VW-Werk Zwickau: Zukunft des Standorts ungewiss

VW-Werk Zwickau soll für Investoren geöffnet werden

Das VW-Werk Zwickau steht vor einer ungewissen Zukunft. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer wirbt für eine neue Betreibergesellschaft, zusätzliche Investoren und Zugeständnisse bei den Arbeitsbedingungen.

Durch den Sparkurs bei VW sind Standort gefährdet.
Wie kann das VW-Werk Zwickau gerettet werden? Kretschmer wirbt für neue Investoren, flexiblere Arbeitszeiten und eine Standortgarantie.

  • Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer will das VW-Werk Zwickau mit einer neuen Gesellschaft langfristig absichern.

  • Die geplante Autounion Sachsen GmbH soll neben Volkswagen weitere Automobilhersteller und Investoren einbinden.

  • Um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, fordert Kretschmer flexiblere Arbeitszeiten und Änderungen am tariflichen Rahmen.

  • Gewerkschaft und Betriebsrat äußern Vorbehalte. Kretschmer stellt eine bessere Werksauslastung und eine zehnjährige Standortgarantie in Aussicht.

Die Zukunft des VW-Werks Zwickau über das Jahr 2031 hinaus bleibt ungewiss. Hintergrund sind massive Überkapazitäten von Volkswagen an seinen deutschen Produktionsstandorten. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) setzt deshalb auf ein alternatives Konzept, um die Wettbewerbsfähigkeit der Autofabrik langfristig zu sichern.

Bei einem Gespräch mit Vertretern der Automobilbranche in Zwickau erhöhte Kretschmer den Druck auf Gewerkschaft und Betriebsrat. Aus seiner Sicht sind Veränderungen bei den bestehenden Arbeitsbedingungen erforderlich, damit der Standort gegenüber anderen europäischen Produktionsstätten konkurrenzfähig bleibt.

"Es reicht nicht sich vor ein Werkstor zu stellen und zu demonstrieren", erklärte Kretschmer laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Entscheidend sei vielmehr, wie sich die wirtschaftliche Situation des Werkes verbessern lasse.

"Wir müssen raus aus dem jetzigen tariflichen Rahmen." Dazu zählt der Ministerpräsident insbesondere flexiblere Arbeitszeiten.

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Autounion Sachsen GmbH als Alternative für Zwickau

Kern des vorgeschlagenen Plan B ist die Gründung einer neuen Gesellschaft mit dem Namen Autounion Sachsen GmbH. Diese soll das VW-Werk Zwickau neben Volkswagen auch für weitere Investoren öffnen.

Damit könnte sich die Produktionsstätte zu einem Standort entwickeln, an dem mehrere Unternehmen ihre Fahrzeuge fertigen lassen.

Voraussetzung dafür ist nach Einschätzung der Beteiligten allerdings eine deutliche Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Als Vergleichsmaßstab dienen unter anderem Produktionsstandorte in Osteuropa, darunter das Volkswagen-Werk im slowakischen Bratislava.

Die Produktionskosten und die bestehenden tariflichen Rahmenbedingungen spielen bei diesen Überlegungen eine zentrale Rolle.

Welche Chancen bietet eine gemeinsame Werksnutzung?

Unterstützung erhält Kretschmers Konzept aus der Automobilzulieferindustrie. Dirk Vogel vom Automobilzulieferer-Netzwerk AMZ bezeichnete den Vorschlag als gute Vision. Entscheidend sei jedoch, zusätzliche Investoren für das Werk zu gewinnen.

Das Modell könnte insbesondere für Automobilhersteller interessant sein, die Produktionskapazitäten innerhalb Europas benötigen, aber keine vollständige Fabrik allein auslasten können.

Als Vorbild verweist die Branche auf die Halbleiterindustrie. In Dresden entsteht bereits eine Fabrik, die von mehreren Chipherstellern gemeinsam getragen wird.

Auch in Zwickau wäre eine vergleichbare Nutzung denkbar. Mehrere Unternehmen könnten dort künftig gemeinsam Produktionskapazitäten in Anspruch nehmen.

Allerdings müsste Volkswagen zunächst weiterhin als Schlüsselinvestor fungieren.

Bereits heute produziert das Werk für unterschiedliche Marken des Volkswagen-Konzerns. Neben vollständigen Fahrzeugen entstehen dort auch Karosserien für Bentley und Lamborghini. Die Fertigung für mehrere Marken ist am Standort somit bereits etabliert.

IG Metall lehnt längere Arbeitszeiten und Lohnkürzungen ab

Eine wesentliche Hürde für Kretschmers Konzept sind die geforderten Änderungen bei den Arbeitsbedingungen.

Mehrere Branchenvertreter betonten während der Gesprächsrunde, dass geringere Produktionskosten ohne Zugeständnisse der Arbeitnehmerseite kaum erreichbar seien.

Die IG Metall hat längere Arbeitszeiten und niedrigere Löhne allerdings jüngst abgelehnt. Die Gewerkschaft verweist zudem auf die Tarifautonomie und warnt vor einer politischen Einmischung in tarifliche Angelegenheiten.

Auch der Betriebsrat fordert eine direkte Beteiligung an den Überlegungen zur Zukunft des Standortes.

"Ein Konzept dieser Tragweite darf nicht an den Interessenvertretungen der Belegschaft vorbei entwickelt werden", hatte Mario Albert, Betriebsratsvorsitzender des Zwickauer Volkswagen-Werkes, klargestellt.

Wie geht es mit dem VW-Werk Zwickau weiter?

Nach dem Austausch mit Vertretern der Automobilbranche will Kretschmer zeitnah Gespräche mit der IG Metall und dem Betriebsrat führen. Das teilte die sächsische Staatskanzlei mit.

Ziel ist es, die Arbeitnehmervertreter von dem vorgeschlagenen Modell zu überzeugen und Möglichkeiten für eine Umsetzung auszuloten.

Dabei betont Kretschmer, dass Zugeständnisse der Beschäftigten mit konkreten Gegenleistungen verbunden sein müssten.

Als mögliche Perspektiven nennt der CDU-Politiker eine vernünftige Auslastung des Fahrzeugwerkes sowie eine zehnjährige Standortgarantie.

Ob sich Gewerkschaft, Betriebsrat und potenzielle Investoren auf ein solches Modell verständigen können, bleibt offen. Ebenso ungeklärt ist bislang, welche weiteren Unternehmen sich an der geplanten Autounion Sachsen GmbH beteiligen könnten.

Mit Material von dpa.

Was Sie zum VW-Werk Zwickau wissen müssen

  • Warum ist die Zukunft des VW-Werks Zwickau ungewiss? Volkswagen verfügt an seinen deutschen Standorten über massive Überkapazitäten. Die Zukunft des Werkes über das Jahr 2031 hinaus ist deshalb offen.

  • Was sieht der Plan B für das VW-Werk Zwickau vor? Ministerpräsident Michael Kretschmer schlägt die Gründung der Autounion Sachsen GmbH vor. Über diese Gesellschaft soll die Fabrik für zusätzliche Investoren und Automobilhersteller geöffnet werden.

  • Welche Rolle soll Volkswagen beim VW-Werk Zwickau spielen? Volkswagen soll zunächst als Schlüsselinvestor erhalten bleiben. Weitere Hersteller könnten die vorhandenen Produktionskapazitäten künftig gemeinsam nutzen.

  • Warum fordert Kretschmer Änderungen beim VW-Werk Zwickau? Der Ministerpräsident will die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen europäischen Produktionsstandorten verbessern. Dazu fordert er unter anderem flexiblere Arbeitszeiten und Änderungen am tariflichen Rahmen.

  • Welche Perspektive gibt es für die Beschäftigten im VW-Werk Zwickau? Kretschmer stellt eine bessere Auslastung der Fabrik und eine zehnjährige Standortgarantie als mögliche Gegenleistungen für Zugeständnisse der Arbeitnehmerseite in Aussicht. Eine Einigung steht bislang aus.