Tarifrunde M+E-Industrie

Metallindustrie vor schweren Tarifgesprächen: 42 Prozent der Betriebe planen Stellenabbau

Düstere Aussichten in der Metall- und Elektroindustrie: Laut einer Gesamtmetall-Umfrage rechnen 42 Prozent der Betriebe in den nächsten sechs Monaten mit Stellenabbau. Vor der zweiten Tarifrunde fordert die IG Metall dennoch 5 Prozent mehr Geld.

In der Metallindustrie droht Stellenabbau: 42 % der Betriebe rechnen mit Jobverlusten. Die Tarifverhandlungen stehen unter Druck.
In der Metallindustrie droht Stellenabbau: 42 % der Betriebe rechnen mit Jobverlusten. Die Tarifverhandlungen stehen unter Druck.

Key Takeaways

  • 42 Prozent planen Stellenabbau: Laut einer Gesamtmetall-Umfrage unter 1.461 Betrieben rechnen 42 Prozent der Unternehmen in den nächsten sechs Monaten mit einem Abbau von Arbeitsplätzen.

  • 39 Prozent melden schlechte Geschäftslage: Fast vier von zehn Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage als schlecht, 21 Prozent erwarten eine weitere Verschlechterung.

  • Forderungen der IG Metall: Die Gewerkschaft fordert für die gut 3,7 Millionen Beschäftigten unter anderem 5 Prozent mehr Geld sowie Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung und Gewinnbeteiligung.

  • Auslaufende Friedenspflicht: Ab dem 31. Oktober endet die Friedenspflicht, womit ab November flächendeckende Warnstreiks in der Branche möglich sind.

  • Sonderbranchen reichen nicht aus: Zwar boomen Rüstung und Gesundheitstechnik, doch mit 200.000 Beschäftigten deckt die Rüstung nur einen Bruchteil der gesamten M+E-Industrie ab.

Die Gesamtmetall-Umfrage auf einen Blick

  • Befragungszeitraum: 7. bis 16. Oktober

  • Teilnehmer: 1.461 Unternehmen mit rund 800.000 Beschäftigten

  • Geschäftslage schlecht: 39 % (befriedigend: 40 %)

  • Lageverschlechterung erwartet (in 6 Monaten): 21 %

  • Erwarteter Stellenabbau (in 6 Monaten): 42 %

Düstere Stimmung vor der zweiten Tarifrunde

Kurz vor Beginn der zweiten Runde der Tarifverhandlungen zeichnet die deutsche Metall- und Elektroindustrie ein äußerst skeptisches Bild ihrer wirtschaftlichen Lage. Eine aktuelle Befragung des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, an der vom 7. bis zum 16. Oktober insgesamt 1.461 Unternehmen mit rund 800.000 Beschäftigten teilnahmen, verdeutlicht den Druck auf die Branche: 39 Prozent der Betriebe schätzen ihre derzeitige Geschäftslage als schlecht ein, 40 Prozent bewerten sie als befriedigend.

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Die Zukunftsaussichten fallen kaum optimistischer aus. 21 Prozent der befragten Betriebe rechnen damit, dass sich die Lage innerhalb des kommenden halben Jahres weiter verschlechtern wird. Besonders gravierend sind die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: 42 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, in den nächsten sechs Monaten Personal abbauen zu müssen.

Streitpunkte im Tarifkonflikt und drohende Warnstreiks

Die schwierige wirtschaftliche Situation trifft auf verhärtete Fronten in den laufenden Tarifverhandlungen. Die IG Metall fordert für die gut 3,7 Millionen Beschäftigten der Schlüsselbranche unter anderem ein Entgeltplus von fünf Prozent. Nachdem die erste regionale Verhandlungsrunde Anfang Oktober ohne Ergebnis geblieben ist, sollen die Gespräche in der kommenden Woche fortgesetzt werden.

Der zeitliche Druck ist hoch: Mit Ablauf des 31. Oktober endet die vereinbarte Friedenspflicht. Sollte bis dahin keine Annäherung erzielt werden, sind ab November flächendeckende Warnstreiks in den Betrieben rechtlich zulässig.

Rüstungsboom gleicht Branchenschwäche nicht aus

Eckdaten der M+E-Tarifrunde

  • Betroffene Beschäftigte: ca. 3,7 Millionen

  • Kernforderung IG Metall: +5 % Entgelt, Beschäftigungssicherung, Gewinnbeteiligung

  • Ende der Friedenspflicht: 31. Oktober (danach Warnstreiks möglich)

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander hob in Berlin hervor, dass einzelne Teilbereiche wie die Rüstungsindustrie oder die Gesundheitstechnik zwar gute Geschäfte verzeichnen, diese die Gesamtlage jedoch nicht drehen können. Selbst wenn tausende neue Panzer oder Wehrmaterial bestellt würden, bedeute dies nicht, dass die M+E-Industrie in der Fläche mehr Produktion gewinne. Der Grund: Der Rüstungssektor zählt lediglich rund 200.000 Beschäftigte – ein kleiner Teil im Vergleich zu den 3,7 Millionen Mitarbeitern der Gesamtbranche.

Zugleich beobachten die Arbeitgeber eine zunehmende Verlagerung von Wertschöpfung ins Ausland. „Inlandsaufträge bedeuten nicht Inlandproduktion“, warnte Zander. Aufgrund günstigerer Rahmenbedingungen – wie etwa niedrigeren Personalkosten – ließen sich im Ausland deutlich höhere Margen erzielen.

Die Gewerkschaftsseite weist die Schreckensszenarien der Arbeitgeber hingegen zurück. Nadine Boguslawski, Tarifvorständin der IG Metall, betonte, dass Kürzungen keinen einzigen Arbeitsplatz sicherten. Man erwarte von den Arbeitgebern keine Untergangsplanungen, sondern lösungsorientierte Konzepte nach vorne. Die IG Metall fordere ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland sowie einen Stopp der Stellenstreichungen und habe deshalb neben den Lohnforderungen auch Themen wie Beschäftigungssicherung und Gewinnbeteiligung auf den Verhandlungstisch gebracht.

Mit Material der dpa

Verlagerung ins Ausland und Rüstungssektor

  • Rüstungsindustrie: Ca. 200.000 Beschäftigte (vs. 3,7 Mio. in der gesamten M+E-Branche)

  • Inlandsaufträge vs. Inlandsproduktion: Aufträge führen wegen hoher Personalkosten vermehrt zu Produktion an Auslandsstandorten

  • Position der IG Metall: Ablehnung von „Untergangsplanungen“; Forderung nach klarem Bekenntnis zum Standort Deutschland

Häufig gestellte Fragen

Wie bewerten Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie ihre aktuelle Lage? - Laut Gesamtmetall bewerten 39 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als schlecht und 40 Prozent als befriedigend. 21 Prozent der Unternehmen erwarten in den nächsten sechs Monaten eine weitere Verschlechterung.

Wie viele Betriebe in der Metallindustrie planen einen Stellenabbau? - 42 Prozent der im Rahmen der Gesamtmetall-Umfrage befragten Unternehmen gehen davon aus, in den kommenden sechs Monaten Personal abzubauen.

Was fordert die IG Metall in der aktuellen Tarifrunde? - Die IG Metall fordert für die gut 3,7 Millionen Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld, Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung sowie Regelungen zur Gewinnbeteiligung.

Wann drohen Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie? - Die Friedenspflicht endet mit Ablauf des 31. Oktober. Ab dem 1. November sind Warnstreiks in den Betrieben möglich.

Warum fängt der Boom in der Rüstungsindustrie die Branchenkrise nicht ab? - Mit etwa 200.000 Beschäftigten macht die Rüstungsbranche nur einen kleinen Teil der 3,7 Millionen Arbeitnehmer in der M+E-Industrie aus. Mehr Aufträge im Rüstungsbereich führen daher nicht zu einem automatischen Aufschwung in der gesamten Industrie.