will, wusste Anja Ringel schon zu Schulzeiten. Als Chefredakteurin ihrer Schülerzeitung hat sie Lehrkräfte und Schüler interviewt, das Mensaessen getestet und ist Fragen wie "Wieso hat Wasser ein Mindesthaltbarkeitsdatum" nachgegangen.

Nach Stationen bei diversen Tagezeitungen schaut sie bei "Produktion" nun den Unternehmen auf die Finger oder besser gesagt auf die Bilanzen. Als Wirtschaftsredakteurin kümmert sie sich aber auch um Themen wie Fachkräftemangel, Diversity, Digitalisierung oder Unternehmenskultur. Daneben ist sie einer der Podcast-Hosts von Industry Insights.

Privat liebt sie das Reisen und nutzt ihre Urlaube, um die Welt zu entdecken.

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