KI-Readiness in Europa

Accenture: Europa schließt KI-Lücke langsam

Europas KI-Readiness verbessert sich, doch der Abstand zu Nordamerika bleibt. Besonders kleinere Unternehmen und Deutschland geraten laut Accenture unter Druck.

Accenture sieht bei KI-Readiness Europa im Aufholmodus, Deutschland stagniert jedoch.

Summary: Accenture hat die erste Ausgabe des AI Progress Barometer vorgestellt. Europäische Großunternehmen holen bei der KI-Readiness auf, kleinere Firmen fallen zurück. Deutschland kommt laut Barometer nicht voran, was die Wettbewerbsfähigkeit belasten könnte.

Europäische Unternehmen verbessern ihre KI-Readiness, bleiben aber hinter Nordamerika zurück. Das zeigt die erste Ausgabe des Accenture AI Progress Barometer. Demnach stiegen die KI-Fähigkeiten europäischer Unternehmen in den vergangenen sechs Monaten im Schnitt um 1,6 Punkte. In Nordamerika lag der Zuwachs bei 1,1 Punkten.

Insgesamt führen nordamerikanische Unternehmen weiter mit durchschnittlich 48,9 von 100 Punkten. Europäische Unternehmen erreichen 43,1 Punkte. KI-Readiness beschreibt die Fähigkeiten, die Unternehmen benötigen, um größtmöglichen Nutzen aus Künstlicher Intelligenz zu ziehen. Dazu zählen hochwertige und zugängliche Daten, qualifizierte Mitarbeitende und geeignete Prozesse.

Warum kleinere Unternehmen zurückfallen

Die Daten zeigen eine wachsende Kluft innerhalb Europas. Große europäische Unternehmen mit mehr als zehn Milliarden US-Dollar Jahresumsatz kommen auf 47,4 Punkte und liegen nur noch 2,1 Punkte hinter vergleichbaren nordamerikanischen Firmen. Kleinere europäische Unternehmen mit mehr als 500 Millionen US-Dollar Jahresumsatz erreichen dagegen 40,5 Punkte. Vergleichbare nordamerikanische Firmen liegen bei 48,1 Punkten. Diese Differenz von 7,6 Punkten könnte den europäischen Fortschritt bremsen.

KI-Transformation braucht mehr als neue Technologie

Mauro Macchi, CEO für Europa, den Nahen Osten und Afrika bei Accenture, erläutert: „Europa gewinnt beim Thema KI sichtbar an Dynamik – vor allem getrieben von den größten Unternehmen. Diese haben erkannt, dass KI nur dann schnell und umfassend Mehrwert schafft, wenn die Technologie mit einer ganzheitlichen Transformation des Unternehmens einhergeht, statt lediglich punktuell implementiert zu werden. Dazu gehören die Anpassung von Operatingmodellen, die Neugestaltung von Arbeitsprozessen, der Ausbau von Daten- und Technologiegrundlagen sowie – ganz entscheidend – eine starke Einbindung der Führungsebene und ein wirksames Governance- und Changemanagement. Wie schnell Unternehmen in die Umsetzung kommen, wird über die künftige Wettbewerbsfähigkeit Europas entscheiden.“

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Deutschland tritt bei KI auf der Stelle

Während Frankreich, das Vereinigte Königreich und Spanien deutliche Fortschritte erzielen, stagniert Deutschland. Französische Unternehmen steigerten ihre KI-Readiness um 5,0 Punkte auf 43,1 Punkte, britische um 4,8 Punkte auf 44,5 Punkte und spanische um 4,6 Punkte auf 39,9 Punkte. Deutsche Firmen erreichten laut Barometer unverändert 41,2 Punkte. Besonders im Mittelstand zeigt sich damit ein Risiko für den Wirtschaftsstandort. Die Studie macht deutlich: Entscheidend ist der Schritt über Pilotprojekte hinaus. KI muss konsequent in Geschäftsmodell, Prozesse und Organisation integriert werden.

Welche Branchen legen besonders zu?

In 10 von 18 untersuchten Branchen ist die KI-Readiness gestiegen. Besonders stark zulegen konnten Versicherungen mit plus 8,0 Punkten auf 48,6 Punkte, die Reisebranche mit plus 5,7 Punkten auf 46,7 Punkte und die Konsumgüterindustrie mit plus 5,2 Punkten auf 43,7 Punkte. Versicherungen führen das Branchenranking an. Accenture verweist dabei auf Fortschritte bei der Prozesstransformation und der Modernisierung der Datenbasis.

KI skaliert vom Experiment zur Prozesstransformation

Tobias Regenfuß, verantwortlich für „Digital Core“ - Cloudplattformen, Daten und KI bei Accenture in Zentral- und Osteuropa, ergänzt: „Die Ergebnisse zeigen einen klaren Übergang von der Experimentierphase zur Umsetzung im größeren Maßstab. Immer mehr europäische Unternehmen nutzen KI, um ihre Geschäftsprozesse grundlegend neu zu gestalten. Versicherer etwa setzen KI nicht nur als Turbo in bestehenden Prozessabläufen ein, sondern gestalten diese vollständig neu – auf der Basis von agentischer KI: Standardisierte Schadensfälle können von der Bewertung bis zur Auszahlung automatisiert werden, während komplexe Fälle gezielt an Fachkräfte weitergeleitet werden. Voraussetzung dafür sind saubere, integrierte und zugängliche Daten sowie eine entsprechend qualifizierte Belegschaft.“

Wie misst Accenture die KI-Readiness?

Das Accenture AI Progress Barometer analysiert halbjährlich rund 3.000 der weltweit größten Unternehmen. Bewertet wird auf einer Skala von 0 bis 100. Die erste Ausgabe nutzt das zweite Halbjahr 2025 als Ausgangsbasis und zeigt die Entwicklung bis zum ersten Halbjahr 2026. Die Bewertung basiert auf vier Dimensionen: strategische Ausrichtung, technologische Basis, Mitarbeitende und Kompetenzen sowie Prozesstransformation. Kombiniert werden Daten aus dem AI Index und der CXO-Befragung Pulse of Change.

Quelle: Mit Material von Accenture

FAQ zur KI-Readiness

1. Was bedeutet KI-Readiness?

KI-Readiness beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, Künstliche Intelligenz wirksam zu skalieren und wirtschaftlichen Mehrwert zu erzielen.

2. Wie steht Europa bei der KI-Readiness da? 

Europa verbessert sich, liegt mit 43,1 Punkten aber weiter hinter Nordamerika mit 48,9 Punkten.

3. Warum ist die KI-Readiness in Deutschland kritisch? 

Deutsche Firmen stagnieren laut Accenture bei 41,2 Punkten und kommen besonders im Mittelstand nicht voran.

4. Welche Branchen steigern ihre KI-Readiness besonders stark?

Versicherungen, Reiseunternehmen und die Konsumgüterindustrie verzeichnen die größten Fortschritte.

5. Welche Voraussetzungen sind für eine hohe KI-Readiness erforderlich? 

Dafür sind eine klare Strategie, moderne Daten- und Technologiebasis, qualifizierte Mitarbeitende sowie die konsequente Transformation von Geschäftsprozessen erforderlich.