Der IG-Metall-Vorstand mit FFP2-Masken bei der Jahrespressekonferenz

Der IG-Metall-Vorstand bei der Jahrespressekonferenz. - Bild: Frank Rumpenhorst

| von Christian Ebner, dpa

Abstand, Maske, Arbeitskampf - mit diesem Dreiklang hat die IG Metall versucht, in Zeiten der Pandemie ihre Arbeit in den Betrieben fortzusetzen. Doch während sie in der Corona-Krise auf der politischen Ebene durchaus Akzente setzen konnte, fehlte am Arbeitsplatz die direkte Ansprache und Jobs gingen verloren. Die Folge: Deutschlands stärkste Gewerkschaft hat im Corona-Jahr 2020 unter dem Strich knapp 48.000 Mitglieder weniger als ein Jahr zuvor.

Erstmals seit 2009 sanken damit im Vergleich zum Vorjahr auch die Beitragseinnahmen auf noch 591 Millionen Euro. Das waren zwar rund sieben Millionen Euro weniger als im Rekordjahr 2019, doch beim Hauptkassierer Jürgen Kerner sind die Sorgen angesichts von erneut 89 Millionen Euro Rückstellungen eher gering: "Keine politische Aktion, kein Streik wird an den Finanzen scheitern", erklärte er.

Der Erste Vorsitzende Jörg Hofmann nannte am Donnerstag den Abbau von 120.000 Jobs in der Metall- und Elektroindustrie und Zehntausender Zeitarbeitsstellen als wichtige Gründe für den Mitgliederschwund auf noch 2,2 Millionen Menschen. Zudem habe es in der Krise faktisch keine Neueinstellungen gegeben: "Mitglied wird man aber durch die direkte Ansprache."

Arbeitsplätze erhalten und modernisieren

So ganz stimmt das in digitalisierten Zeiten nicht mehr, ergänzt Hofmanns Stellvertreterin Christiane Benner. Vor allem die in den Belegschaften immer stärker vertretenen "Wissensarbeiter", also Ingenieure und IT-Fachleute, seien online "sehr gut ansprechbar". Pro Monat melden sich so bereits rund 2000 Mitglieder neu an, konnten aber im vergangenen Jahr die Austritte und Sterbefälle nicht ausgleichen. Insgesamt konnte die Gewerkschaft 87.500 neue Mitglieder begrüßen.

Ins Wahljahr 2021 geht die IG Metall mit drei Hauptforderungen, für die sie um politische Unterstützung wirbt. Die industrielle Basis wie auch die Arbeitsplätze müssten erhalten und modernisiert werden, erklärte Hofmann. Gegen die Belegschaften werde ein Umbau nicht gelingen. "Die Mitbestimmung muss runderneuert werden", verlangte der Gewerkschafter zudem. Der IG Metall ist insbesondere das Doppelstimmrecht der Aufsichtsratsvorsitzenden in Aktiengesellschaften ein Dorn im Auge, das etwa beim Zulieferer Continental zur Durchsetzung eines drastischen Stellenabbaus genutzt worden sei.

Als dritten Punkt nannte Hofmann die Sicherung des Sozialstaats, der in der Coronakrise seine Funktionsfähigkeit voll unter Beweis gestellt habe. Die IG Metall habe sich im vergangenen Jahr erfolgreich für Gesundheitsschutz, mehr und längeres Kurzarbeitergeld sowie die Entlastung von Eltern eingesetzt. Auch die Verlängerung des Insolvenzschutzes und verschiedene Stützen für die Autoindustrie seien Erfolge der Gewerkschaft.

In der laufenden Tarifrunde für die deutsche Metall- und Elektroindustrie mit rund 3,8 Millionen Beschäftigten zeichne sich noch kein Pilotbezirk ab, sagte der Gewerkschaftschef. Man habe aber registriert, dass in Nordrhein-Westfalen die Arbeit zu bestimmten Forderungen der Gewerkschaft aufgenommen worden sei, während beispielsweise im Südwesten die Arbeitgeber nur Gegenforderungen aufstellten.

Hofmann kündigte für den 1. März einen "bundesweiten Aktionstag" der Metaller an, der nach Auslaufen der Friedenspflicht mit Arbeitsausfällen in vielen Werken verbunden sein dürfte. Sollte man sich wider Erwarten bereits vorher einigen, könne man den Aktionstag auch noch absagen, sagte der Gewerkschafter. Man spüre aber keinen Termindruck: "Wir werden ein gutes Ergebnis herausholen."

Die IG Metall verlangt in den M+E-Flächentarifen, nach denen sich unter anderem die Schlüsselindustrien Auto und Maschinenbau richten, ein Volumen von vier Prozent, das auch zum Teillohnausgleich bei verkürzten Arbeitszeiten genutzt werden könnte. Die Arbeitgeber haben bislang jede Kostensteigerung bei den Gehältern abgelehnt.

Auch das US-Unternehmen Tesla werde sich in seinem neuen Werk im Berliner Umland mit der IG Metall auseinandersetzen müssen, kündigte Hofmann an. "Wir wollen dort unsere Organisationsbasis entwickeln. Die erste Nagelprobe wird die Betriebsratswahl sein."

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