Bundesbank: Verhaltenes Wirtschaftswachstum zum Jahresstart
Trotz massiver Staatsausgaben und steigender Löhne kommt die deutsche Wirtschaft 2026 nur langsam auf Touren. Die Bundesbank bleibt vorsichtig optimistisch.
Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung der Bundesbank (im Bild die Zentrale in Frankfurt) 2026 nur langsam Fahrt aufnehmen.
Bundesbank)
Verhaltene Dynamik zum Jahresbeginn
Die Bundesbank zeichnet in ihrem Monatsbericht für Januar ein zurückhaltendes Bild für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal 2026. Die Stimmung unter den Unternehmen habe sich zuletzt wieder eingetrübt. Dies spreche dafür, „dass die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal des laufenden Jahres nur verhalten zulegen dürfte“, so die Einschätzung der Notenbank.
Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes wuchs das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2025 um 0,2 Prozent. Damit hat die deutsche Volkswirtschaft nur knapp ein drittes Jahr der Stagnation abgewendet. Für das vierte Quartal 2025 rechnen die Statistiker mit einem preis-, saison- und kalenderbereinigten BIP-Wachstum von 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.
Leichte Erholung in der Industrie
Die Bundesbank verweist auf eine Stabilisierung in der Industrie gegen Ende des Jahres 2025. Trotz externer Belastungen – insbesondere durch höhere US-Zölle – zeige sich die Nachfrage aus dem Ausland tendenziell aufwärtsgerichtet. Im Inland sorgen insbesondere Aufträge im Bereich der Militärausrüstung für einen positiven Impuls.
Ein weiterer unterstützender Faktor: Der private Konsum. Die Bundesbank stellt fest, dass „die kräftig gestiegenen Löhne Spielraum für zusätzliche Konsumausgaben“ geschaffen haben. Dies trage zu einer leichten Belebung der wirtschaftlichen Aktivität im Inland bei.
Milliarden für Infrastruktur und Verteidigung
Für das laufende Jahr erwartet die Bundesbank, dass insbesondere staatliche Investitionen für positive Effekte sorgen könnten. Geplant sind hohe Ausgaben in den Bereichen Infrastruktur – vor allem Straßen- und Schienennetze – sowie Verteidigung. Diese Maßnahmen sollen zur Stabilisierung und perspektivischen Stärkung der Konjunktur beitragen.
Langfristig setzen viele Volkswirte jedoch erst ab dem Jahr 2027 auf einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung. Hintergrund ist das Auslaufen der Schuldenbremse: Der Staat plant massive Investitionen, deren Wirkung allerdings zeitverzögert eintreten dürfte.
Mahnung zum effizienten Mitteleinsatz
Die Bundesbank äußert in ihrem Bericht auch deutliche Kritik am Umgang mit den zusätzlichen Finanzmitteln. Sie mahnt: „Das neue Sondervermögen bietet eine gute Chance, die staatliche Infrastruktur zu modernisieren.“ Gleichzeitig warnt sie jedoch davor, die Gelder zweckzuentfremden.
Derzeit plane der Staat – insbesondere Bund, Länder und Gemeinden – in erheblichem Maße, die Mittel „letztlich Finanzierungslücken bei nicht investiven Vorhaben zu schließen“. Eine solche Verwendung würde aus Sicht der Notenbank das Ziel verfehlen, die strukturelle Leistungsfähigkeit der Wirtschaft nachhaltig zu stärken.
Verhaltener Optimismus bei moderatem Wachstum
Die konjunkturelle Lage bleibt angespannt, doch es gibt auch positive Signale. Die Kombination aus steigenden Löhnen, wieder anziehendem Konsum, stabilisierter Industrieproduktion und angekündigten öffentlichen Investitionen deutet auf eine schrittweise Verbesserung hin. Gleichwohl zeigt der Bericht der Bundesbank klar: Ohne eine strategische, zielgerichtete Verwendung der Milliardenmittel droht eine Verpuffung der wirtschaftspolitischen Impulse.
Die Hoffnung auf einen kraftvollen Aufschwung ab 2027 bleibt bestehen. Bis dahin wird viel davon abhängen, ob politische Akteure und Verwaltung es schaffen, die angekündigten Investitionen in reale Zukunftsprojekte umzusetzen – und nicht in kurzfristige Haushaltskorrekturen.
Mit Material der dpa
FAQ zur Einschätzung des Wirtschaftswachstums durch die Bundesbank
Wie stark ist die deutsche Wirtschaft 2025 gewachsen? – Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag das Wachstum bei 0,2 Prozent.
Wie schätzt die Bundesbank den Jahresstart 2026 ein? – Die Wirtschaftsleistung dürfte im ersten Quartal nur verhalten zulegen.
Was treibt aktuell die Industrie an? – Auslandsnachfrage und Inlandsaufträge, insbesondere im Bereich der Militärausrüstung.
Welche Rolle spielt der private Konsum? – Gestiegene Löhne ermöglichen höhere Konsumausgaben und wirken belebend.
Wie sollen die staatlichen Milliarden eingesetzt werden? – In Infrastruktur und Verteidigung, aber die Bundesbank mahnt zur zielgenauen und wirtschaftlichen Verwendung.
Wann rechnen Volkswirte mit einem deutlichen Aufschwung? – Ab 2027, wenn die geplanten staatlichen Investitionen ihre volle Wirkung entfalten.