US-Kriegsminister Hegseth setzt auf deutsche Rüstungsindustrie
US-Kriegsminister Pete Hegseth setzt bei der Nato-Rüstungskooperation verstärkt auf die deutsche Industrie. Produktion, Lizenzfertigung und Instandhaltung sollen gemeinsam ausgebaut werden.
US-Kriegsminister Pete Hegseth setzt bei der Nato-Rüstungskooperation auf Deutschland. Die USA wollen deutsche Kapazitäten für Waffen und Munition nutzen.SECWAR
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• Pete Hegseth würdigt Deutschlands Rolle bei der Stärkung der Nato und fordert eine stärkere Nutzung der deutschen Industriebasis.
• Hegseth und Boris Pistorius vereinbaren im Pentagon eine vertiefte Zusammenarbeit bei Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung.
• Gemeinsame Entwicklung, Produktion und Lizenzfertigung sowie Wartungs- und Instandhaltungskapazitäten sollen ausgebaut werden.
• Deutschland bietet zusätzliche Produktionskapazitäten an und strebt zugleich Zugang zu Technologien und Systemen aus den USA an.
US-Kriegsminister Pete Hegseth sieht für Deutschland eine zentrale Rolle beim Ausbau der europäischen Verteidigungsfähigkeiten. Bei einem Treffen mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius im Pentagon würdigte er die Entwicklung Deutschlands innerhalb der Nato.
Hegseth sprach von «großen Fortschritten, die vor der Rückkehr von Präsident (Donald) Trump ins Amt wohl niemand für möglich gehalten hätte».
Dabei geht es nicht allein um höhere Verteidigungsausgaben. Deutschland und die USA wollen ihre industrielle Zusammenarbeit bei Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung vertiefen. Hegseth und Pistorius unterzeichneten dazu eine entsprechende Rüstungsvereinbarung.
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Wie aus der Meldung der dpa hervorgeht, soll der hohe Bedarf innerhalb des Nato-Bündnisses künftig verstärkt auch aus deutscher Produktion gedeckt werden.
Hegseth fordert Nutzung der deutschen Industriebasis
Die Absichtserklärung erweitert nach Angaben Hegseths die Möglichkeiten zur gemeinsamen Entwicklung und Produktion sowie zur Lizenzfertigung. Gleichzeitig sollen Kapazitäten für Wartung und Instandhaltung ausgebaut werden. Das sei «genau das, was verbündete Länder tun sollten», sagte Hegseth.
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Das industrielle Ziel formulierte der US-Kriegsminister ebenfalls deutlich: «leistungsfähige Systeme für amerikanische, deutsche und verbündete Streitkräfte in großem Maßstab und zügig bereitzustellen, um maximale Schlagkraft zu erzielen».
Hegseth verwies zugleich auf die deutschen Verteidigungsausgaben. Deutschland nähere sich der Erfüllung der Fünf-Prozent-Verpflichtung der Nato «und geht dabei mit gutem Beispiel voran».
Höhere Verteidigungsausgaben sind aus Sicht Hegseths allerdings nur ein Teil der notwendigen Entwicklung. Entscheidend sei auch, die vorhandenen industriellen Möglichkeiten für die gemeinsame Verteidigung einzusetzen.
«Aber wie wir bereits besprochen haben, sind Verteidigungsausgaben nur der erste Schritt. Eine Nato 3.0 erfordert daher auch, dass Deutschlands sehr große und traditionsreiche industrielle Basis für die gemeinsame Verteidigung genutzt wird.»
Damit rückt Hegseth neben den Verteidigungsetats vor allem Produktionskapazitäten in den Mittelpunkt der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit.
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Pistorius hatte Hegseth zuletzt im Sommer 2025 in Washington besucht. Im vergangenen Jahr hatte es aus Washington noch viel Kritik an der Bundesregierung gegeben. Seitdem hat Deutschland die Verteidigungsausgaben kräftig erhöht und seine Führungsrolle bei der militärischen Hilfe für die Ukraine ausgebaut.
Welche Produktionschancen entstehen für die deutsche Industrie?
Der Bedarf an militärischer Ausrüstung ist hoch. Lenkflugkörper aus US-Produktion für Angriff und Flugabwehr sind im Krieg gegen den Iran zu einem knappen Gut geworden. Das bekommen auch die europäischen Nato-Verbündeten und die Ukraine zu spüren.
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Für die deutsche Industrie ergeben sich damit zusätzliche Produktionsmöglichkeiten. Pistorius machte nach dem Gespräch mit Hegseth deutlich, dass Deutschland entsprechende Kapazitäten bereitstellen will: «Wir bieten Know-how und Kapazitäten für die gemeinsame Produktion an».
Darin sieht Pistorius mehrere Vorteile: «Wir füllen unsere Bestände auf, wir stärken unsere Fähigkeiten und im Übrigen dann eben auch die unserer Partner», sagte er.
Vor allem dort, wo amerikanische Kapazitäten an Grenzen stoßen, könnte Produktion nach Deutschland verlagert werden. «Wenn die Kapazitäten in den USA nicht ausreichen - und angesichts der großen Nachfragezahlen ist das in einigen Bereichen definitiv so - haben wir angeboten, in Deutschland zu produzieren. Das stößt auf viel Gegenliebe.»
Nato-Rüstungskooperation soll keine Einbahnstraße sein
Die von Hegseth und Pistorius vereinbarte Zusammenarbeit soll zugleich in beide Richtungen funktionieren. Ein deutsches Hauptinteresse bei Rüstungskooperationen ist der Zugang zu Technologien und Systemen, die in Europa nicht oder noch nicht selbst hergestellt werden. Dazu gehören Lenkflugkörper und Luftverteidigungssysteme wie Patriot.
Auf der anderen Seite stehen deutsche Systeme für den US-Markt. Rheinmetall befindet sich mit dem Schützenpanzer Lynx im Bieterrennen um den künftigen Schützenpanzer des US-Heeres. Dabei geht es um ein Angebot für die Lieferung von mehr als 4.000 Panzerfahrzeugen.
Deutschland spielt auch als Standort für die US-Streitkräfte eine wichtige Rolle. Aktuell sind dort etwa 38.000 US-Soldaten stationiert. Zu den großen Militäreinrichtungen zählen die Air Base Ramstein, die Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels, das Militärkrankenhaus Landstuhl sowie regionale Hauptquartiere in Stuttgart und Wiesbaden.
Die USA nutzen diese Standorte für Militäreinsätze im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika. Mit der von Hegseth und Pistorius vereinbarten Vertiefung der Rüstungskooperation rückt nun zusätzlich die deutsche industrielle Basis in den Fokus.
Was Sie zum Thema Nato-Rüstungskooperation wissen müssen
• Warum setzt Hegseth bei der Nato-Rüstungskooperation auf Deutschland? – Hegseth will Deutschlands große industrielle Basis stärker für diegemeinsame Verteidigung nutzen und Produktionskapazitäten ausbauen.
• Was haben Hegseth und Pistorius zur Nato-Rüstungskooperation vereinbart? – Die Vereinbarung umfasst gemeinsame Entwicklung, Produktion und Lizenzfertigung sowie zusätzliche Wartungs- und Instandhaltungskapazitäten.
• Welche Rolle übernimmt die deutsche Industrie in der Nato-Rüstungskooperation? – Deutschland bietet Know-how und Kapazitäten für die gemeinsame Produktion von Rüstungsgütern an.
• Welche Vorteile erwartet Deutschland von der Nato-Rüstungskooperation? – Pistorius nennt das Auffüllen der Bestände, die Stärkung eigener und verbündeter Fähigkeiten sowie Zugang zu Technologien und Systemen.
• Welche Bedeutung hat Rheinmetall für die Nato-Rüstungskooperation? – Rheinmetall ist mit dem Schützenpanzer Lynx im Bieterrennen um den künftigen Schützenpanzer des US-Heeres. Das Angebot umfasst mehr als 4.000 Panzerfahrzeuge.