Das Wort Vielfalt birgt das Verb entfalten. Als moderne und integrative Gesellschaft sollten Communitys wie die LGBT+ eine Selbstverständlichkeit darstellen. Zugehörige Menschen sollten nicht das Gefühl haben, sich in einem nervenaufreibenden, emotionalen Prozess vor der Gesellschaft outen oder gar rechtfertigen zu müssen.

Laut Schätzung des Berliner Marktforschungsinstitutes Dalia Research aus dem Jahr 2017, liegt der Anteil der LGBT+ Personen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland bei 7,4 Prozent. Das sind mindestens 3,1 Millionen Erwerbstätige. Wissenschaftler des Instituts für Diversity- & Antidiskriminierungsforschung erforschten in der Studie „Out im Office?!“ 2017 über zwei Jahre die Themen sexuelle Identität, Geschlechtsidentität, (Anti-)Diskriminierung und Diversity am Arbeitsplatz. Die Studie wird alle zehn Jahre durchgeführt.

Offenerer Umgang mit sexueller Identität

Der Fakt, dass nur ein Viertel bis ein Fünftel der LGBT-Befragten es noch nie für notwendig empfunden haben am Arbeitsplatz ihre sexuelle beziehungsweise Geschlechts-Identität zu verschweigen, bewegt zum Nachdenken. Immerhin sind knapp 76 Prozent der Befragten der Meinung, dass sie - verglichen mit der Situation vor zehn Jahren - heute offener mit ihrer sexuellen Identität am Arbeitsplatz umgehen können. Homosexuelle fühlen sich hier sicherer als Bi- und Transsexuelle: So sind es nur 30 Prozent der lesbischen und schwulen Arbeitnehmer, die mit keinem oder nur wenigen Kollegen offen über ihre sexuelle Identität sprechen. Wohingegen es bei den Bisexuellen 55 Prozent und bei den Transsexuellen sogar 70 Prozent sind, die sich gar nicht oder nur bei wenigen Mitarbeitenden trauen, das Thema anzuschneiden. 

Erfreulich ist die Akzeptanz, die geouteten LGBT-Beschäftigten entgegenkommt. Lesben, Schwule und Bisexuelle erleben sowohl bei Kollegen (94,5 Prozent) als auch bei Führungskräften (91,1 Prozent) positive Reaktionen. Auch Transsexuelle berichten von insgesamt positiven Resonanzen durch Mitarbeitende (85,7 Prozent) und Führungskräfte (85,9 Prozent).

Diskriminierung noch immer ein Thema

Man sollte meinen die Angst vor negativen Reaktionen sei unberechtigt, doch erfahren immer noch 75 Prozent der Lesben und Schwule, 95 Prozent der Bisexuellen und 83 Prozent der Trans-Personen Diskriminierung am Arbeitsplatz. Circa 65 Prozent der LGBT-Beschäftigten spüren Diskriminierung in Form von unangenehmem Interesse am Privatleben, Tuscheln, dem Verbreiten von Lügen und Gerüchten oder dem Lächerlich machen beziehungsweise dem Imitieren von Gesten, Bewegung und Stimme.

Auch werden 42,8 Prozent der Lesben und Schwule, 49,3 Prozent der Bisexuellen und 62,3 Prozent der Transsexuellen ignoriert, nicht ernst genommen oder erfahren Kontaktabbruch. Über ein Viertel der LGBT-Beschäftigten erleben sogar Beschimpfungen oder Beleidigungen. Mobbing, Drohung, Erpressung und Zwangsouting erleiden 24 Prozent der lesbischen und schwulen Beschäftigten, 27,1 Prozent der bisexuellen und 37,3 Prozent der transsexuellen Beschäftigten.

Diversity Index für DAX 30 Unternehmen

Hoffnung auf Besserung macht die Veröffentlichung des DAX 30 LGBT+ Diversity Index der Uhlala Group. Der Index setzt sich aus zehn Fragekategorien zusammen, die das LGBT+ und Diversity-Engagement der Unternehmen hinterfragen. Dabei wurden Gesichtspunkte wie

  • die interne und externe Kommunikation zu LGBT+ Themen
  • die Teilnahme an speziellen LGBT+ Events
  • hauseigene LGBT+ Netzwerke
  • Schulungen und Sensibilisierungs-Programmen für Angestellte sowie
  • die Sprache und Verankerung des Antidiskriminierungsschutzes in den Unternehmensrichtlinien

beleuchtet. Nach einem zuvor definierten Schema, vergab die Uhlala Group Punkte für die gegebenen Antworten.

Die Ergebnisse der Auswertung sind so vielfältig wie der Begriff Diversity selbst: 22 aller 30 Unternehmen betrachten die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität als festen Bestandteil ihres Diversity Managements. Viele der Unternehmen verfügen bereits über interne LGBT+ Netzwerke. 13 der DAX Konzerne unterstützen die Nutzung eines neu gewählten Vornamens durch die Personenstandsänderung. Die Hälfte aller Unternehmen sensibilisiert seine Mitarbeitende durch Schulungen für LGBT+ Themen.

In unserem Ranking nehmen wir die Top 10 der LGBT+ freundlichsten DAX 30 Unternehmen unter die Lupe und beleuchten die unterschiedlichen Schwerpunkte der Konzerne im Hinblick auf Vielfalt und Inklusion.

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