Moderne Fertigung als Hoffnungssignal: Der Auftragseingang in der deutschen Industrie ist im Mai stärker gestiegen als erwartet.Symbolbild - KI-generiert
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Summary: Destatis meldet für die deutsche Industrie im Mai einen saison- und kalenderbereinigten Anstieg der Aufträge um 1,9 %. Die Daten wurden am Montag in Wiesbaden veröffentlicht. Großaufträge stützten die Entwicklung, während der April-Rückgang weniger stark ausfiel als zunächst gemeldet.
Wie stark ist der Auftragseingang im Mai gestiegen?
Die deutsche Industrie verzeichnet nach dem Rückschlag im April wieder steigende Bestellungen. Der Auftragseingang legte im Mai gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 1,9 % zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
Damit fiel der Zuwachs stärker aus als im Schnitt erwartet. Von Bloomberg befragte Volkswirte hatten lediglich mit einem Plus von 1,1 % gerechnet.
Der Anstieg ist ein Hoffnungssignal für die angeschlagene deutsche Industrie. Allerdings konnte das Plus den Rückgang aus dem April nicht ausgleichen. Im Vormonat waren die Bestellungen um revidierte 3,2 % gesunken. Zunächst war sogar ein Minus von 3,8 % gemeldet worden.
Großaufträge stützen die Entwicklung
Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums setzt sich damit ein positiverer Trend fort. "Zuletzt scheinen die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe jedoch ihrem Aufwärtstrend, der in der zweiten Jahreshälfte 2025 eingesetzt hat, wieder fortzusetzen", kommentierte das Ministerium die Zahlen. Zugleich bleibt die Lage anfällig für Sondereffekte. "Allerdings ist die Entwicklung aufgrund von Großaufträgen nach wie vor sehr volatil."
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Diese Großaufträge trugen im Mai deutlich zur besseren Entwicklung bei. Ohne Berücksichtigung solcher Orders legte der Auftragseingang Industrie im Vergleich zum Vormonat um 1,0 % zu.
Welche Rolle spielen die Auslandsaufträge?
Gestützt wurde die Auftragsentwicklung auch durch die Nachfrage aus dem Ausland. Die Auslandsaufträge stiegen um 2,2 %. Besonders deutlich fiel das Plus aus der Eurozone aus: Die Nachfrage aus den 21 Ländern der Währungsunion legte um 11,2 % zu.
Außerhalb der Eurozone zeigte sich dagegen ein anderes Bild. Dort sanken die Aufträge um 3,2 %. Aus dem Inland kamen ebenfalls positive Impulse: Die Inlandsaufträge stiegen um 1,3 %.
Ökonomen sehen Hoffnung, aber keine kräftige Erholung
Commerzbank-Ökonom Marco Wagner bewertet die Daten als positives Signal für die deutsche Industrie. "Insgesamt machen die heutigen Zahlen Hoffnung auf eine moderate Erholung der deutschen Industrie, die nach einer langen Stagnationsphase zuletzt auch noch vom Iran-Krieg gebeutelt wurde", kommentierte er.
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Wagner verweist dabei auch auf die Entwicklung der Öl- und Gaspreise, die zuletzt deutlich gefallen sind. Die Ölpreise lagen zuletzt unter dem Niveau vor Kriegsbeginn Ende Februar. Ende März war der Ölpreis noch bis auf fast 120 USD je Barrel gestiegen. Am Montag kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent rund 72 USD.
VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel rechnet dagegen nicht mit einer kräftigen Erholung im laufenden Jahr. "Der schrumpfende Automobilbau belastet viele Zulieferer, besonders der Maschinenbau leidet darunter", heißt es in einer Analyse. Zudem bleibe der geopolitische Einfluss spürbar: "Der Iran-Krieg dämpft die positiven Effekte der staatlichen Rüstungs- und Infrastrukturausgaben."
Warum bleibt der Nahe Osten für die Industrie wichtig?
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Entscheidend für die weitere Entwicklung dürfte nach Einschätzung der Ökonomen die Lage im Nahen Osten bleiben. Die Hoffnung auf eine nachhaltige Lösung im Iran-Krieg hatte die Ölpreise zuletzt stark gedrückt. Eine Entspannung am Ölmarkt kann die Industrie entlasten.
Fallende Ölpreise senken zugleich die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank. Die EZB hatte im Juni den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Steigende Zinsen verteuern Kredite, belasten Investitionen und können die Nachfrage schwächen.
Die Unsicherheit bleibt jedoch hoch. Eine erneute Verschärfung der Lage im Nahen Osten könnte die Ölpreise wieder nach oben treiben. Auch das Wirtschaftsministerium verweist auf die hohe Unsicherheit bis zu einem endgültigen Abschluss der Friedensverhandlungen.
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Strukturelle Belastungen bremsen den Standort
Neben den Folgen des Iran-Kriegs sehen Ökonomen weiterhin strukturelle Faktoren, die eine Erholung der deutschen Industrie erschweren. "Die Kosten sind zu hoch, das Regulierungsdickicht ist üppig und der Fachkräftemangel eine reale Herausforderung", kommentierte Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg. "Die Frage ist, ob die jüngsten Reformvereinbarungen der Bundesregierung den Knoten platzen lassen."
Nach Einschätzung von Niklasch stimmt zumindest die Richtung. Eine starke Erholung gilt dennoch nicht als sicher. Wagner verweist auf die "Erosion der Standortqualität" in Deutschland. "Auch wenn das Reformpaket der Bundesregierung in einzelnen Punkten Fortschritte gebracht hat, dürfte es aber keinen Durchbruch in der Breite darstellen."
Die Spitzen der Koalition aus CDU, CSU und SPD hatten am Mittwoch ein umfangreiches Reformpaket beschlossen. Es umfasst vor allem eine Steuerreform mit Entlastungen für niedrige und mittlere Einkommen, eine Rentenreform, eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung sowie Bürokratieabbau.
Etwas Zuversicht liefert auch der vom Institut Sentix erhobene Konjunkturindikator für die Eurozone. Dieser erholte sich im Juli den dritten Monat in Folge. Der Anstieg fiel stärker aus als erwartet. "Rückenwind liefert die deutliche Aufhellung der deutschen Konjunktur", heißt es in der Mitteilung. "Die neuesten politischen Maßnahmen scheinen bei den Anlegern Eindruck zu machen."
Auch andere Frühindikatoren hatten sich zuvor verbessert. Im Juni erholte sich das viel beachtete Ifo-Geschäftsklima. Auch hier wurde auf die Entspannung im Nahen Osten verwiesen.
An den Finanzmärkten wird dennoch weiterhin nur ein schwaches Wirtschaftswachstum erwartet. Die Commerzbank prognostiziert für das laufende Jahr nach den Daten ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,6 %. Die Deutsche Bundesbank hatte ihre Prognose Mitte Juni auf 0,5 % reduziert.
Weiteren Aufschluss über die Lage der Industrie dürften die Produktionsdaten für Mai liefern, die am Dienstag anstehen. Ökonomen erwarten im Schnitt einen leichten Anstieg.
• Was zeigt der Auftragseingang Industrie im Mai? – Der Auftragseingang Industrie stieg im Mai saison- und kalenderbereinigt um 1,9 % gegenüber dem Vormonat.
• Warum ist der Auftragseingang Industrie gestiegen? – Die Entwicklung wurde durch Großaufträge, Auslandsaufträge und eine starke Nachfrage aus der Eurozone gestützt.
• Wie stabil ist der Auftragseingang Industrie aktuell? – Die Entwicklung bleibt volatil, weil Großaufträge die Monatswerte stark beeinflussen können.
• Welche Risiken belasten den Auftragseingang Industrie? – Unsicherheiten im Nahen Osten, hohe Kosten, Regulierung, Fachkräftemangel und die Schwäche im Automobilbau belasten die Erholung.
• Welche Bedeutung hat der Auftragseingang Industrie für den Maschinenbau? – Der Maschinenbau ist besonders von der schwächeren Automobilproduktion betroffen, profitiert aber grundsätzlich von einer breiteren industriellen Nachfrage.