Audi-Werk in den USA sorgt für VW-Konflikt

Cavallo: Auftritt von Audi-Chef bei Trump ist beschämend

Das geplante Audi-Werk in den USA sorgt für Konflikte im VW-Konzern. Betriebsratschefin Daniela Cavallo kritisiert den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei Donald Trump scharf. Auch die Zustimmung zum Werk ist offen.

Ein neues Audi-Werk in den USA - verkündet auf Trumps Wahlkampfbühne. Für VW-Betriebsratschefin Cavallo ist das ein Grund zur Scham. Der VW-Konzernvorstand habe sich zur Marionette machen lassen.
Audi aims to further strengthen its position in the U.S. market. The new Audi Q9 is specifically tailored to the needs of American customers.

  • Audi plant im US-Bundesstaat Georgia ein neues Werk für jährlich 200.000 SUV. Die Investitionen sollen rund 4 Mrd. USD betragen.

  • Audi-Chef Gernot Döllner trat bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump auf. VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo kritisiert den Auftritt scharf.

  • Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, der Produktionsstart für Anfang der 2030er Jahre. Geplant sind 4.500 Arbeitsplätze.

  • Die Arbeitnehmervertreter im VW-Aufsichtsrat machen ihre Zustimmung von den Auswirkungen auf andere Konzernstandorte abhängig.

Das geplante Audi-Werk in den USA entwickelt sich zum konzerninternen Konfliktthema bei Volkswagen. VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo hat den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump scharf verurteilt. Zugleich stellt sie Bedingungen für die Zustimmung zum geplanten Produktionsstandort im US-Bundesstaat Georgia.

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) unter Berufung auf ein internes Interview berichtet, wirft Cavallo der VW-Konzernführung vor, sich politisch instrumentalisieren zu lassen.

Warum kritisiert Cavallo den Audi-Chef so scharf?

Im Mittelpunkt der Kritik steht Döllners Auftritt bei einer Veranstaltung von Donald Trump. Der US-Präsident hatte dort überraschend den Bau eines Audi-Werks in Perry im Bundesstaat Georgia angekündigt. Anschließend betrat Döllner die Bühne und bedankte sich bei Trump für dessen Unterstützung.

Cavallo bezeichnete diesen Auftritt als beschämend. «Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie - und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe», sagte die Betriebsratschefin.

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Wer Trumps Rede verfolgt und anschließend Döllners Beteiligung erlebt habe, müsse vor «Scham im Boden versinken».

Ihre Kritik richtet sich ausdrücklich auch gegen den gesamten VW-Konzernvorstand um Oliver Blume. Dieser habe sich «von einer höchst zweifelhaften politischen Figur, die gegen so ziemlich jeden unserer Unternehmenswerte verstößt, zur Marionette in dessen Propaganda-Show machen lassen».

Cavallo verwies zudem auf Vergleiche mit der Unternehmensgeschichte von Volkswagen. Der Konzern wurde während der NS-Zeit gegründet und diente dem Regime Adolf Hitlers als Vorzeigeunternehmen. Die aktuelle Situation bezeichnete Cavallo als Spiel mit dem Feuer.

Audi-Werk in den USA: Milliardeninvestition geplant

Unabhängig von der politischen Kontroverse verfolgt Audi konkrete Pläne für eine eigene Produktion in den Vereinigten Staaten.

Die wichtigsten Eckdaten des geplanten Werks:

  • Investitionsvolumen: 4 Mrd. USD (rund 3,6 Mrd. EUR)

  • Jährliche Kapazität: 200.000 SUV

  • Geplante Arbeitsplätze: 4.500

  • Geplanter Baubeginn: 2027

  • Produktionsstart: Anfang der 2030er Jahre

Der Standort in Perry wäre das erste US-Werk der VW-Premiumtochter. Döllner ist neben seiner Funktion als Audi-Chef auch Mitglied des VW-Konzernvorstands. Dort verantwortet er die Markengruppe Progressive mit Audi, Bentley, Lamborghini und Ducati.

Welche wirtschaftlichen Gründe sprechen für das US-Werk?

Die geplante Investition bewertet Cavallo aus betriebswirtschaftlicher Sicht differenzierter als den politischen Auftritt. Der US-Markt gehöre zu den größten und lukrativsten Absatzmärkten weltweit. Gleichzeitig sei der Marktanteil von Volkswagen dort weiterhin zu gering.

Hinzu kommen die hohen US-Zölle, die den Konzern nach Cavallos Angaben Milliarden kosten. Eine stärkere lokale Fertigung könne deshalb wirtschaftlich sinnvoll sein.

Allerdings sieht die Betriebsratschefin wesentliche Fragen als ungeklärt an. Dazu gehört insbesondere, ob mit dem neuen Audi-Werk Zollerleichterungen für den gesamten Volkswagen-Konzern verbunden wären. Ebenso offen sei, wie belastbar entsprechende Zusagen nach einem möglichen Regierungswechsel ausfallen würden.

Interne Audi-Leitlinien im Fokus der Kritik

Neben der politischen Bewertung wirft Cavallo Döllner einen Verstoß gegen unternehmensinterne Vorgaben vor.

Nach den Audi-Leitlinien seien in den letzten drei Monaten vor einer Wahl öffentlichkeitswirksame Termine mit kandidierenden Politikern untersagt. Döllner habe diese Grundsätze erst wenige Monate zuvor unterzeichnet.

Cavallo sieht deshalb «sicherlich ein klarer Verstoß» gegen die internen Regeln. Die US-Zwischenwahlen sind für den 3. November angesetzt.

Warum ist die Zustimmung zum Audi-Werk noch offen?

Die Arbeitnehmerseite im VW-Aufsichtsrat knüpft ihre Zustimmung zu einer neuen US-Fabrik an klare Voraussetzungen. Entscheidend seien die Auswirkungen auf die bestehenden Konzernstandorte, insbesondere in Deutschland.

«Ohne ein Gesamtbild zur Planungsrunde mit dem Gesamtblick auf alle Standorte geben wir kein grünes Licht. Das heißt im Umkehrschluss, dass eine Entscheidung erst noch aussteht», erklärte Cavallo.

Damit ist die Investitionsentscheidung aus Sicht der Arbeitnehmervertreter noch nicht gefallen. Ob sie dem Neubau in Georgia letztlich zustimmen werden, bleibt offen.

Der Konflikt betrifft somit nicht nur den politischen Auftritt des Audi-Chefs, sondern auch die künftige Verteilung von Produktionskapazitäten innerhalb des Volkswagen-Konzerns.

Mit Material von dpa.

Was Sie zum Thema Audi-Werk in den USA wissen müssen

  • Wo soll das Audi-Werk in den USA entstehen? Geplant ist ein neuer Produktionsstandort in Perry im US-Bundesstaat Georgia.

  • Wie viel investiert Audi in das Audi-Werk in den USA? Vorgesehen sind rund 4 Mrd. USD beziehungsweise 3,6 Mrd. EUR. Das Werk soll jährlich 200.000 SUV produzieren und 4.500 Arbeitsplätze schaffen.

  • Wann soll das Audi-Werk in den USA die Produktion aufnehmen? Der Baubeginn ist für 2027 geplant. Die Produktion soll Anfang der 2030er Jahre starten.

  • Warum kritisiert Daniela Cavallo das Audi-Werk in den USA? Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen den Wahlkampfauftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei Donald Trump. Zudem fordert sie Klarheit über die Auswirkungen der Investition auf bestehende VW-Standorte.

  • Ist das Audi-Werk in den USA bereits genehmigt? Die Zustimmung der Arbeitnehmerseite im VW-Aufsichtsrat steht noch aus. Sie verlangt zunächst eine Gesamtbetrachtung der Auswirkungen auf alle Konzernstandorte.