Tesla Grünheide soll kurzfristig rund 1.000 neue Beschäftigte erhalten. Hintergrund sind steigende Nachfrage, höhere Produktionsziele und ein Rekordquartal im Werk.
Die Tesla-Fabrik in Grünheide soll bis Juli rund 20 % mehr Fahrzeuge pro Woche produzieren.wideeyes - stock.adobe.com
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Tesla will im Werk Grünheide bei Berlin bis Ende Juni rund 1.000 neue Mitarbeiter einstellen. Ab Juli soll die Produktion des Model Y um rund 20 % auf gut 6.000 Einheiten pro Woche steigen. Grund sind laut Unternehmen höhere Zulassungszahlen, ein Produktionsrekord und bessere Perspektiven für den geplanten Ausbau.
Der US-Elektroautobauer Tesla will die Belegschaft in seinem einzigen europäischen Autowerk in Grünheide bei Berlin kurzfristig vergrößern. Grund ist nach Angaben des Unternehmens eine gestiegene Nachfrage. Damit rückt die Gigafactory Berlin-Brandenburg erneut stärker in den Fokus der europäischen Produktionsstrategie des Herstellers.
"Bis Ende Juni wollen wir circa 1.000 neue Mitarbeiter hier an Bord haben", sagte Werksleiter André Thierig. Direkt daran knüpft das Werk ein höheres Produktionsziel: "Dann beginnen wir im Juli die Produktion um circa 20 Prozent auf gut 6.000 Einheiten pro Woche in einem ersten Schritt."
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In Grünheide wird nach Angaben des Werksleiters das Model Y produziert. Die geplante Aufstockung ist damit unmittelbar mit der Fertigung eines zentralen Volumenmodells verbunden.
Tesla Grünheide nähert sich wieder höherer Beschäftigung
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Die Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg wurde vor rund vier Jahren eröffnet. Die Beschäftigtenzahl stieg zunächst kontinuierlich. Vor etwas mehr als zwei Jahren arbeiteten dort rund 12.400 Menschen. Danach sank die Zahl bis zu diesem Jahr um 1.700 Beschäftigte.
Mit der nun angekündigten Aufstockung würden nach Unternehmensangaben künftig 11.700 Menschen in der Gigafactory Berlin-Brandenburg arbeiten. Zusätzlich will Tesla voraussichtlich rund 500 Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer im Laufe des Jahres in feste, unbefristete Arbeitsverhältnisse übernehmen.
Unabhängig davon hat laut Unternehmen die Suche nach mehreren hundert neuen Beschäftigten für die Batteriezellfertigung begonnen. Diese soll in der ersten Jahreshälfte 2027 starten, wie aus der Mitteilung hervorgeht.
Tesla verweist auf Rückenwind inmitten von Krisen. "Die Zulassungszahlen in den Märkten, die wir beliefern, sind im ersten Quartal deutlich angestiegen", sagte Thierig. Im ersten Quartal habe die Fabrik mit über 61.000 Fahrzeugen einen neuen Produktionsrekord erreicht.
Auch auf dem deutschen Markt legte Tesla deutlich zu. Nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamts stiegen die Neuzulassungen von Januar bis März 2026 auf 12.829 Fahrzeuge. Das entspricht einem Plus von 160 %.
Für das Werk bedeutet die Entwicklung einen geplanten Produktionssprung. Ab Juli soll die Fertigung in einem ersten Schritt um rund 20 % auf gut 6.000 Einheiten pro Woche steigen.
Welche Rolle spielt der geplante Ausbau?
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Mit dem Personalaufbau steigen auch die Chancen für einen von Tesla-Chef Elon Musk geplanten Ausbau des Standorts. Dieser lag wegen der Marktlage bisher auf Eis. Die erste Teilgenehmigung für den Ausbau der Produktion hat Tesla bereits erhalten.
Thierig sieht für Grünheide "keinen wirklichen Einbruch". Rückgänge bei Produktion und Zulassungen ordnet er anders ein: "Dass die Produktionszahlen und auch die Zulassungszahlen vor allen Dingen im Jahresvergleich zum ersten und zweiten Quartal letzten Jahres zurückgingen, war auf den Modellwechsel zurückzuführen, den wir im ersten Quartal vorgenommen haben."
Der Standort Grünheide bleibt damit ein zentraler Produktionsanker für Tesla in Europa. Der geplante Personalaufbau, die Übernahme von Leiharbeitnehmern und die Suche nach Fachkräften für die Batteriezellfertigung deuten auf eine breitere industrielle Ausrichtung des Werks hin.
Tesla setzt auf Assistenzsysteme, Robotaxis und Roboter
Neben dem Ausbau der Fahrzeugproduktion setzt Tesla verstärkt auf Roboter und Robotaxis. Der Elektroautobauer rechnet damit, dass sein fortgeschrittenes Fahrassistenzsystem in den kommenden Monaten in der gesamten EU zugelassen wird. Nach der Genehmigung in den Niederlanden sei das Unternehmen gut für eine EU-weite Zulassung im laufenden Quartal aufgestellt, sagte Finanzchef Vaibhav Taneja.
In den USA können Fahrer die Software mit dem vollständigen Namen "Full Self-Driving (Überwacht)" bereits seit einigen Jahren nutzen. Tesla musste dem ursprünglichen Namen Full Self-Driving den einschränkenden Zusatz hinzufügen, weil die Software noch nicht autonom fahren kann und die Fahrer weiter Verantwortung tragen.
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Firmenchef Elon Musk verweist inzwischen auf weitreichende Verbesserungen. Tesla hat nach eigenen Angaben 1,28 Millionen Abo-Kunden für FSD. Das sind 180.000 mehr als drei Monate zuvor.
Wann könnte autonomes Fahren bei Tesla kommen?
Musk kündigt bereits seit rund einem Jahrzehnt an, dass Serien-Teslas mit FSD tatsächlich autonom fahren werden. Nun "schätzte" er, dass diese unüberwachte FSD-Version in den USA "wahrscheinlich im vierten Quartal" eingeführt werde. Zugleich schränkte Musk ein, Tesla werde die Software nur schrittweise verfügbar machen, wenn sie für eine bestimmte Region als sicher eingestuft werde.
Der Tesla-Chef behauptet, die Zukunft des Konzerns liege in selbstfahrenden Robotaxis und humanoiden Robotern statt im Autoverkauf. Derzeit startet Tesla die Produktion seines Robotaxi-Fahrzeugs Cybercab. Der Zweisitzer soll ohne Lenkrad und Pedale auskommen.
Da "90 Prozent der Meilen" mit einer oder zwei Personen im Auto gefahren würden, werde der Cybercab langfristig wahrscheinlich den Großteil der Tesla-Produktion ausmachen, sagte Musk.
Auch die Produktion des humanoiden Roboters Optimus soll in diesem Jahr anlaufen. Dafür stellt Tesla die größeren Automodelle S und X ein. Auf der dadurch frei werdenden Fläche im kalifornischen Fremont will das Unternehmen mit der Zeit eine Million Roboter pro Jahr bauen.
Starke Konkurrenz bei Robotaxis und Robotern
Tesla will mit Robotaxis und Robotern in Märkte vorstoßen, in denen bereits starke Wettbewerber aktiv sind. Bei selbstfahrenden Autos gilt die Google-Schwesterfirma Waymo mit ihren Robotaxis als deutlich weiter. Der langjährige Tech-Analyst und Investor Gene Munster betonte, Waymo sei etwa 50 Mal größer.
Musk setzt unter anderem auf einen Kostenvorteil. Tesla will mit Kameras auskommen und auf teurere Laser-Radare verzichten, die die Umgebung von Fahrzeugen abtasten. Viele Experten und Wettbewerber bezweifeln allerdings, dass damit verlässliches autonomes Fahren möglich ist.
Warum Tesla hohe Investitionen stemmen muss
Die technischen Visionen von Tesla sind kapitalintensiv. Der Konzern erhöhte die Prognose für die Kapitalausgaben in diesem Jahr auf 25 Milliarden USD. Vor drei Monaten hatte Tesla noch 20 Milliarden USD erwartet.
Finanziert werden muss das vor allem aus dem Geschäft mit dem Autoverkauf. Nach Absatzrückgängen im Jahr 2025 läuft dieses wieder besser. Der Quartalsumsatz stieg im Jahresvergleich um 16 % auf 22,39 Milliarden USD. Der Gewinn wuchs um 17 % auf 477 Millionen USD. Die weltweiten Auslieferungen kletterten um 6,3 % auf 358.023 Fahrzeuge. Im Vorjahresquartal waren die Auslieferungen noch um 13 % gefallen.
Quelle: dpa
Tesla Grünheide
• Warum stellt Tesla Grünheide 1.000 neue Mitarbeiter ein? – Tesla begründet den Personalaufbau mit gestiegener Nachfrage und höheren Produktionszielen im Werk Grünheide.
• Wie stark soll die Produktion bei Tesla Grünheide steigen? – Ab Juli soll die Produktion um rund 20 % auf gut 6.000 Einheiten pro Woche erhöht werden.
• Welches Modell produziert Tesla Grünheide? – Nach Angaben des Werksleiters wird in Grünheide das Model Y gefertigt.
• Welche Bedeutung hat Tesla Grünheide für den Ausbau? – Mit der Aufstockung steigen die Chancen für den geplanten Ausbau, für den Tesla bereits eine erste Teilgenehmigung erhalten hat.
• Was plant Tesla Grünheide bei der Batteriezellfertigung? – Das Unternehmen sucht mehrere hundert neue Beschäftigte für die Batteriezellfertigung, die in der ersten Jahreshälfte 2027 starten soll.